नामलिङ्गानुशासनम्

2. Dvitīyaṃ kāṇḍam

11. manuṣyavargaḥ II

(Über Menschen)

1. Vers 1 - 12

(Krankheiten)


Übersetzt von Alois Payer

mailto:payer@payer.de 


Zitierweise | cite as: Amarasiṃha <6./8. Jhdt. n. Chr.>: Nāmaliṅgānuśāsana (Amarakośa) / übersetzt von Alois Payer <1944 - >. -- 2. Dvitīyaṃ kāṇḍam. -- 11. manuṣyavargaḥ II. (Über Menschen). -- 1. Vers 1 - 12. (Krankheiten).  -- Fassung vom 2011-02-07. --  URL: http://www.payer.de/amarakosa3/amara211a.htm                     

Erstmals hier publiziert: 2011-02-05

Überarbeitungen: 2011-02-07 [Ergänzungen] ; 2011-02-06 [Ergänzungen]

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Dieser Text ist Teil der Abteilung Sanskrit von Tüpfli's Global Village Library


Meinem Lehrer und Freund

Prof. Dr. Heinrich von Stietencron

ist die gesamte Amarakośa-Übersetzung

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WARNUNG: dies ist der Versuch einer Übersetzung und Interpretation eines altindischen Textes. Es ist keine medizinische Anleitung. Vor dem Gebrauch aller hier genannten Heilmittel wird darum ausdrücklich gewarnt. Nur ein erfahrener, gut ausgebildeter ayurvedischer Arzt kann Verschreibungen und Behandlungen machen!


2. dvitīyaṃ kāṇḍam - Zweiter Teil


2.11. manuṣyavargaḥ II - Abschnitt über Menschen II


Hilfen bei der Identifikation der Krankheiten


Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). -- Immer noch unersetzt.

Bhāvamiśra <16. Jhdt.>: Bhāvaprakāśa of Bhāvamiśra : (text, English translation, notes, appendences and index) / translated by K. R. (Kalale Rangaswamaiah) Srikantha Murthy. -- Chowkhamba Varanasi : Krishnadas Academy, 1998 - 2000. -- (Krishnadas ayurveda series ; 45). -- 2 Bde. -- Bd. 2.


Übersicht



2.11.1. Krankheitslosigkeit (Gesundheit)


1.a./b. anāmayaṃ syād ārogyaṃ cikitsā rukpratikriyā

अनामयं स्याद् आरोग्यं चिकित्सा रुक्प्रतिक्रिया ।१ क।

[Bezeichnungen für Krankheitslosigkeit:]

  • अनामय - anāmaya n.: Krankheitslosigkeit
  • आरोग्य - ārogya n.: Krankheitslosigkeit

Colebrooke (1807): "Health."

Bhāvaprakāśa Bd. 1, S. 638f.


Gesundheit bedeutet, dass die drei (bzw. vier) doṣa im Gleichgewicht stehen.



Abb.: धन्वन्तरी । Der Ursprung aller Heilkunst, Zandu Pharmaceuticals, Mumbai - मुंबई, Maharashtra
[Bildquelle: Mark de Fraeye / Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitungen)]

"DHANWANTARI. The physician of the gods, who was produced at the churning of the ocean. He was a teacher of medical science, and the Āyur-veda is attributed to him. In another birth he was son of Dīrghatamas, and his "nature was exempt from human infirmities, and in every existence he had been master of universal knowledge." He is called also Sudhā-pāṇi, 'carrying nectar in his hands', and Amṛta, 'the immortal'. Other physicians seem to have had the name applied to them, as Bhela, Divo-dāsa, and Pālakāpya."

[Quelle: Dowson, John <1820-1881>: A classical dictionary of Hindu mythology and religion, geography, history, and literature. -- London, Trübner, 1879. -- s.v. ]


"§ 33. Die drei Grundsäfte. —- Wie ein roter Faden zieht sich durch die ganze Medizin die Lehre von den drei Grundsäften (doṣa, dhātu) des menschlichen Körpers: Wind (vāyu, vāta, māruta, anila, samīraṇa), Galle (pitta) und Schleim (śleṣman, kapha). Krankheit oder Kranksein wird als Störung der doṣa, Gesundheit als normaler Zustand oder Gleichmäßigkeit der doṣa definiert (A. 1, 1, 20). Ohne Schleim, Galle und Wind sowie Blut kann der Körper nicht bestehen, sie erhalten ihn stets (Su. 1, 21, 1). Der gewöhnliche Name doṣa »Fehler« zeigt, dass es sich dabei eigentlich um gestörte oder im Übermaß vorhandene Säfte handelt; der Name dhātu charakterisiert sie als Grundstoffe des Körpers.

Der Wind ist trocken, kalt, leicht, fein, beweglich, klar und rauh, die Galle fettig, heiß, scharf, flüssig und scharf, der Schleim schwer, kalt, mild, ölig, süß, fest und schleimig; durch Dinge (Arznei- und Nahrungsmittel) mit entgegengesetzten Eigenschaften werden sie vermindert und geheilt (C. 1,1, 30).

Im späteren Lebensalter herrscht der Wind, im mittleren die Galle, in der Kindheit der Schleim vor; das gleiche Verhältnis betreffs des Vorherrschens eines der drei Grundsäfte besteht in Bezug auf Ende, Mitte und Anfang des Tages, der Nacht und der Verdauung (S. 1, 1; A. 1, 1, 8).

Die Grundsäfte durchdringen und erfüllen den ganzen Körper, doch hat der Wind seinen Hauptsitz unterhalb des Nabels, die Galle zwischen Herz und Nabel, der Schleim oberhalb des Herzens (l. c.).

Von Wind werden gewöhnlich 5 Arten unterschieden:

  1. udāna im Hals, geht aufwärts und bewirkt das Sprechen, Singen u. dgl. und bei Störung besonders die Krankheiten, die oberhalb des Schlüsselbeins (im Hals und Kopf) ihren Sitz haben.
  2. prāṇa im Herzen, der aus dem Mund kommende Hauch, der die Speisen hineinbringt und das Atmen bewirkt, bei Störung Schlucken, Asthma und ähnliche Krankheiten.
  3. samāna im Magen und Darm, bei dem Verdauungsfeuer, kocht die Speisen und zerlegt sie dann in ihre Elemente (Chylus, Exkremente, Urin u. dgl.), bei Störung bewirkt er Verdauungsschwäche, Durchfall und Leibesanschwellung.
  4. apāna im Unterleib, treibt die Fäzes, den Urin, Samen, die Menses und den Fötus nach unten und bewirkt bei Störung die gefährlichen Leiden der Blase, des Afters, Samens, sowie Harnruhr.
  5. vyāna im ganzen Körper, bewirkt die Verteilung der Flüssigkeiten, macht Schweiß und Blut fließen und bewirkt das Gehen, das Öffnen und Schließen der Augen u.s.w. Nach S. A. Bh. beruhen auf vyāna auch die Körperfunktionen der Bewegung, der Füllung mit Speisen, die Zurückhaltung der Ausscheidungen u. s. w., während nach Su. (D.) diese Funktionen sich unter die fünf Arten von vāyu verteilen. Durch Störung von vyāna entstehen die den ganzen Körper ergreifenden Krankheiten, durch gleichzeitige Störung der 5 vāyu geht der Mensch zu Grunde (Bh.).

Auch von pitta gibt es 5 Arten:

  1. pācaka, paktikṛt zwischen dem Magen und Darm, bewirkt die Verdauung und die Ausscheidung des Chylus und des Harns und Kots;
  2. rañjaka, rāgakṛt in der Leber und Milz oder im Magen, färbt den Chylus und macht ihn zu Blut;
  3. sādhaka im Herzen, bewirkt Einsicht, Entschlossenheit, Gedächtnis;
  4. ālocaka in den Augen, bewirkt die Sehkraft;
  5. bhrājaka in der Haut, gibt der Haut Glanz und saugt Salben auf.

Von śleṣman gibt es die 5 Arten:

  1. kledana im Magen, befeuchtet die Speisen und die anderen Sitze des Schleims im Körper;
  2. avalambana im Herzen, bewirkt Festigkeit der Glieder;
  3. rasana, bodhaka in der Zunge, vermittelt den Geschmack;
  4. snehana, tarpaka im Kopf, ölt und erfrischt alle Sinnesorgane;
  5. śleṣana in den Gelenken, macht die Gelenke geschmeidig (S. 1, 20; A. 1, 12; Bh. 1, 1, 28ff.; Su. 1, 15).

An gewissen Merkmalen kann man erkennen, welcher der drei Grundsäfte bei Jemand vorherrscht.

So sind Menschen mit vorherrschendem Wind zum Wachen geneigt, gefräßig, Gottesleugner, zum Singen und Scherzen, zur Jagd und zum Streit aufgelegt, lüstern nach süßen, sauren, scharfen und heißen Speisen und Getränken, sehr geschwätzig, unbeständig, diebisch, nicht liebebedürftig oder kinderreich, mager, groß, von schwacher, stockender, zitternder oder rauher Stimme, hässlich u. s. w.

Gallige Menschen sind kühn, stolz, gesittet, rein, einsichtig, klug, unbeliebt bei den Frauen und nicht verliebter Natur, gemessen süße, zusammenziehende, scharfe und kalte Dinge, träumen von Blitz, Feuer u. dgl., sind zum Schwitzen geneigt, übelriechend, haben braunes Haupthaar und wenig Leibhaare, werden frühzeitig grau u. s. w.

Menschen mit einem Übermaß von Schleim sind einsichtig, zuverlässig, gläubig, rechtlich, sprechen keinen Schimpf aus, sind geduldig, dankbar, gemessen scharfe, zusammenziehende, heiße, trockene Dinge, aber nur in kleinen Quantitäten, träumen von mit Lotusblumen bedeckten Teichen und von Wolken, haben viel Samen und viele Söhne und Diener, lange Arme, eine volle und breite Brust, hohe Stirn, dichtes und dunkles Haar u. s. w. (Su. 3, 4; S. 3, 8; A. 3, 3).

Zu- oder Abnahme der normalen doṣa ruft krankhafte Erscheinungen hervor (Su. 1,15). Sie hängt besonders von der Ernährung ab, so machen saure Nahrungsmittel Galle, süße Schleim, scharfe Wind (C. 1, 27, 3).

Nach einer andern Lehrmeinung, die schon in B. vorkommt, ist auch das Blut ein doṣa und gibt es daher 4 doṣa, auch wird das Blut nicht selten unter den Krankheitserregern aufgeführt1. Diese Anschauung ist wichtig, weil sie an die griechische Humoralpathologie erinnert.

Andrerseits kommt jedoch vātīkāra, vātikṛta2, schon im AV. vor, vātagulmin Vi. 46,27, so dass mindestens der vāta schon der vedischen Medizin angehört. Wenn ferner im Kau. Sū. z. B. der in 26,1 beschriebene Ritus gegen Wind, Galle und Schleim gerichtet ist, so berichtet hierüber zwar nur der Co., muss aber darin doch einer alten Tradition folgen. Auch die altbuddhistische Medizin kennt die drei doṣa. Vgl. §§ 14 — 16.

1 Vgl. Hoernle zu B. 1, 93; ZDMG. 53, 379.
2 Vgl. hierzu Bloomfield, SBE. 42, 246, 483, 516 f."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 39ff.]


2.11.2. Therapie


1.a./b. anāmayaṃ syād ārogyaṃ cikitsā rukpratikriyā

अनामयं स्याद् आरोग्यं चिकित्सा रुक्प्रतिक्रिया ।१ क।

[Bezeichnungen für Therapie:]

  •  चिकित्सा - cikitsā f.: Behandlung, Therapie
  • रुक्प्रतिक्रिया - rukpratikriyā f.: Gegenmaßnahme gegen Krankheit

Colebrooke (1807): "Physicking."

Bhāvaprakāśa Bd. 1, S. 127ff.



Abb.:  चिकित्सा । Āyurvedische Behandlung
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Abb.: रुक्प्रतिक्रिया । Āyurvedische Behandlung (snehana und svedana) durch einen Śūdra-Diener in einem Badhaus, 1825
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


Abb.: चिकित्सा । Augenoperation (vermutlich Star-Stechen), Delhi, 1825
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


"§ 24. Kurmethoden. — Unter dem Namen pañcakarman »die fünf Verfahrungsarten« werden die wichtigsten Kurmethoden zusammengefasst, nämlich

  • Brechmittel,

  • Purgiermittel,

  • Klistiere,

  • ölige Klistiere und

  • Niesemittel.

Das gewöhnlichste Brechmittel (vamana) ist madana (Randia dumetorum), eine kleine süßliche Frucht, wie ein kleiner Apfel1. Zur Unterstützung der Brechwirkung steckt sich der Kranke einen Rizinusstengel in den Hals, während ein Diener ihm den Kopf und die Seiten hält. Das Gebrochene muss der Arzt untersuchen. Indiziert ist das Vomieren bei Schleimkrankheiten, Vergiftung, Fieber, Schwindsucht, Krankheiten der weiblichen Brust, Durchfall, Harnruhr, Flatulenz, Cholera, Verdauungsschwäche, Indigestion, Übelkeit, Rose, Lepra, Asthma, Husten, Elephantiasis, Herzleiden, Fettsucht, Tollheit, Epilepsie, Schnupfen, Ozäna, geschwollenen Mandeln und anderen Leiden.

Unter den Purgiermitteln (virecana) sind trivṛt (Ipomea Turpethum), noch jetzt bei den Hindus das beliebteste Mittel dieser Art, und von den Ölen das Rizinusöl (eraṇḍataila) hervorzuheben7. Empfohlen wird das Purgieren bei Fieber, Vergiftung, Appetitlosigkeit, Hämorrhoiden, Leibes- und Milzanschwellung, Abszessen, Lepra, Mastdarmfistel, Frauenleiden, Rose, Cholera, Trommelsucht, Harnruhr, Strangurie, Verletzungen, Brandwunden, Ophthalmie, Star, Hitze im Kopf und anderen Körperteilen, Blutsturz, Gelbsucht, Kolik und anderen Leiden (C. 1,15f.; Su. 4, 33f.; S. 1, 27; A. 1, 18; VR. 73f.).

Ein Klistier heißt vasti, vastikarman, der Klistierbeutel (vasti) soll aus Rinder-, Büffel-, Eber-, Ziegen- oder Schafblasen oder eventuell aus Leder oder dünnem aber festem Gewebe gemacht werden, die Röhre (netra) aus Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Messing, Elfenbein, Horn, Rohrschilf u. a., spitz zulaufend wie ein Kuhschweif, für über 25jährige Patienten 12 Fingerbreiten lang und am Anfang eine Daumenbreite stark. Klistiere sind indiziert bei Fieber, Durchfall, Star, Katarrh, Kopfweh, Ophthalmie, Konvulsionen, Hemiplegie, Flatulenz, Harngries, Kolik, Hodenanschwellung, Verstopfung, Strangurie, Stein, Dystocie und vielen anderen Leiden, sie machen einen Impotenten potent, einen Mageren feist, einen Dicken mager, beseitigen Runzeln und graue Haare. Man unterscheidet zwischen reinigenden Klistieren (nirūha, nairūhika) und öligen Klistieren (snaihika, anuvāsana).

Wenn durch nirūha die Wege im Körper gereinigt sind, lasse man darauf ein öliges Klistier folgen. Die Rezepte für Klistiere sind mannigfaltig. Unfälle (vyāpad) bei Klistieren scheinen sehr häufig vorgekommen zu sein, da Su. deren 76 aufzählt, an erster Stelle nennt er Verletzungen und Schmerzen am After. Injektionen in die Harnröhre, bei Frauen auch in die Vagina, heißen uttaravasti (C. 8, 10—2; Su. 4, 35—8; S. 1, 28; 5, 4—6; A. 1, 19; 5, 4f.; Vr. 15f.).

Nasen- oder Niesemittel (nasya) sind danach benannt, dass dabei eine Arznei oder ein mit Arznei vermischtes Öl in die Nase (nāsikā) gebracht wird (Su.40,17). Ähnlich wie die Klistiere werden die nasya in die zwei Klassen der reinigenden, den Kopf purgierenden (śirovirecana) und öligen oder stärkenden (snehana, bṛṃhaṇa) eingeteilt. Weiter heißt avapīḍa das Einträufeln scharfer Säfte, pradhamana die Einführung von Pulvern mittelst einer Röhre in die Nasenlöcher, pratimarṣa das tropfenweise Aufziehen von Ölen in die Nase, doch ohne sie hinunterzuschlucken. Die Nasenmittel sind besonders für Kopf- und Halsleiden geeignet (Su. 4, 40; S. 1, 29; A. 1, 20; Vr. 78).

Der Anwendung des pañcakarman haben in der Regel Fett- und Schwitzmittel (sneha, sveda) vorauszugehen, die überhaupt eine große Rolle spielen.

Unter den animalischen Fetten ist zerlassene Butter, unter den vegetabilischen Sesamöl am besten. Man kann die Fette oder Öle entweder unvermischt oder mit verschiedenen Zusätzen, wie Salz, Fleischbrühe, Fleisch, Milch, Molken, Brei und anderem gemessen oder sie zu Einreibungen, Pflastern, Klistieren, Augensalben, Einspritzungen in die Nase und Ohren u. dgl. verwenden. Bei innerlichem Gebrauch ist die volle Dosis (uttamā mātrā) anzuwenden bei starken Patienten mit kräftiger Verdauung, Leibesanschwellung, Schlangenbissen, Rose, Tollheit, Strangurie, Verstopfung, die mittlere Dosis bei Beulen, Bläschen, Krätze, Lepra und anderen Hautkrankheiten, und bei massigen Essern, die nicht sehr stark und nicht verstopft sind, die kleine Dosis bei Greisen oder Kindern, schwächlichen oder schon purgierten oder mit schwacher Verdauung behafteten oder schon lange an Fieber, Durchfall oder Husten leidenden Personen.

Von sveda unterscheidet C. 1, 14 13 Arten:

  1. saṃkarasveda, in einem Tuch erhitzte, zusammengeballte Gegenstände, wie Kuhmist, Sand u. dgl. werden an den erkrankten Körperteil gebracht.

  2. prastarasveda, »Schwitzen durch eine Streu«, die Gegenstände stecken lose in einem Tuch.

  3. nāḍīsveda, ein Dampfbad durch Röhren, deren eines Ende dem Körper appliziert wird, während das andere in einem Kochtopf steckt.

  4. pariṣeka, Begießung mit erwärmten Arzneistoffen.

  5. avagāha, Bad in einer Tonne mit warmem Wasser und Arzneien.

  6. jentākasveda, Schwitzen in einer Schwitzstube, die durch einen Ofen mit vielen Löchern geheizt wird.

  7. aśmaghana-sveda, Schwitzen durch Liegen auf einer erhitzten Steinplatte.

  8. karṣūsveda, Füllung einer unter dem Bett des Kranken gegrabenen Grube mit glühenden Kohlen.

  9. kuṭīsveda, Schwitzen in einer dicht verwahrten Hütte, auf einem Bett liegend.

  10. bhūsveda, Liegen auf ebenem Boden, sonst wie in 7.

  11. kumbhīsveda, Eingraben eines mit Arzneien und glühend gemachten eisernen Kugeln oder Steinen gefüllten Kruges unter dem Bett des Patienten.

  12. kūpa-sveda, Füllung einer geräumigen Grube mit Mist, der angezündet und über den, wenn das Feuer keinen Rauch mehr gibt, das Bett für den Kranken gestellt wird.

  13. holākasveda, das Bett wird über einen Haufen von verbranntem Mist gestellt.

sveda ist geeignet für Schnupfen, Husten, Schlucken, Asthma, Ohren-, Hals- und Kopfschmerzen, Heiserkeit, Halsweh, Schlagfluss, Hemiplegie, Verstopfung, Harnbeschwerden und viele andere Leiden (C. 1,13f.; Su. 4, 31 f.; S. 1, 25f.; A. 1, 16f.; Vr. 71 f.).

Unter dhūma Rauch oder dhūmapāna Rauchtrinken sind Inhalationen in die Nase oder den Mund zu verstehen. Nach C. werden die zu verwendenden Arzneistoffe pulverisiert und zu einem Teig zusammengeknetet, der über einen Rohrhalm geklebt wird. Wenn der Teig trocken ist, zieht man den Halm heraus, steckt die so entstandene Teigröhre in ein Rohr von Metall, Holz oder Elfenbein, zündet sie an und steckt das andere Ende des Rohres in den Mund oder die Nase. Nach Su. gibt es 5 Arten von dhūma. Nach A. ist dhūma bei Kopf- und Halsleiden indiziert, auch um der Entstehung solcher Leiden vorzubeugen, nach C. Su. S. auch bei Schlafsucht, Mattigkeit, Bleichsucht, Vergiftungen, Blutungen, Tollheit u. a. (C. 1, 5, 10ff.; Su. 4, 40; S. 1, 30; A. 1, 21; Vr. 77).

 Lokale Anwendung von Rauch durch Röhren bei Geschwüren, Hautkrankheiten u. dgl. heißt dhūpana Räucherung.

Flüssigkeiten zum Mundausspülen oder Gurgeln (kavalagraha, gaṇḍūṣa- dhāraṇa) werden besonders gegen Erkrankungen des Mundes und der Zähne empfohlen. Man soll die Flüssigkeit so lange im Mund behalten, bis die Augen zu tränen und die Nase zu tropfen beginnt, dann eine neue Portion nehmen (Su. 4, 40; S. 1, 31; A. 1, 22; Vr. 78).

Bei Augenleiden sind in erster Linie Einträufelungen (āścyotana) indiziert, da sie Rötung, Tränen, Schmerzen, Eiterung und andere Affektionen der Augen beseitigen.

Häufig ist auch von den Augensalben (añjana), besonders aus Antimon bestehend, die Rede, die mit einer Sonde (śalākā) in das Auge eingeführt werden (S. 1, 32; A. 1, 23).

Gesichtspflaster heißen mukhapralepa, Pflaster im Allgemeinen pralepa, erweichende Breiumschläge pradeha, Stuhlzäpfchen varti, phalavarti, Salben lepa, abhyaṅga, anulepana3.

Eine wichtige Klasse von innerlich zu nehmenden Arzneien bilden auch die Elixiere (rasāyana), die als 7. Hauptteil der Medizin gelten, so heißt es in vielen Rezepten, dass man sich durch ihren Gebrauch ein hundertjähriges Leben sichern könne.

Über Brennen und Ätzen s. § 29.

1 Dutt, Mat. Med. 177.
2
l. c. 202. 231.
3
Vgl. l. c. 17 ff."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 26ff.]

"§ 27. Chirurgische Operationen1. — Die große Chirurgie (śalya) handelt von der Herausziehung von Fremdkörpern aus dem Körper (§ 81), ferner von den stumpfen und scharfen Instrumenten, von Ätzen und Brennen und von vraṇa (Wunden im weitesten Sinn, s. § 78). Die kleine Chirurgie (śālākya) umfasst alle Erkrankungen des Kopfes, namentlich die Augenleiden (§ 82). Jede dieser beiden Wissenschaften bildet einen der acht Hauptteile der Medizin (āyurveda), und Su. stellt sie an die Spitze derselben, namentlich hebt er die besondere Wichtigkeit des śalya hervor (Su. 1, 1, 3 ff.). Die wichtigeren Operationen, wie die Laparotomie, die Steinoperation, die Staroperation u. a. sollen später bei den betreffenden Krankheiten beschrieben werden, daher mögen hier nur einige allgemeinere Vorschriften Platz finden.

Die chirurgischen Operationen zerfallen in acht Arten:

  • Ausschneiden,

  • Einschneiden (Aufschneiden),

  • Skarifizieren,

  • Punktieren,

  • Sondieren,

  • Ausziehen,

  • Ausdrücken,

  • Nähen.

Der Arzt muss dazu bereit halten: stumpfe und scharfe Instrumente, Ätzmittel und Feuer, spitze Instrumente (śalākā), ein Horn (zum Schröpfen), Blutegel, einen hohlen Flaschenkürbis (für Flüssigkeiten), Katheter, Baumwolle, Tuch, Faden, Blätter, Verbandzeug, Honig, zerlassene Butter, Fett, Milch, Öl, Erfrischungsmittel, abgekochte Arzneien, Salben, Teige, Fächer, kaltes und heißes Wasser, Pfannen; auch sollen ihm zuverlässige und kräftige Gehilfen zur Seite stehen. Die Operation soll unter einer glückverheißenden Konstellation stattfinden, mit einer religiösen Zeremonie eingeleitet und von einem längeren Gebet des Arztes gefolgt werden. Der Kranke darf vorher nur wenig gegessen haben, setzt sich dem Arzt gegenüber und wird festgebunden. Bei Geschwüren oder Wunden (vraṇa) ist das Instrument mit Vermeidung von gefährlichen Stellen, Adern, Knochen u. dgl. einzuführen, bis Eiter zum Vorschein kommt, dann rasch zurückzuziehen, eventuell der Einschnitt zu wiederholen. Je nach dem Körperteil sollen die Schnitte schief, rund oder halbkreisförmig sein. Bei Dystokie, Bauchanschwellung, Hämorrhoiden, Mastdarmfistel, Mundkrankheiten darf der Patient vor der Operation nichts genießen. Nach derselben soll der Arzt ihn mit kaltem Wasser erfrischen, die Wunde überall mit den Fingern auspressen, zusammendrücken, mit Arznei auswaschen, mit einem Tuch abwischen, hierauf eine mit einem dick aufgetragenen Teig von Sesamsamen, vermischt mit Honig und Butter, beschmierte, mit Arzneien getränkte Einlage machen, über die dann wieder ein Teig kommt, über diesen eine Kompresse, worauf das Ganze mit einem Tuch festzubinden ist. Es folgen Räucherungen und Zaubersprüche. Nach drei Tagen ist der Verband zu erneuern. Der Heilungsprozess darf nicht übereilt werden, so lange noch Eiter vorhanden ist. Der Kranke muss Diät halten (Su. 1, 5). Nach 8.1,38, A. 1, 29 soll man dem Kranken vor der Operation nach Wunsch zu essen und Branntwein zu trinken geben, damit er nicht ohnmächtig wird und im Rausch das Messer nicht fühlt.

Von den acht obigen Operationen wird das Ausschneiden empfohlen bei Mastdarmfistel, durch Schleim verursachten (unreifen) Knoten, dunkeln Muttermalen, brandigen Wundrändern(?), Tumoren, Hämorrhoiden und ähnlichen Auswüchsen (carmakīla), Fremdkörpern in den Knochen oder im Fleisch, haarigen Muttermalen, Fleischauswüchsen (im Gaumen), geschwollenen Mandeln, fauligen Geschwüren an den Sehnen, dem Fleisch oder den Adern, Knötchen am Hals und anderen Körperteilen, Geschwüren am Penis (śataponaka), einer roten Geschwulst im Gaumen (adhruṣa), Abszessen am Penis, Fleischgeschwulst (in der Vagina?), Geschwulst am Weisheitszahn.

Einschnitte eignen sich für tiefliegende Abszesse, Knoten, Rose, Hodengeschwulst, Abszesse an den Hoden oder Achselhöhlen, von Harnruhr entstehende Furunkeln, Geschwülste (śopha), Erkrankungen der Mammae, Pusteln am Penis, Zysten an den Augenlidern, Geschwüre auf dem Fuß, Fisteln, die Halsgeschwülste vṛnda und ekavṛnda, die Penisgeschwüre puṣparikā und alajī, die meisten »leichteren Krankheiten« (§ 67), Geschwülste (puppuṭa) an Gaumen und Zähnen, Absens an den Mandeln, harte Geschwulst im Schlunde und eiternde oder aus Fett entstehende Geschwülste; dagegen ist die Blase nur bei Stein zu öffnen.

Zu skarificieren sind die vier heilbaren Arten von rohiṇī (Halsentzündung), weißer Aussatz (kilāsa), eine von Fett entstandene Geschwulst an den Zahnwurzeln, Knoten, Geschwüre, Geschwülste an der Zunge, Hämorrhoiden, kreisförmige Flecken, Fleischauswüchse oder -Erhöhungen.

Zu punktieren sind die verschiedenen Adern, Hydrocele und Wassersucht. Zu sondieren sind Fisteln, die einen Fremdkörper enthalten, und unregelmäßige Wunden.

Herauszuziehen sind die drei Arten von Sand oder Gries, Weinstein an den Zähnen, Stein, Fremdkörper, ein toter Fötus und im After angehäufter Kot.

Auszudrücken sind Abszesse mit Ausnahme der schwersten Form, lepröse Hautleiden (kuṣṭha), lokale Schwellungen, Geschwüre am Ohrläppchen, Elephantiasis, Blutvergiftung, Tumoren, Rose, Zahngeschwülste und viele andere Geschwülste und Hautausschläge.

Zu nähen sind Geschwülste, die aus Fett entstehen, nachdem man sie aufgeschnitten und gereinigt hat, Wunden und Verletzungen an beweglichen Gelenken. Die Fäden beim Nähen sollen aus Flachs oder Hanf und anderen Pflanzenfasern oder aus Sehnen oder Schweifhaaren von Tieren bestehen. Je nach dem Körperteil sei die Nadel 2—3 Fingerbreiten lang und rund, dreieckig oder krumm. Die wohl zusammengenähten Teile sind mit Baumwolle oder Linnen zu bedecken, mit heilenden Pulvern zu bestreuen und dann zu verbinden (Su. 1,25).

Über die 14 Verbände bei Su. s. § 78. Nach S. A. gibt es 15 meist nach ihrer Form benannte Verbände (bandha). An den Hinterbacken, Achselhöhlen, Weichen, Oberschenkeln und dem Kopf ist ein fester, an den Armen und Beinen, dem Gesicht, den Ohren, dem Hals, Penis, Skrotum, Rücken, den Seiten, dem Bauch und der Brust ein mittelfester, an den Augen und an den Gelenken ein loser Verband anzulegen. Bei leprösen Hautleiden, Brandwunden, Harnruhrfurunkeln, bei durch Ätzmittel oder Gift verursachten Wunden und dergleichen Fällen ist von Verbänden abzusehen (S. 1, 38; A. 1,29; vgl. Su. 1, 18).

1 Vgl. Trendelenburg, De vet. Indorum chirurgia. Berl. Diss. 1866; Häser, Übersicht der Geschichte der Chirurgie 3—5 (Breslau 1879)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 30f.]


2.11.3. Medikament


1.c./d. bheṣajauṣadha-bhaiṣajyāny agado jāyur ity api

भेषजौषध-भैषज्यान्य् अगदो जायुर् इत्य् अपि ॥१ ख॥

[Bezeichnungen für Medikament:]

  • भेषज - bheṣaja n.: Heilendes, Arznei
  • ओषध - oṣadha n.: Heilkraut
  • भैषज्य - bhaiṣajya n.: Heilkraft, Arznei
  • अगद - agada m.: Krankheitsloser, Arznei
  • जायु - jāyu m.: Siegreicher
 

Colebrooke (1807): "Medicament."

Bhāvaprakāśa, ganzer Bd. 1.



