Materialien zur ´Saivâgamaparibhâ.sâmañjarî:

2. Zweierreihen

2. Vers 2.15 bis


von Alois Payer

mailto:payer@payer.de


Zitierweise / cite as:

Payer, Alois <1944 - >: Materialien zur ´Saivâgamaparibhâ.sâmañjarî. -- 2. Zweierreihen. -- 2. Vers 2.15 bis . -- Fassung vom 2004-07-13. -- URL: http://www.payer.de/saivagama/saiv021.htm. -- [Stichwort].

Erstmals publiziert: In Bearbeitung

Überarbeitungen:

Anlass: Lehrveranstaltung SS 2004

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Vers 2.15 - 2.20: jñâna - das Wissen / die Erkenntnis


(Umâpatî'svara: 'Sataratnasangraha, dort dem Devyamâtasûtra zugeordnet)

Die Erkenntnis, das Wissen ist gemäß der Überlieferung zweifach:


Ausgabe:

Umapati Sivacarya: [Sataratnasangraha] Sataratna-sangrahah . [With Sataratnollekhani] / Umapati Sivacarya sangrhitah. Pañcanana Sastri-sampaditah. -- Punarmudrana samskarana. -- Dilli : Bharatiya Vidya Prakasana, 1984. -- 94 S. --  (Sanskrit)(Tantrik texts ; XXII). -- [Erstamals erschienen: Calcutta, 1944]


Umâpati kommentiert:

avabodharûpa.m jñâna.m 'sivasya 'saktir eva
"Die Erkenntnis, die Erwachen ist, ist die 'sakti 'Sivas."

Denn: Gott kann nur durch etwas Gleichwertiges erkannt werden, und das ist seine 'Sakti.


(Kâmikâgama)

Zu Beginn war die Erkenntnis zweifach gemäß der Unterscheidung der dafür Befähigten.

Nach der Unterscheidung in höhere und niedere ist die höhere das Sehen mit dem Herrn als Objekt, die niedre das Sehen mit der gebundenen Seele als Objekt.

Die Erkenntnis, die den 'Siva sehen lässt, ist das höchste Wissen 'Sivas.

Die niedre Erkenntnis durch die Veden usw. ist das Sehen mit der gebundenen Seele und der Fessel als Objekt.

Wie der Sehsinn eines Menschen und einer Katze in der Nacht verschieden ist, so ist die Erkenntnis, die nach höher und nieder unterschieden wird, verschieden.


Ausgaben des Kâikâgama:

[Kāmikāgama] Kāmikāgamah. -- 1975-  -- v. ; 29 cm.  -- [In Sanskrit (Devanâgarî script); introductory matter in English or Sanskrit.]

[Kāmikāgama.]  Kāmikākamam = Kāmikāgamah : Tamil cantirikaiyutan / veliyitupavar Ci. Cuvāmināta Civācāriyar. -- Cennai : Tennintiya Arccakar Cankam, 1977-  . -- v..  -- [In Sanskrit (Grantham script); commentary in Tamil; introductory matter in English or Tamil]
Vol 1. Kiriyā pākap pūrva pākam.


(Vâyavyasamhitâ)

Die Erkenntnis ist zweifach:

Die mittelbare Erkenntnis ist unzuverlässig, die unmittelbare aber ganz zuverlässig.

Mittelbar ist die Erkenntnis, zu der man durch Gründe oder Unterweisung gelangen kann.

Die unmittelbare Erkenntnis ist die beste Erkenntnis der Weisen, die aufgrund der Praxis der Dîksâ bzw. des Yoga entstehen wird.


Vers 2.21: karman - das Karma


(Svayambuvâgama)

Das Karma, welches eine gebundene Seele konsumieren muss, ist zweifach:

Wissender!, dieses Karma hat Bestand solange die Konsumption dauert und es verhindert die doppelte Frucht1.


1 doppelte Frucht = Befreiung von den Fesseln (= Vereinigung mit 'Sakti) und Vereinigung mit 'Siva selbst.


