Datenbankaufbau : Skript

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Laufkäfer, Käferdatenbank South Kensington

Kapitel 7: Formate in bibliographischen Datenbanken


von Margarete Payer & Alois Payer

(mailto: payer@hdm-stuttgart.de


Zitierweise / cite as:

Payer, Margarete <1942 - >: Datenbankaufbau : Skript / Margarete Payer & Alois Payer. -- Kapitel 7: Formate in bibliographischen Datenbanken. -- Fassung vom 2014-03-16. -- URL:  http://www.payer.de/dbaufbau/dbauf07.html. -- [Stichwort].

Überarbeitungen: 1997-05-15; 2001-05-27; 2002-05-14; 2009-03-14; 2010-03-14 [Aktualisierung wegen MA LIS]; 2013-06-20; 2014-03-16

Anlass: Lehrveranstaltungen an der HdM Stuttgart; MALIS (FH Köln)

Unterrichtsmaterialien (gemäß § 46 (1) UrhG)

©opyright: Dieser Text steht der Allgemeinheit zur Verfügung. Eine Verwertung in Publikationen, die über übliche Zitate hinausgeht, bedarf der ausdrücklichen Genehmigung der Verfasserin.

Dieser Text ist Teil der Abteilung Datenbankaufbau von Tüpfli's Global Village Library


7.0. Übersicht



7.1. Warum braucht man ein Format?


Die Antwort ergibt sich aus der Frage, was ist ein Format?

Als Format bezeichnet man die Absprachen (Konventionen)
  • zur Erfassung
  • maschinellen Interpretation (z.B. Nichtsortierzeichen)
  • und Verarbeitung von Katalogisierungsdaten

7.2. Formatarten


Für die Bearbeitung unterscheidet man Intern- und Externformat:

In der Anwendung unterscheidet man Institutionen spezifische Formate, Austauschformate (nationale und internationale) und "Verbundformate".


7.3. Grundlage für ein Format


Als Grundlage für ein Format galt bisher das jeweilige Regelwerk für die Erschließung (formale und sachliche Erschließung). Eine nicht ganz einfache Aufgabe ist es, die Vorschriften eines neuen Regelwerks in ein bestehendes Format einzuarbeiten (s. unten unter MARC 21) 

Ein Regelwerk schreibt mindestens vor:
  • welche Informationen erfasst werden müssen (die Elemente und ihre Reihenfolge sind in den ISBD's festgelegt)
  • welche Zugangspunkte angeboten werden sollen (Eintragungen usw.)
  • in welcher Form diese Zugangspunkte angeboten werden sollen (Ansetzungsfragen)

Darauf aufbauend entwickelt man ein Pflichtenheft:

Ein Pflichtenheft enthält u.a. Anweisungen für den
  • Programmierer, insbesondere muss aufgeführt werden:
    • welche Elemente müssen erfassbar sein?
    • welche Elemente müssen suchbar sein?
    • welche Verknüpfungen sind verlangt?
    • wie soll geordnet werden?
  • Für den OPAC ist zusätzlich ein Pflichtenheft zu erstellen: u.a.
    • für die Anzeige der Daten auf dem Bildschirm
    • für die Benutzerführung
    • für Hilfsbildschirme

7.4. Aufbau von Formaten und Folgen für den Datenaustausch


Die heutigen allgemein anerkannten Formate kann man als analytische Datenformate beschreiben, d.h. die Titelaufnahmen sind in elementare Kategorien oder Felder aufgeteilt. Anders ausgedrückt: die Titelaufnahme ist in einzelne Elemente aufgeteilt, die je eine sachliche Einheit darstellen.

Die Abfolge der Elemente wird unterschiedlich gehandhabt. Grundsätzlich kann man sich an der Reihenfolge in einer Titelaufnahme nach ISBD und mit traditionellen Köpfen und Nebeneintragungen orientieren wie die MARC-Formate. Man kann aber auch sachlich zueinander passende Elemente in Segmenten anordnen wie MAB (Maschinelles Austauschformat für Bibliotheken, das deutsche Austauschformat) und wie UNIMARC (das internationale Austauschformat). Diese Abfolge ist für einen Datentausch unerheblich.


Schwierig wird es erst für den Austausch, wenn ein Format in einem Feld oder in einem Unterfeld mehrere bibliographische Elemente zusammenfasst, wie es MARC tut. MAB nimmt pro variablem Feld im allgemeinen nur ein bibliographisches Element

z.B. Feld 245 in USMARC ohne Unterscheidung, was der Paralleltitel ist, und MAB mit einem eigenen Feld für den Paralleltitel.