Abb.: भेषजानि । Remember: medicines can kill
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 61. -- CC by, nc, sa]



Abb.: भैषज्यानि । Āyurvedische Apotheke, Mumbai - मुंबई, Maharashtra
[Bildquelle: Mark de Fraeye, Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)]


Abb.: ओषधानि । Frisch angelieferte Arzneipflanzen zur Medikamentenherstellung, Kerala
[Bildquelle: Mark de Fraeye, Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)]


Abb.: ओषधानि । Āyurvedische Medizinpflanzen, Mumbai - मुंबई, Maharashtra
[Bildquelle: Mark de Fraeye, Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)]


Abb.: Destlilation von Pflanzenessenzen in āyurvedischer Arzneimittelfabrik, Kerala
 [Bildquelle: Mark de Fraeye, Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)]


Abb.: "Bhasma preparation. A coconut is first perforated and the milk poured away. Medicated minerals are then inserted through the same hole. The coconut is wrapped in cloth, soaked and then covered with more cloth. The preparation is then incinerated for twenty four hours or more. The resulting potentiated ash (bhasma) is further refined and shaped into pills.
Banepa Ayurvedic Hospital, Nepal."

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Abb.: "Preparation of mercury. From the seventh century AD onwards, mercury became the principal ingredient in Ayurvedic alchemy (rasayana). Mercury is even today prepared from cinnabar (mercuric sulphide, HgS) and detoxified by incinerating in an hourglass shaped furnace of clay. Banepa Ayurvedic Hospital, Nepal. "
[Bildquelle: Mark de Fraeye, Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)]


"§ 22. Arzneimittel. — Körperliche Leiden, sagt C. 1, 1, 29, werden durch Arzneimittel (auṣadha) geheilt. Schon in der vedischen Medizin spielen die Heilkräuter neben den Besprechungen eine große Rolle. In der Bowerhs. werden sehr viele Medikamente genannt, meist Vegetabilien. Nach Viṣṇu 92,17 ist es verdienstlich, Heilmittel (auṣadha) zu verschenken. Auch unter den Spitälern für Menschen und Tiere (cikiṣā, Arogyaśālā), die in den Inschriften des Königs Aśoka, in den Purāṇas und sonst erwähnt werden, hat man nach der Analogie der modernen Dāvākhānās wohl besonders Anstalten zur Verabreichung von Arzneimitteln zu verstehen1.

Nach S. 1, 12 geben die auṣadha Kraft oder beseitigen die Krankheiten. Erstere auṣadha sind Elixire (rasāyana) oder Aphrodisiaca (vājīkaraṇa) ; letztere beruhigen die Krankheit oder verhindern ihre Wiederkehr, ferner bestehen sie teils in Stoffen, mineralischen, vegetabilischen und animalischen, teils in Fasten, Abreiben, Besprechungen und anderen Prozeduren. Nach C. 1, 1, 36 ff. gibt es animalische, vegetabilische und mineralische Arzneistoffe. Von animalischen nennt er Honig, Milch, Galle, Fett, Mark, Fleisch, Faeces, Urin, Haut, Samen, Knochen, Sehnen, Hörner, Klauen, Haare und den Gallenstein des Rindes, von mineralischen Gold, Schlacken, die fünf Metalle (Silber, Kupfer, Blei, Zinn und Eisen), Sand, Kalk, Realgar, Edelsteine, Salz, roten Ocker und Antimon. Die Pflanzen zerfallen in die vier Arten: fruchttragende Bäume, blühende und fruchttragende Bäume, einjährige Pflanzen und Kräuter oder Sträucher (vīrudh), man benutzt von ihnen die Wurzeln, die Rinde, den Saft, das Harz, den Stängel, die Brühe, Zweige, Potasche, Milch, Früchte, Blüten, Asche, Öle, Dornen, Blätter, Knospendecken, Knollen und Schösslinge.

Weiterhin spezifiziert C. unter den Arzneistoffen

  • 16 Pflanzen, deren Wurzeln,

  • 19, deren Früchte,

  • 3, deren Saft, und

  • 3, deren Rinde gebraucht wird;

  • 4 Arten von Fett (sneha), nämlich zerlassene Butter, Öl, Fett und Mark;

  • 5 Arten von Salz, nämlich sauvarcala, ein schwärzliches Salz, der Niederschlag einer Lösung von gewöhnlichem Salz in einer Lösung von rohem Soda, saindhava, Steinsalz aus dem Indusgebiet, viṭ, schwarzes Salz, eine Abkochung von gewöhnlichem Salz mit einem Zusatz von Myrobalanen und Soda2, sāmudra Meersalz, audbhida Steppensalz;

  • 8 Arten von Urin, nämlich von Schafen, Ziegen, Kühen, Büffeln, Elefanten, Kamelen, Pferden oder Eseln;

  • 8 Arten von Milch, nämlich von Schafen, Ziegen, Kühen, Büffelstuten, Kamel- und Elefantenweibchen, Stuten und Frauen.

Nach Su. 1, 37 muss man beim Sammeln von Arzneipflanzen zunächst den Boden untersuchen, ob er keine Löcher, Kies, Steine, Ameisenhaufen, Steppensalz u. dgl. enthält, weich, schwarz, weiß oder rot ist u. s. w. Je nach seiner Beschaffenheit hat der Boden die Eigenschaften der fünf Elemente, und so soll man z. B. Abführmittel einem Boden entnehmen, in dem Erde und Wasser vorherrschen, Brechmittel einem Boden, in dem Feuer, Luft und Wind vorherrschen. Durch Kuhhirten, Asketen, Jäger und andere im Wald lebende Leute soll man die Arzneipflanzen kennen lernen. Animalische Substanzen wie Blut, Haare, Nägel, Milch, Harn und Fäces soll man von ausgewachsenen Tieren nach ihrer Verdauung nehmen. Die zur Aufbewahrung der Arzneien dienende Hütte (bheṣajāgāra) soll auf einem reinen Platz aufgeführt werden. Weiterhin (1,38) nennt er über 700 pflanzliche Heilmittel, eingeteilt in 37 gaṇa nach den Krankheiten, für die sie gut sein sollen, und benannt nach dem ersten Heilmittel in jeder Gruppe, wie z. B. arkādigaṇa nach arka (Calotropis gigantea). Mit dieser Klassification durchkreuzt sich eine andere (1, 39) nach der Wirkung der Arzneien als Brech- oder Purgiermittel, Niese- oder Beruhigungsmittel. Nach ähnlichen Gesichtspunkten teilt C. 1, 1—4 die Heilmittel ein, namentlich nennt er in 1,4 50 Gruppen von Abkochungen (kaṣāya), nämlich solche die das Leben verlängern, den Körper feist machen, ihn dünn machen, Ausscheidungen bewirken, (Frakturen) zusammenziehen, den Appetit reizen, Stärke verleihen, die Gesichtsfarbe verbessern, Heiserkeit heilen, die Stimmung anregen, Übersättigung, Hämorrhoiden, Hautkrankheiten, Jucken, Würmer und Giftwirkungen beseitigen, Muttermilch erzeugen oder reinigen, Samen erzeugen oder reinigen, Fett-, Schwitz-, Brech- und Abführmittel, Mittel, für gewöhnliche und für ölige Klistiere, Niesemittel, Mittel gegen Brechreiz, Durst, Schlucken, Durchfall, zur Veränderung der Farbe der Fäces, zur Verminderung oder Vermehrung des Urins und zur Veränderung seiner Farbe, Mittel gegen Husten, Asthma, Geschwülste, Fieber, Müdigkeit, Hitze- oder Kältegefühl, Nesselsucht, Gliederreißen, Kolik, Blutungen, Schmerzen, Bewusstlosigkeit, Unfruchtbarkeit, Altersschwäche. Jede dieser 50 Gruppen umfasst 10 Pflanzen, sodass hier 500 vegetabilische Arzneistoffe genannt werden. Die ausführlichsten Zusammenstellungen der Arzneimittel, einschließlich der Speisen und Getränke, mit genauer Angabe ihrer Eigenschaften und Wirkungen, enthalten die medizinischen Glossare, s. § 11.

1 Vgl. Bühler, ZDMG. 37,98 ff.; Hemādri 1,894fr.; Puschmann, l. c. 14 f.
2
Watt, Economic Products of India 6, 2, 415.

§ 23. Eigenschaften der Arzneimittel. — Neben ihren spezifischen Wirkungen bei einzelnen Krankheiten werden den Heilmitteln sowie den Nahrungsmitteln auch noch eine Reihe allgemeiner Eigenschaften und Wirkungen zugeschrieben. Besonders wichtig sind die sechs Arten von rasa Geschmack: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und zusammenziehend.

  1. Der süße Geschmack bewirkt Klebrigkeit im Munde, vermehrt den Schleim, den Chylus, das Blut, Fleisch u. s. w., stillt den Durst und Hunger, ergötzt und belebt, bewirkt aber, wenn man ihn ausschließlich bevorzugt, auch manche Leiden, wie Husten, Asthma, Flatulenz, Würmer. Kropf, Elephantiasis u. a.
     
  2. Der sauere Geschmack bewirkt Empfindlichkeit der Zähne und Speichelfluss und Esslust, befördert die Verdauung, ist zumeist angenehm, bewirkt aber bei einseitiger Pflege Eiterung an Wunden und Geschwüren und wegen der erhitzenden Natur sauerer Substanzen Brennen in der Kehle, Brust und im Herzen.
     
  3. Der salzige Geschmack reinigt und regt die Verdauung an. bewirkt aber bei Einseitigkeit Jucken, Geschwulst und andere Leiden.
     
  4. Der scharfe Geschmack befördert den Appetit und die Verdauung, vermindert die Korpulenz. bei Einseitigkeit bewirkt er Nervenschmerzen in den Händen und Füssen u. a.
     
  5. Der bittere Geschmack wirkt auch günstig auf Appetit und Verdauung, bewirkt aber bei Einseitigkeit Konvulsionen, Kopfweh u. dgl.
     
  6. Der zusammenziehende Geschmack wirkt heilend auf Wunden und reinigend, bei Einseitigkeit erzeugt er Zuckungen. Krämpfe u. dgl. Alle wichtigeren Arznei- und Nahrungsmittel werden von Su. 1, 42 einer dieser sechs Gruppen zugewiesen. Auch in den medizinischen Glossaren wird bei jedem Stoff sein Geschmack angegeben.

Wenn die Stoffe im Magen mit dem Verdauungsfeuer in Berührung kommen, werden sie durch Verdauung (vipāka) verwandelt, wobei süße und salzige Dinge süß, sauere wieder sauer, scharfe, bittere und zusammenziehende scharf werden (S. 1. 1; A. 1, 9). Doch bestanden hierüber viele Kontroversen, ja man wollte manchmal den Geschmack überhaupt nur als ein Produkt der Verdauung gelten lassen (Su. 1. 40).

Jede Arznei besitzt ferner ihre besondere Kraft (vīrya), und zwar ist sie entweder heiß (erhitzend) oder kalt (abkühlend). Dies ist die gewöhnliche Lehre, doch erwähnt Su. I. c. auch eine Lehrmeinung, wonach es acht Arten von vīrya gibt: heiß, kalt, ölig oder aufweichend, trocken oder austrocknend, klar oder reinigend, schlüpfrig (machend), mild und scharf.

Alle Stoffe haben die Eigenschaften (guṇa) der Elemente, aus denen sie bestehen. So haben Abführmittel überwiegend die Eigenschaften der Erde und des Wassers, sind daher schwer und gehen nach unten (Su. 1, 41)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 24ff.]


2.11.4. Krankheit


2.a./b. strī rug rujā copatāpa-roga-vyādhi-gadāmayāḥ

स्त्री रुग् रुजा चोपताप-रोग-व्याधि-गदामयाः ।२ क।

[Bezeichnungen für Krankheit:]

  • रुज् - ruj f.: Zerbrechende, Vernichtende, Krankheit, Schmerz
  • रुजा - rujā f.: Zerbrechende, Vernichtende, Krankheit, Schmerz
  • उपताप - upatāpa m.: Hitze, Schmerz, Qual
  • रोग - roga m.: Krankheit (zu ruj 1 zerbrechen, vernichten)
  • व्याधि - vyādhi m.: "Durchbohrer", Krankheit
  • गद - gada m.: Krankheit
  • आमय - āmaya m.: Krankheit (zu āma 3 ungekocht)

Colebrooke (1807): "A disease."

Bhāvaprakāśa Bd. 1, S. 124f.


"§ 38. Pathologie. — Da das Kranksein auf Störungen der drei Grundsäfte beruht (§ 33), so lag es nahe, die sämtlichen Krankheiten, die nach Su. 6, 66, 5 die Zahl 1120 erreichen, nach C. 3, 6, 4 unzählig sind, nach diesem Gesichtspunkt einzuteilen. So zählt C. 1, 20 80 von Wind, 40 von Galle und 20 von Schleim herrührende Krankheiten auf, mit dem Zusatz, dass diese Leiden eigentlich unzählbar sind. Hierzu kommen allerdings noch als eine vierte Gruppe die zufälligen oder auf äußeren Ursachen beruhenden (āgantu) Krankheiten, die durch Kratzen, Beißen, Stürzen, Tätlichkeiten, Besessensein, Behexung, Verfluchung, Schläge, Fesselung, Stiche, Würgen, Drücken, Stricke, Brandwunden, Waffen, Blitzschlag oder dämonische Einwirkung entstehen.

Als allgemeine Kennzeichen der Windkrankheiten nennt C. Verrenkungen, Zittern, Unruhe, Gliederschmerzen, Rötung der Haut, zusammenziehenden Geschmack im Munde, Taubheit und Verkrümmung der Glieder, Lähmungen u. a., als Symptome einer Gallenkrankheit Brennen, Hitze, Entzündung, Schweiß, Feuchtigkeit, faulende Geschwüre, Röte, üblen Geruch und Geschmack, Verfärbung, als Symptome einer Schleimkrankheit weiße Färbung der Haut, Kälte, Jucken, Steifheit, Geschwulst, Schwere, Unempfindlichkeit, Feuchtigkeit, süßen Geschmack, Langsamkeit u. a. Doch erfahren diese allgemeinen Symptome bei den einzelnen Krankheiten entsprechende Modifikationen, wie aus den Beschreibungen derselben erhellen wird.

Auch können nach C. 3, 6 zwei Grundsäfte in verschiedenen Kombinationen oder alle drei Grundsäfte an der Entstehung einer Krankheit beteiligt sein (saṃsarga und saṃnipāta), was dann auch bei der Beschreibung der Krankheiten hervortritt; die schlimmsten Formen der Krankheiten werden daher gewöhnlich auf saṃnipāta zurückgeführt.

Die auf den Grundsäften beruhenden Krankheiten fasst C. 1, 11 als die natürlichen (nija) zusammen und nennt als zweite Gruppe die āgantu, d. h. die von Dämonen, Gift, Wind, Feuer, Schlägen u. dgl. herrührenden (vgl. o.), als dritte Gruppe die mānasa d. h. Geisteskrankheiten oder gemütliche Störungen. Ähnlich sind die vier Gruppen bei Su 1, 1:

  • āgantu d. h. von Verletzungen herrührend;

  • śarīra »körperlich« d. h. von Speise oder Trank herrührende abnorme Zu- oder Abnahme von Wind, Galle, Schleim oder Blut;

  • mānasa d. h. Zorn, Kummer, Angst, Freude u. a. Gemütsbewegungen;

  • svābhāvika »natürlich« d. h. Hunger, Durst, Alter, Tod, Schlaf.

  • Unter den svābhāvika, die hiernach (ebenso wie die mānasa) eigentlich gar keine Krankheiten wären, werden anderswo auch angeborene (sahaja) Krankheiten verstanden, wie angeborene Blindheit (Bh. 1, 1, 125).

Logischer ist die Klassifikation in S. 1, 1, A. 1, 1, wo nur die zwei Gruppen der nija und āgantu unterschieden werden, aber mit dem Beifügen, dass sie entweder im Körper oder im Geist ihren Sitz haben. Ar. bemerkt hierzu, dass bei den nija zuerst die Störung der doṣa, dann das Kranksein auftritt, während bei den āgantu die Störung der doṣa das Sekundäre ist, und dass unter Erkrankungen des Geistes Ohnmacht, Apoplexie, Tollheit, Besessenheit, Epilepsie u. dgl. Zustände zu verstehen sind.

Die Störung des Gleichgewichts der doṣa wird hauptsächlich durch unzweckmäßige Ernährung hervorgerufen, doch wirken auch andere Umstände darauf ein.

So wird der Wind auch gestört durch Kämpfen mit starken Leuten, Übermaß in Bewegung, sexuellem Verkehr oder Studium, einen Sturz, Laufen, Druck, Verletzungen, Fasten, Baden, Schwimmen, Nachtwachen, Lastentragen, Reiten auf einem Elefanten oder Pferd, Fahren oder Gehen, Unterdrückung der natürlichen Bedürfnisse.

Die Galle wird auch gestört durch Zorn, Kummer, Angst, Anstrengung, Fasten, Indigestion, sexuelle Ausschweifungen.

Der Schleim wird auch gestört durch Schlafen am Tage, Mangel an Bewegung und Trägheit

Außerdem wirken die Jahres- und Tageszeiten und die verschiedenen Stadien der Verdauung auf die Grundsäfte ein, indem z. B. der Schleim besonders im Winter und Frühjahr, am Morgen und Abend und sogleich nach dem Essen Störungen erfährt.

Die Störung der doṣa wird mit dem Gärungsprozesse verglichen. Der Wind gibt den Anstoß und treibt die doṣa im Körper umher, wo sie dann je nach der Stelle ihres Auftretens verschiedene Leiden und Beschwerden hervorrufen (Su. 1, 21). Die Therapie hat auf die Beruhigung oder Niederschlagung (praśamana) des allein oder hauptsächlich gestörten doṣa auszugehen.

Die nämliche pathologische Wirkung wie den Grundsäften wird oft auch dem Blut zugeschrieben, vgl. § 33. Nach Su. 1, 21 entstehen Störungen des Blutes durch Störung der Galle und durch öfteren Genuss von flüssigen, öligen, schweren Nahrungsmitteln, Schlafen am Tage, Zorn, Feuer, Sonnenhitze, Ermüdung, Verletzungen, Indigestion, unharmonische oder im Übermaß genossene Speisen u. dgl.; ähnlich C. 1, 24.

Aus den Störungen der drei Grundsäfte und des Bluts, einzeln oder in verschiedenen Kombinationen vereinigt, ergeben sich nach Su. l. c. 15 Arten solcher Störungen.

Nach C. 1, 24, 4 sind alle diejenigen an und für sich heilbaren Krankheiten, welche der Anwendung von kalten und heißen, öligen und trockenen u. dgl. Mitteln widerstehen, durch das Blut verursacht (raktaja).

Auch Störungen der anderen sechs dhātu (S 34) rufen analoge Wirkungen hervor. So bewirken verdorbener rasa Appetitlosigkeit, Gliederreißen, Fieber, Impotenz, Abmagerung u. a. krankhafte Zustände, verdorbenes Fleisch Anschwellung des Zahnfleisches, Geschwülste, Kropf u. a., verdorbenes Fett auffallende Größe oder Kleinheit, Fülle oder Magerkeit u. a., verdorbene Knochen Überbein, Knochenfraß, verschiedene Erkrankungen der Zähne u. a., verdorbenes Mark Ohnmacht, Schwindel, Schmerzen in den Gelenken u. a., verdorbener Samen Impotenz oder Schwächlichkeit der Kinder oder Abortus u. a. (C. 1, 28; Su. 1, 24). So werden auch die verschiedenen Erscheinungsformen mancher Krankheiten, z. B. von kuṣṭha (§ 68), darauf zurückgeführt, dass sie in verschiedenen dhātu ihren Sitz haben.

Neben seiner obigen Vierteilung erwähnt Su. 1, 24 auch eine Einteilung der Krankheiten in 7 Klassen:

  1. ādibala-pravṛtta, durch Zeugung d. h. durch krankhaften Samen und Menstrualblut entstanden, also von dem Vater oder der Mutter ererbt, wie Hautkrankheiten, Hämorrhoiden u. dgl.

  2. janma-balapravṛtta, durch die Geburt d. h. im Mutterleib durch fehlerhaftes Verhalten der Schwangeren entstanden, wie Lahmheit, angeborene Blindheit, Taubheit, Stummheit, näselndes Sprechen. Zwerghaftigkeit u. dgl.

  3. doṣabalapravṛtta, von den Grundsäften herrührend, und zwar entweder im Darm oder im Magen entstanden, entweder körperlich oder geistig.

  4. samghātabalapravṛtta, durch Verletzungen, und zwar entweder durch Waffen oder durch reißende Tiere bewirkt.

  5. kālabalapravṛtta, durch die Jahreszeiten entstanden, d. h. durch Kälte, Hitze, Wind, Regen u. dgl. bewirkt.

  6. daivabalapravṛtta, durch göttliches Walten entstanden, d. h. wegen Beschimpfung eines göttlichen Wesens verhängt, durch Verfluchung, Zaubersprüche aus dem Atharvaveda, oder durch ansteckende Berührung bewirkt (D.); auch die Wirkungen des Blitzes werden hierzu gerechnet.

  7. svabhāvabalapravṛtta, natürlich, d. h. Hunger, Durst u. dgl. (s. o.).

Su. fügt jedoch dieser Aufzählung ausdrücklich die Bemerkung bei, dass Luft, Galle und Schleim die Wurzel aller Krankheiten bilden.

Nach dem Grad ihrer Gefährlichkeit zerfallen die Krankheiten in heilbare (sādhya), nur zu lindernde (yāpya) und unheilbare (pratyākhyeya, anupakrama, asādhya); auf diese Einteilung wird bei der Beschreibung der Krankheiten oft Bezug genommen.

Unter yāpya werden chronische Leiden verstanden, die sich durch geeignete Arzneien u. a. Mittel zeitweilig zurückdämmen lassen, aber nicht geheilt werden können. Bei C. bilden sie daher eine Abart der unheilbaren Leiden, so wie andrerseits die heilbaren bei ihm in leicht und schwer heilbare zerfallen (Su. 1, 35, 15; C. 1, 10, 4—6; A. 1, 1, 32).

Zu den schweren Leiden gehören die chirurgischen Fälle (śastrādisādhana A. 1, 1, 31). Daher bemerkt Su. 1, 24, 1, bei den chirurgischen Fällen sei die Anwendung von Fettmitteln u. dgl. harmlosen Mitteln nicht unstatthaft, dagegen dürfe bei den durch die letztere Kategorie von Mitteln heilbaren Krankheiten keine Operation stattfinden.

Vom Standpunkt der Wiedergeburtslehre aus werden diejenigen Krankheiten, für die keine ersichtliche Entstehungsursache vorliegt und die den üblichen Kurmethoden widerstehen, als karmaja d. h. auf Verfehlungen in einer früheren Geburt beruhend betrachtet Man muss sie durch Bussen (prāyaścitta) zu heilen suchen. Wo aus geringfügigen Anlässen schwere Leiden entstehen, da liegt ein Zusammenwirken der doṣa und früherer Verfehlungen vor (A. 1, 12, 56 f.: Bh. 1, 1, 126).

Die Vorzeichen oder Anfangsstadien einer Krankheit heißen prāgrūpa, pūrvalakṣaṇa, die charakteristischen Symptome lakṣaṇa, Komplikationen upadrava, Folgekrankheiten upasarga, aupasargika.

Seuchen (maraka, janapadoddhvaṃsa) entstehen besonders durch anhaltende Dürre, übermäßige Regengüsse u. dgl., Plagen, die als Strafe für Sünden von den Göttern verhängt werden, oder durch die Ausdünstungen giftiger Pflanzen, den Einfluss der Gestirne u. dgl. Man muss dann die infizierte Gegend verlassen oder die Epidemie durch Sühnezeremonien u. dgl. bekämpfen (C. 3, 3; Su. 1, 6).

Als die natürlichste und einfachste Klassifikation ist wohl diejenige zu betrachten, die sich auf den Sitz der Krankheit im Körper (rogamārga) gründet. So werden äußere Krankheiten (bāhyaroga) d.h. Hautkrankheiten, Hämorrhoiden, Geschwülste u. dgl., Krankheiten der inneren Organe wie Erbrechen, Durchfall, Husten, Fieber u. dgl. und mittlere wie Schwindsucht, Hemiplegie, Kopfleiden u. dgl. unterschieden (C. 1, 11, 27 f.; A. 1, 12, 44ff.). So bezieht sich auch von den acht Teilen der Medizin (Su. 1,1) der zweite auf Erkrankungen der Ohren, Augen u. a. Körperteile oberhalb des Schlüsselbeins, der dritte auf Krankheiten des ganzen Körpers wie Fieber, Durchfall, Tollheit u. dgl.; sonst treten in dieser Einteilung besonders die Besessenheit, die Kinderkrankheiten und die Vergiftungen hervor."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 46ff.]


2.11.5. Schwindsucht


2.c./d. pumān yakṣmā kṣayaḥ śoṣaḥ pratiśyāyas tu pīnasaḥ

पुमान् यक्ष्मा क्षयः शोषः प्रतिश्यायस् तु पीनसः ॥२ ख॥

[Bezeichnungen für Schwindsucht:]

  • यक्ष्मन् - yakṣman m.: Schwindsucht
  • क्षय - kṣaya m.: Schwund, Schwinden
  • शोष - śoṣa m.: Austrocknen, Auszehrung

Colebrooke (1807): "Pulmonary consumtion."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 229ff. (chapter 11) "Pulmonary tuberculosis"


Schwindsucht (Lungentuberkulose)



Abb.: यक्ष्मा । Schwindsucht (Lungentuberkulose)
[Bildquelle: Bonney: Pulmonary tuberculosis and its complications, 1910. -- S. 489]


Abb.: क्षयः । Schwindsucht (Lungentuberkulose)
[Bildquelle: Bonney: Pulmonary tuberculosis and its complications, 1910. -- S. 552]


Abb.: शोषः । Hauptsymptome der Lungentuberkulose
[Bildquelle: Mikael Häggström / Wikimedia. -- Public domain]


Abb.: क्षयः । Verbreitung der Tuberkulose 2007
[Bildquelle: OMS-WHO / Wikimedia. -- GNU FDLicense]

§ 61. Auszehrung und Lungenschwindsucht. — Die Schwindsucht, noch jetzt einer der Hauptfeinde der Menschheit in Indien1, »wird von manchen anderen Krankheiten begleitet und steht vielen anderen Krankheiten voran, heißt die Königskrankheit2 (rājayakṣman), Schwindsucht (kṣaya), Auszehrung (śoṣa) und der Krankheiten König« (rājarāṭ. S. 3, 5, 1 = A. 3, 5, 1). Auch die kürzere Bezeichnung yakṣman kommt vor, wie in den Vedas neben yakṣma die Composita rājay., ajñātay., pāpay. erscheinen; doch hat das vedische yakṣma wie die meisten urverwandten Wörter (z. B. asl., jedza »Krankheit«) wohl noch die Bedeutung »Krankheit« im Allgemeinen. Schon vedisch ist auch die Sage, welche die Schwindsucht zuerst an dem periodisch dahinschwindenden Mond aufgetreten sein lässt4.

Gewöhnlich werden vier Entstehungsarten dieses Leidens aufgezählt: übermäßige körperliche Anstrengung, Unterdrückung der natürlichen Ausscheidungen, Schwinden der Grundbestandteile des menschlichen Körpers wie Samen, Lebenskraft u. a., und schädliche Speisen und Getränke.

Nach einer anderen Version entsteht die Auszehrung durch sexuelle Ausschweifungen, Kummer, hohes Alter, körperliche Anstrengungen, weite Märsche, Fasten, Geschwüre und Wunden in der Brust (Su. 6, 41, 14).

Die Anfangserscheinungen sind: Schnupfen, starkes Niesen, Schleim, süßer Geschmack im Munde, Verdauungs- und Körperschwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit nach dem Genuss gewisser Speisen, Erbrechen, Abnahme der Kräfte trotz Essens, Anschwellen der Füße und des Mundes, auffallende Weiße der Augen, Verlangen nach Frauen, geistigen Getränken und Fleisch, Missstimmung, ungewöhnliches Wachsen der Nägel und Haare, der Kranke wird im Traum von Motten, Eidechsen, Schlangen, Affen, Raubtieren und Vögeln verfolgt u. a.

Dann folgen die elf charakteristischen Symptome der Schwindsucht: Schnupfen, Asthma, Husten, Schmerzen in der Schulter und am Kopf, nebst Appetitlosigkeit, wenn die Krankheit oben ihren Sitz hat, häufigen aber festen Ausleerungen, wenn sie unten ihren Sitz hat, Erbrechen, wenn sie in den Eingeweiden, Seitenschmerzen, wenn sie auf der Seite, Fieber, wenn sie in den Gelenken sitzt (S. A.).

Eine andere Aufzählung nennt: Schmerzen in den Schultern und Seiten, Brennen an Händen und Füssen, Fieber am ganzen Körper (M. 113f. Su. 6, 41, 9 unterscheidet sechs Symptome: Widerwillen gegen Nahrung, Fieber, Asthma, Husten, blutiger Auswurf und Heiserkeit.

Ein von Alter Schwindsüchtiger ist mager, kraftlos, geschwächt an Verstand, Körperkraft und Sinnen, zitterig, appetitlos, seine Stimme dünn, wie wenn man auf ein zerbrochenes Metallgefäß schlägt, sein Speichel enthält keinen Schleim, er wird von Schwere und Unbehagen gequält, aus seinem Mund, seiner Nase und seinen Augen kommt Ausfluss, seine Stühle und seine Haut sind trocken und rauh.

Bei Wunden (kṣata) in der Brust (Pneumonie?), die durch anstrengende Bewegungen, Lastentragen, (lautes) Lesen, Stoss oder Schlag, sexuelle Ausschweifungen oder (sonstige) Überanstrengung entstehen, kommt Blut, Eiter und Schleim, beim Husten erbricht der Kranke Gelbes, Rotes, Schwarzes und Braunes, seine Brust schmerzt und er fühlt sich sehr elend durch Glut im Körper, sein Mund und sein Atem sind übelriechend, seine Hautfarbe bleich, seine Stimme gebrochen (Su. 6, 41, 14—24).

Einen Schwindsüchtigen, der mit den elf Symptomen (s. o.) behaftet ist oder die sechs: Husten, Durchfall, Seitenschmerzen, Heiserkeit, Appetitlosigkeit und Fieber, oder die drei: Fieber, Husten und Blutsturz hat, soll ein nach Ruhm strebender Arzt nicht behandeln. Dagegen soll der Arzt einen starken Patienten, der gute Verdauung hat, nicht mager und noch nicht lange krank ist, behandeln; nach einem Jahre kann das Leiden nur noch gelindert werden (Su. M.). Von den zahlreichen Mitteln gegen Auszehrung erwähne ich nur das altehrwürdige Rezept Cyavanaprāśa (B. 2,188—200 = C. 6,1,25 = Vr. 10, 29—42 = Cd. 101), »die Speise des Cyavana«, die diesen greisen Seher einst verjüngt haben soll; es besteht aus einer Abkochung von Butter und Melasse mit den verschiedensten Arzneistoffen. Purgier-, Brechmittel u. dgl. eignen sich nur für einen kräftigen Patienten, bei einem abgezehrten Kranken würden sie wie Gift wirken. Man muss auch auf das Gemüt des Kranken einwirken durch Wohlgerüche, Musik, freundliche Reden, Verkehr mit geliebten Freunden und Frauen u. dgl. (C. 2, 6; 6, 8; Su. 6, 41; S. 3, 5; 4, 7; A. 3, 5; 4, 5; M. 111—20; Vr. 10).

1 Vgl. Chevers l. c. 520. 
2
Hierunter möchte ich jedoch nicht »king's evil (syphilis?)« verstehen, wie Bloomfield, SBE. 42, 697, sondern »die wichtigste Krankheit«, vgl. rogarāṭ und die analogen Komposita mit rāja
3
Vgl. Zimmer, Altind. Leben 375 ff.; Bloomfield, Grdr. l. c. 60.
4
Zimmer l. c."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 88f.]