Ausgabe des Svayambhuvâgnma:

[ Svayambhuvāgama. Vidyāpāda. English & Sanskrit.] Svāyambhuvasūtrasamgrahah : Vidyāpādah Sadyojyotiskrtatīkāsahitah = The Tantra of Svayambhū : Vidyāpāda with the commentary of Sadyojyoti / edited and translated by Pierre-Sylvain Filliozat.  -- New Delhi : Indira Gandhi National Centre for the Arts and Motilal Banarsidass Publishers, 1994. -- 144 S. -- (Kalāmūlaśāstra granthamālā ; 13). -- [English and Sanskrit]. -- ISBN 8120811259  


Vers 2.22 - 2.31b: 'sarîra - der Körper


(Suprabhedâgama)

Dieser1 Körper ist zweifach

Wisse, dass der Feinkörper eine Kugelform hat, die sein Wohl und Wehe bewirkt2. Weil er durch Geburt (var. lect: Karna) entsteht, habe ich den Grobkörper kurz als "Geburt und Tod" beschrieben.

[Oder: Weil Geburt und Tod aus Karma entstehen, habe ich den Grobkörper kurz so beschrieben.]


1 Dieser: schließt an 2.31a an

2 die sein Wohl und Wehe bewirkt, d.h. das Karman trägt


(14 = Pau.skarâgam und 'Sivadharmottarâgama; 17 = Siddhatantra, 18 = 'Sivadharmottarâgama))

Ich werde das Kennzeichen des Feinkörpers den Tattvas gemäß kurz beschreiben. Höre!

Das je Seele individuelle Tattva beginnt mit Kalâ1 und endet mit dem Tattva Erde2.

Die Seele betritt wie eine Raupe3 der Reihe nach einen Körper nach dem anderen. Wenn sie den neuen Körper teilweise erreicht hat, verlässt die den alten Körper.

Die Grob- und Feinkörper der gebundenen Seelen sind Schlangen in der Art von Oviparen (Eigeborenen)4.

Und die Körper haben unterschiedliche Daseinsformen (yoni) in der Art wie Yogins in fremde Körper eintreten.

Sobald eine gebundene Seele in einem Feinkörper steht, verbindet sie sich in einem Grobkörper mit der ihr spezifischen Form. Dort konsumiert die der Wirkungen der Taten, die getan wurden in den Zuständen die mit den fünf Zuständen der Seele, wie Wachsein usw.

Nachdem die Seele so sukzessive in allen Daseinsformen herumgewandert ist, gelangt sie nach einiger Zeit zum Dasein als Mensch, welches sehr schwer zu erlangen ist. Unter den menschlichen Daseinsweise ist die Seinsweise als Brahmane äußerst schwer zu erreichen.


(Suprabhedâgama)

Der Körper ist zweifach:

Mannsein ist durch den Penis, Frausein durch die Scheide gekennzeichnet.

Der Penis besteht aus dem HERRN (='Siva), die Scheide aus 'Sakti.

Deshalb ist all dieses Bewegliche und Unbewegliche 'Siva und 'Sakti.


Vers 2.31c - 2.32b: samaya - Lehrrichtungen


Die Lehrrichtung ist zweifach

(Yogajâgama)


1 äußere Lehrrichtung = nicht 'sivaitisch

2 innere Lehrrichtung = 'sivaitisch


Vers 2.32c - 2.46b: dîk.sâ - die Weihe / Initiation


Die Weihe/Initiation ist zweifach

Die Initiation mit einer Stütze ist für die sakala-Seele2, die Initiation ohne Stütze ist für die übrigen3.

Die Initiation ohne Stütze ist zweifach


1 Stütze = der Guru/Âcârya

2 sakala-Seele = sakala-avasthâ = Seelen, die mit den drei Fesseln:Kruste (mala), Karma, Materie (mâya)

3 die übrigen = pralaya-akala und vijnâna-akala

  pâ'sa = Fessel
pa'su = Seele mala = Kruste Karma mâyeya = Materie
sa-kala x x x
pralya-akala x x  
vijnâna-akala x    

Vgl. Aghora'siva

"Auf diese Weise hat er besprochen, wie sich die Kategorie „Herr" aufteilt und teilt nun die Kategorie „gebundene Seele" auf:

8/1.8 Es gibt drei Arten von gebundenen Seelen: vijnânakevalas, pralayakevalas und sakalas. Davon sind die Ersten mit der Kruste (mala) und die Zweiten mit der Kruste und karman verbunden.