Es ist auch unterschiedlich festgelegt, ob eine Aufnahme in einem Datensatz oder in mehrere aufgeteilt werden soll. So werden in US-MARC sämtliche Angaben zum mehrbändigen Werk in einem Satz angegeben, MAB bildet in solchen Fällen mehrere zueinander gehörende Sätze (Hauptsätze, Untersätze und in MAB 1 Nachsätze); diese Sätze stehen in einem hierarchischen Verhältnis zueinander (im Nachsatz standen Ansetzungsformen für Nebeneintragungen von beigefügten und enthaltenen Werken). UNIMARC ist flexibel.

Neben diesen Problemen für die Umsetzung muss man u.a. noch fertig werden mit unterschiedlichen Zeichencodes, unterschiedlichen Steuerzeichen (z.B. Nichtsortierzeichen) und unterschiedlichen Verknüpfungsstrukturen. (Die größten Probleme für den Austausch bereiten allerdings nicht die Formate sondern die dahinterliegenden Regelwerke.)

Die allgemein anerkannten Formate orientieren sich heute im allgemeinen an nationalen bzw. internationalen Normen. Unabdingbar für einen Austausch ist das Einhalten bestimmter Vorschriften (Protokolle) -- heute oft noch eine normierte Struktur der Daten auf Magnetbändern, mehr und mehr aber normierte Strukturen für den Austausch über File transfer. Dafür wurde die ISO Norm 2709 Documentation -- Format for bibliographic information interchange on magnetic tape (vgl. DIN 1506) entwickelt.

Danach bestehen die Datensätze je aus 3 Teilen:

Record label (wie der Vorspann zu einem Film) enthält die für die Identifizierung und Bearbeitung des Satzes wichtigen Angaben und solche Daten, die im direkten Zugriff stehen sollen z.B. Länge des Satzes der laufenden Identifikationsnummer der Austauscheinheit


Inhaltsverzeichnis wie Seitenangabe in einem Buch. (MAB 2 verzichtet inzwischen auf das Inhaltsverzeichnis.)

Quelle: Magnetband-Austauschformat für Dokumentationszwecke : MADOK. - München, 1977. - S. 16


Variable Datenfelder

Quelle: Magnetband-Austauschformat für Dokumentationszwecke : MADOK. - München, 1977. - S. 16


Übereinstimmend ist damit die logische und physikalische Gliederung der bibliographischen Daten, aber wie oben schon angedeutet nicht die Struktur des Dateninhalts.


Beispiele aus einem MARC-record:

(¶=Feldendezeichen)

Leader: 0-23

00515namØØ2200145ØØØØØØØ

Directory: 24-144

001001300000008004100013050001800054082001600072100002300088 usw.

Variable data fields:


7.5. Kriterien bei der Auswahl eines Formats


Im Zeitalter der Vernetzung von Bibliotheken wird man wohl selten die Möglichkeit haben ein Format auszuwählen, denn zumindest für die Bibliotheken innerhalb der deutschen (und österreichischen) Verbünde ist das eine bibliothekspolitische Frage. Trotzdem sollen hier einige Kriterien zur Auswahl genannt werden:


7.6. Welche Formate?


Es geht hier um die Formate, die sich durchgesetzt haben. Abgesehen von den selbstgestrickten Formaten für Kleinstanwender sind das die internationalen Austauschformate (Formatfamilie MARC und das offizielle internationale Austauschformat UNIMARC), die nationalen Austauschformate (z.B. bisher MAB  für deutsche und österreichische RAK-Anwender) und die Spezialformate der Verbünde, die aber im allgemeinen eine Weiterentwicklung eines nationalen oder internationalen Formats sind.

Ein neues Modell ist in Planung: s. 7.7 Bibframe


7.6.1. US-MARC


MARC (machine-readable cataloging) wurde seit 1966 von der LoC benutzt, um ihre Daten per Magnetband an Bibliotheken zu senden. Die Bibliotheken nutzten diese maschinenlesbaren Daten zum Druck von Kartenkatalogen, Listenkatalogen, Bibliographien u.ä. Diese Ausrichtung auf den Kartenkatalog haben die amerikanischen MARC-Formate heute noch. Die LoC hatte im Laufe der Zeit für verschiedene Materialien je verschiedene MARC-Formate entwickelt, und zwar entsprechend den AACR für

Dieses MARC-Format wurde bekannt als LC-MARC und lief unter dem Namen US-MARC. Die MARC-Formate der großen US-Verbünde -- OCLC-MARC, RLIN-MARC, WLN-MARC -- sind voll kompatibel mit US-MARC, daher war die Übernahme der Verbünde RLIN und WLN durch OCLC erheblich erleichtert. Anfang der 80er Jahre wurde das Format an AACR2 angeglichen. Damit waren gleichzeitig die Forderungen der ISBD's erfüllt.