2.11.6. Schnupfen und verstopfte Nase


2.c./d. pumān yakṣmā kṣayaḥ śoṣaḥ pratiśyāyas tu pīnasaḥ

पुमान् यक्ष्मा क्षयः शोषः प्रतिश्यायस् तु पीनसः ॥२ ख॥

[Bezeichnungen für Schnupfen und verstopfte Nase:]

  • प्रतिश्याय - pratiśyāya m.: Erkältung, Katarrh (zu śyai 4: gefrieren lassen)
  • पीनस - pīnasa m.: Schnupfen

Colebrooke (1807): "Catarrh."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 727 (pīnasa); S. 729 (pratiśyāya).


"Eingehend werden die fünf Arten von Schnupfen oder Katarrh (pratśyāya) beschrieben. Bei längerer Dauer wird dieses mit pīnasa verwandte Leiden unheilbar, es entstehen Würmer in der Nase, wie dies nach Cheveks noch jetzt bei »Peenash« häufig vorkommt, Taubheit, Blindheit, Geruchlosigkeit, gefährliche Augenleiden, Geschwulst, Verdauungsschwäche und Husten."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 20ff.]

§ 86. Nasenleiden. — Nach Su. gibt es 31, nach Bh. 34 Nasenleiden (nāsāroga), nach S. A. allein 18 pīnasa. Nach M. ist bei pīnasa »verstopfte Nase« die Nase verstopft, trocken oder voll von Schleim, erhitzt und der daran Erkrankte hat weder Geschmack noch Geruch. Bei unreifem oder akutem pīnasa besteht Schwere im Kopf, Appetitlosigkeit, dünner Ausfluss aus der Nase, Undeutlichkeit der Stimme, öfteres Ausspeien; bei reifem pīnasa bestehen die gleichen Symptome, aber der Schleim bleibt zähe in der Nase stecken, die Stimme und das Aussehen des Schleims sind normal. "

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 116.]

"Viele Rezepte beziehen sich auf pīnasa, pratśyāya, auch wird den daran Leidenden Aufenthalt in einem gegen Winde geschützten Haus vorgeschrieben, sie sollen sich mit einem schweren Tuch den Kopf umhüllen, kaltes Wasser, den Umgang mit Frauen, sehr trockene Speisen, Kummer und Sorgen, frische geistige Getränke meiden; bei frischem Schnupfen wende man Räucherungen an (C. 6, 26, 76—87; Su.6,23f.; S.6,24; A. 6, 20; Vr. 60; Bh. V. l. c.)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 20ff.]


2.11.7. Niesen


3.a/b. strī kṣut kṣutaṃ kṣavaḥ puṃsi kāsas tu kṣavathuḥ pumān

स्त्री क्षुत् क्षुतं क्षवः पुंसि कासस् तु क्षवथुः पुमान् ।३ क।

[Bezeichnungen für Niesen:]

  • क्षुत् - kṣut f.: Niesen
  • क्षुत - kṣuta n.: Niesen
  • क्षव - kṣava m.: Niesen

Colebrooke (1807): "Sneezing."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 728 (dort als kṣavathu m. - Niesen, bezeichnet)



Abb.: क्षुत् ।
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


"Von Niesen (kṣavathu) gibt es 2 Arten Bei bhraṃśathu tritt ein zäher, salziger Schleim, bei dīpta »brennend« heißer Hauch aus der Nase aus."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 117.]


2.11.8. Husten


3.a/b. strī kṣut kṣutaṃ kṣavaḥ puṃsi kāsas tu kṣavathuḥ pumān

स्त्री क्षुत् क्षुतं क्षवः पुंसि कासस् तु क्षवथुः पुमान् ।३ क।

[Bezeichnungen für Husten:]

  • कास - kāsa m.: Husten
  • क्षवथु - kṣavathu m.: Niesen, Schnupfen, Katarrh

Colebrooke (1807): "Cough."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 242ff. (chapter 12) "Cough"



Abb.:  कासः ।
[Bildquelle: Werner, David <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 163ff. -- CC by, nc, sa]


§ 62. Husten, Asthma und Schlucken. — Husten (kāsa) und Atembeschwerden (śvāsa) erscheinen sehr oft zusammen oder einzeln als Krankheitssymptome, so bei der Schwindsucht (§ 61), werden aber auch beide als selbständige Krankheiten betrachtet und beschrieben. Von kāsa werden meist fünf gradatim schlimmere Arten unterschieden, die auf Störungen der drei Grundsäfte, auf (inneren) Wunden (kṣata) oder auf Schwindsucht (kṣaya) beruhen und bei Vernachlässigung zur Auszehrung führen. Vorboten des Hustens sind: Kratzen im Hals, ein Gefühl, als ob Hals und Mund voll von stechenden Insekten (śūka) wären, Steckenbleiben der Speisen (im Hals), Heiserkeit, Appetitlosigkeit, Verdauungsschwäche. Die »Wunden« werden ähnlich wie bei der Schwindsucht definiert, sie entstehen durch innerliche Verletzungen der Brust durch körperliche Anstrengungen, Lastentragen, Stoss und Schlag u. dgl.; der Kranke hustet zuerst trocken, speit dann Blut, der Hals schmerzt stark, die Brust ist wie zerschnitten, er hat ein Gefühl, als ob er mit spitzen Nadeln durchstochen würde, Fieber, Asthma, Durst, Heiserkeit, seine Stimme klingt wie das Girren einer Turteltaube, allmählich lassen seine Kräfte, sein Appetit, seine Verdauung nach, er wird blass, abgezehrt, leidet an Blutharnen, Rücken- und Hüftweh (Pneumonie?). Der auf Schwindsucht beruhende (kṣayaja) Husten ist offenbar eine Form der Schwindsucht: der Auswurf ist blutig, eiterig, übelriechend, gelb, grünlich oder rot, beim Husten hat der Kranke das Gefühl, als ob ihm das Herz zu Boden fiele, leidet an Fieber, Seitenschmerzen, Schnupfen, Heiserkeit, isst viel und wird doch mager und schwach, dann kommen alle Zeichen der Schwindsucht zur Entwicklung. Dieses Leiden ist bei entkräfteten Personen unheilbar, sonst und gegen die anderen Formen von kāsa werden Fett- und Schwitzmittel, Leckmittel, Klistiere, Abführmittel u. s. w. empfohlen (C. 6, 18; Su. 6, 52; S. 3, 3; 4, 4; A. 3, 3; 4, 3; M. 120-4; Vr. 11)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 89.]


2.11.9. Schwellung


3.c/d. śophas tu śvayathuḥ śothaḥ pādasphoṭo vipādikā

शोफस् तु श्वयथुः शोथः पादस्फोटो विपादिका ॥३ ख॥

[Bezeichnungen für Schwellung:]

  • शोफ - śopha m.: Beule Geschwulst
  • श्वयथु - śvayathu m.: Schwellung, Gedunsenheit
  • शोथ - śotha m.: Schwellung

Colebrooke (1807): Intumescence."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 524ff. (chapter 42) "Dropsy."



Abb.: शोथः । Hautschwellung nach einem Insektenstich, Gujarat
[Bildquelle: paru joshi. -- http://www.flickr.com/photos/_paru/4145944631/. -- Zugriff am 2011-01-21. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, share alike)]


Abb.: शोफः । Hautschwellungen bei Lepra
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 2 (1921). -- Fig. 161]


Abb.: श्वयथुः । Hungerödem (Hungerbauch), ein typisches Zeichen von Protein-Energie-Mangelernährung (Kwashiorkor)
[Bildquelle: Dr. Lyle Conrad / CDC / Wikipedia. -- Public domain]


Abb.: श्वयथुः । Ödem in Bein (Druckprobe)
[Bildquelle: James Heilman, MD / Wikipedia. -- GNU FDLicense]


"§  69. Entzündungen und Geschwülste. — Unter śotha, śvayathu, śopha »Schwellung« kann jede auffallende Schwellung der Haut an irgend einer Stelle verstanden werden. Nach C. 1, 18 gibt es drei oder sieben Arten von śotha, nach den Grundsäften oder den Kombinationen derselben, oder zwei Arten, je nachdem sie durch innere oder äußere (āgantu) Ursachen entstehen. Solche äußere oder zufällige Ursachen sind Verletzungen jeder Art, Berührung mit Blüten, Früchten oder Saft von bhallātaka (Semecarpus Ana- cardium)1, stachlige Insekten (śūka)2, oder giftige Pflanzen, oder der Schweiß, die Haut oder der Urin giftiger Tiere, oder der Biss und Verletzungen durch die Hörner oder Klauen giftiger oder ungiftiger Tiere, oder Meerwasser, giftige Winde oder Brandwunden. Innere Ursachen von śotha sind: die unrichtige Anwendung von Arzneimitteln, schwere Formen von Brechanfällen, Cholera, Lepra, Abortus und andere Leiden, schädliche Speisen und Getränke u. a. Gefährlich ist śotha, wenn er in der Mitte des Körpers auftritt oder sich überall hin verbreitet, tödlich, wenn er an einer ganzen Körperhälfte auftritt oder sich nach oben hin ausbreitet Auch ist der Fall hoffnungslos, wenn Asthma, Durst, Erbrechen, Fieber, Schwäche, Appetitmangel, Schlucken, Durchfall und Husten dabei auftreten, wenn die Geschwulst bei Männern von den Füssen, bei Frauen vom Mund ausgeht, oder bei beiden Geschlechtern vom After, wenn sie alt ist, im Bauch, Hals oder an einer gefährlichen Stelle sitzt, groß oder hart ist, oder Kinder, Greise oder schwächliche Personen befällt. Nach C. gehören auch lokale Entzündungen und Schwellungen an der Zunge (upajihvikā, adhijihvikā), am Hals und Kehlkopf (galaśuṇḍī, galagaṇḍa, galagraha), am Zahnfleisch (upakuśa), am Abdomen (udara, gulma), ferner die Rose (visarpa), rote Geschwüre oder Beulen (pīḍakā), kupferrote, schmerzende Beulen (alajī, schon vedisch) und andere zu śotha. Die Behandlung ist mehr eine innerliche als äußerliche, auch ist die Diät sorgfältig zu regeln (C. 1, 18; 6, 12; Su. 4, 23; S. 3, 13; 4, 19; A. 3, 13; 4, 17; M. 243—8; Bh. 2, 3, 87ff.; Vr. 39; V. 561—74).

Unter śopha verstehen Su. S. A. (vgl. auch C. 6, 25, 22ff.) auch Geschwüre, Eiterbeulen, offenbar das, was in der späteren Pathologie vraṇaśotha, d. h. durch ein Geschwür verursachte Geschwulst, heißt (M. K. V. Bh.), vgl. § 78. Es gibt 6 Arten von śopha oder vraṇaśotha, die auf den Grundsäften, Blut oder äußeren Ursachen beruhen und sich durch ihre Farbe, Konsistenz, Schmerzhaftigkeit und Entwickelungsart unterscheiden. Es gibt ferner drei Stadien eines Geschwürs, von denen das unreife (āma) durch geringe Hitze und Schmerzhaftigkeit, Kälte, Härte und geringe Erhebung der Geschwulst und unveränderte Färbung der Haut gekennzeichnet wird. In dem reifenden (pacyamāna) treten heftige Schmerzen auf wie von Nadel-, Ameisen- oder Skorpionstichen, Messerstichen, Keulenschlägen, Brennen oder Ätzen u. dgl., der Patient findet keine Ruhe im Stehen, Sitzen oder Liegen, die Geschwulst geht in die Höhe wie ein aufgeblasener Schlauch, die Haut entfärbt sich, es entsteht Fieber, Hitze, Durst und Appetitlosigkeit In dem reifen Stadium (pakva) lassen die Schmerzen nach, die Haut ist weißlich, die Schwellung gering, es entstehen Hautfalten, die Haut springt auf, die Geschwulst lässt sich mit den Fingern niederdrücken, erhebt sich aber dann wieder, die obigen Begleiterscheinungen hören auf, der Appetit kehrt zurück. Zuerst drücke man das Geschwür mit den Fingern zusammen, dann ziehe man Blut daraus durch Blutegel u. dgl., dann lege man Pflaster auf, viertens schneide man es auf, fünftens wende man reinigende Mittel an, sechstens heilende Mittel, schließlich beseitige man Verunstaltungen (Su. 1,17,17 f. = Vr. 44, 1 f.). Vor einer Operation lasse man den Kranken essen, damit er nicht ohnmächtig wird, und wenn er an Trinken gewöhnt ist oder keinen Schmerz ertragen kann, gebe man ihm ein starkes Getränk, damit er im Rausch das Messer nicht fühlt (Su. 1, 17, 11 f. = A. 1, 29, 14f.). Die Unterlassung einer Operation bei einem reifen Geschwür führt dazu, dass der Eiter sich gewaltsam einen Ausweg sucht und eine Fistel bildet, vgl. § 77. Andrerseits entsteht aus dem Aufschneiden eines unreifen Geschwürs starker Blutverlust, Zerstörung des Fleisches, der Adern, Sehnen u. s. w. und andere schlimme Komplikationen (Su. 1, 17; S. 1, 38; A. 1, 29; M. 265—7; Vr. 44; Bh. 2, 3, 112 ff; V. 606ff).

1 Nach Dutt, Mat Med. 141 wird der ätzende Saft von bkallātaka noch jetzt zur Hervorbringung künstlicher Wunden oder Narben benutzt.
2
Diese śūka wurden auch als Stimulantien verwendet, indem man sie dem Penis applizierte; auch andere derartige Stimulantien hießen daher śūka, vgl. Kāmasūtra 369. Die angeblieh von diesen śūka entstehenden 18 śūkadoṣa, Entzündungen und Abszesse an den Genitalien, von denen vier unheilbar sind, bilden ein besonderes Kapitel der indischen Medizin. Vgl. Su. 2, 14; S. 6, 38f.; A. 6, 33f.; M. 289—93; V. 645 ff.; Vr. 50."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 99f.]


2.11.10. Rissige, sehr schmerzende Füße


3.c/d. śophas tu śvayathuḥ śothaḥ pādasphoṭo vipādikā

शोफस् तु श्वयथुः शोथः पादस्फोटो विपादिका ॥३ ख॥

[Bezeichnungen für rissige, sehr schmerzende Füße:]

  • पादस्फोट - pādasphoṭa m.: Aufplatzen des Fußes
  • विपादिका - vipādikā f.: Fuß-Entstellung

Colebrooke (1807): "Kibe. A blister or sore on the foot."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 604: "vipādika: Its features are - hands and feet becoming cracked and severe pain."



Abb.: पादस्फोटः । Eine Form von Ekzem (Eczema chronicum corneum)
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 1 (1921). -- Fig. 29.]


Abb.: वैपादिकम् ।  Psoriasis am Fuß
[Bildquelle: Fox, George Henry: Photographic atlas of the diseases of the skin. -- Vol 2 (1889). -- Nach S. 82.]


2.11.11. Weiße Hautflecken (Weißer Aussatz, Vitiligo, Pityriasis)


4.a./b. kilāsaṃ sidhma kacchvāṃ tu pāma pāmā vicarcikā

किलासं सिध्म कच्छ्वां तु पामा विचर्चिका ।४ क।

[Bezeichnungen für weiße Hautflecken:]

  • किलास - kilāsa n.: Kilāsa, weißer Aussatz
  • सिध्म - sidhma n.: Sidhma

Colebrooke (1807): "Blotch."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 605f. (kilāsa) "Leucoderma"; 603 (sidhma)


किलासम् । Weiße Lepra (Indeterminierte Lepra)



Abb.: किलासम् । Weiße Lepra (Indeterminierte Lepra)
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 248. -- CC by, nc, sa]


Abb.: किलासम् । Weiße Lepra (Indeterminierte Lepra)
[Bildquelle: Fox, George Henry: Photographic atlas of the diseases of the skin. -- Vol 2 (1889). -- Nach S. 176.]


किलासम् । Vitiligo



Abb.: किलासम् । Vitiligo (Weißfleckenkrankheit)
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 248. -- CC by, nc, sa]


Abb.: किलासम् । Vitiligo (Weißfleckenkrankheit)
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 2 (1921). -- Fig. 104.]


Abb.: किलासम् । Vitiligo (Weißfleckenkrankheit)
[Bildquelle: Grook Da Oger / Wikimedia. -- GNU FDLicense]


सिध्म । Pityriasis versicolor (Tinea versicolor)



Abb.: सिध्म । Pityriasis versicolor (Tinea versicolor)
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 247. -- CC by, nc, sa]


Abb.: सिध्म । Pityriasis versicolor (Tinea versicolor)
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 3 (1921). -- Fig. 189.]


Harmlose weiße Fleckchen



Abb.: Harmlose weiße Fleckchen
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 247. -- CC by, nc, sa]


"Neben kuṣṭha wird häufig śvitra »der weiße Aussatz« genant, aber als leichtere Krankheit, die daher auch in der Stufenfolge der Wiedergeburten als Strafe für leichtere Vergehen erscheint5. Nahe verwandt oder identisch hiermit ist kilāsa, schon im AV. als eine durch weiße und graue Flecken charakterisierte Krankheit vorkommend und von den Kommentatoren auf weißen Aussatz (śvetakuṣṭha) bezogen6. Nach Dutt 61 wäre unter kilāsa in der Medizin Leukoderma zu verstehen; wahrscheinlich ist aber zugleich der weiße (glatte oder anästhetische) Aussatz gemeint, da beide Krankheiten in Indien häufig vorkommen und so schwer zu unterscheiden sind, dass bei der letzten Volkszählung besondere Instruktionen darüber gegeben werden mussten7. Nach Su. unterscheidet sich kilāsa von kuṣṭha dadurch, dass erstere Krankheit nur in der Haut sitzt und ohne Ausfluss ist Nach S. A. M. kann śvitra oder kilāsa auch im Blut, Fleisch und Fett sitzen und ist dann stufenweise schlimmer. Heilbar ist die Krankheit, wenn die Haare am Leib nicht weiß (sondern schwarz), die Flecken nicht groß sind und nicht zusammenhängen oder wie Brandwunden aussehen. Andernfalls ist sie unheilbar, ebenso wenn sie an den Genitalien, Handflächen oder Lippen auftritt (Su. 2, 5, 14; S. 3, 14; A. 3, 14, 37—41; M. 302—5). Die Behandlung ist ähnlich wie bei kuṣṭha, manche Rezepte gelten für beide Krankheiten (Vr. l. c.; Bh. 2, 4, 38 f. etc.).

6 Vgl. Zimmer l. c. 391: Bloomfield, SBE, 42, 266.
7
Vgl. z. B. Census of India 1891, 16, 305. Einen Report über den heutigen Stand der Lepra in Indien veröffentlichte die 1889/90 dort gewesene "Indian Leprosy Commision"."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 98f.]

"sidhma: die Flecken sind weiß oder kupferfarbig, klein, geben beim Zerreiben Staub, treten zumeist an der Brust auf und gleichen der Blüte der Flaschengurke. Nach Dutt ist Pityriasis, die Kleienflechte mit mehlartigen Schüppchen, gemeint."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 97.]


2.11.12. Nässender, juckender oder brennender Ausschlag (Ekzem, nässende Flechte, Krätze, Psoriasis)


4.a./b. kilāsaṃ sidhma kacchvāṃ tu pāma pāmā vicarcikā

किलासं सिध्म कच्छ्वां तु पाम पामा विचर्चिका ।४ क।

Bezeichnungen für कच्छू - kacchū f.: Kacchū (Krätze)

  • पामन् - pāman n.: Pāman (Ekzem)
  • पामा - pāmā f.: Pāmā (Ekzem)
  • विचर्चिका - vicarcikā f.: Vicarcikā (Psoriasis?)

Colebrooke (1807): "Scab."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 604


पामा । Ekzem



Abb.: पामा । Eczema papulosum (Ekzem)
[Bildquelle: Fox, George Henry: Photographic atlas of the diseases of the skin. -- Vol 1 (1900). -- Pl. XX.]


कच्छूः । Krätze (Scabies)



Abb.: कच्छूः । Krätze (Scabies)
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 241. -- CC by, nc, sa]


Abb.: कच्छूः । Scabies (Krätze)
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 3 (1921). -- Fig. 198.]


Abb.: कच्छूः । Scabies (Krätze)
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 3 (1921). -- Fig. 199/200.]


Abb.: कच्छूः । Scabies (Krätze): Grabmilbe
Sarcoptes scabiei  Latreille, 1802
[Bildquelle: Medical Art Service Munich / Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)]


विचर्चिका (?) । Psoriasis vulgaris



Abb.: विचर्चिका (?) । Psoriasis vulgaris
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 1 (1921). -- Fig. 56.]


Abb.: विचर्चिका (?) । Psoriasis vulgaris
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 1 (1921). -- Fig. 58.]


Übersicht über verschiedene Hautkrankheiten



Abb.: Hierzu und zu den Folgenden: verschiedene Hautkrankheiten
[Bildquelle: Der Arzt im Hause, 1923. -- Bd. 2. -- Nach S. 488.]


"pāma: winzige, aber zahlreiche Bläschen, mit Ausfluss, Jucken und Brennen verbunden, Ekzem oder nässende Flechte.

kacchu: ebenso, aber mit heftig brennenden Pusteln an den Händen und Hinterbacken, schmerzhaft, Krätze.

[..]

vicarcikā: juckende, dunkle, stark nässende Flecken oder Beulen, Psoriasis (nach D.), oder nässende Flechte."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 97.]


2.11.13. Juckreiz (Pruritus)


4.c./d. kaṇḍūḥ kharjūś ca kaṇḍūyā visphoṭaḥ piṭakas triṣu

कण्डूः खर्जूश् च कण्डूया विस्फोटः पिटकस् त्रिषु ॥४ ख॥

[Bezeichnungen für Juckreiz:]

  • कण्डू - kaṇḍū f.: Jucken, Kratzen
  • खर्जू - kharjū f.: Jucken
  • कण्डूया - kaṇḍūyā f.: Jucken, Kratzen

Colebrooke (1807): "Itch."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. --


Insektenstiche als Ursache für Juckreiz



Abb.: देहिका । Ursache für Juckreiz: Floh
[Bildquelle: Rob Young / Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)]


Abb.: यूकः । Ursache für Juckreiz: Kleiderlaus Pediculus humani corporis
[Bildquelle: Spike Walker / Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)]


Abb.: मशकः । Ursache für Juckreiz: Anopheles stephensi, die Überträgerin von Malaria in Indien und Pakistan
[Bildquelle: Hugh Sturrock / Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung)]


2.11.14. Dunkelrote Hautschwellungen, Beulen


4.c./d. kaṇḍūḥ kharjūś ca kaṇḍūyā visphoṭaḥ piṭakas triṣu

कण्डूः खर्जूश् च कण्डूया विस्फोटः पिटकस् त्रिषु ॥४ ख॥

[Bezeichnungen für dunkelrote Hautschwellungen, Beulen:]

  • विस्फोट - visphoṭa m.: Beule, Blase
  • पिटक - piṭaka m., n., f.: Korb, Beule, Pustel

Colebrooke (1807): "Boil."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 632ff. (chapter 58): visphoṭa = "Small pox."; auch S. 604 (visphoṭa kuṣṭha)


In Betracht kommt evtl auch die Beulenpest.


Abszess



Abb.: विस्फोटः ।
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 243. -- CC by, nc, sa]


Abb.: विस्फोटः । Abszess
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


Pocken



Abb.: पिटकाः । Ein junges Mädchen , infiziert mit Pocken, Bangladesh, 1973
[Bildquelle: CDC / Wikipedia. -- Public domain]


Abb.: पिटकाः । Die letzte Pockenkranke der Erde: Rahima Banu, Barisal District - বরিশাল, Bangla Desh, Oktober 1975
[Bildquelle: CDC / Wikipedia. -- Public domain]


Abb.: शीतला - Śītalā, die Pockengöttin
[Bildquelle: Wilkins 1900 / Wikipedia. -- Public domain]


Beulenpest



Abb.: विस्फोटः ।Pestbeulen
[Bildquelle: CDC / Wikipedia. -- Public domain]


Abb.: मूषकाः । Ratten, die in Indien die Pest übertragen
[Bildquelle: Hossack, 1907]


"visphoṭa: dunkelrote Schwellungen mit dünner Haut, Beulen."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 97.]

"§ 66. Die Pocken.1 — Die Pocken kommen im AV. und in der Bowerhs. noch nicht vor. Auch Su., S., A. und selbst S. erwähnen sie nur unter den kleineren Übeln (kṣudraroga), die zumeist Hautkrankheiten sind. C. übergeht sie in seiner Aufzählung der Krankheiten (1, 19) und erwähnt sie nur ganz kurz neben den Masern als einen Ausschlag am ganzen Körper, der wie Rose und Lepra zu behandeln ist (6, 12, 55). Sie heißen masūrikā, masūrī »Linsenkrankheit«, von der Gestalt der Pusteln. So sagt Vāgbhaṭa (S. 6, 36, 315 = A. 6, 31, 8): »(Die Pocken sind) harte Pusteln an den Gliedern und im Munde, von der Größe und Farbe einer Linse (masūra) und danach benannt, mit Hitze, Fieber und Schmerzen verbunden«; ähnlich Su. 2, 13, 33 f. Zu behandeln sind die Pocken, ebenso wie andere Hautkrankheiten, hauptsächlich mit Salben (Su. 4, 20, 29). A. 2, 5, 111 hebt auch die Gefährlichkeit der Pocken hervor: derjenige, an dessen Körper die wie Korallenkügelchen aussehenden masūrikā auftreten und rasch wieder verschwinden, geht bald zu Grande; A. 3, 10, 32 erwähnt sie als eine Folgekrankheit von Harnruhr.

Genauere Angaben enthalten die späteren Werke. Die Pocken entstehen durch schädliche, besonders scharfe oder salzige Speisen und andere Diätfehler, durch Luft und Wasser, die (durch giftige Blumen u. dgl.) verdorben sind, und durch das Erscheinen eines erzürnten Planeten. Diese letzte Ursache ist auf Pocken-Epidemien zu beziehen, da die Pocken in denjenigen Ländern auftreten sollen, wo die erzürnten Planeten sichtbar werden (C.). Eingeleitet wird die Krankheit durch Fieber, Jucken, Gliederreißen, Unbehagen, Schwindel, Anschwellung der Haut, Veränderung der Farbe und Röte in den Augen.

Von Wind sind die Pusteln dunkelrot, rauh, hart, verursachen heftige Schmerzen und reifen langsam; diese Art ist unheilbar.

Von Galle sind die Pusteln rot, gelb oder weiß, verursachen Brennen und heftige Schmerzen und reifen schnell; dabei zeigen sich Schmerzen in den Gelenken, Husten, Beben, Unbehagen, Mattigkeit, Trockenheit des Gaumens, der Lippen und der Zunge, Durst und Appetitlosigkeit.

Von Blut entsteht Durchfall, Hitze am Körper, Durst, Unbehagen und Appetitlosigkeit, Entzündung am Mund, Röte in den Augen und besonders starkes Fieber, sowie die gleichen Erscheinungen wie bei Galle.

Von Schleim sind die Pusteln weiß, glänzend, sehr groß, verursachen Jucken, aber wenig Schmerzen und reifen langsam; zugleich zeigt sich Schleimfluss, Lahmheit, Kopfweh, Schwere in den Gliedern, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schlaf, Mattigkeit, Unlust.

Von allen drei Grundsäften sind sie groß, blau, in der Mitte eingesunken, sehr schmerzhaft, reifen langsam, enthalten stinkenden Eiter und heißen carman (eine Art Aussatz); diese Form ist mit Schlingbeschwerden, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Irrereden und Unlust verknüpft und schwer oder gar nicht heilbar.

Weitere Verschiedenheiten beruhen darauf, ob die Pusteln ihren Sitz im Chylus, Blut, Fleisch, Fett, Mark, den Knochen oder dem Samen haben. Wenn sie in der Haut (d. h. im Chylus) sitzen, gleichen sie einem Wassertropfen, sind sehr harmlos und lassen, wenn sie platzen, Wasser ausströmen (Wasserpocken). Im Blut haben sie die Farbe von Blut, reifen langsam, haben eine dünne Haut, enthalten Blut. Bei den folgenden Arten zeigen sich stufenweise schlimmere Symptome, die im Knochen oder Samen sitzenden führen rasch den Tod herbei. Zeichen unheilbarer Erkrankung sind es auch, wenn die Pusteln wie Korallen, Jambūfrüchte, eiserne Kügelchen oder Leinsamen aussehen, wenn Husten, Schlucken, Geistesverwirrung, heftiges, schweres Fieber, Irrereden, Unlust, Ohnmacht, Durst, Hitze, Unruhe vorhanden sind, Blut aus Mund, Nase und Augen strömt, im Hals ein Rasseln vernommen wird und die Respiration überaus schmerzhaft ist, der Kranke mit Anstrengung nur durch die Nase atmet und von Durst gequält wird. Schwer heilbar ist auch eine nach den Pocken entstehende Geschwulst am Ellbogen, Handgelenk oder Schulterblatt.

Unter den zahlreichen Mitteln gegen die Pocken hebe ich nur den gewiss nicht sehr alten innerlichen Gebrauch von Quecksilber (pārada, Cd. 315) und die verschiedenen Rezepte für Mischungen von Arzneistoffen mit kaltem oder sehr kaltem Wasser hervor (M. 316—21; Vr. 56; V. 700—9; W. 314—8; Bh. 2, 4, 53—9).

An die kalte Behandlung der Pocken, die jedenfalls auf dem damit verbundenen Fieber beruht, schließt sich eine anscheinend jüngere Nebenform dieser Krankheit, śītalā »die kalte«, an.2 Nachgewiesen ist dieser auch in den neuindischen Sprachen noch vertretene Pockenname bisher erst in Bh., doch kommt das damit verwandte śītalikā als eine volkstümliche Bezeichnung der Pocken (lokāśrayā samjñā) schon bei D. zu Su. 2, 13 vor, also im 12. Jahrhundert.

Der Bh. (16. Jahrh.) teilt die śītalā in sieben Arten ein, beschreibt aber deren acht.

  1. Die große śītalā (bṛhatī) wird durch große Pusteln charakterisiert, deren Auftreten Fieber vorhergeht; nach sieben Tagen kommen die Pusteln zum Vorschein, in weiteren sieben Tagen reifen sie, in der dritten Woche trocknen sie ein und verschwinden von selbst.

  2. kodravā entsteht aus Wind und Schleim, die Pusteln sehen wie die Reisart kodrava (Paspalum scrobiculatum) aus, reifen nicht, sondern heilen in 7—10 Tagen ohne Arznei ab.

  3. Durch Hitze entsteht ūṣmajarūpā »wie Insekten aussehend«.

  4. pāṇisahā »die Hand ertragend«: die Pusteln jucken, ertragen aber das Kratzen mit der Hand und trocknen nach sieben Tagen ein.

  5. sarṣapikā »Senfkorn«: die Pusteln haben die gleiche Farbe wie ein gelbes Senfkorn.

  6. rājikākṛti »von gleicher Gestalt wie die Senfart rājikā (Sinapis ramosa)«. Diese Art entsteht durch Hitze, kommt nur bei Kindern vor und trocknet leicht von selbst ein.

  7. Die Pusteln sind rot, erhaben und rund, einem roten Ausschlag gleich, mit Schmerzen verbunden, vorher geht ein Fieber, das drei Tage anhält.