Davon - von diesen [drei Arten von gebundenen Seelen]. Die Ersten - die vijnânakevala genannte Gruppe. Es heißt: „Da ihr karman durch Erkenntnis (vijnâna), Yoga und Entsagung oder wegen des Erlebens zerstört wurde" (PMN-Kâr 55cd) - weil also ihr karman zerstört ist und auch keine Bindung durch die für das Erleben des karman notwendigen [tattvas] kalâ usw. vorliegt, besteht für sie ausschließlich noch ihre Kruste.

Die Zweiten - die pralayakevala genannte Gruppe ist, da bei der Auflösung [der Welt] die [tattvas] kalâ usw. zusammengezogen werden, durch die Kruste und das karman gebunden.

9/1.9Die sakalas sind mit einer Kruste, mâyâ und karman verbunden. Unter diesen [drei Seelenklassen] ist die erste [Klasse der vijnânakevalas] zweifach: bei den einen ist die Verunreinigung bereit [entfernt zu werden], bei den anderen noch nicht.

Die sakalas dagegen sind durch die drei Fesseln gebunden. Da eine unmittelbare Verbindung mit der mâyâ nicht besteht, bezeichnet das Wort ,mâyâ" hier die [tattvas] kalâ usw., die aus ihr hervorgehen. Denn allein durch die Bindung an sie, entstehen die sakalas. Wenn daher durch Erkenntnis und die anderen [oben zitierten Hilfsmittel] das karman vernichtet ist, besteht der Körper dennoch eine bestimmte Zeit aufgrund der Wirkung der Dispositionen (samskâra) weiter. Deswegen sprechen die Lehrwerke von ihnen immer noch als sakalas, obwohl sie [nur] noch mit ihrer Kruste und mâyâ verbunden sind. Die Sâmkhya[-Anhänger] sagen:

„Wenn aufgrund des Erlangens der vollkommenen Erkenntnis Verdienst (dharma) und die anderen [Eigenschaften] nichts mehr verursachen, besteht
[der purusa], der einen Körper trägt, dennoch wegen der Dispositionen fort, wie eine in Schwung versetzte Töpferscheibe." (SâmKâr 67)

Weiter mit unter diesen ... Die erste - die [Klasse der] vijnânakevalas hat wieder zwei Untergruppen. „Welches sind die beiden?" Er antwortet: bei den einen ... Die Kruste ist eine Substanz, weil sie unbelebt ist, deswegen kann sie wie beispielsweise die Trübung (pa.tala) des Sehsinnes (cak.sus)reifen. Also meint er mit die erste die [Klasse der] vijnânakevalas, die von zweierlei Art ist, entweder ist ihre Kruste gereift oder nicht.

Weiter [sagt er] zu den beiden [Arten]:

10 / 1.10 Den ersten erweist 'Siva seine Gnade und setzt acht als Vidye'sas ein, die anderen aber macht er zu den 70 Millionen Mantras.

Den ersten - deren Kruste gereift ist, die sich mit Rücksicht auf den Grad der Reifung für die Betrauung mit einem Amt (adhikâra) eignen. Er erweist ihnen seine Gnade und während er ihnen die Kruste fortnimmt, versieht er sie mit Allwissenheit usw. und einem aus bindu bestehenden Körper. Von diesen setzt er acht als Vidye'sas ein, da ihre Kruste in besonderem Maß gereift ist. Dies heißt, er macht sie zu: Ananta, Sûk.sma, 'Sivottama, Ekanetra, Ekarudra, Trimûrti, 'Srikântha und 'Sikhandin. Als Vorsteher (adhi.s.thâtr) über den reinen Bereich führen sie die fünf Handlungen aus. Sie wohnen im î'svaratattva.