Seit 1996 wurde Integrated MARC eingesetzt. Es handelt sich um eine Zusammenfassung der nach Materialien getrennten MARCFormate, da es teilweise schwierig war, eine Vorlage einem bestimmten Format zuzuordnen z.B. was nimmt man, wenn die Vorlage eine Zeitschrift in Mikroform ist?

US-MARC in seiner Weiterentwicklung MARC 21 ist vor allem dadurch so interessant, weil damit große Datenbestände erfasst sind -- nämlich nicht nur die Daten der LoC, sondern auch die Datenbank von OCLC, zur Zeit (Februar 2013) etwa 290 Millionen Titel (mit unzähligen Millionen von Bestandsnachweisen).


7.6.2. UK-MARC


UK-MARC (United Kingdom) wurde von der British Library (BL) für die British National Bibliography entwickelt, und gerade in dieser speziellen Zielsetzung lagen dann auch die Unterschiede zu US-MARC.

Seit 1968 unterlag UK-MARC ebenfalls einigen Änderungen: so musste es an AACR2 und die ISBD's sowie für die Aufnahme weiterer Materialien angepasst werden. Man hat dabei auf die Einführung internationaler Standards geachtet, um besser austauschen zu können.

Die Unterschiede zwischen US-MARC und UK-MARC bestehen u.a. darin, dass UK-MARC weiter untergliedert. Z.B. werden Paralleltitel in einem eigenen Unterfeld angegeben (245 subfield $k). Auch sieht UK-MARC im Unterschied zu US-MARC hierarchisch gegliederte mehrbändige Werke (analytische Levels) vor. s. UK-MARC Manual p. 5/76 und p. 5/35 multilevel description.


7.6.3. MARC 21


Seit etwa 1996 bemühte man sich darum, die unterschiedlichen MARC-Fassungen der USA, Kanadas und Großbritanniens in Übereinstimmung zu bringen. Z.B. hat man sich inzwischen auf gleiche Codes geeinigt (z.B. den Alpha-3-Code [dreistelliger Ländercode] genommen). Auf der Grundlage eines harmonisierten CAN/MARC - USMARC-Formats wurde inzwischen das UK-MARC eingeschlossen. Man erwartet, dass weitere MARC-Formate entsprechend überarbeitet werden. Die National Library of Canada begann mit dem Einsatz 1999, die LoC im Januar 2000 und die BL  2001. Im Laufe des Jahres 2009 ist MARC 21 als Austauschformat für die deutschen Verbünde und die DNB übernommen worden.

MARC 21 besteht aus folgenden Teilen:

Eine hervorragende Einführung in MARC 21 findet man unter dem Titel:

 Understanding MARC bibliographic : machine-readable cataloging / written by Betty Furrie in conjunction with the Data Base Development Department of The Follett Software Company. - 8. ed. - Washington, D.C. : Library of Congress, 2009. - URL: http://www.loc.gov/marc/umb/  . - Zugriff  am 2014-03-16.

Alle Formatteile und weiteres zu MARC 21 findet man unter: http://www.loc.gov/marc/ Zugriff 2014-03-16. Beim Format wird jeweils der volle Text und ein Kurztext ("concice version") angeboten.

Als Beispiel für das Format für bibliografische Daten: einige wichtige Felder (tags) mit ihren beiden Indikatoren und Unterfeldern (nicht jedes Feld hat Indikatoren oder benötigt beide Indikatoren). Felder können wiederholbar sein: R bzw NR für nicht wiederholbar. Sind keine Indikatoren vorhanden, kennzeichnet man das mit ##; Unterfelder werden mit $ und einem Buchstaben oder einer einstelligen Zahl eingeführt.  Im Folgenden ist nur angegeben, was man für eine einfache Titelaufnahme benötigt.

010 ## $a : Nummer des Datensatzes

020 ## $a ISBN : $c z.B. der Preis

100 Haupteintragung für den 1. Verfasser, daher nicht wiederholbar. Es gibt einen Indikator mit 3 Festlegungen: 0 = Vorname oder 1 = Nachname oder 3= Familienname

100 1# $a Personennamen, $d Lebensdaten

240 Einheitstitel (Uniform title): nicht wiederholbar; 2 Indikatoren, der 2. Indikator (0 - 9) zeigt an, wie viele Stellen beim Sortieren übergangen werden müssen

240 10 $a Einheitstitel; $l Sprache des Werks; $f Datum des Werks

245 Angabe des Sachtitels und Verfasserangabe. Der 1. Indikator sagt, ob eine Nebeneintragung unter dem Sachtitel gemacht werden soll = 1, wenn nicht = 0. Der 2. Indikator zeigt an, wie viele Stellen beim Sortieren übergangen werden müssen.