  8. carmajā »in der Haut entstanden«: die Pusteln fließen zusammen. Neben den Sanskritnamen werden auch volkssprachliche genannt.

 Die Heilung von śītalā erfolgt in manchen Fällen leicht und ohne Behandlung, andere Fälle sind trotz aller angewandten Mittel unheilbar. Die Mittel, besonders bei der ersten Art, bestehen in Bestreuung der aufgeplatzten oder noch unreifen Pusteln mit Asche von Kuhmist, Darreichung von kaltem (śītala) Wasser, das selbst bei Fieber nicht wie sonst abgekocht werden darf, Verbringung des Erkrankten an einen kalten (śītala) abgelegenen Platz, wo niemand zu ihm gehen darf, Vertreibung der Fliegen mit Zweigen von Nimba- und Seerosenblättern, Verabreichung eines Abgusses von kaltem Wasser mit Sandelholz und anderen Fiebermitteln zur Stillung des Fiebers; »viele Ärzte«, heisst es jedoch, »geben überhaupt keine Arznei«. Auch sollen im ganzen Hause Nimbablätter angebracht werden.

Hauptsächlich aber soll die Göttin śītalā, der alle Erscheinungsformen dieser Krankheit unterstehen, geehrt werden mit Opfergaben, Zeremonien und einem Hymnus aus dem Skandapurāṇa, den ein frommer Brahmane rezitieren soll. Der Hymnus wird als śītalāṣṭakaṃ stotram bezeichnet und die auf dem Esel reitende Göttin śītalā darin als das Lebenselixir eines fiebernden, mit übelriechendem (Eiter) behafteten, des Augenlichts beraubten Kranken angerufen (Bh. 2, 4, 59—63).

Der Kultus der sieben Pockenschwestern, denen offenbar die obigen sieben Erscheinungsformen der śītalā entsprechen, und insbesondere der śītalā ist heutzutage in Nordindien sehr verbreitet.3 śītalā hat noch immer den Esel als Reittier, wohnt im Nimbabaum, weshalb man auch den Kranken mit Nimbablättern fächelt, über der Tür des Krankenzimmers Nimbablätter aufhängt oder dieselben in einen Wassertopf im Krankenzimmer legt, und wird besonders von Frauen und Kindern geehrt, wie die obige 6. Art der śītalā auf Kinder beschränkt ist. Camariyā, die älteste der Pockenschwestern, der eine besonders schlimme Pockenform mit zusammenfließenden Pusteln zugeschrieben wird, entspricht der achten Art, carmajā oder camaragoṭī.

Auch in Südindien ist die Vergöttlichung der Pocken weit verbreitet, eine im 17. Jahrhundert dort vorkommende Pockengöttin Basuri vielleicht mit masūrī zu identificiren.4

Bekanntlich sind die Pocken gegenwärtig die verbreitetste Kinderkrankheit und überhaupt eine der gefährlichsten Krankheiten in Indien.5 Auch in den obigen Angaben erscheinen sie von M. ab als eine schwere, weit verzweigte und epidemische Krankheit, auch in A. schon als gefährlich, während sie bei Su. S. nur ein leichtes Hautübel sind, das wohl mit Wise6 als eine milde Form der späteren epidemischen Pocken zu betrachten ist, und in der ältesten Medizin noch ganz fehlen.

Die oft geäußerte Ansicht, dass die Pocken in Indien viel früher als in Arabien aufgetreten und aus Indien nach Arabien gelangt seien, ist hiernach keineswegs als sicher zu bezeichnen, noch weniger mit Chevers7 anzunehmen, dass die Priester der śītalā die ältesten Impfärzte waren. Von irgendwelcher Impfung lässt sich in der älteren medizinischen Literatur keine Spur entdecken,8 wie auch die Verehrung der śītalā als Pockengöttin derselben noch fremd ist und auch unter den zahlreichen alten Personifikationen von Kinderkrankheiten keine Personifikation der Pocken erscheint.

1 Vgl. hierzu Orth, Bemerkungen über das Alter der Pockenkenntnis in Indien und China. Janus V, 391 — 6. 452—8. (Amsterdam 1900) und meinen Nachtrag hierzu Janus V, 577 f.
2 Vgl. Wise, Commentary 235f.
3 Crooke, Popular Religion of N. India (London 1896) I, 125—36.
4 Vgl. Stuart, Madras Census Report (Madras 1898), 58 f.; Orth l. c.
5 Vgl. General Report on the Census of India 1891, 62.
6 Review of the History of Medicine, 2, 108, vgl. Orth l. c.
7 Diseases of India 45 ff.
8
Das von Ainslie (vgl. Bohlen, Das alte Indien 2, 219) mitgeteilte Sanskritzitat über Kuhpockenimpfung ist offenbar eine moderne Fälschung, vgl. Haas, ZDMG. 30, 660 f."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 93ff.]


2.11.15. Geschwüre und Wunden


5.a./b. vraṇo 'striyām īrmam aruḥ klībe nāḍīvraṇaḥ pumān

व्रणो ऽस्त्रियाम् ईर्मम् अरुः क्लीबे नाडीव्रणः पुमान् ।५ क।

[Bezeichnungen für Geschwüre und Wunden:]

  • व्रण - vraṇa m., n.: Wunde, offener Leibschaden, Fehler, Schaden
  • ईर्म - īrma n.: Arm, Vorderschenkel; Wunde
  • अरुस् - arus n.: Wunde

Colebrooke (1807): "Sore or wound."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 553ff. (chapter 47) vraṇaśotha = "Inflammatory swelling."


Karbunkel (Eiterbeule)



Abb.: व्रणः । Karbunkel (Eiterbeule)
[Bildquelle: Fox, George Henry: Photographic atlas of the diseases of the skin. -- Vol 1 (1900). -- Pl. VI.]


Carcinoma cutis (Hautkrebs)



Abb.: व्रणः । Carcinoma cutis (Hautkrebs)
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 3 (1921). -- Fig. 178.]


Tierbisse



Abb.: आगन्तुव्रणः ।
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 102. -- CC by, nc, sa]


Abb.: आगन्तुव्रणः । Verwundung durch Blutegel (जलौकस् - jalaukas m.), Indien
[Bildquelle: brunswicksquare. -- http://www.flickr.com/photos/33184420@N00/5187341705/. -- Zugriff am 2011-02-02. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, share alike)] 


"§ 78. Geschwüre. — Von vraṇa »Wunde, offener Leibschaden« werden gewöhnlich zwei Arten unterschieden: śarīra »körperlich« oder nija »eigen«, d. h. von innen entstanden, und āgantu »zufällig«, d. h. aus äußeren Ursachen entstanden (ulcus und vulnus).

Erstere vraṇa, d. h. die Geschwüre, entstehen

  1. durch Wind. Das Geschwür ist dunkel gefärbt, hart, der Ausfluss dünn, spärlich, verschiedenfarbig, der Schmerz heftig wie von Stechen, Reißen, Brennen, Schlagen, Zerren u. a.

  2. Von Galle ist das Geschwür gelb oder blau, der Ausfluss übelriechend, wie Kuhurin u. s. w., heiß und reichlich, der Schmerz wie von Ätzstoffen, Brandwunden u. dgl., mit Hitze und Fieber.

  3. Von Schleim ist das Geschwür weißlich, der Ausfluss reichlich, weiß und zäh, der Schmerz gering. 4. Von Blut ist das Geschwür rot wie Korallen, der Ausfluss besteht in Blut und Eiter, der Geruch ist wie von einem Pferdestall, sonst ist alles wie bei Galle.

Weitere 11 Formen, die auf verschiedenen Mischungen der obigen Ursachen und Symptome beruhen, beschreibt Su. 4, 1, 5—16. Schwer heilbar oder unheilbar sind vraṇa an gewissen Stellen des Körpers, wie Augen, Zähne, Nase, Unterleib, Nabel, Ohren, Seiten, Achselhöhlen, Brust, ferner bei Aussätzigen, Schwindsüchtigen, Diabetikern und anderen Kranken, übelriechenden Eiter und verdorbenes Blut sezernierende, tiefsitzende alte vraṇa, solche, wobei der Schädel verletzt und das Gehirn sichtbar ist u. a. (C. 4, 25; Su. 1, 22f.; 4, 1; S. 6, 29; A. 6, 25; M. 268—71; Bh. 2, 3, 112ff.; V. 608f.).

Die Heilmethoden für vraṇa fallen vielfach mit denjenigen für śotha, śopha (§ 69) zusammen. Su. 4, 1, 18 nennt 60 Methoden bei vraṇa, nämlich Diäthalten, Salben, Begießung, Warmhalten, Erweichung, Fettmittel, Brechmittel, Purgiermittel, Aufstechen, Aufschneiden, Sondieren, Breiumschläge, Aufstreichen von Öl und Butter, Bestreuen, Räucherung, Einreiben, Erzeugung von Schorf, Ätzmittel, Ausbrennen, Klistiere, Verbände, Nasenmittel u. a. Nach Su. i, 18 sind bei vraṇa zuerst Salben aufzulegen; er unterscheidet pralepa, die kalt und dünn sind, pradeha, d. h. Breiumschläge, und die besonders empfohlenen ālepa, die von mittlerer Stärke sind, wie eine nasse Büffelhaut, und aus einer Mischung von Fett oder Öl und Arzneistoffen bestehen. Sodann kommen Verbände (bandha), von denen es 14 meist nach ihrer Form benannte Arten gibt, wie kośa, Scheide oder Ei, ein mit Arzneistoffen gefüllter Verband an den Gelenken des Daumens und anderer Finger; svastika, von der Gestalt eines svastika (kreuzförmig), an den Gelenken, Augenbrauen, Ohren u. s. w.; maṇḍala, kreisförmig, an runden Körperteilen; yamala, doppelt, an doppelten Geschwüren. Als Verbandstoffe dienen Leinwand, Baumwolle, Wolle, Seide, Baumbast, Eisenplatten u. a. Es gibt feste, mittelfeste und lose Verbände. Auf die Salbe kommt zunächst eine Kompresse (kavalikā), auf diese wird ein glatter, weicher Verbandstoff festgebunden, wobei der Knoten nicht auf das Geschwür kommen darf. Das Ausdrücken der Geschwüre geschieht mit der flachen Hand, einmal oder wiederholt, je nach den Umständen. Nach Su. 1, 19 muss der Patient in einem reinen, weder der Sonnenhitze noch dem Wind ausgesetzten Raum auf einem geräumigen, bequemen Bett liegen, mit einer Waffe (zur Bekämpfung der bösen Geister), umgeben von Freunden, die ihn durch ihre Reden seine Schmerzen vergessen machen. Er meide schwere Speisen, geistige Getränke, Umhergehen, kalten Wind u. s. w., fächle das Geschwür mit einem Wedel, schone es durch Liegen, kratze und drücke es nicht Vgl. C. S. A. Bh. l. c.; Su. 4, 1, 18 ff; V. 609 ff.

§ 79. Wunden. — Die zweite Gattung von vraṇa, die durch äußere Ursachen oder plötzlich entsteht (āgantu, sadyovraṇa), umfasst Wunden jeder Art, einerlei ob sie von Menschen, Vieh, Vögeln, Schlangen, Insekten, von Sturz, Quetschung, Schlägen, Feuer, Ätzstoffen, Gift, scharfen Kräutern oder Verletzungen mit einer Waffe oder einem spitzigen Gegenstand herrühren (Su. 4, 1,1).

So gibt es

  1. chinna Schnitt;

  2. bhinna tiefer Riss;

  3. viddha Stich;

  4. kṣata, kein tiefer Schnitt oder Riss, aber einem Schnitt und Riss ähnlich, dem Körper gefährlich;

  5. picchita Kontusion, von Schlag oder Druck herrührend;

  6. ghṛṣṭa Hautabschürfung.

Bei bhinna kommt aus der Wunde nur wenig Blut heraus, dagegen erfolgt je nach den inneren Organen, die verletzt sind, Bluterguss aus der Harnröhre, dem After, dem Mund oder der Nase, verbunden mit Fieber, Hitze u. s. w.

Bei Wunden im Allgemeinen gibt es 16 Komplikationen: Rose, Hemiplegie, Starrkrampf, Mundsperre, Geistesverwirrung, Wahnsinn, Wundschmerzen, Fieber, Durst, Husten, Erbrechen u. a. (C. 4, 25; Su. 4, 2; S. 6, 31; A. 6, 26; M. 272 — 6; V. 616ff). Zur Stillung des Bluts und der Hitze soll der Arzt kalte Mittel anwenden, verbunden mit zerlassener Butler und Honig (Vr. 45, 2). Blutstillende Heilkräuter, die schon die vedische Medizin (Bloomfield, SBE. 42, 20ff.) kennt, werden in großer Zahl genannt, meist mit einem Zusatz von Butter oder Öl. Auch Brechmittel und Purgiermittel, Fasten, Diät und Blutentziehung werden empfohlen (A. 6, 26, 9). Bei 1—4 tritt starker Blutverlust und Schmerzen ein, man gebe dem Kranken Öl innerlich und äußerlich und als Klistier und mache warme Umschläge um die Wunde. Dagegen kommt bei 5 und 6 nur wenig Blut, wodurch Hitze und Eiter entsteht, daher sind hier kalte Salbungen und Begießungen angebracht. Schnittwunden am Kopf oder an den Seiten sind zu nähen und fest zu verbinden, ebenso ein abgeschnittenes Ohr wieder anzusetzen, festzunähen und mit Öl zu benetzen. Wenn der Kehlkopf verletzt ist, so dass die Luft durchstreicht, füge man die Teile wieder zusammen, verbinde sie und nähe sie fest, besprenge sie mit Ziegenurin, lasse den Kranken gut verbunden auf dem Rücken liegen und in dieser Stellung essen. Ganz abgeschnittene Arme oder Beine sind mit heißem Öl zu behandeln, hierauf muss man sie mit dem kośa-Verband (§ 78) festbinden und die Wunde heilen (Su. 4, 2, 21 ff.; vgl. C. S. A. V. 1. c.; Vr. 45; Bh. 2, 3, 121ff.)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 109ff.]


2.11.16. Fisteln


5.a./b. vraṇo 'striyām īrmam aruḥ klībe nāḍīvraṇaḥ pumān

व्रणो ऽस्त्रियाम् ईर्मम् अरुः क्लीबे नाडीव्रणः पुमान् ।५ क।

Fisteln heißen नाडीव्रण - nāḍīvraṇa m.: Röhrenwunde.


Colebrooke (1807): "Ulcer."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 576ff. (chapter 49) nāḍīvraṇa = "Sinus ulcers"



Abb.: नाडीव्रणः । Fistel am Hals
[Bildquelle: Dr. J.S.Bhandari / Wikimedia. -- GNU FDLicense]


"Fisteln im Allgemeinen heißen gati »Gang«, häufiger nāḍī, nāḍīvraṇa, weil sie wie eine nāḍī (Röhre, Ader) den Eiter leiten, der aus einem vernachlässigten, d. h. nicht ausgedrückten oder aufgeschnittenen und gereinigten Geschwür nach innen dringt und Haut, Fleisch, Adern, Sehnen, Gelenke, Knochen u. s. w. zerreißt und durchbohrt Sie entstehen durch die Grundsäfte oder durch einen Fremdkörper, der stete Eiterung verursacht (Su. 2, 10; S. 6, 34; A. 6, 29; M. 282—4; Bh. 2, 4, 1 ff.; V. 631 ff). Eine Windfistel ist zu erwärmen, der Eitergang vollständig aufzuschneiden, mit verschiedenen scharfen Stoffen einzureiben oder zu füllen und zu verbinden, weiterhin mit anderen Stoffen auszuwaschen. Ähnlich ist bei Fisteln von Galle und Schleim zu verfahren, dagegen ein Fremdkörper nach Spaltung der Fistel herauszuziehen, dann der Eitergang zu reinigen, die Wunde zu verbinden und durch Salben zu heilen. Wenn die Fistel sich an einer gefährlichen Stelle zeigt oder der Patient abgemagert, schwach oder ängstlich ist, soll man nicht zum Messer greifen, sondern nach Sondierung der Fistel einen Ätzfaden mit einer Nadel einführen, und so oft mit dem Faden wechseln, bis die Fistel gespalten ist Auch bei bhagaṃdara kann diese Methode Anwendung finden (Su. 4, 17; S. 6, 35; A. 6, 30; Vr. 47; Bh. V. 1. c.)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 109.]


2.11.17. Ausschlag mit vielen runden, juckenden Flecken


5.c./d. koṭho maṇḍalakaṃ kuṣṭha-śvitre durnāmakārśasī

कोठो मण्डलकं कुष्ठ-श्वित्रे दुर्नामकार्शसी ॥५ ख॥

[Bezeichnungen für einen Ausschlag mit vielen runden, juckenden Flecken:]

  • कोठ - koṭha m.: Koṭha
  • मण्डलक - maṇḍalaka n.: Rundes, Kreisförmiges

Colebrooke (1807): "Sort of leprosy. White leprosy with round spots."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 620ff. (chapter 55) "Skin rashes, allergies."



Abb.: कोठः । Miliaria rubra (Hitzepickel)
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 2 (1921). -- Fig. 93.]


"koṭha ('urticaria evanida' Dutt), ein Ausschlag mit vielen runden, juckenden, roten Flecken, entsteht besonders durch ungenügende oder unrichtige Anwendung von Brechmitteln bei verdorbenem Magen; bei wiederholtem Auftreten heißt dieses Leiden utkoṭha. Die Behandlung dieser offenbar als leicht betrachteten Krankheiten ist ähnlich wie bei visarpa und kuṣṭha (M. 305f.; Vr. 52; V. 677-9; Bh. 2,4,39-41)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 101f.]

"maṇḍala: die Flecken sind weiß oder rot, hart, feucht, glänzend, kreisrund (maṇḍala »Kreis«), schwer heilbar, zusammenhängend."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 97.]


2.11.18. Lepra und ähnlich aussehende Krankheiten


5.c./d. koṭho maṇḍalakaṃ kuśṭha-śvitre durnāmakārśasī

कोठो मण्डलकं कुष्ठ-श्वित्रे दुर्नामकार्शसी ॥५ ख॥

[Bezeichnungen für schwarze Lepra und ähnlich aussehende Krankheiten:]

  • कुष्ठ - kuṣṭha n.: Lendenhöhle, Aussatz, Lepra
  • श्वित्र - śvitra n.: Weißliches, Weiße Hautflecken (Weiße Lepra = Indeterminierte Lepra, Vitiligo, Pityriasis)

Colebrooke (1807): "Leprosy."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 600 ff. (chapter 54) kuṣṭha = "Leprosy and some other skin diseases."; S. 605f. śvitra = "A variety of kuṣṭha, Leucoderma."


Zu śvitra = "weiße Hautflecken (Weißer Aussatz, Vitiligo, Pityriasis)" siehe oben 2.11.11.


कुष्ठम् । Lepra



Abb.: कुष्ठम् । Lepra
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 232. -- CC by, nc, sa]


Abb.: कुष्ठम् । Lepra tuberosa
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 2 (1921). -- Fig. 163/64.]


Abb.: कुष्ठम् । Lepra tuberosa
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 2 (1921). -- Fig. 163/64.]


Abb.: कुष्ठम् । Lepra tuberosa, um 1895
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


Abb.: कुष्ठम् । Weltweite Verbreitung der Lepra um 1891
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


Abb.: कुष्ठम् । Verbreitung der Lepra in Indien nach dem Census 1891
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


 एकेकुष्ठम् । Ichthyosis simplex



Abb.: एकेकुष्ठम् । Ichthyosis simplex
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 2 (1921). -- Fig. 111.]


चर्मदलः । Impetigo



Abb.: चर्मदलः । Impetigo
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 243. -- CC by, nc, sa]


Abb.: चर्मदलः । Impetigo contagiosa
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 1 (1921). -- Fig. 14.]


Abb.: चर्मदलः । Impetigo figurata
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


दद्रुमण्डलम् ।  Tinea (ringworm)



Abb.: दद्रुमण्डलम् ।  Tinea (ringworm)
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 3 (1921). -- Fig. 184.]


Abb.: दद्रुमण्डलम् ।  Tinea (ringworm)
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 3 (1921). -- Fig. 185/86.]


किटिभः । Keloid (Narbe)



Abb.: किटिभः । Keloid (Narbe)
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 2 (1921). -- Fig. 130.]


Colebrooke (1807): "Leprosy."

"§ 68. Lepra und verwandte Hautkrankheiten. — Unter kuṣṭha wird gemeinhin eine sehr gefährliche, die schwersten Entstellungen hervorrufende Hautkrankheit, der sog. schwarze Aussatz (black leprosy), verstanden. Nach den Rechtsbüchern werden Versündigungen des höchsten Grades mit kuṣṭha in einer künftigen Existenz gestraft1, daher ist der kuṣṭhin erbunfähig2, außer wenn er Busse getan hat, um die Sündenschuld zu beseitigen3. In der medizinischen Literatur scheint jedoch kuṣṭha meist eine weitere Bedeutung zu haben, schon in B., wo es Hoernle überall mit »skin diseases« übersetzt.

Als Entstehungsursachen werden genannt: schädliche oder nicht zu einander passende Speisen und Getränke (wie z. B. Milch mit Fischen4), Unterdrückung des Brechreizes und überhaupt der natürlichen Ausscheidungen, körperliche Anstrengungen oder starke Erhitzung nach einer reichlichen Mahlzeit, ein kaltes Bad bei Hitze, Ermüdung oder ängstlicher Erregung, sexueller Verkehr bei Indigestion, Verfehlungen gegen einen Brahmanen oder den geistlichen Lehrer u. a., auch in einer früheren Geburt begangene Sünden.

Vorzeichen sind: die Haut sehr glänzend und rauh anzufühlen, starke oder gar keine Schweißabsonderung, Verfärbung, Hitze und Jucken in der Haut, Taubheit einzelner Körperstellen, auffallend starke Schmerzhaftigkeit von Wunden oder Geschwüren, leichte Entstehung und langsame Heilung derselben und Zurückbleiben einer rauhen Stelle auch nach der Heilung, dunkle Färbung des Blutes, Gänsehaut, roter Ausschlag, Schmerzen, Mattigkeit u. a.

Gewöhnlich werden 18 Arten von kuṣṭha unterschieden und in 7 schwere und 11 leichte Formen eingeteilt, im Einzelnen differieren jedoch die Aufzählungen.

Nach M. gibt es folgende schwere Formen:

  1. kāpāla, mit schwarzen oder rötlichen, trockenen, rauhen Flecken wie Scherben (kapāla), vielen Schmerzen, sehr gefährlich.

  2. auḍumbara: die Flecken oder Beulen sind einer Feige (uḍumbara) gleich, mit Schmerzen, Hitze, Röte und Jucken verbunden, die Leibhaare werden braun.

  3. maṇḍala: die Flecken sind weiß oder rot, hart, feucht, glänzend, kreisrund (maṇḍala »Kreis«), schwer heilbar, zusammenhängend.

  4. ṛkṣajihva: die Flecken sind rauh, am Rande rot, in der Mitte dunkel, schmerzhaft, wie eine Bärenzunge (ṛkṣajihvā) geformt.

  5. puṇḍarīka: die Flecken sind an den Rändern hellrot, in der Mitte rot, erhaben, gleich einer roten Lotusblüte (puṇḍarīka).

  6. sidhma: die Flecken sind weiß oder kupferfarbig, klein, geben beim Zerreiben Staub, treten zumeist an der Brust auf und gleichen der Blüte der Flaschengurke. Nach Dutt ist Pityriasis, die Kleienflechte mit mehlartigen Schüppchen, gemeint.

  7. kākaṇa, gleicht in der Farbe dem Samen von kākaṇantikā (Abrus precatorius, der in der Mitte schwarz, an den Rändern rot ist), eitert und schmerzt heftig; diese Form ist unheilbar. Während diese sieben schweren Formen wenigstens größtenteils auf echte Lepra bezogen werden können, gehen die elf leichten anscheinend auf die verschiedensten sonstigen Hautkrankheiten.

    1. ekakuṣṭha: die Haut ist schweißlos, die Flecken sind groß und sehen wie Fischschuppen aus.

    2. carman: die Haut ist rauh anzufühlen wie die des Elefanten. Ersteres Leiden ist nach Dutt Ichthyosis, letzteres Hypertrophie der Haut.

  8. kiṭibha: dunkel gefärbte Narben, rauh anzufühlen und hart, nach Dutt Keloid, der in derben, meist aus Narben entstehenden Wülsten besteht.

  9. vaipādika: heftig schmerzendes Aufspringen der Hände und Füße, nach D. Psoriasis am Fuß.

  10. alasaka: die Haut ist mit juckenden, roten Knötchen bedeckt, Schwindflechte.

  11. dadrumaṇḍala: juckende, rote, erhabene Flecken. Nach D. ist Ringwurm gemeint, doch deutet nichts auf eine Erkrankung der Kopfhaut

  12. carmadala: die Haut ist rot, schmerzhaft, es bilden sich juckende und eiternde Bläschen, die gegen Berührung empfindlich sind, Impetigo.

  13. pāmā: winzige, aber zahlreiche Bläschen, mit Ausfluss, Jucken und Brennen verbunden, Ekzem oder nässende Flechte.

  14. kacchu: ebenso, aber mit heftig brennenden Pusteln an den Händen und Hinterbacken, schmerzhaft, Krätze.

  15. visphoṭa: dunkelrote Schwellungen mit dünner Haut, Beulen.

  16. śatārus: rote oder dunkelfarbige, zahlreiche, mit Hitze und Schmerzen verbundene Geschwüre, Furunkel

  17. vicarcikā: juckende, dunkle, stark nässende Flecken oder Beulen, Psoriasis (nach D.), oder nässende Flechte.

Weitere Unterscheidungen beziehen sich auf den Sitz der Krankheit in einem der sieben Elemente des Körpers, indem nur die in der Haut, im Blut oder Fleisch sitzenden Formen heilbar sind. Im Fett entsteht insbesondere Lahmheit der Hände, Unfähigkeit zu gehen, Abfall der Glieder, Ausbreitung der Wunden von einem Körperteil zum anderen. In Mark und Knochen entsteht Einfallen oder Abfall der Nase, Rötung der Augen, in den Wunden bilden sich Würmer, die Stimme verfällt.

Im Samen des Vaters, sowie im Menstrualblut der Mutter befindlich, vererbt sich die Lepra auf beider Nachkommen.

Allgemein ist kuṣṭha tödlich, wenn Würmer, Durst, Hitze, Verdauungsschwäche auftreten, die drei Grundsäfte gestört sind, die Geschwüre aufbrechen und ausfließen, die Augen rot, die Stimme heiser, Arzneimittel (wegen Schwäche) nicht mehr anwendbar sind.

Nach Su. 2, 5, 15ff. ist kuṣṭha die schlimmste aller Krankheiten, und wer daran stirbt, bekommt sie in einer künftigen Geburt wieder.

Auch ist kuṣṭha ebenso wie Fieber, Schwindsucht, Ophthalmie und die epidemischen Krankheiten (»Pocken u. dgl.« Co.) durch häufige Berührung, den Atem, Zusammenspeisen, -liegen oder -sitzen, Kleider, Kränze und Salben übertragbar.

Das Übergreifen von kuṣṭha von der Haut aus auf die übrigen Elemente des Körpers ist mit der allmählichen Ausbreitung der Wurzeln eines Baums in der Erde zu vergleichen.

Die höchst zahlreichen Rezepte gegen kuṣṭha, darunter namentlich die verschiedensten Abkochungen mit Butter und Öl, gehen sowohl auf innerliche als äußerliche Behandlung. Im Allgemeinen soll einmal in jedem Halbmonat ein Brechmittel, einmal in jedem Monat ein Abführmittel, alle drei Tage ein Nasenmittel und alle sechs Monate ein Aderlass zur Anwendung kommen (A. 4, 19, 96 = S. 4, 21, 120 = Su. 4, 9, 41 = Vr. 51, 138). Der Kranke soll auch Diät halten, fromme Gebräuche und Askese üben, seine Haare und Nägel kurz halten, Überanstrengung, Verkehr mit Frauen, Fleisch und geistige Getränke meiden, so wird er geheilt (C.. 2. 5; 6, 5; Su. 2, 5; 4, 9; S. 3, 14; 4, 21; A. 3, 14; 4, 19; M. 294—305; Bhn 2, 4, i8ff.; V. 647ff.; Vr. 51).

Neben kuṣṭha wird häufig śvitra »der weiße Aussatz« genant, aber als leichtere Krankheit, die daher auch in der Stufenfolge der Wiedergeburten als Strafe für leichtere Vergehen erscheint5. Nahe verwandt oder identisch hiermit ist kilāsa, schon im AV. als eine durch weiße und graue Flecken charakterisierte Krankheit vorkommend und von den Kommentatoren auf weißen Aussatz (śvetakuṣṭha) bezogen6. Nach Dutt 61 wäre unter kilāsa in der Medizin Leukoderma zu verstehen; wahrscheinlich ist aber zugleich der weiße (glatte oder anästhetische) Aussatz gemeint, da beide Krankheiten in Indien häufig vorkommen und so schwer zu unterscheiden sind, dass bei der letzten Volkszählung besondere Instruktionen darüber gegeben werden mussten7. Nach Su. unterscheidet sich kilāsa von kuṣṭha dadurch, dass erstere Krankheit nur in der Haut sitzt und ohne Ausfluss ist Nach S. A. M. kann śvitra oder kilāsa auch im Blut, Fleisch und Fett sitzen und ist dann stufenweise schlimmer. Heilbar ist die Krankheit, wenn die Haare am Leib nicht weiß (sondern schwarz), die Flecken nicht groß sind und nicht zusammenhängen oder wie Brandwunden aussehen. Andernfalls ist sie unheilbar, ebenso wenn sie an den Genitalien, Handflächen oder Lippen auftritt (Su. 2, 5, 14; S. 3, 14; A. 3, 14, 37—41; M. 302—5). Die Behandlung ist ähnlich wie bei kuṣṭha, manche Rezepte gelten für beide Krankheiten (Vr. l. c.; Bh. 2, 4, 38 f. etc.).

6 Vgl. Zimmer l. c. 391: Bloomfield, SBE, 42, 266.
7
Vgl. z. B. Census of India 1891, 16, 305. Einen Report über den heutigen Stand der Lepra in Indien veröffentlichte die 1889/90 dort gewesene "Indian Leprosy Commision"."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 96ff.]


Die Heilung von Śāmba, dem leprakranken Sohn Kṛṣṇas


"ŚĀMBA. A son of Kṛṣṇa by Jāmbavatī, but the Liṅga Purāṇa names Rukmiṇī as his mother. At the swayamvara of Draupadī he carried off that princess, but he was pursued by Duryodhana and his friends and made prisoner. Bala-rāma undertook to obtain his release, and when that hero thrust his ploughshare under the ramparts of Hastinā-pura and threatened it with ruin, the Kauravas gave up their prisoner, and Balarāma took him to Dwārakā, There he lived a dissolute life and scoffed at sacred things. The devotions of the three great sages, Viswāmitra, Dur-vāsas, and Nārada, excited the ridicule of Śāmba and his boon companions. They dressed Śāmba up to represent a woman with child and took him to the sages, inquiring whether he would give birth to a boy or a girl. The sages answered, "This is not a woman, but the son of Kṛṣṇa, and he shall bring forth an iron club which shall destroy the whole race of Yadu, . . . and you and all your people shall perish by that club." Samba accordingly brought forth an iron club, which Ugrasena caused to be pounded and cast into the sea. These ashes produced rushes, and the rushes when gathered turned into clubs, or into reeds which were used as swords. One piece could not be crushed. This was subsequently found in the belly of a fish, and was used to tip an arrow, which arrow was used by the hunter Jaras, who with it unintentionally killed Kṛṣṇa. Under the curse of Dur-vāsas, Śāmba became a leper and retired to the Panjab, where by fasting, penance, and prayer he obtained the favour of Sūrya (the sun), and was cured of his leprosy. He built a temple to the sun on the banks of the Chandra-bhāgā (Chināb), and introduced the worship of that luminary."