Die anderen aber bedeutet, dass er sie zu den 70 Millionen zählenden Mantras macht, von denen nun seine Gnade ausgeht. Sie wohnen im vidyâtattva. Die eine Hälfte von ihnen verwendet 'Siva, gestützt auf einen Lehrer (gurvadhikarana), als Instrument, um im Bereich der sakalas seine Gnade zu erweisen; sie wird bei einer großen Resorption (mahâpralaya) erlöst. Die andere Hälfte jedoch verwendet der nicht unterstützte {niradhikarana) Siva im Bereich der vijnânâkalas usw. und der im Inneren der mâyâ (mâyâgarbha) verpflichteten Mantre'svaras als Instrument [seiner Gnade]. Da sie gleichgültig gegenüber der Betrauung mit einem Amt ist (adhikâravairâgya), wird sie sofort nach der Schöpfung befreit (apâvrtta). Im ehrwürdigen Mrgendra heißt es:

„Diese eine Hälfte, die bedingt ist durch den für ihre Ausführungen (prayokt.r) [benötigten] Körper, betritt, nachdem sie ihre Funktion im gesamten Bereich [der mâyâ] erfüllt hat, am Ende [der Phase] der Erhaltung [der Welt] 'Siva gemeinsam mit ihren Î'svaras. Die andere [Hälfte] ist ohne eine Unterstützung (adhikarana); sie erfüllt die vom Herrn gewünschte Funktion unterhalb [des Bereichs] der Transformation (vik.rti) der Materie (pradhâna) und verschwindet, wenn sich ihr eigener Weg auflöst." (VP 4.7-8)

Im ehrwürdigen Raurava und anderswo heißt es: Die, deren Kruste bis zum äußersten reif ist, sind gleichgültig (anapek.sa) gegenüber einer Betrauung mit einem Amt; sie vereinigt ['Siva] mit dem höchsten Ort. Die, deren Kruste jedoch noch nicht reif ist, bleiben vijnânakalas bis zum Ende der Reifung ihrer Kruste.

11 / 1.11 Wenn die Kruste und das karman der pralayâkalas gereift ist, begeben sie sich fort; die anderen verteilen sich mit achtgliedrigem Körper (purya.s.taka) versehen entsprechend ihrem karman auf die Schöße aller Welten.

Diejenigen unter den pralayâkalas bei denen die Kruste zur Reifung gekommen ist und bei denen gerade wegen dieser Reifung auch ihr karman vollständig gereift ist begeben sich fort - „zur Befreiung" ist dabei zu ergänzen. Denn die vollständige Reifung der Kruste bewirkt durch das Herabstürzen der Sakti (sakti-pâta) die Erlösung. So heißt es im ehrwürdigen Mrgendra:

„Durch das Aufhören (niv.rtti) und das völlige Verlassen (paricyuti) der Funktion der Verdunkelung (tamas) und der 'sakti [Vâmâ], macht Siva, der Freund der Welt, die unbegrenzte Einsicht und Handlung der Seele deutlich." (VP 5.1)

Auch im ehrwürdigen Svâyambhuva [heißt es]:

„Hat die Erkenntnis die Kruste zerstört, dann steht ihr die absolute Erlösung bevor." (VP 1.17cd)

Doch die anderen, deren Kruste noch nicht gereift ist, sind mit einem achtgliedrigen Körper versehen; entsprechend ihrem karman verteilen sie sich, um dieses [karman] zu erleben, auf die Schöße aller Welten - auf die Körper, die aus den Welten hervorgehen. Das vorher stehende Verb ist auch auf diesen Teil der Aussage zu beziehen."

[Übersetzung: Gengnagel, Jörg <1960 - >: Mâyâ, Puru.sa und ´Siva : Die dualistische Tradition des ´Sivaismus nach Aghorâ´sivâcâryas Tattvaprakâ´sav.rtti. -- Wiesbaden : Harrassowitz, 1996. -- XII, 186 S.. -- (Beiträge zur Kenntnis südasiatischer Sprachen und Literaturen ; 3). -- Zugl.: Tübingen, Univ., Diss., 1994. -- ISBN: 3-447-03832-2. -- S. 98 - 103]


'Siva allein erbarmt sich1 des Vijnânâkala und des Pralayâkala.









Vers 2.46c - 2.52b: 'saktinipâta - das Herabfallen der 'Sakti [bei der Gnade]





Vers 2.52c - 2.54: 'saivasa.mhitâ - 'Sivaitische kanonische Schriften



Vers 2.54 - 2.58: âtma'suddhi - Reinigung des Selbst




Vers 2.59 - 2.60b: mantra - das Mantra



Vers 2.60c - 2.65: pûjâ - Andacht





Vers 2.66 - 2.67b: calalinga - das bewegliche Lingam



Vers 2.67c - 2.68: vahnikârya - der Feuerkult



Vers 2.69 - 2.71b: linga - das Lingam