245 10 $a Hauptsachtitel : $b Zusatz zum Sachtitel / $c Verfasserangabe

250 ## $a Ausgabebezeichnung

260 ## $a Erscheinungsort (wiederholbar) : $b Verlag (wiederholbar), $c Erscheinungsdatum (wiederholbar)

300 ## $a Umfangsangabe : $b Illustrationsangabe; $c Format (in cm)

490 1# $a Gesamttitel ; $v Zählung

500 ## $a allgemeine Fußnote

600 : die 600er Felder enthalten verschiedene Arten von Schlagworten z.B.

600 10 $a Subject added entry - Personal name (die Indikatoren sagen: 1 = moderner Personenname, 0 = LoC Subject Heading)

700 : die 700er enthalten die Nebeneintragungen z.B.

700 1# $a Personennamen, $d Lebensdaten, $e Relator term  (Indikator 1 s. oben)

 

MARC 21 wird zur Zeit fortgeschrieben, um Vorschriften des neuen Regelwerks RDA zu ermöglichen. Es muss überprüft werden, welche Felder, die nach den Regeln von AACR2 belegt sind, für die Regeln der RDA genutzt werden können. Wegen des großen einzubringenden Altbestands kann man Felder, Unterfelder, Codes usw. nicht uminterpretieren. Alle alten Felder usw. müssen erhalten bleiben, sollten sie nicht mehr gebraucht werden, erklärt man sie zu Feldern, die nicht angewendet werden dürfen. Wegen neuer Regeln müssen neue Felder und/oder Unterfelder geschaffen werden, auch neue Codes werden eingeführt. Z.B. sind bisher Attribute (z.B. Geburtsdatum) zu Namen im Feld für die Namensansetzung angegeben worden, inzwischen hat man mit der Einführung neuer Felder die Möglichkeit einer getrennten Erfassung der Attribute geschaffen; z.B. "374 - Occupation (R)" und "376 - Family Information (R)" [Das "R" steht für "wiederholbar", d.h. man kann mehrere Berufe und mehrere Familien angeben.].

Weiterhin muss man die nach RDA über 400 möglichen Beziehungen, die es zwischen Werk, Expression, Manifestation und Exemplar geben kann, im Format darstellen. Die Beziehungen zwischen Namen und Ressourcen können vollständig erst ins Format übertragen werden, wenn die entsprechenden Forderungen der RDA endgültig auf dem Tisch liegen [diese und weitere Angaben findet man in "RDA in MARC" - October 2012. - http://www.loc.gov/marc/RDAinMARC29.html Zugriff 2014-03-16]


7.6.4. INTERMARC


Neben einer ganzen Reihe von weiteren nationalen MARC-Formaten (z.B. CanMARC für Canada oder MalMARC für Malaysia) soll INTERMARC hervorgehoben werden, weil man mit diesem Format versuchte, ein allgemeines Austauschformat für Westeuropa zu schaffen. Entwickelt wurde dieses Format von Frankreich, Belgien und der Schweiz unter Beteiligung weiterer westeuropäischer Länder. Angewendet wurde INTERMARC letztendlich nur von der Bibliotheque Nationale, Paris, und zwar seit 1975. 1980 beschloss man, INTERMARC soweit wie möglich an das neue internationale Format UNIMARC anzupassen, wodurch ein Datenaustausch zwischen den beiden Formaten sehr erleichtert wurde. INTERMARC sieht Verknüpfungen zwischen bibliographischer Beschreibung und Normansetzungen vor.


7.6.5. UNIMARC


Ab Mitte der 70er Jahre begann die IFLA das Austauschformat UNIMARC [UNIMARC bibliographic in kompletter und in verkürzter Form mit dem Stand 1.3.2000 unter: http://archive.ifla.org/VI/3/p1996-1/sec-uni.htm Zugriff am 2013-06-20] zu entwickeln. Es sollte die Voraussetzung für ein internationales MARC-Netzwerk sein. Man schlug damals vor, dass Nationalbibliotheken mit bestehenden Formaten Programme entwickeln, mit denen ihre Daten in UNIMARC umgesetzt werden können, bzw. dass Nationalbibliotheken, die neu anfangen, UNIMARC selbst oder eine eigene Anpassung an UNIMARC nutzen. Praktisch kann man heute von einer ganzen Reihe von nationalen bibliographischen Zentren Daten in UNIMARC erhalten, z.B. aus den USA, Frankreich, Deutschland (Die Deutsche Bibliothek ab Januar 1992). Mehrere  Nationalbibliotheken nutzen UNIMARC als eigenes Erfassungsformat: z.B. Portugal, Griechenland, Indien. Für das neue italienische Regelwerk REICAT wird die Anwendung von UNIMARC vorgeschlagen.