[Quelle: Dowson, John <1820-1881>: A classical dictionary of Hindu mythology and religion, geography, history, and literature. -- London, Trübner, 1879. -- s.v. ]


2.11.19. Hämorrhoiden und Analoges


5.c./d. koṭho maṇḍalakaṃ kuśṭha-śvitre durnāmakārśasī

कोठो मण्डलकं कुष्ठ-श्वित्रे दुर्नामकार्शसी ॥५ ख॥

[Bezeichnungen für Hämorrhoiden und Analoges:]

  • दुर्नामक - durnāmaka n.: welches einen üblen Namen hat
  • अर्शस् - arśas n.: Hämorrhoiden

Colebrooke (1807): "Hemorrhoids."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 158 ff. (chapter 5) arśas = "Haemorrhoids / piles."


अर्शः । Hämorrhoiden



Abb.: अर्शः ।
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 213. -- CC by, nc, sa]


Abb.: दुर्नामकम् । Hämorrhoiden
[Bildquelle: WikipedianProlific / Wikipedia. -- GNU FDLicense]


अर्शः । Feigwarzen (Condylomata acuminata)



Abb.: अर्शः । Feigwarzen (Condylomata acuminata) am Penis
[Bildquelle: SOA-AIDS Amsterdam / Wikipedia. -- GNU FDLicense]


Abb.: अर्शः । Feigwarzen (Condylomata acuminata) an der Vulva
[Bildquelle: SOA-AIDS Amsterdam / Wikipedia. -- GNU FDLicense]


Abb.: अर्शः । Feigwarzen (Condylomata acuminata) an der Vulva
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 2 (1921). -- Fig. 118.]


अर्शः । Condylomata lata (bei Syphilis; in Indien erst nach 1500 n. Chr.)



Abb.: अर्शः । Condylomata lata (bei Syphilis) an Vulva und Anus
[Bildquelle: Kingsbury: Portfolio of dermochromes. -- Vol. 3 (1921). -- Fig. 236.]


"§ 76. Hämorrhoiden. — Das vorhin bei den Geschlechtskrankheiten erwähnte arśas, urverw. mit ελκος, ulcus, hat ursprünglich gewiss Knoten oder Geschwüre jeder Art bezeichnet. So sagt C. 4, 14, 4 (vgl. Su. 2, 2, 11), dass einige außer dem After auch die Vagina, den Penis, Hals, Gaumen, Mund, die Nase, Ohren, Augenlider und die Haut als Sitz der arśas betrachten, in seinem Werk aber diese Bezeichnung auf arśas am After beschränkt sei. Die überall im Orient häufigen Hämorrhoidalknoten (schon vedisch, vgl. Zimmer 393), die als Fleischauswüchse, Geschwülste (māṃsāṅkura, māṃsakīlaka) bezeichnet werden (A. 3, 7, 1f.), sind im Allgemeinen mit Durchfall und Dysenterie (atisāra, grahaṇī) verwandt, indem diese drei Leiden sich gegenseitig hervorrufen und auf Verdauungsstörungen beruhen (C. 4, 14, 98). Daher erscheint als Ursache von arśas besonders ungeeignete Ernährung, Übermaß im Essen, scharfe oder sauere, salzige, heiße Speisen, Fasten u. dgl., ferner Mangel an Bewegung, Schlafen am Tage, Reiten, Hocken, Alkoholismus, geschlechtliche Ausschweifungen, Unterdrückung der Ausscheidungen, Kummer, Zorn u. a.

Vorzeichen sind: träge Verdauung, Durchfall oder Verstopfung, Flatulenz, häufiges Aufstoßen, Schwäche, Abmagerung, Wadenkrampf, Schwindel, geschwollene Augen, Abgeschlagenheit der Glieder, Kolik, Mangel an Esslust, Verdauungslosigkeit, Schläfrigkeit u. a. (Su. M. S. A.).

Arśas ist entweder angeboren oder erworben, trocken oder nass, gewöhnlich werden sechs Formen unterschieden.

  1. Von Wind sind die Knötchen am After windreich, trocken, prickelnd, dunkelrot, rauh, ungleich, hart, verschiedenen Früchten gleichend.

  2. Von Galle sind die arśas rot, gelb oder schwarz mit blauem Gipfel, einer Papageienzunge, Leber oder dem Mund eines Blutegels ähnlich, und lassen dünnes Blut ausfließen.

  3. Von Schleim sind die arśas weiß, hart, rund, glatt, gewissen Fruchtkernen oder Kuhzitzen ähnlich, nahe bei einander, platzen und nässen nicht, jucken aber stark.

  4. Von den drei Grundsäften erscheinen alle Symptome.

  5. Von Blut gleichen die arśas den Luftwurzeln der Ficus indica, Korallen oder kākaṇantikā (rot mit einem schwarzen Tupfen), sonst sind sie wie von Galle, entsenden aber bei Verstopfung eine Menge von verdorbenem, heißem Blut, auch treten die gewöhnlichen Folgen von Blutungen ein, indem der Kranke blass, schwach und stumpf wird.

  6. Angeborene, d. h. ererbte arśas sind übel aussehend, rauh, weißlich, der damit Behaftete ist von Geburt ab sehr mager und schwach, bleich, traurig, zornmütig, leidet an Harnverhaltung und Verstopfung, Harnstein und Harngries und anderen Beschwerden.

Auch bei den obigen 5 Formen treten angehaltene, spärliche, schleimige, schmerzende, blutige Stühle, Harnbeschwerden, Verfärbung der Haut und der Nägel und andere Begleiterscheinungen auf.

Als der Sitz der arśas werden die drei Hautfalten (vali) oder Muskeln (peśi) im After bezeichnet In der äußeren Hautfalte, und wenn sie noch nicht alt sind, sind arśas leicht heilbar, in der mittleren und nach einem Jahr schwer heilbar, in der innersten und wenn sie angeboren sind oder auf den drei Grundsäften beruhen unheilbar.

Über die arśas an den Genitalien s. § 75.

Als eine Form von arśas werden auch warzenartige Auswüchse an der Haut (carmakīla) betrachtet (C. 6, 14; Su. 2, 2; S. 3, 7; A. 3, 7; M. 79-89; V. 139ff.; Bh. 2, 2, 1ff.).

Die Hämorrhoiden sind je nach den Symptomen zu behandeln, indem man bei Durchfall die gleichen Mittel wie bei Wind-Durchfall anwendet, bei Verstopfung wie bei udāvarta, bei reichlichem Bluterguss wie bei Blutsturz verfährt (Vr. 5, 5f.). Im Allgemeinen sind entweder Arzneien, Ätzmittel, das Messer oder Feuer anzuwenden, doch hebt C. 6, 14, 25 die Gefährlichkeit der drei letzteren Methoden hervor, die bei fehlerhafter Anwendung Impotenz, Geschwülste, Kolik und andere Schmerzen, übermäßigen Blutverlust, Neubildung von Knoten und selbst den Tod herbeiführen können. Auch H. Bh. V. beschränken sich im Wesentlichen auf zahlreiche Rezepte für die verschiedensten Pillen, Öl- und Butterabkochungen u. s. w. zum innerlichen Gebrauch und für Klistiere, Stuhlzäpfchen, Einreibungen, Breiumschläge. Dagegen beschreiben Su. S. A. ausführlich die Operation an dem Hämorrhoidarier, der in liegender Stellung, gebunden und von Dienern gehalten, damit er nicht zuckt, den After emporstrecken muss, worauf der Knoten geätzt oder gebrannt wird, und zwar alle sieben Tage je ein Knoten; große Knoten bei starken Patienten sind aufzuschneiden und dann zu brennen (Su. 4, 6; S. 4, 10; A. 4, 6; Vr. 5; V. Bh. l. c.)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 107f.]

"Die bei Su. 2, 2, 11 vorkommenden arśas hat schon Häser mit der Syphilis identifiziert. Sie entstehen aus verdorbenem Fleisch und Blut am Penis, beginnen mit Jucken, dann entsteht durch Kratzen eine Wunde, an der sich aus verdorbenem Fleisch entstehende, schleimiges Blut aussondernde, wulstige Auswüchse innen (in der Eichel, D.) oder an der äußeren Haut bilden, den Penis und die Potenz zerstören. Ähnliche, übelriechende Auswüchse in der Vagina heben die Menstruation auf. Offenbar ist mit arśas, liṅgārśas und liṅgavarti die gleiche Krankheit gemeint, ob aber die Syphilis, ist ebenso zweifelhaft, wie bei den vedischen Krankheitsnamen, die Bloomfield auf Syphilis bezieht, wenn auch die obigen Symptome (hahnenkammartig u.s.w.) allenfalls auf syphilitische Kondylome bezogen werden könnten."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 106.]


2.11.20. Verstopfung, Blähung


6.a./b. ānāhas tu nibandhaḥ syād grahaṇīruk pravāhikā

आनाहस् तु निबन्धः स्याद् ग्रहणीरुक् प्रवाहिका ।६ क।

[Bezeichnungen für Verstopfung und Blähung:]

  • आनाह - ānāha m.: "Anbindung", Verstopfung
  • निबन्ध - nibandha m.: Zubindung, Band, Fessel

Colebrooke (1807): "Epistasis. Whether Ischury or Constipation."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 432 ānāha = "flatulence / distention of the abdomen."



Abb.: पुरीषम् । Bristol Stuhlformen-Skala: 1 - 2 deutet auf Verstopfung (अनाहाः), 5 - 7 Durchfall (प्रवाहिका), 3 -4: Idealstuhl
[Bildquelle: Kyle Thompson / Wikipedia. -- GNU FDLicense]


"Nahe verwandt oder identisch hiermit ist der Zustand des ānāha »Verstopfung«. Begleiterscheinungen bei unverdauten Abgängen sind: Durst, Schnupfen, Hitze im Kopf, Magenschmerzen, Schwere, ein Gefühl von Vollsein in der Brust, Aufhören des Aufstoßens. Wenn die Abgänge verdaut sind, folgt Steifheit in den Hüften und dem Rücken, Verstopfung und Harnverhaltung, Kolik, Ohnmacht, Kotbrechen und die Erscheinungen von alasaka (s. o.). Die Zurückhaltung des nach unten aus dem After abgehenden Windes führt nach M. V. Bh. zu Windkrankheiten, nach Su. 6, 55, 5 f. zu noch schlimmeren Erscheinungen, wie Kolik, Atemnot, Kopfweh, Husten und Schnupfen, Auswurf von Schleim und Galle, und selbst Kotbrechen. Die Verstopfung ist mit Stuhlzäpfchen, Klistieren, abführenden Pillen, Pulvern, Abkochungen in zerlassener Butter, auch mit Schwitzmitteln, Einreibungen, Bädern, abführenden Speisen u. s. w. zu kurieren (C. Su. V. Bh. l. c.; Vr. 28f.; Cd. 185—8)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 85.]


2.11.21. Durchfall und Dysenterie (Ruhr)


6.a./b. ānāhas tu nibandhaḥ syād grahaṇīruk pravāhikā

आनाहस् तु निबन्धः स्याद् ग्रहणीरुक् प्रवाहिका ।६ क।

[Bezeichnungen für Durchfall und Dysenterie (Ruhr):]

  • ग्रहणीरुज् - grahaṇīruj f.: Erkrankung der grahaṇī, des Sitzes des Verdauungsfeuers
  • प्रवाहिका - pravāhikā f.: Strömende

Colebrooke (1807): "Diarrhoea."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 146ff. (chapter 4) grahaṇī = "Duodenal disease."; S. 139f.: pravāhikā = "Dysentery."



Abb.: प्रवाहिका । The chain of causes leading to death from diarrhea.
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C.l Sathyamala. -- 1980. -- S. w7. -- CC by, nc, sa]

Durchfallerkrankungen können zu Dehydration führen, Dehydration zum Tod:


Abb.:  प्रवाहिका । Dehydration als Folge von Durchfallerkrankungen
Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 181f. -- CC by, nc, sa]


Abb.:  प्रवाहिका । Der circulus vitiosus von Unterernährung und Durchfallerkrankung
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 185. -- CC by, nc, sa]


ग्रहणीरुक् । Amoebiasis (Amöbenruhr)



Abb.: ग्रहणीरुक् । Amoebiasis (Amöbenruhr): Lebenszyklus des Erregers Entamoeba histolytica
Schaudinn, 1903
[Bildquelle: Mariana Ruiz Villarreal / Wikipedia. -- Public domain]


"Eine andere Abart des Durchfalls, der aber auch blutig sein kann (Dysenterie), ist pravāhikā (etwa »die strömende«), verursacht durch unpassende Ernährung, welche den Wind vermehrt, worauf derselbe den angesammelten Schleim, vermischt mit Kot, abwärts und aus dem After hinaustreibt (Su. 6, 40, 131 f. = M. 72). Der Brechdurchfall heißt chardyatisāra. Nahe verwandt mit atisāra ist auch grahaṇī oder grahaṇī-roga, -gada, eine Art von Dysenterie oder chronischer Diarrhöe. Unter grahaṇī ist eigentlich ein Organ oberhalb des Nabels zu verstehen, der Sitz des Verdauungsfeuers, das die unverdaute Nahrung aufnimmt und sie in verdautem Zustand wieder herausgibt; wenn die grahaṇī durch Schwäche dieses Feuers verdorben wird, gibt sie die Nahrung unverdaut heraus (C. 6, 15, 23). Unter den Ursachen wird besonders vernachlässigter atisāra hervorgehoben.

In allen Fällen ist die Verdauung abnorm, die Stühle sind bald flüssig, bald trocken, dünn, unverdaut, geräuschvoll, schaumig, manchmal blau und gelb, oder größtenteils schleimig, schmerzhaft u. s. w. Andere weniger konstante Symptome sind: saueres Aufstoßen, schlechter Geschmack im Munde, Schmerzen in den Seiten, Schenkeln, in der Brust, im Hals, Brechdurchfall, Abmagerung, Hitze, Fieber u. s. w.

Nach S. A. besteht der Unterschied zwischen atisāra und grahaṇī darin, dass ersteres Leiden rasch, letzteres langsam verläuft, lange dauert, auch wird es zu den »großen Krankheiten« gerechnet (C. 6, 15, 18—22; 24—9; Su. 6, 40, 159—70; S. 3, 8, 180f; A. 3, 8, 15—30; M. 74—8).

Eine besonders schlimme Form von grahaṇī ist saṃgrahagrahaṇī. Sie wird charakterisiert durch Geräusch in den Eingeweiden, Trägheit, Schwäche, Mattigkeit; die Stühle sind flüssig oder fest, spärlich oder reichlich, ölig, mit Schmerzen im After verbunden, unverdaut, klebrig, geräuschvoll, wenig schmerzhaft, werden täglich oder nur einmal in 10 Tagen, einem halben oder ganzen Monat entleert; (oder) bei Tag tritt Unruhe (Stuhlgang), bei Nacht Ruhe ein (M. 78 = Bh. 2, 1, 155 = V. 127f.).

Unheilbar ist eine als »Schöpfrad« (ghaṭiyantra) bezeichnete Erkrankung der grahaṇī, mit Taubwerden beider Seiten des Körpers, Kolik und plätschernden Entleerungen wie beim Ausschütten eines Wassereimers (Bh. 2, 1, 156)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 75.]


2.11.22. Erbrechen


6.c./d. pracchardikā vamiś ca strī pumāṃs tu vamathuḥ samāḥ

प्रच्छर्दिका वमिश् च स्त्री पुमांस् तु वमथुः समाः ॥६ ख॥

[Bezeichnungen für Erbrechen:]

  • प्रच्छर्दिका - pracchardikā f.: Erbrechen
  • वमि - vami f.: Erbrechen, Übelkeit
  • वमथु vamathu m.: Erbrechen, Übelkeit

Colebrooke (1807): "Vomiting."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 268ff. (chapter 17) chardi = "Vomiting."



Abb.: वमिः ।
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 192. -- CC by, nc, sa]


"Schlimmer als arocaka ist das damit verwandte Erbrechen (chardi, C. 6, 20; Su. 6, 49; S. 4, 8; A. 4, 6; vgl. M. 137ff.). Durch zu flüssige oder ölige, nicht zusagende oder salzige Nahrungsmittel, unzeitiges oder zu reichliches oder unzuträgliches Essen, durch Ermüdung, Entkräftung, Aufregung, Indigestion, Würmer, allzu hastiges Essen, bei Frauen auch durch den Eintritt der Schwangerschaft, ferner durch ekelerregende Gegenstände wird Erbrechen hervorgerufen. Allgemein werden fünf Arten von Erbrechen unterschieden, mit den Begleiterscheinungen: Schmerzen in der Brust und den Seiten, im Kopf und Nabel, Trockenheit des Mundes, Ohnmacht, Betäubung, Schwindel, Mattigkeit, Durst, Fieber, süßer Geschmack im Munde, Hitze, Kolik, Verdauungslosigkeit u. a. Hoffnungslos ist der Fall, wenn der Wind die Kanäle, welche die Exkremente, den Schweiß, Urin und das Wasser durch den Körper leiten, verstopfend aufwärts geht, das Erbrochene wie Kot oder Harn riecht oder aussieht und der Patient von Durst, Asthma, Schlucken und Schmerzen gequält wird (M.). Die Behandlung hat in der Regel mit Fasten zu beginnen, dann folgen Brechmittel, wenn der Patient kräftig ist und ununterbrochen starkes Erbrechen hat, hierauf ein Abführmittel. Auch trockene, leichte und angenehme Speisen, Trauben- oder Zuckersaft und andere Säfte, sehr kaltes Wasser, Wohlgerüche, verschiedene Pulver, Decocte, Leckmittel u. s. w. werden empfohlen (A.)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 78.]


2.11.25. Abszesse


7.a./b. vyādhibhedā vidrudhiḥ strī jvara-meha-bhagaṃdarāḥ

व्याधिभेदा विद्रुधिः स्त्री ज्वर-मेह-भगंदराः ।७ क।

Arten von Krankheiten:

  • विद्रुधि - vidrudhi f.: Abszess1

1 Übliche Bezeichnung: विद्रधि - vidradhi


Colebrooke (1807): "An abscess ; an internal one."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 548ff. (chapter 46) vidradhi (sic!) = "Abscess."



Abb.: विद्रुधिः । Zahnwurzelabszess
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 275. -- CC by, nc, sa]


Abb.: विद्रुधिः । Abszess auf Hüfte
[Bildquelle: CDC / Wikimedia. -- Public domain]


Abb.: विद्रुधिः । Leberabszess
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


"§ 71. Äußere und innere Abszesse. — Unter dem häufig erwähnten Leiden vidradhi, vidradhikā (ved. vidradha), das auch als Folgeerscheinung von Harnruhr vorkommt, sind verschiedene Abszesse und Entzündungen zu verstehen. Nach C. 1, 17, 48 kommt der Name von dem raschen Verbrennen oder Zerstören (śīghravidāhitvāt) her. Es gibt äußere und innere vidradhi. Er identifiziert letztere mit granthi »Knoten, tiefsitzender Abszess«, der im Herzen, der Lunge, Leber, Milz, dem Unterleib, den Nieren, dem Nabel oder den Leisten seinen Sitz hat. Reife Abszesse entleeren ihren Inhalt aus dem Mund, wenn sie in der oberen, aus dem After, wenn sie in der unteren Körperhälfte ihren Sitz haben, nach beiden Seiten hin, wenn sie im Nabel sitzen; die im Herzen, Nabel oder der Blase sitzenden oder auf den drei Grundsäften beruhenden sind tödlich. Bei allen vidradhi ist der Schmerz sehr stark, wie von Messerschnitten, Speerwürfen oder Feuerbränden, beim Reifwerden wie von Skorpionstichen (C. 1,17). Andere vidradhi und granthi beschreibt C. in dem Kapitel über śotha (6,12), so vidradhi am Gaumen, mit Brennen und Röte des Fleisches, dantavidradhi) eine Geschwulst am Zahnfleisch, granthi, die man herausschneiden muss, damit sie nicht wiederkehren, arbuda, die von ähnlicher Beschaffenheit und ebenso wie granthi zu behandeln sind u. a. Nach Su. M. ist vidradhi eine gefährliche, tief wurzelnde, schmerzhafte, runde oder längliche Geschwulst.

  1. Von Wind ist sie schwarz oder rot, von wechselndem Umfang, überaus schmerzhaft, entsteht und reift langsam, der Ausfluss ist hell.

  2. Von Galle ist sie wie eine reife Feige gefärbt oder dunkelbraun, von Fieber und Hitze begleitet, entsteht und reift schnell, der Ausfluss ist gelb.

  3. Von Schleim ist sie (groß) wie eine Schüssel, weißlich, kalt, glänzend, nicht sehr schmerzhaft, entsteht und reift langsam und juckt, der Ausfluss ist weiß.

  4. Von den drei Grundsäften sind die Farbe, der Schmerz und der Eiter verschiedenartig, diese Form ist unheilbar.

  5. Von Verletzungen sind die Erscheinungen wie bei Galle, aber bei Vernachlässigung der Wunde treten Fieber, Durst und Hitze hinzu.

  6. Von Blut ist die Geschwulst von schwarzen Bläschen umgeben, dunkelfarbig, bewirkt heftiges Brennen und Schmerzen, zeigt aber sonst die gleichen Erscheinungen wie bei Galle.

Von diesen äußeren vidradhi sind die inneren zu unterscheiden, die den oben nach C. beschriebenen Abszessen im Herzen u.s.w. entsprechen; wenn dieselben sich nach oben (aus dem Mund) entleeren, sind sie tödlich. Hier wird auch des auf Zurückhaltung des Blutes beruhenden Abszesses der Wöchnerinnen makkalla gedacht, vgl. § 49, und der Unterschied zwischen gulma (S 54) und vidradhi besprochen; erstere Geschwulst wird nicht reif, weil sie kein Fleisch und Blut enthält, letztere reift d. h. eitert, weil sie viel Fleisch und Blut enthält. Gegen vidradhi wird die Anwendung von Blutegeln und milden Abführmitteln, Pflastern und Breiumschlägen und verschiedenen Arzneien u. s. w. empfohlen (Su. 2, 9; 4, 16; S. 3, 11; 4, 15; A. 3, 11; 4, 13; M. 260—5; Vr. 43; Bh. 2, 3, 107 ff.; V. 600—6)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 102f.]


2.11.26. Fieber


7.a./b. vyādhibhedā vidrudhiḥ strī jvara-meha-bhagaṃdarāḥ

व्याधिभेदा विद्रुधिः स्त्री ज्वर-मेह-भगंदराः ।७ क।

  • ज्वर - jvara m.: Fieber, Hitze, Glut

Colebrooke (1807): "Fever."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 1ff. (chapter 1) jvara = "Fever."


Wichtige schwere fiebrige Erkrankungen sind u.a. Malaria, Kala azar, Dengue Fieber, Typhus.


विषमज्वरः । Malaria



Abb.: ज्वरः । Malaria
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 227. -- CC by, nc, sa]


Abb.: अन्येद्युष्को ज्वरः । anyedyuṣko jvaraḥ. Temperaturverlauf bei Malaria tropicana (schwerste form; Erreger: Plasmodium falciparum); meist aber keine typische Fieberrhythmik!!!!
[Bildquelle: Sidney Price James, 1920]


Abb.: तृतीयको ज्वरः । tṛtīyako jvaraḥ. Typischer Temperaturverlauf bei unbehandelter Malaria tertiana (Fieber jeden dritten Tag; Erreger: Plasmodium vivax)
[Bildquelle: Sidney Price James, 1920]


Abb.: चथुर्तको ज्वरः । caturthako jvaraḥ. Typischer Temperaturverlauf bei unbehandelter Malaria quartana (Fieber jeden vierten Tag; Erreger: Plasmodium malariae)
[Bildquelle: Sidney Price James, 1920]


Abb.: विषमज्वरः ।
viṣamajvaraḥ. Lebenszyklus von Plasmodium spp., den Erregern der verschiedenen Formen von Malaria
[Bildquelle: CDC / Wikipedia. -- Public domain]


Abb.: विषमज्वरः ।
viṣamajvaraḥ. Malaria map of India / by Patrick Hehir, 1927
[Bildquelle: Wellcome Images. -- CC by nc]


ज्वरः । Kala azar (काला अजार; Visceral leishmaniasis)



Abb.: ज्वरः । anyedyuṣko jvaraḥ. Temperaturverlauf bei einem Fall von Kala azar (काला अजार; Visceral leishmaniasis) in Indien
[Bildquelle: Sidney Price James, 1920]


Abb.: मशकः । Eine Sandfliege, Überträgerin von Kala azar (काला अजार; Visceral leishmaniasis)
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


Abb.: ज्वरः । Lebenszyklus von Leishmania spp., den Erregern der verschiedenen Formen von Leishmaniasis
[Bildquelle: CDC / Wikipedia. -- Public domain]


ज्वरः । Dengue Fieber



Abb.: ज्वरः । Symptome bei Dengue-Fieber
[Bildquelle: Mikael Häggström / Wikipedia. -- Public domain]


Abb.: मशकः । Aedes (Stegomyia) albopictus (Skuse, 1894) - Asiatische Tigermücke - Asian Tiger Mosquito, die wichtigste Überträgerin des Dengue-Fiebers in Südasien
[Bildquelle: CDC / Wikipedia. -- Public domain]


ज्वरः । Typhus



Abb.: ज्वरः । Typhus
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 229. -- CC by, nc, sa]


Abb.: ज्वरः । Temperaturverlauf in einem Fall von Typhus (typhoid fever)
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


Abb.: Flies in manure & rubbish nearby, also dust & dirty hand contaminate food with the germs of dysentery & typhoid
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


"§ 51. Fieber. — Wie dem Fieber noch jetzt nach den statistischen Ausweisen beinahe zwei Drittel (66%) aller Todesfälle in Indien zugeschrieben werden1, so wird es auch in den medizinischen Werken als der König der sämtlichen Krankheiten bezeichnet, und so ist auch schon im AV. die Krankheit takman, die dem späteren jvara »Fieber« entspricht, die gefürchtetste Krankheit2. In der Medizin wird das Fieber der Menschen mit den schlimmsten Störungen der Naturreiche auf gleiche Stufe gestellt, wie mit der Tollwut der Hunde, dem Hohlwerden der Bäume, dem salzigen Steppencharakter des Erdbodens, und ist mehrfach in die Mythenbildung verflochten; so soll es aus dem Zornesfeuer Śivas entstanden sein, das zu dem furchtbaren dreiköpfigen Dämon Vīrabhadra wurde, der das Opfer des Dakṣa störte und diesen selbst tötete, dann als Fieber mit seinen Genossen Übelkeit, Gliederreißen, Kopfweh, Schwindel, Müdigkeit, Mattigkeit Durst, Hitze u. a. die ganze Welt beunruhigte (S. 3, 1, 256; Su. 6, 39, 6—12; C. 6, 3, 7—11; A. 3, 2, 1 f.; H. 264, 134). Das Zornesfeuer (kopāgni, roṣāgni) erinnert, wie in der verdischen Medizin der Zusammenhang des takman mit dem Feuergott (Agni)3, an die Fieberhitze.

Fieber besteht da, wo gleichzeitig Aufhören der Schweißabsonderung, Hitze und Schmerzen an allen Gliedern eintreten (Su. 6, 39, 11 f.). Als allgemeine Ursachen der Fieber werden angegeben: unrichtiger Gebrauch von Schwitz- und anderen Mitteln, verschiedenartige Verwundungen, andere Krankheiten, das Reifwerden (von Geschwüren u. dgl.), Ermüdung, Entkräftung, Unverdaulichkeit, Gift, der Geruch (gewisser) Kräuter und Blumen, Kummer, der schlimme Einfluss der Gestirne oder Jahreszeiten, Verzauberung oder Verwünschung, Trübung des Geistes oder Besessenheit, bei Frauen eine schwere Niederkunft, oder Schädlichkeiten während des Wochenbettes, oder die erste Milchsekretion in den Brüsten (l. c. 17—20). Durch solche Ursachen werden die Grundsäfte des Körpers gestört und auf Abwege gebracht, so dass dadurch die innere Hitze rasch hinaustritt und das Wasserelement zurückgehalten wird, weshalb ein Fiebernder einen heißen Körper hat und nirgends schwitzt (Su. l. c. 21 f.).

Es gibt acht verschiedene Arten des Fiebers, wovon sieben auf der Störung eines oder mehrerer Grundsäfte beruhen, die achte auf Verletzungen und anderen äußeren Ursachen (C. 2,1,11—16; Su. 6,39,13—6; S. 3, 2, 260f.; A. 3, 2, 3—6).

Als allgemeine Vorboten des Fiebers gelten: Mattigkeit, Unbehagen, Entfärbung, schlechter Geschmack im Munde, Wasser in den Augen, Schwere und Reißen in den Gliedern, Mangel an Appetit, Ekel, Schlafsucht, Gähnen, Trägheit, Saumseligkeit, Vernachlässigung der Arbeit, kurzer Atem, abwechselndes Verlangen nach und Abneigung gegen Kälte, Wind und Hitze, Abneigung gegen süße Speisen, Begierde nach warmen, sauren, salzigen und scharfen Dingen, starker Durst, Unsicherheit im Gehen, Widerwille gegen gute Ratschläge, Zittern, Schwindel, Phantasmen u. a.

Beim Auftreten dieser Vorboten und bei beginnendem Fieber werden leichte Speisen oder Fasten empfohlen, weil das Fieber aus dem Magen kommt; dann sind je nach den Umständen Dekokte, Salben, Schwitzmittel, Pflaster, Begießungen, Brechmittel, Abführmittel, Nasenmittel, Räucherungen u. s. w. anzuwenden.

Beim Ausbruch des Fiebers wechseln die Symptome je nach den Arten desselben.

So wird das von gestörtem Wind herrührende Fieber durch folgende Erscheinungen charakterisiert: ungleichmäßiges Auftreten und Pausieren der Fieberhitze und der Schmerzen an den verschiedenen Teilen des Körpers, Eingeschlafensein und Steifheit der Füße, Krampf in den Waden, die Gelenke wie zerrissen, Hüftenweh, Stiche in der Brust, die Knochen, besonders am Rücken, wie zerschnitten, heftige Schmerzen in Armen, Schultern und Schläfen, die Kinnladen unfähig zu kauen, Ohrensausen, schlechter, zusammenziehender Geschmack im Munde, Gähnen, Trockenheit des Mundes, der Kehle, des Gaumens und der Haut, Durst, Verstopfung und harte Stühle, Flatulenz, trockener Husten u.s.w.

Symptome des Gallenfiebers: gleichzeitiges Auftreten und Zunehmen der Fiebererscheinungen am ganzen Körper, besonders während der Verdauung, Mittags, um Mitternacht oder im Herbste, Entzündung in Nase, Mund, Kehle, Lippen und Gaumen, bitterer Geschmack im Munde, starke Hitze, Durst und Kältebedürfnis, gelbe Färbung der Nägel, der Augen, des Gesichts, des Urins, der Stühle und der Haut (Gelbsucht) u. a.