Die neueste Ausgabe: UNIMARC manual : bibliografic format / ed. by Alan Hopkinson. - 3. ed. - München : Saur, 2008. - 760 S. - (IFLA series on bibliographic control ; 36) - ISBN 978-3-598-24284-7

Mit UNIMARC können die zur Zeit in Bibliotheken gängigen Materialien katalogisiert werden, also auch Karten, Musikalien, Tonträger, Graphika, AV-Materialien. Felder für Computerfiles sind vorgesehen. Das Format ist für viele Regelwerke anwendbar, setzt allerdings die Anwendung der verschiedenen ISBD's voraus. UNIMARC schreibt aber nicht die Form der Ansetzung vor (die Köpfe), weil in diesem Punkt die nationalen Regelwerke weit auseinandergehen. Damit man aber auch z.B. Namensansetzungen austauschen kann, sollte zusammen mit UNIMARC das UNIMARC format for authorities [http://archive.ifla.org/VI/8/projects/UNIMARC-AuthoritiesFormat.pdf Zugriff 2013-06-20] angewendet werden. Dieses ist erst 1991 fertiggestellt worden.

Die neueste Ausgabe: UNIMARC manual : authorities format / ed. by Mirna Willer. - 3. ed. - München : Saur, 2009. - 309 S. - (IFLA series on bibliographic control ; 38) - ISBN 978-3-598-24286-1 [Eingearbeitet sind Konzepte des FRAD-Modells (Functional requirements for authority data) und des Statement of International Cataloguing Principles. ]

[Die folgenden Aussagen zu UNIMARC beziehen sich auf den Stand von 1996:] Um auch für kleinere Institutionen flexibel in der Anwendung zu bleiben, hat UNIMARC nur wenige Pflichtfelder. Mindestens muss im bibliografischen Teil folgendes belegt sein:

Struktur:

Das Format ist gemäß ISO 2709 (Format for Bibliographic Information Interchange) strukturiert:

In jeder Titelaufnahme werden 4 Teile unterschieden:

Das, was wir als eigentliche Titelaufnahme bezeichnen würden, findet im Teil variable data fields statt. Zur Zeit handelt es sich dabei um 141 Felder. Ein solches variable field beginnt immer mit zwei Stellen, den Indikatoren. Indikatoren geben zusätzliche Informationen zum Datenfeld. Das können auch oft, z.B. bei Fußnoten, Leerstellen sein.

Da in allen MARC-Formaten die Felder nochmals in Unterfelder unterteilt sind, folgt auf die Indikatoren die Bezeichnung für das erste Unterfeld.


Beispiel für ein variables Datenfeld in UNIMARC

Ø1$aSmith$bDavid$d1901-


Durch diese Unterfelder kann man einzelne Elemente im Feld direkt ansprechen.

Neben diesen variablen data fields gibt es die variablen control fields . Sie unterscheiden sich von den data fields dadurch, dass es keine Unterfelder und keine Indikatoren gibt. Zur Zeit gibt es nur zwei Felder dieser Art, allerdings ist das Pflichtfeld mit der Identifikationsnummer (record identifier) darunter.

Jedes variable Feld wird durch ein Feldendezeichen beendet. Vorausgehen muss diesen variablen Feldern das directory (Inhaltsverzeichnis): hier werden die dreistelligen Feldnummern eingetragen, zusätzlich wird angegeben, wie lange das Feld ist, und wo es anfängt.

Durch dieses vom eigentlichen Feld getrennte directory erreicht man, dass die Feldlänge flexibel ist. Außerdem ermöglicht das directory einen schnelleren Zugriff auf das einzelne Element der Titelaufnahme und ein schnelleres Laden.

Den festen Feldern des directory geht ein festes Feld mit dem record label (Satzkennung) voraus. Der ISO-Norm entsprechend werden hier Aussagen über die Struktur der Aufnahmen gemacht, z.B. die Länge der Indikatoren. Es wird auch angegeben, wo die variablen Felder beginnen.

Mit dem directory und dem genannten Teil des record label muss sich der Titelaufnehmer nicht beschäftigen: das erledigt das Computerprogramm. Der zweite Teil des record label muss allerdings vom Katalogisierer eingegeben werden: angegeben werden muss:


Gliederung des Formats UNIMARC:


Das Format ist in Segmente -- die sogenannten Blöcke -- aufgegliedert. Jeweils in einem 100er-Block werden inhaltlich zusammengehörige Dinge zusammengefasst. Z.B. sind im 700er-Block alle beteiligten Personen und Körperschaften vermerkt.

Die generelle Blockstruktur ist folgende:

0-- Identifikation (identification block) (z.B. ISBN, Nationalbibliographie-Nummer usw.)


Nach den Erfahrungen mit INTERMARC muss man sich fragen, wie weit UNIMARC sich wohl durchsetzen kann.

Von der IFLA wird das Format immer noch unterstützt (es ist eine zentrale Aufgabe der IFLA ["IFLA Core activity UNIMARC"]). Immerhin hatten sich die EG-Bibliotheken 1991 in Florenz entschlossen, UNIMARC zum gemeinsamen Austauschformat zu nehmen. Außerdem ist eine auf UNIMARC basierende CD-ROM erschienen, die gemeinsame Daten der sieben Nationalbibliotheken von Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande und Portugal enthält. Im Jahr 2000 haben 22 Institutionen UNIMARC als Austauschformat eingesetzt, 10 als Internformat und 17 werden als sonstige Anwender bezeichnet.

In der UNIMARC community wird zur Zeit die Anwendung des Formats für das neue Regelwerk, die Übertragung in Webanwendungen und das Zusammenwirken mit anderen Datenstandards diskutiert:

vgl. Dunsire, Gordon: UNIMARC, RDA and the semantic web. - 2009. - http://conference.ifla.org/past/ifla75/135-dunsire-en.pdf Zugriff 2013-06-20

 


7.6.6. MAB


Das Maschinelle Austauschformat für Bibliotheken hat seine Anfänge in der Deutschen Bibliothek ab 1973. Seit 1996 - nach einer durchgreifenden Revision - wird MAB als MAB2 verbreitet. Zur Zeit wird MAB2 durch MARC 21 abgelöst. Da aber vor allem nicht zu Verbünden gehörende Bibliotheken noch auf MAB2 angewiesen sind, hatte die Deutsche Nationalbibliothek versprochen, MAB2 noch bis 2015 zu pflegen. Der MAB-Dienst wird zum 30. Juni 2013 eingestellt.

 MAB ermöglicht den Austausch von bibliographischen Daten, Norm- und Lokaldaten. MAB2 war u.a. nötig geworden, um den Tausch in Online-Umgebungen zu ermöglichen. Ein MAB2-Datensatz besteht nur noch aus der Satzkennung (allgemeine Verarbeitungsinformationen z.B. Satzlänge und allgemeine Angaben zum Inhalt des Datensatzes z.B. ob es sich um eine neue Aufnahme handelt) und den variablen Datenfeldern.

Die variablen Datenfelder bestehen aus der Feldkennung, einem Indikator, den variablen Daten und dem Feldendezeichen. Je nach dem Inhalt des Feldes können diese Felder wiederholbar sein, Unterfelder (wie in den MARC-Formaten) und Teilfelder haben und obligatorisch sein.

MAB2 besteht aus fünf Formaten:

  1. MAB-Titel
  2. MAB-PND
  3. MAB-GKD
  4. MAB-SWD (Schlagwortnormdatei)
  5. MAB-LOKAL

Dazu kommen die provisorischen Teile: MAB-ADRESS (Adressen und Bibliotheksdaten) und MAB-NOTAT (Klassifikation und Notation).

Die fünf Formate findet man in einer Online-Kurzreferenz-Version mit Stand November 2001 unter URL: ftp://ftp.ddb.de/pub/mab/titelmab.txt  . - Zugriff vom 2013-06-20. Diese Version bietet eine inhaltliche Übersicht einschließlich der jeweiligen Indikatoren und Kodierungen.

Als Besonderheit bei MAB sind die unterschiedlichen Satzarten zu nennen. In MAB 2 handelt es sich  um den Hauptsatz (=h), den Untersatz (=u) und den Exemplarsatz (=e; Lokaldaten für ein Werk). Ein Hauptsatz ist ein selbständiger Datensatz oder der oberste Datensatz in einer Hierarchie.  Während der Hauptsatz  sich auf die Titelaufnahme einbändiger Werke, auf Stücktitel und Gesamtaufnahmen bezieht, ist der Untersatz für die Bandaufführung mehrbändiger Werke und fortlaufender Sammelwerke zu nehmen. Namensdatensätze, Schlagwortdatensätze, Lokaldaten und Pauschalverweisungsdatensätze sind ebenfalls Hauptsätze.