Schleimfieber: gleichzeitiges Auftreten der Fiebersymptome am ganzen Körper, besonders nach dem Essen, Vormittags, in der ersten Hälfte der Nacht, oder im Frühling, ein Gefühl von Schwere im Körper, Appetitlosigkeit, Übelkeit, starke Schläfrigkeit und Stumpfheit, Schnupfen, Speichelfluss, Husten und Schweratmigkeit, süßer Geschmack im Munde, Frösteln und Wärmebedürfnis, weiße Färbung der Nägel, Augen, des Gesichts, des Urins, der Stühle und der Haut, kalte Beulen und ein Frostausschlag am Körper, wenig Schmerzen, Steifigkeit u. a. (C. 2, 1, 11—15; Su. 6, 39, 23—32; S. 3, 2, 261 f.; A. 3, 2, 6-—22; M. 30ff.).

Besonders gefährlich ist das aus einer Störung aller drei Grundsäfte hervorgehende Fieber (saṃnipātajvara), das, wenn es in ganz ausgeprägter Form auftritt, nicht geheilt werden kann, und auch sonst schwer heilbar ist, oder dauernde Kränklichkeit zurücklässt. Am 7., 10. oder 12. Tage nimmt dieses Fieber einen gefährlichen Charakter an, worauf es entweder aufhört oder zum Tode führt. Allgemeine Symptome: plötzlicher Wechsel zwischen Hitze und Frost, Schmerzen in den Knochen, Gelenken und im Kopf, die Augen tränend, trübe, weit aufgerissen und verdreht, die Ohren klingend und schmerzend, der Hals wie mit den Spitzen von Ähren bedeckt, Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit, Phantasieren, Husten, Asthma, Übelkeit, Schwindel, die Zunge verbrannt und rauh anzufühlen, Schlaffheit der Glieder, Auswurf von Blut und Galle, vermischt mit Schleim, Wackeln des Kopfes, Durst, Schlaflosigkeit, Herzklopfen, seltene und spärliche Absonderung von Schweiß, Harn und Kot, Abmagerung der Glieder, fortwährende Geräusche in der Kehle, dunkelrote Pusteln und Beulen, Stummheit. Entzündung der Kanäle, Schwere des Unterleibs,. langsame Verdauung, Tollheit, Irrereden, schwarze Zähne, große Schläfrigkeit bei Tage, Wachen in der Nacht, starker Schweiß oder gar kein Schweiß, Verstopfung oder (häufige aber) ungenügende Stühle, Verfall der Kräfte, Heiserkeit u. a.

Es werden dreizehn Arten dieses Fiebers, deren Nomenklatur jedoch wechselt aufgezählt und beschrieben.

Allgemein bekannt ist abhinyāsajvara, bei dem Augen und Ohren ihren Dienst versagen, auch Geruch und Gefühl aufhören, der Kranke stöhnt, wenig spricht oder ganz stumm bleibt, hilflos, schläfrig und schweratmend daliegt, phantasiert. keine Nahrung zu sich nehmen will, die Zunge steif, die Kehle trocken ist, Schweiß. Kot und Urin ausbleiben, die Augen tränen u. s. w.

Nahe verwandt hiermit ist hataujas oder hṛtaujas, charakterisiert durch Schwund der Kräfte.

Zu saṃnipātajvara tritt zuletzt eine Geschwulst an der »Ohrwurzel« hinzu, die leicht tödlich werden kann (C. 6, 3, 50ff.; Su. 6, 39. 33 ff-; S. 3. 2; A. 3. 2. 27 ff.; M. 34 ff.; Bh. 2, 1. 70 ff.; V. 34)

Die achte Gattung des Fiebers, die von äußeren Ursachen herrührt (āgantujvara), kann nicht nur durch Verwundungen und Verletzungen jeder Art entstehen (Wundfieber), sondern auch durch starke Erregung, insbesondere Liebe. Kummer, Furcht oder Zorn, durch Besessenheit. Behexung oder Verwünschung, ferner durch den Geruch giftiger Pflanzen oder Blumen, der Ohnmacht. Kopfweh, Zittern, Erbrechen, Niesen hervorruft, durch Vergiftung, deren Symptome in Ohnmacht, Durchfall, schwarzer Färbung des Mundes, Hitze und Herzweh u. a. bestehen, und andere Ursachen (C. 6, 3. 66—76; S. 3, 2, 263; A. 6, 2, 18 -45; Bh. 2, 1, 103—6; M. 40 f.).

Das Wechselfieber (viṣamajvara »unregelmäßiges Fieber«) bildet eine weitere Gattung des Fiebers, die in fünf Unterarten zerfällt:

  1. saṃtata, »ununterbrochenes Fieber», das 7, 10 oder 12 Tage lang andauert, in gewissen Fällen aber auch von längerer Dauer ist Dieses Fieber ergreift besonders den Chylus (rasa), oder Chylus und Blut, überhaupt sämtliche Elemente des Körpers, auch Harn und Kot

  2. satata, »immerwährend«, ergreift das Blut und tritt im Laufe eines Tages und einer Nacht zweimal auf, d. h. entweder je einmal am Tag und in der Nacht, oder zweimal am Tag, oder zweimal in der Nacht (Ar.). 

  3. anyedyuṣka, »andertägig« (Quotidianfieber), ergreift das Fleisch und tritt innerhalb 24 Stunden einmal auf, zu beliebiger Zeit.

  4. tṛtīyaka, »jeden dritten Tag wiederkehrend« (Tertianfieber), ergreift das Fett und wiederholt sich in Zwischenräumen von je einem Tag. Bei diesem Fieber treten je nach den gestörten Grundsäften Schmerzen in Kopf, Kreuzbein oder Rücken auf.

  5. caturthaka, »jeden vierten Tag wiederkehrend« (Quartanfieber), ergreift das Mark und die Knochen, wobei die Schmerzen entweder von den Beinen oder vom Kopf ausgehen, und wiederholt sich alle vier Tage oder dauert als caturthaviparyaya je zwei Tage, während der erste und vierte Tag fieberfrei sind. Dieses Fieber ist besonders gefährlich.

Sehr schwer heilbar ist auch das »Zehrfieber« (pralepaka), das bei Su. dem saṃtata der anderen Autoren zu entsprechen scheint, sonst aber auch als eine besondere Art von Wechsel- fieber vorkommt; es macht die Glieder heiß und schwer und bringt Schwindsüchtigen den Tod.

Verwandt hiermit ist vātabalāsaka, wie auch in der vedischen Medizin schon balāsa und Fieber zusammen auftreten und überhaupt das Wechselfieber (Malaria) schon deutlich charakterisiert wird (C. 6, 3, 27—35; Su. 6, 39, 48—55; S. 3, 2, 264f.; A. 3. 2, 56—74; M. 42 ff.; Bh. 2, 1, 107—14; V. 51 f.).

Je nachdem das Fieber zuerst den Körper oder den Geist ergreift, heißt es »körperlich« (śarīra) oder »geistig« (mānasa: Typhus?). »Innerlich« (antarvega) heißt es, wenn starke innerliche Hitze, »äußerlich« (bahirvega), wenn starke Hitze der Haut vorliegt; kaltes Fieber heißt śītajvara. »Natürlich« (prākṛta) ist das Fieber, wenn es in der Regenzeit, im Herbst oder Frühling auftritt und durch die diesen Jahreszeiten zukommenden Grundsäfte verursacht wird; »unnatürlich« (vaikṛta), wenn es zu anderen Zeiten auftritt oder nicht von den entsprechenden Grundsäften herrührt. »Unreif« (āma, sāma) ist es bei folgenden Symptomen: Speichelfluss, Ekel, Mattigkeit, Schläfrigkeit, schlechter Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit, reichliches Urinlassen, Steifheit, Verstopfung oder abnorme Stühle, starkes Fieber mit Phantasmen u. s. w. Kennzeichen »reifenden« Fiebers (pacyamānasya) sind: starker Fieberschauer, Durst, Phantasmen, Keuchen, Schwindel, Leibesöffnung, Übelkeit. »Ausgereift« (nirāma) ist das Fieber bei folgenden Erscheinungen: Hunger, Leichtigkeit der Glieder, Nachlassen des Fiebers, Ablauf der sieben ersten Tage.

Auf drei verschiedene Stadien des Fiebers geht auch die Einteilung in navajvara, taruṇajvara bis zu 7 Tagen, madhyajvara bis zu 14 Tagen, jīrṇa- oder purāṇa-jvara von da ab oder von 21 Tagen ab. Den sieben Elementen des Körpers entsprechen ebenso viele Arten des darin auftretenden Fiebers. Gefährlich ist das Fieber in Mark oder Knochen, todbringend das Fieber im Samen, charakterisiert durch Erektionen und Samenverlust (C. 6, 3, 16—22. 38—45; S. 3, 2, 263 f.; A. 3, 2, 46—56; M. 48ff.; Bh. 2, 1, 120—2).

Die Identifizierung obiger Beschreibungen mit den modernen Fieberkrankheiten Indiens macht Schwierigkeiten4, doch sind die intermittierenden und die besonders nach der Regenzeit verheerend auftretenden remittierenden Fieber nicht zu verkennen, ferner die Pneumonie (pralepaka) und das Wundfieber (āgantujvara).

In der Behandlung des Fiebers hat schon die vedische Medizin den Schritt von der naiven Überantwortung des heißen Fiebers an den kalten Frosch und Anbindung eines grüngestreiften Frosches unter dem Bett des Fieberkranken zur Anwendung der auch späterhin als Fiebermittel vorkommenden Pflanze kuṣṭha gemacht. 5 Zahlreiche Rezepte für Fieber enthält die Bowerhs., so wird darin schon die Wirkung von harītakī (Terminalia chebula) als Mittel gegen Wechselfieber gepriesen (2, 939). Auch die spätere Literatur ist reich an Rezepten für jede Art des Fiebers, doch wird besonders die Anwendung diätetischer Mittel empfohlen. Im ersten Stadium, bis zu 7, nach Anderen bis zu 10 Tagen nach dem Beginn des Fiebers, soll der Patient überhaupt nichts genießen, oder doch nur dünne Abkochungen (yavāgū) u. dgl. in mäßiger Quantität; nur das Wasser darf man ihm nicht entziehen, doch soll er in der Regel nur abgekochtes und erwärmtes Wasser genießen, da kaltes Wasser das Fieber vermehrt, wie auch Arzneien in diesem Stadium schädlich wirken. Bei Fieber, das gleich nach dem Essen entsteht, ist zunächst ein Brechmittel zu geben. Im Allgemeinen gilt die Regel, zu Anfang Fasten, späterhin Beförderung der Verdauung durch entsprechende Diät, zuletzt Arzneien, nach gestilltem Fieber Purgantien anzuwenden; doch können bei leichtem Fieber auch schon sofort Arzneien gegeben werden.

Bei Wechselfieber soll man zunächst nach oben und unten purgieren. Nur wenn andere Mittel nichts geholfen haben, soll bei Fieber jeder Art zur Ader gelassen werden. Wenn der Kopf und der Körper leicht, die Ermüdung, Betäubung und Hitze geschwunden sind, der Mund entzündet ist, der Kopf juckt, Schweiß hervorbricht, Esslust und Niesen entsteht, der Geist wieder normal, der Schmerz vorüber ist, so kann man hieran das Aufhören des Fiebers erkennen. Doch muss der Patient sich auch dann noch vor Anstrengungen, sexuellem Verkehr, Baden, Spazierengehen und Luftzug hüten, bis er wieder ganz zu Kräften gekommen ist (C. 6, 3, 81—217; Su. 6, 39. 83—299; A. 4, 1; S. 4, 1: Bh. 2, 1, 7—125; VR. 1, 25ff.).

1 Baines, General Report on the Census of India, 1891 (London 1893), 62.
2 Vgl. Grohmann, IS. 9, 381 ff.; Bloomfield l. c. 59 f.
3 Bloomfield l. c. 60.
4 Vgl. Chevers, A Commentary on the Diseases of India (London 1886), 60 ff., 8o, 263; G. Dacunha, Dengue (Bombay 1872); Baines l. c. 62 f.
5 Bloomfield l. c."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 70ff.]


2.11.27. Urin-Erkrankungen


7.a./b. vyādhibhedā vidrudhiḥ strī jvara-meha-bhagaṃdarāḥ

व्याधिभेदा विद्रुधिः स्त्री ज्वर-मेह-भगंदराः ।७ क।

  • मेह - meha m.: Urin, Penis

Colebrooke (1807): "Gonorrhoea. Some interpret it simple gonorrhoea or seminal weakness ; others, diabetes."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 483ff. (chapter 38) prameha = "Diabetes."


Ist wohl gleichzusetzen mit prameha. Aufzählung: siehe Jolly.


Farben des Urins



Abb.: मेहः । 1: Normaler Urin; 2: wasserhell: bei Harnruhr und Schrumpfniere
[Bildquelle: Der Arzt im Hause, 1923. -- Bd.1. -- Nach S. 512.]


Abb.: मेहः । 3: dunkel: bei Nierenentzündung und Fieber; 4: braun bis grünschwarz: bei Leber- und Gallenkrankheiten
[Bildquelle: Der Arzt im Hause, 1923. -- Bd.1. -- Nach S. 512.]


Abb.: मेहः । Vogel's Skala für Urin-Tests
[Bildquelle: James Tyson, 1893]


Abb.: मेहः । Urin einer an Rhabdomyolysis erkrankten Person
[Bildquelle: James Heilman, MD / Wikipedia. -- GNU FDLIcense]


मेहः । Gonorrhö



Abb.: मेहः । Gonorrhö, Ausfluss aus Penis
[Bildquelle: SOA-AIDS Amsterdam / Wikimedia. -- GNU FDLicense]


Abb.: मेहः । Gonorrhö, Ausfluss aus Scheide
[Bildquelle: SOA-AIDS Amsterdam / Wikimedia. -- GNU FDLicense]


"§ 56 Harnruhr. -- Krankhafte Sekretion des  Urins heißt im Allgemeinen prameha, der nach der Beschaffenheit des Urins gewöhnlich in 20 Unterarten eingeteilt wird.

Hiervon kommen 10 von Schleim, nämlich

  1. udakameha, Wasserharn oder Wasserharnen, mit klarem, weißem, kaltem, geruch- und schmerzlosem, reichlichem, wasserartigem Urin.

  2. ikṣumeha, ikṣurasameha, kaṇḍekṣurasameha, Zuckerharn, Zuckerrohrsaftharn. Der Urin ist sehr süß, kalt, etwas klebrig, trübe, und gleicht dem Saft des Zuckerrohrs.

  3. sāndrameha, dickflüssiger Harn. Der Urin wird dickflüssig, wenn er in dem Gefäß stehen bleibt.

  4. surāmeha, sāndraprasādameha, Harn wie Branntwein oder ein zäher Absud. Der Urin gleicht dem geistigen Getränk surā, ist oben klar, unten dickflüssig.

  5. piṣṭameha, śuklameha, Mehlharn, weißer Harn. Der Urin ist reichlich, weiß wie Wasser mit Mehl, das Urinlassen beschwerlich.

  6. śukrameha, Samenharn. Der Urin sieht wie Samen aus oder ist mit Samen vermischt.

  7. śītameha, kalter Harn. Der Urin ist sehr kalt, süß und reichlich. Su. hat hierfür lavaṇameha, Salzharn, weißer, wie Salzwasser aussehender Urin.

  8. śanairmeha, langsamer Harn. Der Urin wird ganz allmählich entleert.

  9. sikatāmeha, Harn mit sandigem Niederschlag. Der Urin ist mit sandartigen, winzigen Unreinigkeiten vermischt, das Urinieren schmerzhaft.

  10. lālāmeha, phenameha, Speichelharn, Schaumharn. Der Urin ist schleimig oder schaumig, wie Speichel und Fäden enthaltend, und wird in ganz kleinen Quantitäten entleert (Eiweißurin?).

Von Galle kommen 6 Arten:

  1. kṣārameha, Laugenharn. Der Urin ist nach Geruch, Farbe, Geschmack und Gefühl wie Lauge (Wasser mit Pottasche).

  2. kālameha, schwarzer Harn. Der Urin ist schwarz wie Tinte. S. hat hierfür amlameha »saurer Harn«, der wie Buttermilch schmeckt und riecht.

  3. nīlameha, blauer Harn. Der Urin ist blau gefärbt, klar und sauer.

  4. śoṇitameha, raktameha, lohitameha, Blutharn. Der Urin ist übelriechend, heiß, salzig, wie Blut.

  5. mañjiṣṭhāmeha, Harn wie indischer Krapp. Der Urin ist (hellrot) wie Wasser mit indischem Krapp und sehr übelriechend.

  6. haridrāmeha, Gelbwurzharn. Der Urin ist (gelb) wie Wasser mit Gelbwurz und sehr übelriechend.

Von Wind kommen 4 Arten:

  1. vasāmeha, Fettharn. Der Urin ist mit Fett vermischt oder sieht wie Fett aus.

  2. majjāmeha, Markharn. Der Urin sieht wie Mark aus oder ist mit Mark vermischt. Su. hat hierfür sarpirmeha »Butterharn«.

  3. hastimeha, Elefantenharn. Der Kranke lässt unaufhörlich trüben Urin wie ein toller Elefant.

  4. madhumeha, kṣaudrameha, Honigharn. Der Urin ist adstringierend, süß, weißlich, herb. Dies, nebst ikṣumeha (s. o.), ist die Zuckerharnruhr, diabetes mellitus, und die Inder waren hiernach mit dem süßen Geschmack des diabetischen Harns früher als irgend ein anderes Volk bekannt (Häser). Der madhumeha kommt schon in den ältesten medizinischen Werken, wie B. C., vor.

Verursacht wird prameha durch kalte, ölige, süße, fette, flüssige Speisen und Getränke, jungen Reis, Milch oder saure Milch, Süßigkeiten, Übermaß im Essen und andere Diätfehler, ferner durch Vermeidung von Anstrengungen, Neigung zum Schlafen, Liegen oder Sitzen, überhaupt alles, was die Bildung von Schleim, Fett oder Harn bewirkt.

Vorboten sind: süßer Geschmack im Munde, Durst, die Hände und Füße eingeschlafen und brennend, die Glieder ölig, klebrig und schwer, der Mund, Gaumen und Hals entzündet, unreine Ausscheidungen am Körper, den Zähnen u. s. w., der Atem übelriechend, anhaltende Schläfrigkeit und Mattigkeit, der Urin süß und weiß, von Insekten und Ameisen überlaufen u. a. 1

Bei allen prameha ist der Urin trübe und reichlich. Außerdem herrscht bei Schleim Verdauungs- und Appetitlosigkeit, Erbrechen, Schlafsucht, Husten und Schnupfen u. s. w.; bei Galle Stiche in der Blase und Harnröhre, die Hoden wie geborsten, Fieber, Hitze, Durst, saures Aufstoßen, Ohnmacht, Durchfall, gelbe Färbung der Faezes, des Harns und der Augen u. s.w.; bei Wind Zurückhaltung der Ausscheidungen, Beben, Brustschmerzen, Begehrlichkeit (nach Speisen), Kolik, Schlaflosigkeit, Auszehrung, Husten, Asthma. Auch können sich verschiedene Geschwüre entwickeln, die näher beschrieben werden2.

Alle prameha gehen, wenn man sie vernachlässigt, mit der Zeit in madhumeha über und sind dann unheilbar; auch kann madhumeha aus angeborener Süßigkeit des Körpers entstehen (C. 2, 4; Su. 2, 6; S. 3, 10; A. 3, 10; M. 222—33).

Bei allen prameha soll man dem Kranken, nachdem er mit Schwitz-, Brech-, Purgiermitteln und Klistieren behandelt ist, Saft von dhātrī (Emblica officinalis), vermischt mit Gelbwurz und Honig, zu trinken geben (Vr.35,16). In einer Serie von Rezepten B. 2, 603—8 für prameha werden über zwanzig Arzneistoffe, außerdem Speisen von Gerste, Rum, Wildpretbrühe, Milch, Buttermilch u. s.w. empfohlen (Vr. 35; V. 520ff.; Cd. 223—8; Bh. 2, 3, 57 ff.; (C. 1, 17; 6, 6; Su. 4, 1—13; S. 4, 14; A. 4, 12).

1 Noch jetzt wird Diabetes häufig dadurch entdeckt, dass Fliegen und ganze Züge von großen schwarzen Ameisen den Nachttopf aufsuchen (Chevers, Diseases of India 371 f.).
2
Karbunkel bei Diabetes sind noch immer häufig (l. c.)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 82ff.]

Zum Vergleich:

"Normal urine may be described as a transparent, aqueous fluid, of a pale lemon-yellow hue, acid reaction, specific gravity of about 1020 when passed in the average quantity of 1500 cubic centimetres (50 ounces) in the twenty-four hours, and possessing an odor which can only be indicated as "characteristic" or "urinous." The odor is sometime spoken of as "aromatic."

Each one of these characters is, however, liable to some variations within the limits of health, as well as in disease, and with these variations we should be thoroughly familiar before interpreting a given specimen.

I. As to Transparency. This, although quite a constant, can scarcely be considered an essential character of normal urine, while, on the other hand, it by no means follows that because a given specimen of urine is transparent it is therefore normal.

[...]

1. Pathologically, urine may be opaque or semi-opaque from abnormal degrees of the above conditions, or from the presence of pus, which also subsides with a rapidity inversely as the quantity of mucus. If the latter is absent, or present in small quantity, the subsidence is rapid ; if, on the other hand, it is large, subsidence is slow, often requiring several hours. The turbidity of such urine is increased by the application of heat and acids, in consequence of the precipitation of albumin, which is always a constituent of liquor puris.

2. The presence of fat in a state of minute subdivision, as in the so-called chylous urine, produces a degree of turbidity ranging from mere cloudiness to absolute milkiness. In such urine the fatty matter is disposed to rise and form a whitish, creamy layer on top of a less turbid fluid. Such urine, not uncommon in tropical countries, is also sometimes met in temperate climates.

II. As to Consistence. In health, urine is never anything else but aqueous, that is, it drops and flows readily, like water.

Pathologically, it often becomes viscid, glutinous, and separable with difficulty into drops, or not at all. Such state may be due to the presence of an excess of pure mucus, or of a mixture of mucus and pus, and very frequently it is caused by the action upon pus of an alkalinity due to the presence of ammonium carbonate. This will be again alluded to.

In the chylous urine above referred to, the presence of the molecular fat also increases the consistence of the urine.

III. As to Color. While normal urine may be characterized in general terms as pale-yellow, lemon-yellow, or amber-hued, there may be considerable variation in health. Due to the presence, in solution, of the normal coloring matters, the color is deeper or paler according to the proportion of water dissolving them. After copious libations of beer or water, the quantity of urine discharged being large, it is very pale. On the other hand, circumstances which diminish the proportion of water within the limits of health deepen the color. The complemental relation of the skin and kidneys is well known. Under the influence of warmth, therefore, when the skin is acting freely, the quantity of urine is smaller, and it is darker, provided, of course, the quantity of water ingested is the same. In winter, the skin being less active, the quantity of urine is larger, and its color less deep. In persons from whom the respiratory exhalation is greater, the urine is likewise less abundant, darker, and vice versa.

Pathologically, the color of urine may be altered, first, by increase or diminution of the normal coloring matters, or, second, by the addition of abnormal ones."

[Quelle: Tyson, James <1841 - 1919>: A guide to the practical examination of urine, for the use of physicians and students. -- Philadelphia, 1893. -- S. 21ff.]


2.11.28. Analfistel


7.a./b. vyādhibhedā vidrudhiḥ strī jvara-meha-bhagaṃdarāḥ

व्याधिभेदा विद्रुधिः स्त्री ज्वर-मेह-भगंदराः ।७ क।

  • भगंदर - bhagaṃdara m.: "Riss in der Vagina oder den Genitalien", Analfistel

Colebrooke (1807): "Fistula in ano."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 582 (chapter 50) bhagaṃdara = "Rectal fistula."



Abb.: भगंदरः । Analfistel
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"§ 77. Fisteln. — bhagaṃdara, bhagadāraṇa, Mastdarmfistel, eig. »Riss in der Vagina oder den Genitalien«, entsteht aus Reiten, Hocken u. s. w., überhaupt aus den gleichen Ursachen wie arśas (S. A.) und kündigt sich an durch Hüftweh, Jucken, Brennen und Geschwulst am After (Su.); zuerst entsteht ein Geschwür, dann geht dasselbe auf und bildet eine Fistel (M.).

  1. śataponaka. Von Wind entsteht ein rötliches, schmerzendes Geschwür am After, geht, wenn man es nicht heilt, in schlimme Eiterung über und bekommt viele Öffnungen mit enger Mündung, aus denen reichlicher, schaumiger Ausfluss kommt, mit nadelstichartigen und anderen heftigen Schmerzen; auch Winde, Harn, Kot und Samen kommen aus diesen Öffnungen heraus.
  2. uṣṭragrīva, uṣṭraśirodhara, von Galle. Das Geschwür ist rot, lang und dünn wie ein Kamelhals (uṣṭragrīva), die daraus entstehende Wunde brennt, als ob Feuer oder ein Ätzmittel daran gebracht würde, der Ausfluss ist übelriechend und heiß, bei Vernachlässigung der Wunde kommen auch Harn, Kot u. s. w. heraus.
  3. parisrāvin »überfließend«, von Schleim. Die Geschwulst ist weißlich, hart, juckend, der Ausfluss zähe und schleimig, bei Vernachlässigung kommt auch Harn etc.
  4. śambūkāvarta »Windung einer Muschel«, von den drei Grundsäften. Die Geschwulst hat die Größe einer großen Zehe, die obigen Erscheinungen kombinieren sich, der Ausfluss ist verschiedenfarbig.
  5. unmargin »verirrt« oder kṣataja »von Verletzung entstanden«. Wenn beim Essen ein Knochen verschluckt wird und beim Abgang aus dem After schief liegend denselben verletzt, so entsteht aus der Wunde eine Eiterbeule, in der sich Würmer bilden, die den After zernagen und durchlöchern, so dass Kot, Harn u. s. w. aus diesen Öffnungen austreten.

Alle bhagaṃdara sind gefährlich, die 4. und 5. Form unheilbar (Su, 2, 4; S. 6, 32; A. 6, 28; M. 284—7; V. 635ff.; Bh. 2, 4, 5ff.). Die Geschwüre sind sorgsam mit Fasten, Purgiermitteln, Blutentziehung, Waschungen u. s. w. zu behandeln, damit sie nicht eitern. Tritt Eiterung ein, so ist zuerst eine Sonde (eṣaṇī) einzuführen, um die Natur der Fistel, ob nach außen oder nach innen offen u. s. w., zu ermitteln. Dann ist je nach den Umständen ein Einschnitt zu machen, oder ein Ätzmittel oder Brenneisen anzuwenden. Wenn viele Öffnungen vorhanden sind, mache ein kundiger Arzt den Pflugschnitt (lāṅgalaka) mitten durch, oder den halben. Pflugschnitt (ardhalāṅgalaka) auf der einen Seite, oder die Vierteilung (sarvatobhadraka), oder den seitlichen Schnitt (gotīrthaka), dann sind die Kanäle nach allen Richtungen hin auszubrennen (Su. 4, 8; S. A. V. Bh. 1. c.; Vr. 48)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 108f.]


2.11.29. Harnstein


7.c./d. aśmarī mūtrakṛcchraṃ syāt pūrve śukrāvadhes triṣu

अश्मरी मूत्रकृच्छ्रं स्याट् पूर्वे शुक्रावधेस् त्रिषु ॥७ ख॥

  • अश्मरी - aśmarī f.: Harnstein (zu aśman m.: Stein)

Colebrooke (1807): "Stone or gravel."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 469ff. (chapter 37) aśmarī = "Urinary calculus."



Abb.: अश्मरी । Harnstein, wie er überall im Harnsystem gebildet werden kann (dieser wurde in der Harnröhre eines Mannes gefunden)
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Abb.: अश्मरी । Blasenstein
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Abb.: अश्मरी । Nierenstein
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"§ 57. Harnsteine. — Wenn der Wind den in der Blase enthaltenen Harn nebst Samen, Galle oder Schleim austrocknet, so entsteht ein Blasenstein (aśmarī), wie in der Galle des Rindes die rocanā (Gallenstein der Rinder). Vorboten sind: Auftreibung und Schmerzhaftigkeit der Blase, starke Schmerzen in allen benachbarten Körperteilen, wie Hoden und Harnröhre, Harnstrenge, Bocksharngeruch des Urins, Appetitlosigkeit, Fieber, Mattigkeit. Nach der Bildung des Steins entstehen beim Urinlassen Schmerzen am Nabel, in der Blase, der Naht (des Hodensacks) oder der Harnröhre, der Urin kommt nur tropfenweise heraus, wenn der Stein den Weg versperrt, dagegen leicht, klar wie ein Edelstein und frei von Trübung und Sand, wenn der Stein fort ist; auch kann Stockung des Urins und Blutharnen eintreten, letzteres besonders durch Erschütterung und Verletzung, wie durch Laufen, Springen, Schwimmen und andere anstrengende Bewegungen auch starke Schmerzen entstehen können.

Es gibt vier Arten von aśmarī, je nachdem einer der drei Grundsäfte oder der Samen daran schuld ist. Im ersteren Fall werden besonders Knaben davon betroffen; der Kleinheit der Blase wegen sind bei ihnen die Steine leicht zu fassen und herauszuziehen. Von Schleim ist der Stein weiß, glatt, glänzend, groß, wie ein Hühnerei, oder wie Honig gefärbt; von Galle ist er rötlich, gelblich oder schwarz, einer Bhallātaka-Nuss gleichend; von Wind ist der Stein dunkelfarbig, rauh, ungleich, wie die Kadambablüte mit kleinen Erhöhungen bedeckt.

Bei Erwachsenen entsteht durch Enthaltung oder Übermaß im geschlechtlichen Verkehr Samenstein (śukrāśmarī. C. 6, 26, 20; Su. 2, 3, 1 — 7; S. 2, 3, 1—7; S. 2, 9, 281 f.; A. 3, 9, 6—18; M. 218-21).

Harngries (śarkarā) entsteht, wenn der Wind einen Stein in kleine Stückchen zerteilt. Bei günstigem Wind (im Körper) geht der Gries mit dem Urin hinaus, bei ungünstigem Wind wird er zurückgehalten.

Wenn Stein mit Sand (sikatā) und Gries verbunden auftritt, der Nabel und die Hoden geschwollen sind, kein Urin entleert wird und der Kranke an heftigen Schmerzen leidet, so tötet ihn die Steinkrankheit rasch (M. 221. Vgl. C. 1. c. 20f.; Su. l. c. 8 ff.; S. l. c.; A. 3, 9, 18f.).

Gegen Stein und Gries verordnen manche Autoren wie Vr.34, V. 506—16 nur verschiedene Abkochungen, Pulver, Lösungen in zerlassener Butter und Öl u. dgl., die, innerlich genommen, den Stein zerteilen oder auflösen sollen. Auch Bh. 2, 3, 57 spricht nur kurz von dem Herausziehen eines Steins, der durch Arzneien und Injektionen in die Harnröhre nicht geheilt werden konnte, mit einem Haken. C. 6, 26, 40 nennt neben anderen Arzneien einen Trank, welcher den Stein heilt, »falls nicht ein Arzt ihn herauszieht«. Vgl. auch H. 639, 317.