Gegenüber MARC 21 zeichnet sich MAB durch die schon im Format gegebenen Verknüpfungsmöglichkeiten aus, wodurch die Anforderungen der FRBR leichter erfüllt werden könnten:

  1. können mit Haupt- und Untersätzen bibliographische hierarchische Strukturen abgebildet und verknüpft werden (z.B. mehrbändige begrenzte Werke mit Bandaufführung, fortlaufende Sammelwerke mit Bandaufführung)
  2. können in MAB-Titel weitere Beziehungen unterschiedlicher Datensätze durch Verknüpfung hergestellt werden (Stücktitel - Gesamttitel; unselbständig erschienenes Werk - selbständig erschienenes Werk; reziproke/nichtreziproke Beziehungen zwischen Werken z.B. bei Parallelausgaben)

7.7. bibframe


Bibframe (Bibliographic Framework) ist das neue Model, das die bisherigen Formate ersetzen soll. Das Model soll nicht auf ein bestimmtes Regelwerk ausgerichtet sein.

Begründung für den neuen Ansatz:

Das Ziel:

Basis:

Verantwortliche Organisationen u.a.:

Besonders herausgearbeitet werden drei  Forderungen:

  1. Es soll klar unterschieden werden zwischen dem begrifflichen Inhalt und seiner physikalischen Erscheinung (also zwischen der abstrakt gedachten Entität Werk und seiner Manifestation (!Bibframe verwendet "instances" statt "manifestation").
  2. Der Schwerpunkt soll auf eindeutig zu identifizierenden Informations-Entitäten liegen (z.B. Verfasser).
  3. Die Beziehungen zwischen und innerhalb der Entitäten sollen hervorgehoben werden.

In einer vernetzten Welt ist es wichtig, dass man Bibliotheksdaten so zitiert, dass nicht nur zwischen dem gedanklichen Werk (Titel und Verfasser) und seinen physikalischen Details seiner Manifestation unterschieden wird sondern auch die Entitäten, die am Verfassen einer Ressource beteiligt sind, und die  Begriffe, die mit der Ressource verbunden sind, mitgeführt werden. Die bisherige Praxis, dass Katalogeinträge unabhängig von anderen Einträgen zu verstehen sind, wird aufgehoben. Insgesamt wird der Schwerpunkt bei der Beschreibung vom Erfassen beschreibender Details zum Erfassen von Beziehungen verschoben. Wichtig sind dabei die Beziehungen, die man außerhalb der traditionellen Bibliotheken findet. Als Beispiel werden die Hinweise von Amazon auf ähnliche Bücher, für die ein Kunde sich interessieren könnte, genannt. [Die Darstellung von bibframe ist entnommen aus: Library of Congress: Bibliographic framework as a web of data : Linked Data Model and Supporting Services. - Washington, DC, November 21, 2012. - http://www.loc.gov/marc/transition/pdf/marcld-report-11-21-2012.pdf -- Zugriff am 2013-06-20]

Das Model besteht aus den folgenden Hauptklassen:


Beispiel aus dem genannten Text:

"Serializing the BIBFRAME model

There can be several serializations of the BIBFRAME Linked Data model. The following XML serialization (of the RDF data model), while subject to change, is provided as a concrete example. This example is designed to provide a serialized encoding of a particular Work, itscorresponding Instances and associated Authority information. The Work in question is the ‘Functional Requirements for Bibliographic Records: Final Report’.

The original BIBFRAME record associated with item is available here http://lccn.loc.gov/2001433363.

Three Instances (one physical, one PDF, and one HTML web site) along with the associated Authority information (subjects, authors, publishers, etc.) are included in this example. The  following example does not reflect a full MARC 21 to BIBFRAME mapping. Links in the  following examples are included to illustrate the use of using URLs for defining BIBFRAME resources, the URLs themselves are not valid.

<!-- Work -->

<Report id = "http://bibframe/work/frbr-report">

<title>Functional requirements for bibliographic records :</title>

<titleRemainder>final report / IFLA Study Group on the Functional Requirements for Bibliographic Records ; approved by the Standing Committee of the IFLA Section on Cataloguing.</titleRemainder>

<creator resource = "http://bibframe/auth/org/ifla" />

<subject resource = "http://bibframe/auth/topic/cataloging" />

<subject resource = "http://bibframe/auth/topic/bibliography" />

<subject resource = "http://bibframe/auth/topic/frbr" />

<abstract>The purpose of this study is to delineate in clearly defined terms the functions performed by the bibliographic record with respect to various media, various applications, and various user needs. The study is to cover the full range of functions for the bibliographic record in its widest sense- i.e., a record that encompasses not only descriptive elements, but access points (name, title, subject, etc.),  other 'organizing' elements (classification, etc.), and annotations. </abstract>