Nach Cd. 223 soll, wenn er durch Arzneien nicht beseitigt ist, ein Chirurg (śalyavid, śastrakarmavid) den Stein, um ihn zwischen After und Harnröhre zu bringen, mit zwei in den After des Kranken gesteckten Fingern hinabdrücken, hierauf links ein Gerstenkorn weit von der Naht (Raphe) einen Schnitt machen und lediglich den Stein entfernen. Wenn er aus Ungeschick die Blase spaltet, ohne den Stein herauszubringen, tritt der Tod ein. Den Stein muss er vollständig beseitigen und das Blut aus der Blase entfernen. Wenn der Stein entfernt ist, lasse er den Kranken in warmem Wasser baden, salbe die Wunde mit Honig und Butter und gebe ihm zur Reinigung des Urins Zucker zu essen, hierauf drei Tage lang einen Trank mit Harnreinigungsmitteln, bis zum 10. Tag Reis mit Milch, ferner Schwitzmittel, wasche und salbe die Wunde. Wenn dieselbe nach 10 Tagen nicht geheilt ist, brenne man sie aus; bleibt der Stein durch Unglück im Nabel (?) stecken, so schneide man den Nabel auf und ziehe den Stein heraus.

Eingehende Beschreibungen der wichtigen Steinoperation geben Su. 4, 7; S. 4, 13; A. 4, 11. Die Steinkrankheit ist ein gefährliches, mit dem Todesgott vergleichbares Leiden, das im Anfang durch Arzneien geheilt werden kann, später aber einer Operation bedarf; da dieselbe aber selbst einem geschickten Arzt misslingen kann, so muss er zur Vornahme derselben erst die Erlaubnis des Königs einholen. Bei der Operation soll sich der Kranke auf einen kräftigen Mann stützen, der auf einer Bank sitzt, und mit Stricken oder Binden an denselben festgebunden werden. Die ganze Gegend um den Nabel herum und unterhalb soll eingerieben und mit der Faust bearbeitet werden, bis der Stein hinabkommt. Wenn der Stein bis unterhalb des Nabels gebracht ist, führe der Arzt den Zeige- und Mittelfinger der linken Hand, eingeölt und mit beschnittenen Nägeln, in den After des Kranken ein, dem. Mittelfleisch entlang, bis er den Stein fühlt, bringe ihn zwischen After und Harnröhre und drücke so lange darauf, bis er wie ein Knoten hervorragt. Wird bei dieser Prozedur der Patient ohnmächtig, so ist die Operation der Lebensgefahr wegen aufzugeben. Andernfalls erfolgt nunmehr mit einem Messer der Einschnitt auf der linken Seite, ein Gerstenkorn weit von der Raphe, unter Umständen auch auf der rechten Seite, der Größe des Steins entsprechend. Der Stein darf nicht gespalten oder zersplittert werden, da selbst kleine Überreste wieder anwachsen würden, daher muss man ihn mit einem hakenartigen Instrument (agravaktra) ganz entfernen. Bei Frauen liegt der Uterus dicht bei der Blase, daher darf man bei ihnen keinen Einschnitt in den Schoss machen, da sonst ein den Harn nach außen leitender Wundkanal (Fistel) entstehen würde; auch bei Männern strömt bei Verletzung des Harnkanals der Urin aus, andere Verletzungen können den Tod oder Impotenz zur Folge haben. Ein einfacher Blasenschnitt heilt wieder zu, die Wunde ist wie nach Cd. (s. o.) zu behandeln, eventuell schon nach 7 Tagen auszubrennen. Wenn ein Stein oder Harngries in die Harnröhre geraten ist, suche man ihn mit dem Harn hinauszuspülen; geht dies nicht an, so mache man einen Einschnitt mit einem Messer und ziehe ihn mit einem Haken heraus.

Der Operierte muss noch ein Jahr lang nach der Heilung es vermeiden, auf Pferden oder Elefanten zu reiten, in einem Wagen zu fahren, zu schwimmen, auf einen Berg oder Baum zu steigen, schwere Speisen zu essen, mit Frauen zu verkehren."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 84f.]

2.11.30. Harnabflussstörungen (Harnstrenge und Harnverhaltung - Dysurie und Algurie)


7.c./d. aśmarī mūtrakṛcchraṃ syāt pūrve śukrāvadhes triṣu

अश्मरी मूत्रकृच्छ्रं स्याट् पूर्वे शुक्रावधेस् त्रिषु ॥७ ख॥

  • मूत्रकृच्छ्र  - mūtrakṛcchra n.: Schwierigkeit beim Urinieren

Colebrooke (1807): "Strangury. Some make the two last terms synonymous, as signifying dysury."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 452ff. (chapter 35) mūtrakṛcchra = "Dysuria."


Z.B. bei Blasenentzündung (Zystitis), Harnwegsinfekt  Prostatahyperplasie bei Männern im fortgeschrittenen Alter, Harnsteine (siehe zum Vorigen), Tumoren.


Prostatahyperplasie



Abb.: मूत्रकृच्छ्रम् । Prostatahyperplasie
[Bildquelle: National Cancer Institute / Wikipedia. -- Public domain]


§ 58. Harnstrenge und Harnverhaltung. — Meistens werden 8 Formen von mūtra-kṛcchra oder -doṣa (Su.) »Harnstrenge« unterschieden, vier von den Grundsäften, einzeln oder vereint, die übrigen von Verletzungen (śalyaja), Verstopfung (purīṣaja), Stein (aśmarīja) und Samen (śukraja) oder Gries (śarkarāja). Als Ursachen werden Diätfehler, wie der Genuss von scharfen Substanzen, Spirituosen, Fleisch von Sumpftieren u. a., ferner Überanstrengung, rasches Reiten, Tanzen betrachtet Der Urin wird häufig, aber nur tropfenweise und mit Beschwerden entleert; hierzu kommen heftige Schmerzen in der Blase, Harnröhre, Brust, Blutharnen und andere abnorme Beschaffenheit des Urins, Flatulenz. Harnverhaltung u.dgl. (C. 6, 26, 17—19; Su. 6,59, 1 —13; M. 211—13; V. 494 f.). Als Heilmittel werden verschiedene Dekokte, Abführmittel, Klistiere, Injektionen in die Harnröhre, Fett- und Schwitzmittel, Salben u. s. w. empfohlen (C. 6, 26, 23—32; Sil 6, 59, 13—24; V. 495 - 9; Vr. 32).

Zwischen mūtrakṛcchra und mūtrāghāta, mūtranirodha, mūtrarodha, mūtrapratighāta »Harnverhaltung« wird keine strikte Grenze gezogen. So ist von den 13 mūtrāghāta, die C. Su. M. und die ihnen folgenden Autoren unterscheiden,

vātakuṇḍalikā, d. h. kreisförmige Umdrehungen des von schlechtem Wind ergriffenen Urins in der Blase, charakterisiert entweder durch völlige Harnverhaltung, oder durch sukzessives, tropfenweises, schmerzhaftes Austreten des Urins;

bei mūtrātīta handelt es sich um einen, der zuerst den Urin zurückgehalten hat und dann urinieren will, dies aber entweder gar nicht zu Stande bringt oder nur ganz wenig, doch mit wenig Schmerzen, auf einmal uriniert;

bei mūtrasaṅga »Harnhemmung« bleibt der ausgeschiedene Urin entweder in der Blase, Harnröhre oder Eichel stecken, oder wird nur ganz allmählich, mit Blut und mit oder ohne Schmerzen entleert.

Eine Form von Stein scheint mūtragranthi »Harnknoten« zu sein, ein runder, kleiner, harter, steinartiger Knoten, der sich plötzlich am Blasenhals bildet, Schmerzen wie bei Stein hervorruft und den Urin zurückhält.

Auf Hypertrophie oder Entzündung der Prostata ist vielleicht aṣṭhilā »Kugel« zu beziehen, ein kugelförmiger, harter, unbeweglicher, hoher Knoten, den der Wind zwischen After und Blase bildet, mit heftigen Schmerzen, Flatulenz und Unterdrückung von Stühlen, Urin und Winden.

Für besonders gefährlich gilt vastikuṇḍala »Blasenring« (Blasenentzündung?), wobei die Blase, von ihrem Standort losgerissen, hoch emporsteht, wie ein Embryo, und der Kranke, von heftigen Schmerzen, Zuckungen und Hitze gequält, nur tropfenweise uriniert, bei Druck aber den Urin ausströmen lässt; wenn die Blase gerundet, Durst, Betäubung und Asthma vorhanden ist, so ist das Leiden unheilbar.

Die Behandlung der Harnverhaltung ist im Wesentlichen die gleiche wie bei Harnstrenge. Im Allgemeinen sollen zuerst Fett- und Schwitzmittel, hierauf ölige Abführmittel, dann Injektionen in die Harnröhre gegeben werden (C. 8, 9,14—28; Su. 6, 58; S. 2,9; 4,13; A. 3, 9; 4, 11; M. 214—8; Vr. 33; Bh. 2, 3, 38—45; V. 500—6)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 85f.]


2.11.31. Zum Geschlecht der bis und mit Vers 12 folgenden Wörter


7.c./d. aśmarī mūtrakṛcchraṃ syāt pūrve śukrāvadhes triṣu

अश्मरी मूत्रकृच्छ्रं स्याट् पूर्वे शुक्रावधेस् त्रिषु ॥७ ख॥

Die (folgenden) Wörter vor śukra (Vers 13) kommen in den drei grammatischen Geschlechtern vor.


Colebrooke (1807): "The follwing terms (inclusivelyy to v. 12) admit the three genders."


2.11.32. Arzt, ärztlich


8.a./b. rogahāry agadaṃkāro bhiṣag-vaidyau cikitsake

रोगहार्य् अगदंकारो भिषग्-वैद्यौ चिकित्सके ।८ क।

Bezeichnungen für einen चिकित्सक - cikitsaka 3: Heilkundiger, Arzt:

  • रोगहाररिन् - rogaharin 3: Krankheits-Wegnehmer
  • अगदंकार - agadaṃkāra 3: Frei-von Krankheit-Macher
  • भिषज् - भिषज् 3: Heilender, Arzt
  • वैद्य - vaidya 3: Gelehrter, Arzt

Colebrooke (1807): "A physician. Or, adjectively, 'practicing medicine'."

Bhāvaprakāśa Bd. 1, S. 126f.



Abb.: वैद्यः । Arzt beim Pulsfühlen, Delhi, um 1830
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


"II. DIE ÄRZTE UND DIE THERAPIE.

§ 18. Ausbildung der Ärzte1. — Bei der Wahl eines Lehrers soll der künftige Arzt vorsichtig sein und sich nur an einen in der Theorie und Praxis erprobten, geschickten, unbescholtenen Mann wenden, der seine Hand zu regieren weiß, die nötigen Hilfsmittel und ein freundliches Benehmen hat, wie auch der Lehrer als Schüler nur einen jungen Mann aus guter Familie, namentlich aus einer Familie von Ärzten annehmen soll, der verständig, beherzt, geduldig, seinem Lehrer ergeben ist, ein gutes Gedächtnis und andere gute Eigenschaften hat Dem Beginn des Unterrichts geht eine Einweihungs- Zeremonie (upanayana) voraus. Der Unterricht ist an den ziemlich zahlreichen Feiertagen und bei unglücklichen Naturereignissen, zeremonieller Unreinheit u. dgl. zu unterbrechen, dem Lehrer besondere Ehrerbietung und strenger Gehorsam zu erweisen. Diese und ähnliche Vorschriften erinnern an die Bestimmungen des Dharmaśāstra über das Verhalten des Brahmanenschülers (brahmacārin)2 und sind denselben wohl nachgebildet (C. 3, 8; Su. 1, 2; S. 1, 2).

Es ist auch nicht gleichgültig, welches Lehrbuch (śāstra) der Schüler sich erwählt, da mannigfache Lehrbücher von Ärzten kursieren. Nur ein erprobtes, anerkanntes, leichtfassliches, gut geordnetes, vollständiges Lehrbuch ist zum Studium geeignet (C. 3, 8, 2). Das Studium besteht zunächst im Memorieren, indem der Schüler die Lehrsätze (sūtra) der Reihe nach durchgeht, sie laut hersagt und öfter wiederholt (C. 3, 8, 5), doch ist es mit bloßem Auswendiglernen nicht getan, sondern der Lehrer soll jedes Wort des Textes öfter erklären und der Schüler seine Erklärungen wiederholen; verständnisloses Memorieren wäre ebenso unnütz, wie wenn ein Esel Sandelholz trägt, wobei er nur die Last spürt, ohne sich an dem Wohlgeruch zu ergötzen (Su. 1,4, if.). Neben dem Lernen und Lehren erörtert C. auch die Besprechung mit Fachgenossen, die teils in friedlichen Gesprächen, teils in Disputationen besteht und das Wissen, die Einsicht, die Redegewandtheit und das Ansehen fördert. Su. hebt die Notwendigkeit praktischer Ausbildung hervor, da ein noch so gelehrter Arzt ohne praktische Ausbildung zur Ausübung der Praxis unfähig sei. Dabei betont er seinem chirurgischen Standpunkt gemäß die Anleitung zu chirurgischen Operationen. So soll man dem Schüler die tiefen Schnitte, das Aus- und Durchschneiden an verschiedenen Arten von Kürbissen und Gurken und an Wassermelonen zeigen, die oberflächlichen Schnitte an gefüllten Schläuchen, Harnblasen (von Tieren), Taschen, das Scari- ficiren an gestreckten, noch behaarten Tierfellen, das Aufstechen an den Blutgefässen toter Tiere oder an Lotusstengeln, das Sondieren an Öffnungen in wurmstichigem Holz, Bambus, Rohrschilf, röhrenförmigen Gegenständen überhaupt, oder getrockneten Flaschenkürbissen, das Herausziehen an dem Fleisch gewisser Früchte oder an den Zähnen toter Tiere, das Ausdrücken an einem mit Wachs bestrichenen Brett, das Nähen an den Enden von zwei Stücken von dickem Tuch oder weichem Leder, das Verbinden an den Gliedern einer aus Stoff oder anderem Material angefertigten Puppe, das Ätzen und Brennen an weichen Fleischstückchen u. a. (Su. 1, 9).

1 Vgl. Roth, Indische Medicin. Caraka. ZDMG. 26, 441—52; Puschmann, Geschichte des medicinischen Unterrichts (Leipzig 1889) 6—15. — 2 Vgl. HilleBrandt, Grdr. 3, 2 S 24-35-

§ 19. Stellung und Tätigkeit der Arzte. — Nach Vollendung seines Studiums und seiner praktischen Ausbildung soll der angehende Arzt sich die Erlaubnis des Königs zur Ausübung der ärztlichen Praxis erwirken (Su. 10. i). Diese Erlaubnis des Königs ist deshalb nötig, weil sonst Pfuscher in seinem Reich ihr Wesen treiben und zu einer Landplage werden könnten (D.). Sehr scharf spricht sich C. über solche Betrüger aus, die im Gewand eines Arztes großsprecherisch in den Strassen umherziehen, um Praxis zu bekommen. Sobald sie von einem Kranken hören, eilen sie herbei und preisen laut, so dass es ihm zu Ohren kommt, ihre ärztlichen Fälligkeiten. Die Freunde des Kranken suchen sie durch allerhand Aufmerksamkeiten zu gewinnen und heben hervor, dass sie mit geringem Lohn zufrieden sein würden. Wenn sie einen Kranken behandeln und sein Leiden nicht zu heben vermögen, behaupten sie, er habe nicht die nötigen Hilfsmittel, übertrete die ärztlichen Vorschriften und könne seine Gelüste nicht bezwingen. Wenn das Ende gekommen ist, machen sie sich davon. Vor ungebildeten Leuten suchen sie ihre Geschicklichkeit herauszustreichen, während sie dabei nur ihre Unwissenheit verraten. Einer Versammlung von unterrichteten Leuten gehen sie aus dem Wege, wie der Wanderer einer gefährlichen Wildnis. Niemand kennt ihren Lehrer, Schüler oder Mitschüler (C. i, 29, 5)1. Solche Pfuscher besonders mögen den schlechten Ruf der Ärzte verschuldet haben, der sich in dem Verbot des Dharmaśāstra ausdrückt, von einem cikitsaka ein Almosen anzunehmen2. Doch nehmen die Ambaṣṭha, deren Beschäftigung die Heilkunst (cikitsita) bildet, einen ziemlich hohen Rang in der Reihenfolge der Kasten ein, da sie väterlicherseits von Brahmanen abstammen sollen Auch die modernen Baidya (vaidya) in Bengalen, von denen etwa noch ein Drittel ärztliche Praxis ausüben, sind sehr angesehen, im Mittelalter ging aus ihnen die berühmte Senadynastie hervor4. Als das höchste Ziel für einen Arzt erscheint es, einen König zu behandeln, der Arzt des Königs zu werden. Solchen Hofärzten fiel namentlich die Aufgabe zu, den König vor Vergiftung zu bewahren und zu diesem Zweck die Hofküche zu inspizieren ($ 95). So erklärt es sich wohl auch, dass Cakradatta, der berühmte medizinische Autor, der Sohn eines Küchenmeisters eines bengalischen Fürsten war5. Auch im Kriege soll der Arzt den König besonders gegen Vergiftung schützen, ferner die vom Feinde vergifteten Brunnen, Speisen u. s. w. reinigen und, dicht beim König wohnend, die in seinem Heere vorkommenden Vergiftungen, Wunden und Krankheiten behandeln (Su. 1,34). Ähnlich versammelt auch Alexander der Grosse die geschicktesten indischen Ärzte in seinem Zelte, um Schlangenbisse und dann auch andere Leiden zu heilen (Arr. Ind. 15). Schon Jīvaka Komārabhacca, ein Zeitgenosse Buddhas, bezog für seine wunderbaren Kuren sehr hohe Honorare6. Auch ein im Rigveda erwähnter Arzt hofft durch seine Heilkräuter »Ross, Rind und ein Gewand« zu erlangen7. Einem Brahmanen, einem geistlichen Lehrer, einem Armen, einem Freunde, einem Asketen und dergleichen Personen soll der Arzt seine Arzneien umsonst verabreichen, dagegen Jäger, Vogelsteller, aus der Kaste Gestoßene und Sünder überhaupt nicht behandeln. Durch ein solches Verfahren erlangt er Freunde, Ruhm, Verdienst, Reichtum und Vergnügen (Su. i, 2, s).

Über das äußere Auftreten des Arztes sagt Su.1,10,2, er solle seine Nägel und Haare kurz halten, baden und ein weißes Gewand anziehen, einen Schirm, Stock und Schuhe tragen. So soll er, bescheiden gekleidet und mit freundlicher Rede, von einem zuverlässigen Diener begleitet, auf Praxis gehen. Nach C. 3, 8, 9 soll er alle seine Gedanken auf die Heilung der Kranken richten und ihnen selbst wo sein eigenes Leben auf dem Spiele steht keinen Schaden zufügen, auch nicht einmal in Gedanken dem Weib eines Anderen oder seiner Habe zu nahe treten. Trunksucht, Sünde und schlechte Gesellschaft meide er. Von den Vorgängen im Hause des Kranken darf er anderwärts nicht sprechen, auch darf er, wenn er die Nähe des Todes erkannt hat, nichts davon verlauten lassen, wenn es dem Kranken oder Anderen Schaden bringen könnte. Nach Su. i, 25, 40 soll der Arzt den Patienten wie seinen eigenen Sohn behandeln. Über die Spitäler s. S 22.

1 Vgl. Roth, l. c. 452; Avinash Chandra Kaviratnas Übers. 408 f.
2
Manu 4,212; Visnu 51,10.
3
Manu 10,8.47.
4
Vgl. Risley, The Tribes and Castes of Bengal (Calcutta 1892) 1, 47.
5
ZDMG. 53, 379, vgl. 54.-6 SBE. 17, 173 ff.; Puschmann, l. c. 14 7 RV. 10,97; Roth, ZDMG. 25, 646; Zimmer, Altind. Leben 398."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 20ff.]


2.11.33. Genesen, gesund


8.c./d. vārto nirāmayaḥ kalya ullāgho nirgato gadāt

वार्तो निरामयः कल्य उल्लाघो निर्गतो गदात् ॥८ ख॥

Jemand, der von der Krankheit zurückgekommen, d.h. genesen ist, heißt:

  • वार्त - vārta 3: in Ordnung befindlich, richtig, normal
  • निरामय - nirāmaya 3: krankheitslos, gesund
  • कल्य - kalya 3: gesund, geschickt
  • उल्लाघ - ullāgha 3: von einer Krankheit erstanden, sich in Genesung befindend

Colebrooke (1807): "Recovered from sickness. Some restrict the last term (ullagha) to a convalescent or recently well from disease."


2.11.34. Erschöpft


9.a./b. glāna-glāsnū āmayāvī vikṛto vyādhito 'paṭuḥ

ग्लान-ग्लास्नू आमयावी विकृतो व्याधितो ऽपटुः ।९ क।

[Bezeichnungen für erschöpft:]

  • ग्लान - glāna 3: erschöpft, matt
  • ग्लास्नु - glāsnu 3: erschöpft, matt, welk

Colebrooke (1807): "Emaciated or weak."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 674.



Abb.: ग्लास्नुः ।
[Bildquelle: Peter Wellemann / Wikimedia. -- Public domain]


2.11.35. Krank


9.a./b. glāna-glāsnū āmayāvī vikṛto vyādhito 'paṭuḥ
9.c./d. āturo 'bhyamito 'bhyāntaḥ samau pāmana-kacchurau

ग्लान-ग्लास्नू आमयावी विकृतो व्याधितो ऽपटुः ।
आतुरो ऽभ्यमितो ऽभ्यान्तः समौ पामन-कच्छुरौ ॥९॥

[Bezeichnungen für krank:]

  • आमयाविन् - āmayāvin 3: krank
  • विकृत - vikṛta 3: verändert
  • व्याधित - vyādhita 3: krank
  • अपटु - apaṭu 3: unfähig
  • आतुर - ātura 3: krank
  • भ्यमित - abhyamita 3: geschädigt, krank (zu am 2: herandrängen, schädigen; Kaus: Schaden nehmen, krank sein)
  • अभ्यान्त - abhyānta 3: geschädigt, krank (zu am 2: herandrängen, schädigen; Kaus: Schaden nehmen, krank sein)

Colebrooke (1807): "Diseased."


Siehe oben 2.11.4.!


2.11.36. Mit nässendem, juckendem oder brennendem Ausschlag (Ekzem, nässende Flechte, Krätze, Psoriasis)


9.c./d. āturo 'bhyamito 'bhyāntaḥ samau pāmana-kacchurau

आतुरो ऽभ्यमितो ऽभ्यान्तः समौ पामन-कच्छुरौ ॥९ ख॥

[Bezeichnungen für jemand, der bestimmte Formen von Ausschlag hat:]

  • पामन - pāmana 3: mit pāman n.: Pāman (Ekzem)
  • कच्छुर - kacchura 3: mit kacchū f.: Kacchū (Krätze)

Colebrooke (1807): "Scabby."


Siehe oben 2.11.12.!


2.11.37. Jemand mit roten, erhabenen Flecken


10.a./b. dadruṇo dadrurogī syād arśorogayuto 'rśasaḥ

दद्रुणो दद्रुरोगी स्याद् अर्शोरोगयुतो ऽर्शसः ।१० क।

[Bezeichnung für jemandem mit दद्रु - dadru f.: juckende, rote, erhabene Flecken:]

  • दद्रुण - dadruṇa 3: von dadru befallen
  • दद्रुरोगिन् - dadrurogin 3: an dadru erkrankt

Colebrooke (1807): "Afflicted with herpes."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 604 dadrukuṣṭha = "Patches of skin, raised, having itching, redness and eruptions, are its features."


Vielleicht Gürtelrose (Herpes zoster)


दद्रुः । Herpes zoster (Gürtelrose)



Abb.: दद्रुणः । Herpes zoster auf der Brust
[Bildquelle: Fisle / Wikipedia. -- GNU FDLicense]


Abb.:  दद्रुणा । Herpes zoster am Rücken
[Bildquelle: Elizgoiri / Wikipedia. -- GNU FDLicense]


Abb.: दद्रुः । Hautbereiche, auf denen sich Herpes zoster ausbreitet
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


"dadrumaṇḍala: juckende, rote, erhabene Flecken. Nach D. ist Ringwurm gemeint, doch deutet nichts auf eine Erkrankung der Kopfhaut"

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 97.]


2.11.38. Mit Hämorrhoiden


10.a./b. dadruṇo dadrurogī syād arśorogayuto 'rśasaḥ

दद्रुणो दद्रुरोगी स्याद् अर्शोरोगयुतो ऽर्शसः ।१० क।

Wer von einer Hämorrhoidenerkrankung befallen ist, heißt अर्शस - arśasa 3: der arśas hat


Colebrooke (1807): "Afflicted with hemorrhoids."


Siehe oben 2.11.19.!


2.11.39. An einer Windkrankheit leidend


10.c./d. vātakī vātarogī syāt sātisāro 'tisārakī

वातकी वातरोगी स्यात् सातिसारो ऽतिसारकी ॥१० ख॥

[Bezeichnungen für jemanden, der an einer Windkrankheit leidet:]

  • वातकिन् - vātakin 3: durch besondere Winde gezeichnet
  • वातरोगिन् - vātarogin 3: windkrank

Colebrooke (1807): "Afflicted with rheumatism."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 315ff. (chapter 24) vātavyādhi = "Diseases of the nervous system."


Z.B. Zustand nach Schlaganfall, Tetanus, Konvulsionen, Krämpfe, Parkinson-Krankheit; Rheumatismus usw. (siehe die Aufzählung bei Jolly)


धनुःस्तम्भः । ("Bogenkrampf") Tetanus



Abb.: धनुःस्तम्भः । ("Bogenkrampf") Tetanus
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 224. -- CC by, nc, sa]


Abb.: धनुःस्तम्भः । ("Bogenkrampf") Tetanus
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 225. -- CC by, nc, sa]


हनुग्रहः । Mundsperre (Trismus)



Abb.:  हनुग्रहः । Mundsperre (Trismus) als Folge von Tetanus
[Bildquelle: CDC / Wikipedia. -- Public domain]


वेपथुः । Parkinson-Krankheit



Abb.: वेपथुः । Parkinson-Krankheit (früher: Paralysis agitans)
[Bildquelle: William Richard Gowers 1886 / Wikimedia. -- Public domain]


वातरोगः । Rheumatismus



Abb.: वातरोगिन्यः । Stadien rheumatischer Arthritis
[Bildquelle: NIH / Wikipedia. -- Public domain]


"§ 89. »Windkrankheiten« (vātavyādhi). — Diese, zumeist nervösen Leiden verursacht durch Füllung der leeren Kanäle der Wind entweder am ganzen Körper oder in einzelnen Körperteilen, wenn er gestört wird durch unpassende oder ungenügende Nahrung, Überanstrengung, Blutverlust, Sorgen, Kummer u. s. w. Symptome: Kontraktion und Steifheit der Gelenke, die Knochen wie zerbrochen, Gänsehaut, Phantasieren, Schmerzen in der Hand, im Rücken und im Kopf, die Glieder eingeschrumpft, Schlaflosigkeit, Verlust der Leibesfrucht und der Menses bei Frauen, des Samens bei Männern, Zucken und Taubheit der Glieder u. a. Der gestörte Wind kann ferner die verschiedensten anderen Leiden hervorrufen, je nach dem Körperteil, in dem er auftritt, so bewirkt er in den Eingeweiden Verstopfung, Herzleiden, Leibesanschwellung, Hämorrhoiden u. a.; auch verursachen die fünf Arten des Windes, wenn Galle hinzutritt, verschiedene Beschwerden. Spezielle Windkrankheiten sind:

  • ākṣepaka Konvulsionen,

  • apatantraka apoplektische Konvulsionen,

  • dāruṇa apatānaka hysterische Konvulsionen (?),

  • daṇḍāpatānaka »Stock-Krampf«, der Körper ist steif wie ein Stock,

  • dhanuḥstambha »Bogenkrampf«, der Körper ist wie ein Bogen gekrümmt, Tetanus,

  • abhyantarāyāma »Biegung nach innen«, der Körper ist wie ein Bogen nach innen gebogen,

  • bāhyāyāma »Biegung nach außen«, eine unheilbare Form,

  • pakṣavadha Hemiplegie (ved. pakṣahata),

  • sarvāṅgaroga Lähmung des ganzen Körpers, Tetanus universalis,

  • ardita Gesichtslähmung,

  • hanugraha Mundsperre, Trismus,

  • manyāstambha steifer Hals,

  • jihvāstambha Lähmung der Zunge,

  • śirograha Gehirnschlag (?),

  • gṛdhrasī Ischias,

  • viṣvācī Lähmung der Arme und Hände,

  • kroṣṭukaśīrṣa Entzündung des Kniegelenks,

  • kalāyakhañja Veitstanz (?),

  • vātakaṇṭaka Verstauchung des Fußknöchels,

  • pādadāha Brennen in den Füssen, besonders beim Gehen,1

  • pādaharṣa Einschlafen der Füße,

  • avabāhuka Krampf oder Steifheit im Arm,

  • vepathu Paralysis agitans [Parkinson-Krankheit]

  • u. a.

Auch Hinken und völlige Lahmheit, Stummheit und Stammeln und andere Leiden werden zu den vātavyādhi gezählt (M. 171—87 und Dutt 1. c. 95—102. Vgl. C. 6, 28; Su. 2, 1; S. 3, 15; A. 3, 15; V. 344ff.; Bh. 2, 2, 138ff.).

Für die Behandlung werden im Allgemeinen besonders Salben, Schwitz- und Fettmittel, Klistiere, Abführmittel empfohlen (Vr. 22, 1). Selbst trockenes Holz kann man durch Einfettung und Erwärmung wieder geschmeidig machen, um wie viel mehr lebendige Glieder (A. 4, 21, 5 f.). Auch feste Verbände sind zweckmäßig. Bei Mundsperre soll der Arzt den Mund gewaltsam öffnen (Su. 4, 4; S. 4, 23; A. 4, 21; C. V. Bh. 1. c.; Vr. 22).

1 Mit dieser gefährlichen Krankheit ist wahrscheinlich eine Form des Ergotismus (Kriebelkrankheit) gemeint Vgl. Heusinger, »Burning of the  feet«, Janus I, 257-95 (1846)

§ 90. Rheumatismus. — Manche der vātavyādhi haben einen rheumatischen Charakter, dies ist ausgesprochen der Fall auch bei Schenkellähmung, ūrustambha, auch āḍhyavāta »überreicher Wind« genannt. Der gestörte Wind tritt in die Hüften und Schenkel und erfüllt sie mit Schleim, wodurch sie steif, kalt, gefühllos, wie fremd und sehr schmerzhaft werden. Vorzeichen sind: Schläfrigkeit, Fieber, Gänsehaut, Ekel, Erbrechen, Schwäche in den Ober- und Unterschenkeln u. a. Dann spürt man überaus große Müdigkeit und fortwährend Hitze und Schmerzen in den Schenkeln, der Fuß schmerzt beim Niedersetzen und ist unempfindlich gegen Kälte, man kann nicht stehen oder gehen. Tödlich ist das Leiden, wenn Hitze, starke Schmerzen und Zittern auftreten. Die Behandlung zerfällt nach C. in eine innerliche und äußerliche, letztere besteht in Einreibungen, Pflastern, Salben u. dgl. (C. 6, 27; Su. 4, 5, 40ff.; A. 3, 15, 51; M. 191 f.; V. 426ff.; Bh. 2, 2, 181 ff.; Vr. 24).