<language>English</language>

<hasInstance resource="http://bibframe/inst/frbr-1997-09-01:0" />

<hasInstance resource="http://bibframe/inst/frbr-1997-09-01:1" />

<hasInstance resource="http://bibframe/inst/frbr-1997-09-01:2" />

</Report>

<!-- Instance -->

<HardcoverBook id="http://bibframe/inst/frbr-1997-09-01:0">

<date>1998</date>

<place resource=”http://bibframe/auth/geo/münchen” />

<publisher resource="http://bibframe/auth/org/k.g.saur" />

<isbn>359811382X</isbn>

</HardcoverBook>

 

<!-- Instance -->

<DigitalResource id="http://bibframe/inst/frbr-1997-09-01:1">

<link>http://www.ifla.org/files/cataloguing/frbr/frbr_2008.pdf</link>

<format>application/pdf</format>

<date>1997-09-01</date>

<publisher resource="http://bibframe/auth/org/ifla" />

</DigitalResource>

 

<!-- Instance -->

<DigitalResource id="http://bibframe/inst/frbr-1997-09-01:2">

<link>http://archive.ifla.org/VII/s13/frbr/frbr_current_toc.htm</link>

<format>text/html</format>

<date>2007-12-26</date>

<publisher resource="http://bibframe/auth/org/ifla" />

</DigitalResource>

 

<!-- BIBFRAME Topic -->

<Topic id="http://bibframe/auth/topic/frbr">

<label>FRBR (Conceptual model)</label>

<hasIDLink resource="http://id.loc.gov/authorities/subjects/

sh2007002541" />

</Topic>

 

<!-- BIBFRAME Topic -->

<Topic id="http://bibframe/auth/topic/bibliography">

<label>Bibliography</label>

<generalSubdivision>Methodology</generalSubdivision>

<hasIDLink resource=”http://id.loc.gov/authorities/subjects/sh85013838” />

</Topic>

 

<!-- BIBFRAME Topic -->

<Topic id="http://bibframe/auth/topic/cataloging">

<label>Cataloging</label>

<hasIDLink resource=”http://id.loc.gov/authorities/subjects/sh85020816” />

</Topic>

 

<!-- BIBFRAME Organization -->

<Organization id="http://bibframe/auth/org/ifla">

<label>IFLA Study Group on the Functional Requirements for Bibliographic Records</label>

<link>http://www.ifla.org/</link>

<hasIDLink resource="http://id.loc.gov/authorities/names/nr98013265” />

</Organization>

 

<!-- BIBFRAME Organization -->

<Organization id="http://bibframe/auth/org/k.g.saur">

<label>K.G. Saur</label>

<link>http://www.degruyter.com/</link>

<hasIDLink resource="http://id.loc.gov/authorities/names/nr91037301” />

</Organization>

 

<!-- BIBFRAME Place -->

<Place id=“http://bibframe/auth/geo/münchen”>

<label>Munich (Germany)</label>

<hasIDLink resource=”http://id.loc.gov/authorities/names/n79059670” />

</Place>

 

A high level RDF model reflecting the relationship between the Work and the corresponding Instances as defined by this XML serialization is shown in Figure 5.

Given a sample serialized encoding of this Work, its corresponding Instances and associated Authority information, the following example serialization represents a particular library holdings annotation for the ‘Functional Requirements for Bibliographic Records: Final Report’ book published by K.G. Saur.

<!-- Holdings Annotation -->

<Holdings id="http://bibframe/annot/holdings/frbr-1997-09-01:0">
<annotates resource=”http://bibframe/inst/frbr-1997-09-01:0” />

<institution resource=” http://bibframe/auth/org/ohio.university.alden” />

<callNumber>025.3 F979 1998</callNumber>

<access>circulating</access>

<status>available</status>
</Holdings>

 

<!-- BIBFRAME Organization -->

<Organization id="http://bibframe/auth/org/ohio.university.alden">

<label>Ohio University, Alden Library</label>

<city>Athens</city>

<state>OH</state>

<zip>45701</zip>

<link>http://www.library.ohiou.edu/</link>

<hasIDLink resource="http://id.loc.gov/authorities/names/n2003039990” />

</Organization>

Beispiel Ende s. a.a.O S. 16 - 20


Kritische Stimmen dazu:

Vorteil oder Nachteil:

Bibframe lässt zu, dass man auf die hierarchischen Beziehungen von FRBR verzichtet zugunsten grafischer Darstellung, damit man die Technik möglichst einfach machen kann. Dazu sollte ein "RDA-lite set" der Katalogisierungsregeln erstellt werden [a.a.O. S. 15]