Neben ūrustambha wird āmavāta »Indigestions-Windkrankheit«, d. h. Gelenkrheumatismus erwähnt, so genannt, weil sie hauptsächlich durch Indigestion hervorgerufen wird. Der Schmerz tritt zuerst in den Hüften auf, dann wird der ganze Körper steif. Gliederreißen, Appetitlosigkeit, Durst, Mattigkeit, Schwere, Fieber, Verdauungslosigkeit, Taubheit der Glieder sind die allgemeinen Symptome. Je nach den Grundsäften entstehen ferner schmerzhafte Schwellungen in den Gelenken der Hände, Füße, Knöchel, Kniee, Schenkel u. s. w., mit Schmerzen wie von Skorpionstichen, Verdauungsschwäche, Übelkeit Hitze, reichlicher Harnabsonderung, Herzweh und andere Begleiterscheinungen, oder besonders Hitze und Röte, oder Steifheit und Jucken.

Fasten, Schwitzen, bittere, appetitreizende und scharfe Arzneien, Abführmittel, Fettmittel und Klistiere werden zur Kur empfohlen (M. 192—4; Bh. 2, 2, 187 ff.; V. 429ff.; Vr. 25). Vgl. auch vātarakta § 68."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 118ff.]


2.11.40. Mit Durchfall


10.c./d. vātakī vātarogī syāt sātisāro 'tisārakī

वातकी वातरोगी स्यात् सातिसारो ऽतिसारकी ॥१० ख॥

[Bezeichnungen für jemanden, der Durchfall hat:]

  • सातिसार - sātisāra 3: mit Durchfall
  • अतिसारकिन् - atisārakin 3: Durchfall habend

Colebrooke (1807): "Afflicted with dysentery."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 124 ff. (chapter 2) atisāra = "Diarrhoea."


Bösartige Durchfallerkrankungen sind Cholera und Amoebenruhr.


अतिसारः । Durchfall verschiedener Genese



Abb.: सातिसारः ।
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 157. -- CC by, nc, sa


अतिसारः । Cholera



Abb.: सातिसारः ।
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 158f. -- CC by, nc, sa]


Abb.:  सातिसारः । Cholera-Betten
[Bildquelle: Teseum. -- http://www.flickr.com/photos/teseum/3231682806/. -- Zugriff am 2011-02-02. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


Abb.: सातिसारा । 23jährige Venetianerin vor und nach dem Befall mit Cholera
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


Abb.: Hindu-Amulett gegen Cholera und Pest
[Bildquelle: Wellcome Images. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung)]


रक्तातिसारः । Amöbenruhr



Abb.: रक्तातिसारः । Lebenszyklus von Entamoeba histolytica, der Erregerin der Amöbenruhr
[Bildquelle: Mariana Ruiz Villarreal / Wikipedia. -- Public domain]


§ 52. Durchfall, Dysenterie und Cholera. — Die gewöhnliche Bezeichnung des Durchfalls, atisāra (vgl. ved. āsrāva »Ausfluss«), der noch jetzt als morbus Bengalensis eine häufige Todesursache ist, wird etymologisch so erklärt, dass das Wasserelement im Körper, von gestörtem Wind abwärts getrieben, das Verdauungsfeuer auslöscht und mit den Faeces vermischt und dieselben auflösend stark läuft (atīva sarati. Su. 6, 40, 4 = M. 65; vgl. A. 3, 8, 3f. = S. 3, 8, 279).

Als Ursachen solcher Störung werden angegeben: schwere, scharfe, übermäßig fette, trockene, heiße, flüssige oder kalte, nicht zu einander passende (wie Milch und Fische) oder schädliche Speisen, wenn man zu viel oder in die Verdauung hinein isst oder allzuviel oder verdorbenes Wasser oder Spirituosen trinkt, ferner Vergiftung, Angst, Kummer, zu langes Baden, Unterdrückung der natürlichen Ausscheidungen, Würmer, Hämorrhoiden u. a.

Vorboten sind: Stechen im Herzen, Nabel, After, Unterleib und in den Eingeweiden, ferner Mattigkeit in den Gliedern, Unterdrückung der nach unten abgehenden Winde, Verstopfung, Flatulenz, Indigestion.

Die weiteren Symptome wechseln je nach den Arten des Durchfalls, deren gewöhnlich sechs unterschieden werden:

  1. Bei gestörtem Wind sind die Stühle braun (M.) oder dunkelfarbig (Su.), spärlich aber häufig, schleimig, schaumig, hart, geräuschvoll und schmerzend, der Harn angehalten, die Eingeweide unruhig, die Hüften und Schenkel indolent, der Mastdarm vorgefallen.

  2. Von Galle sind die Stühle gelb, grün, wässerig, dünn, übelriechend, heiß, mit Drang verbunden, auch leidet der Patient an Durst, Ohnmachten, Hitze und Schweiß am Körper, Fieber und Entzündung des Afters.

  3. Von Schleim sind die Stühle weiß, klebrig, mit Schleim bedeckt, zähe, unfertig, geräuschlos, häufig, kalt, der Patient ist müde und schläfrig, appetitlos, merkt es nicht wenn er Stuhl gehabt hat, Bauch, After und Blase sind schwer.

  4. Von allen drei Grundsäften sind die Stühle verschiedenartig (Su., M., A.), z. B. wie Molken, zerlassene Butter, Mark, Öl, Fett oder Milch gefärbt, oder wasserhell, oder ganz blau, rot, oder schwarz, wie Aas, Eiter oder rohe Fische riechend (C.). Diese Form gilt für besonders gefährlich, ja unheilbar.

  5. Wenn Kummer, verbunden mit ungenügender Nahrungsaufnahme, die Ursache ist, geht die Hitze der Tränen in die Gedärme und stört das Blut, das dann mit oder ohne Faeces abgeht. Auch diese Art ist schwer heilbar.

    1. Bei Indigestion (āma, āmājīrṇa) beunruhigen die Grundsäfte die Eingeweide und bewirken vielfach verschiedenfarbige, schmerzhafte Stühle (Su. M.).

    2. Durch Angst wird der Wind gestört und ruft schnelle, warme, wässerige, fließende Durchfälle hervor.

Nach einer anderen Einteilung ist ähnlich wie beim Fieber zwischen unreifer oder akuter (āma) und reifer oder chronischer (pakva) Dysenterie zu unterscheiden (C. 6, 19, 4—14; Su. 6, 40, 1—16; S. 3, 8, 279f.; A. 3, 8, 1 — 14; M. 64ff.).

Unheilbar ist atisāra. wenn die Stühle von ganz abnormer Beschaffenheit sind, z. B. wie Butter, Öl, Fett, Mark, Milch, Molken, Honig, und wenn der Patient an Durst, Hitze, Schwindel, Asthma, Schlucken, Seiten- und Knochenschmerzen, Irrereden und anderen schlimmen Symptomen leidet (Su. 6, 40, 17 — 21; M. 70).

Mit Fieber verbundener Durchfall heißt jvarātisāra.

Blutiger Durchfall (raktātisāra) entsteht durch reichlichen Genuss von Galle bewirkenden Nahrungsmitteln bei galligem Durchfall (M. 71 = Bh. 2, 1; 138)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 74.]


2.11.41. Mit triefenden Augen


11.a./b. syuḥ klinnākṣe culla-cilla-pillāḥ klimne 'kṣṇi cāpy amī

स्युः क्लिन्नाक्षे चुल्ल-चिल्ल-पिल्लाः क्लिम्ने ऽक्ष्णि चाप्य् अमी ।११ क।

Bezeichnungen für einen क्लिन्नाक्ष - klinnākṣa 3: mit einem feuchten / triefenden Auge:

  • चुल्ल - culla 3: mit triefenden Augen, triefäugig; m.: triefendes Auge
  • चिल्ल - cilla 3: mit triefenden Augen, triefäugig; m.: triefendes Auge
  • पिल्ल - pilla 3: mit triefenden Augen, triefäugig; m.: triefendes Auge

Diese Wörter bezeichenen auch das triefende Auge.


Colebrooke (1807): "Blear-eyed. These terms, in the neuter gender, signify the diseased eye."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. --


Triefende Augen ist ein Zeichen von Konjunktivitis (Bindehautentzündung), sie sind u.a. ein Symptom bei Trachoma.


चुल्लः । चिल्लः । पिल्लः । Konjunktivitis (Bindehautentzümdung)



Abb.: चिल्ला । Konjunktivitis (Bindehautentzündung)
[Bildquelle: P33tr / Wikipedia. -- Public domain]


Abb.: चुल्लाः ।
[Bildquelle: Der Arzt im Hause, 1923. -- Bd. 2. -- Nach S. 820.]


Trachom



Abb.: पिल्लः । Trachom
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 265. -- CC by, nc, sa]


2.11.42. Verrückt (toll und besessen)


11.c./d. unmatta unmādavati śleṣmalaḥ śleṣmaṇaḥ kaphī

उन्मत्त उन्मादवति श्लेष्मलः श्लेष्मणः कफी ॥११ ख॥

Bezeichnung für jemand उन्मादवन्त् 3: befallen von unmāda m.: Raserei, Tollheit:

  • उन्मत्त - unmatta 3: von Sinnen gekommen, berauscht, betört, verrückt

Colebrooke (1807): "Insane."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 301ff. (chapter 22) unmāda = "Insanity."


Krankheiten als Besessenheit von Dämonen



Abb.: Krankheitsdämonen, Sri Lanka
[Bildquelle: Jason Turgeon. -- http://www.flickr.com/photos/turgeon/188635176/. -- Zugriff am 2011-02-02. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, share alike)]


Epilepsie


Siehe die hysterische Imitation eines epileptischen Anfalls im Folgenden.


Hysterie



Abb.: उन्मत्ता । Hysterischer Anfall, um 1880
[Bildquelle: Wikipedia. -- Public domain]


Abb.: उन्मत्ता । Erste Periode eines hysterischen Anfalls
[Bildquelle: Richer, Paul <1849 - 1933>: Etudes cliniques sur l'hystero-epilepsie ou grande hysterie, 1881]


Abb.: उन्मत्ता । Schematischer Ablauf eines hysterisch-epileptischen Anfalls
[Bildquelle: Richer, Paul <1849 - 1933>: Etudes cliniques sur l'hystero-epilepsie ou grande hysterie, 1881]


Abb.: उन्मत्ता । Bewegungen während eines hysterischen Anfalls
[Bildquelle: Richer, Paul <1849 - 1933>: Etudes cliniques sur l'hystero-epilepsie ou grande hysterie, 1881]


Abb.: उन्मत्ता । Zungenbewegungen während eines hysterischen Anfalls
[Bildquelle: Richer, Paul <1849 - 1933>: Etudes cliniques sur l'hystero-epilepsie ou grande hysterie, 1881]


Abb.: उन्मत्ता । Zweite Periode eines hysterischen Anfalls
[Bildquelle: Richer, Paul <1849 - 1933>: Etudes cliniques sur l'hystero-epilepsie ou grande hysterie, 1881]


Abb.: उन्मत्ता । Dritte Periode eines hysterischen Anfalls
[Bildquelle: Richer, Paul <1849 - 1933>: Etudes cliniques sur l'hystero-epilepsie ou grande hysterie, 1881]


Abb.: उन्मत्ता । Aus der vierten Periode eines hysterischen Anfalls: Hallunzinationen
[Bildquelle: Richer, Paul <1849 - 1933>: Etudes cliniques sur l'hystero-epilepsie ou grande hysterie, 1881]


Tollwut (Rabies)



Abb.: उन्मत्तः । Tollwutpatient
[Bildquelle: CDC / Wikimedia. -- Public domain]

Hauptsächliche Tollwutüberträger sind in Indien (streunende) Hunde, zunehmend auch Affen. Seit 1985 vermeldet Indien jährlich 25-30.000 Toto aufgrund von Tollwut.


Abb.: कुक्कुराः । Streunende Hunde, die Wichtigsten Überträger von Tollwut auf den Menschen, Goa
[Bildquelle: Greg Younger. -- http://www.flickr.com/photos/gregor_y/169095222/. -- Zugriff am 2011-02-03. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, share alike)]


Abb.: कपिदंशः । Auch Affen beißen: Affenbiss, Sikandra, Uttar Pradesh
[Bildquelle: craSH. -- http://www.flickr.com/photos/cdine/2157847828/. -- Zugriff am 2011-02-03. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung, share alike)]


Amulette gegen Krankheiten



Abb.: Beispiele von Krankheitsamuletten
Von links nach rechts: Yantra (mit mystischen Buchstaben) zur Austreibung eines Dämons; Amulett gegen Hämorrhoiden; Amulett zur Beruhigung eines weinenden Kinds; Amulett gegen Fieber.
[Bildquelle: Bhagavat Simhaji, Maharaja of Gondal, Sir, <1865-1944>: A short history of Aryan medical science, 1896. -- S. 160. -- Online: http://www.archive.org/details/shorthistoryofar00bhag. -- Zugriff am 2011-02-05


§ 94. Tollheit und Besessenheit. — Die Tollheit (unmāda) heißt in ihrem ersten Stadium mada »Rausch, Aufregung« und entsteht auf ähnliche Weise wie apasmāra.

Allgemeine Symptome sind: Geistesverwirrung, Unruhe, Rollen der Augen, Verzagtheit, unzusammenhängende Reden, ein Gefühl von Leere im Herzen. Weiterhin werden sechs Arten von unmāda unterschieden.

So kommt von Wind: grundloses Lachen, Weinen, Singen, Tanzen, Gestikulieren, Schaum vor dem Munde, beständiges Umhergehen, Geschwätzigkeit, sich Schmücken mit unpassenden Dingen, Begierde nach Speisen und Übelkeit nach dem Genuss derselben, Abmagerung, die Haut rauh und rotbraun, nach der Verdauung werden die Erscheinungen schlimmer.

Von Galle kommt besonders Gewalttätigkeit, Jähzorn, Angriffslust, Vorliebe für Nacktheit und für Schatten und Bäder u. dgl., von Schleim Verlust des Verstandes und Gedächtnisses, Appetitlosigkeit und Erbrechen, Speichelfluss, Schweigsamkeit, Vorliebe für Einsamkeit, Geilheit, Schläfrigkeit, Unreinlichkeit u. a.

Von den drei Grundsäften ist der Zustand unheilbar.

Von schmerzlicher Erregung, z. B. über den Verlust des Vermögens oder einer geliebten Frau, entsteht Melancholie mit grundlosem Weinen, Seufzen u. dgl., oder der Kranke singt, lacht, redet durcheinander u. dgl.

Von Gift werden die Augen rot, das Gesicht rotbraun, es tritt Schwäche und Bewusstlosigkeit ein.

Tödlich ist unmāda, wenn der Irre auf den Boden oder in die Höhe blickt, abmagert, kraftlos wird und nicht schlafen kann.

Heilbaren Irren gebe man Arzneien, besonders Abkochungen mit Öl und Butter, Purgier- und Brechmittel, Klistiere, Salben, Nasenmittel, Räucherungen oder lasse sie zur Ader. Oder man werfe den Kranken in einen Brunnen ohne Wasser und lasse ihn dort hungern, oder man lege ihn gebunden mit dem Gesicht nach oben in die Sonne, oder man brenne ihn mit glühendem Eisen oder verbrühe ihn mit kochendem Öl oder Wasser oder züchtige ihn mit Peitschenhieben und werfe ihn dann gebunden in eine Grube, oder man sperre ihn in einen dunkeln und leeren Raum ein, oder man erschrecke ihn mit Schlangen, denen der Giftzahn ausgebrochen ist, oder mit zahmen Löwen oder Elefanten, oder man melde ihm den Tod eines Angehörigen, oder die Diener des Königs fuhren ihn ins Freie und bedrohen ihn mit dem Tode. Neben diesen Gewaltmitteln ist auch von der Aufheiterung des Irren durch freundliche Zuspräche die Rede (C.6,9; Su. 6, 62; S. 6, 9; A. 6, 6; M. 160—4; Bh. 2, 2, 124ff.; V. 326ff.; Vr. 20).

Die schlimmeren Formen des Irreseins werden dämonischer Einwirkung zugeschrieben und daher als Besessenheit (bhūtonmāda) bezeichnet Es werden 8 oder 18 oder 20 oder »unzählige« Dämonen und Götter des Wahnsinns unterschieden, die den Menschen überfallen, wenn er sich gegen die Religion vergeht, allein in einem leeren Hause oder Nachts auf einem Bestattungsplatz weilt u. dgl. Welcher Geist in den Kranken gefahren ist, kann man aus seiner Handlungsweise entnehmen.

So ist der von einem Daitya Besessene boshaft, zornmütig, hochmütig, gibt sich für einen Gott aus, liebt geistige Getränke und Fleisch. Der von einem Gandharva Besessene singt und tanzt, schmückt, badet und salbt sich.

Der von einem Schlangendämon Besessene hat rote Augen, einen starren Blick, einen krummen und schwankenden Gang, streckt die Zunge heraus, leckt sich die Mundwinkel, liebt Milch, Honig und Süßigkeiten.

Der von einem Yakṣa Besessene ist vergnügungssüchtig, geil, verschwenderisch, freigebig, geschwätzig, schwankt im Gehen wie ein Betrunkener.

Der von einem Piśāca Besessene ist unruhig, gefräßig, unreinlich, ohne Gedächtnis, läuft umher, reißt sich mit den Nägeln das Fleisch auf, geht nackt.

Auch für Besessenheit werden verschiedene Arzneien, zum Einnehmen, als Salben, Nasenmittel, Räucherungsmittel u. dgl. verschrieben, aus Arzneistoffen, die gegen Dämonen wirksam sind, namentlich aber richtet sich die Behandlung auf Begütigung der Dämonen durch verschiedene Spenden, Beschwichtigungszeremonien, Bussen, Gebete, gottesdienstliche Verrichtungen, fromme Schenkungen, Ehrung der Brahmanen u. dgl. Jeder Dämon oder Gott hat seine bestimmten Zeiten, zu denen er sich des Menschen bemächtigt; zu diesen Zeiten soll ihm der Arzt Spenden, bestehend in Milch, Fleisch, Zucker, Branntwein und anderen Nahrungsmitteln, Kleidern, Kleinodien u. dgl. darbringen an dem Ort, wo sich der Dämon aufzuhalten pflegt (C. Bh. V. l. c.; Su. 6, 60; M. 164—8; S. 6, 7 f.; A. 6, 4f.). Über Kinderdämonen vgl. § 50."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 121f.]

"Ganz besonders werden aber die Erkrankungen der Kinder dämonischen Einflüssen zugeschrieben, vielleicht weil man das hilflose Kindesalter solchen Einflüssen für besonders zugänglich hielt und die Plötzlichkeit, mit der oft bei Kindern schweres Kranksein mit völliger Gesundheit abwechselt, sich nicht anders zu erklären wusste.

Schon vedisch ist der Dämon Jambha, der die Kinder ergreift und zu dessen Abwehrung man ihnen die Mutterbrust reicht (AV. 7, 10, vgl. Kau. Sū. 32, 1), vedisch auch Naigameya, Naigameṣa, der teils als eine die Geburt von Söhnen gewährende oder Kinder im Mutterleib vertauschende Gottheit, teils als ein die Kinder krank machender Dämon erscheint, auch schon auf alten Skulpturen vorkommt und einen Ziegenkopf (später einen Widderkopf) hat, wohl als für einen Gott der Zeugung geeignetes Symbol der Geilheit3. Bei einem von Naigameṣa ergriffenen Kinde zeigen sich Blähungen, Zuckungen der Hände, Füße und des Mundes, Schaum vor dem Munde, Durst, Ballen der Fäuste, Durchfall, Heiserkeit, Entfärbung, Kollern im Leibe, Röcheln, Erbrechen, Husten, Schlucken, Schlaflosigkeit, Beißen der Lippen, sich Krümmen, in die Höhe Blicken, heftiges Phantasmen, Bewusstlosigkeit, Fleisch- oder Fettgeruch, Fieber, Geschwulst an einem Auge und andere Symptome (A. 6, 3, 12—14; S. 6, 4, 188; Su. 6, 27, 14; M. 429).

Es werden auch allgemeine Kennzeichen dämonischer Ergriffenheit aufgezählt: das Kind fährt plötzlich zusammen, erschrickt und weint, es beisst mit den Zähnen sich selbst und seine Amme, blickt nach oben, beisst die Zähne zusammen, stöhnt, gähnt, verzieht die Augenbrauen, die Zähne und die Lippen, speit öfter Schaum aus, magert ab, wacht Nachts, hat geschwollene Augen, leidet an Durchfall und Heiserkeit, riecht nach Fleisch und Blut, isst nicht wie sonst, nimmt die Brust nicht (M. 427; A. 6, 3, 12—14; S. 6, 4, 187; Bh. 2, 4, 197); als Vorboten gelten Fieber und fortwährendes Weinen (A. S.).

Su. nennt neun graha, vier männliche und fünf weibliche (pūtanā), dieselben auch M. V. Bh. Cd. 406—12 zählt zwölf weibliche Unholde auf, die er mātṛkā nennt und die am 1.—12. Tag, Monat oder Jahr das Kind überfallen und krank machen. S. A. 6, 3 unterscheiden ebenfalls zwölf Dämonen (graha), von denen aber nur sieben weiblichen, die übrigen männlichen Geschlechts sind. Die graha baten Skanda, ihnen Lebensunterhalt zu verschaffen, da verwendete er sich für sie bei Śiva, und Śiva riet ihnen, sich an die Kinder in denjenigen Häusern zu halten, in welchen die Götter, Manen und Gäste, Brahmanen und Lehrer nicht geehrt würden, keine Opfer dargebracht, zerbrochene Schüsseln zum Speisen benutzt und überhaupt die religiösen Gebräuche und Reinheitsvorschriften nicht beobachtet würden; dadurch würde ihnen reichlicher Unterhalt und Verehrung zu Teil werden. Daher werden solche Kinder, deren Ammen schmutzig oder die selbst unrein sind, oder die zur Zeit des Morgen- oder Abendgebets weinen, oder die zornig, furchtsam oder missgestimmt sind, oder sich allein in einem leeren Räume befinden, von den graha im Schlaf oder selbst im Wachen mit allerhand Spukgestalten geängstigt. Die graha fahren dann in die Kinder hinein, wobei sie aber nur mit dem Auge der Wissenschaft wahrgenommen werden können; denn sie können beliebige Gestalten annehmen und sind für gewöhnliche Sterbliche unsichtbar. Auch beliebige Versündigungen der Amme oder Mutter setzen das Kind den Angriffen der graha aus (S. l. c.; Su.6,37; 6, 27, 4).

Zur Vertreibung der graha werden außer Salben, Arzneien, Begießungen, Räucherungen u. dgl. besondere Opfer, verbunden mit Anrufungen der einzelnen graha, empfohlen. So wird an Naigameṣa eine Spende gerichtet mit einer Anrufung, die den »beliebige Gestalten annehmenden, hochberühmten Gott mit dem Ziegengesicht« auffordert, das Kind zu behüten (Su. 6, 36, 8).

3 Vgl. Winternitz, Nejamesha, Naigamesha, Nemeso JRAS. 1895, 149ff.; Bühler, Specimens of Jaina Sculptures from Mathurā EI. 2, 314-8."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 69f.]


2.11.43. Verschleimt


11.c./d. unmatta unmādavati śleṣmalaḥ śleṣmaṇaḥ kaphī

उन्मत्त उन्मादवति श्लेष्मलः श्लेष्मणः कफी ॥११ ख॥

[Bezeichnungen für verschleimt:]

  • श्लेष्मल - śleṣmala 3: verschleimt
  • श्लेष्मण - śleṣmaṇa 3: verschleimt
  • कफिन्  - kaphin 3: verschleimt

Colebrooke (1807): "Phlegmatic."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. --


2.11.44. Mit durch Krankheit gekrümmten Rücken


12.a./b. nyubjo bhugne rujā vṛddhanābhau tuṇḍila-tuṇḍibhau

न्युब्जो भुग्ने रुजा वृद्धनाभौ तुण्डिल-तुण्दिभौ ।१२ क।

Jemand, der durch eine Krankheit gebeugt ist, heißt न्युब्ज - nyubja 3: umgestürzt, verkehrt, nach unten gekrümmt, bucklig.


Colebrooke (1807): "Gibbous from. disease. The word also signifies a disease occasioning a gibbosity of the back."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. --



Abb.: न्युब्जः । Kyphose (Buckel) eines 20jährigen infolge Morbus Scheuermann (Röntgenbild)
[Bildquelle: Daniel McFadden / Wikipedia. -- Public domain]


2.11.45. Mit hervorstehendem Nabel (Nabelbruch)


12.a./b. nyubjo bhugne rujā vṛddhanābhau tuṇḍila-tuṇḍibhau

न्युब्जो भुग्ने रुजा वृद्धनाभौ तुण्डिल-तुण्दिभौ ।१२ क।

Jemand, dessen Nabel hervorgewachsen ist, heißt:

  • तुण्डिल - tuṇḍila 3: mit hervorstehendem Nabel
  • तुण्दिभ - tuṇḍibha 3: mit hervorstehendem Nabel

Colebrooke (1807): "Having an elevated navel."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. --



Abb.: तुण्डिलौ । Nabelbruch
[Bildquelle: Werner, David  <1934 - >: Where there is no doctor : a village healt care handbook / adapted for India by The Voluntary Health Association of India under the supervision of C. Sathyamala. -- 1980. -- S. 364. -- CC by, nc, sa]


Abb.: तुण्डिभः । Nabelbruch
[Bildquelle: John Atherton. -- http://www.flickr.com/photos/gbaku/2095221219/. -- Zugriff am 2011-01-31. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, share alike)]


2.11.46. Mit weißen Hautflecken (Weißer Aussatz, Vitiligo, Pityriasis)


12.c./d. kilāsī sidhmalo 'ndho 'dṛṅ mūrcchāle mūrta-mūrcchitau

किलासी सिध्मलो ऽन्धो ऽदृङ् मूर्च्छाले मूर्त-मूर्च्छितौ ॥१२ ख॥

[Bezeichnungen für jemanden mit weißen Hautflecken:]

  • किलासिन् - kilāsin 3: mit किलास - kilāsa n.: Kilāsa, weißer Aussatz
  • सिध्मल  - sidhmala 3: mit सिध्म - sidhma n.: Sidhma

Colebrooke (1807): "Having blotches."


siehe oben 2.11.11.!


2.11.47. Blind


12.c./d. kilāsī sidhmalo 'ndho 'dṛṅ mūrcchāle mūrta-mūrcchitau

किलासी सिध्मलो ऽन्धो ऽदृङ् मूर्च्छाले मूर्त-मूर्च्छितौ ॥१२ ख॥

[Bezeichnungen für blind:]

  • अन्ध - andha 3: blind
  • अदृश् - adṛś 3: nicht sehend

Colebrooke (1807): "Blind."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. --



Abb.: अन्धाः । Blindenschule, Bidar - ಬೀದರ, Karnataka
[Bildquelle: r deangelo. -- http://www.flickr.com/photos/regina_deangelo/2530289349/. -- Zugriff am 2011-02-02. -- Creative Commons Lizenz (Namensnennung, keine Bearbeitung)]


2.11.48. Ohnmächtig


12.c./d. kilāsī sidhmalo 'ndho 'dṛṅ mūrcchāle mūrta-mūrcchitau

किलासी सिध्मलो ऽन्धो ऽदृङ् मूर्च्छाले मूर्त-मूर्च्छितौ ॥१२ ख॥

Bezeichnungen für मूर्च्छाल - mūrcchāla 3: ohnmächtig:

  • मूर्त - mūrta 3: erstarrt, ohnmächtig (zu mūrch 1: gerinnen, erstarren, ohnmächtig werden)
  • मूर्च्छित - mūrcchita 3: ohnmächtig, betäubt (zu mūrch 1: gerinnen, erstarren, ohnmächtig werden)

Colebrooke (1807): "Fainting."

Bhāvaprakāśa Bd. 2, S. 278ff. mūrcchā = "Fainting / syncope."



Abb.:  मूर्च्चाला । Ohnmacht / von Paolo Veronese (1528-1588)
[Bildquelle: Wikimedia. -- Public domain]


"§ 91. Ohnmacht, Schwindel und Schlagfluss. — Wenn die das Bewusstsein leitenden Kanäle durch die gestörten Grundsäfte verstopft werden, wird der Mensch plötzlich besinnungslos und fällt wie ein Stück Holz zu Boden.

Allgemeine Vorzeichen der Ohnmacht (mūrchā) sind: Brustschmerzen, Gähnen, Müdigkeit, Geistesschwäche. Die weiteren Erscheinungen wechseln je nach den Entstehungsarten von mūrchā.

So wird es dem von Wind Erkrankten blau, schwarz oder rot vor den Augen, er verliert die Besinnung, kommt aber rasch wieder zu sich, schaudert, hat Gliederreißen und Brustschmerzen, wird mager und seine Hautfarbe braunrot; durch den Anblick oder Geruch von Blut wird man ohnmächtig mit steifen Gliedern-, starrem Blick und tiefem Atemholen; der Berauschte liegt auf der Erde, redet irre, ist ohne Besinnung oder verwirrt und wälzt sich auf dem Boden herum, bis der Trank verdaut ist; bei Vergiftung zeigt sich Zittern, Schläfrigkeit, Durst und Verlust des Bewusstseins.

Wenn der Körper sich wie ein Rad im Kreise dreht und der Kranke stets auf den Boden fällt, so heißt dies Schwindel (bhramaroga).

Bei Schlagfluss (saṃnyāsa) werden die Grundsäfte übermächtig und hemmen alle Funktionen der Stimme, des Körpers und des Geistes, so dass der Kranke steif wie Holz wird, einer Leiche gleicht und auf der Stelle stirbt, wenn man nicht sofort Gegenmittel anwendet (Su. 6, 46; S. 3, 6; A. 3, 6; V. 312ff.; Bh. 2, 2, 103ff.).

Gegen Ohnmachten sind im Allgemeinen kalte Besprengungen und Bäder, kühlende Edelsteine wie z. B. der candrakānta und Halsketten, Sandel und andere kühlende Salben, Wedeln mit einem Fächer, kalte und wohlriechende Getränke zu verordnen. Bei Schwindel sind Pillen und Arzneien zu geben. Bei Schlagfluss gebe man Salben und Nasenmittel, räuchere den Kranken, steche ihn mit Nadeln in das Fleisch unter den Nägeln, zupfe ihn am Bart und Haar, beiße ihn mit den Zähnen u. dgl.; wenn er durch solche Stimulanzien nicht zu erwecken ist, so ist ihm nicht zu helfen (Su. V. Bh. l. c.; S. 4, 9; A. 4, 7; Vr. 17)."

[Quelle: Jolly, Julius <1849 - 1932>: Medicin. -- Straßburg, 1901. -- (Grundriss der indo-arischen Philologie und Altertumskunde ; III. Bd., 10. Heft). --  S. 120.]


Anhang: Rekonstruktion āyurvedischer Instrumente


Quelle der folgenden Tafeln:

Bhagavat Simhaji, Maharaja of Gondal, Sir, <1865-1944>: A short history of Aryan medical science, 1896. -- Online: http://www.archive.org/details/shorthistoryofar00bhag. -- Zugriff am 2011-02-05.


Zu manuṣyavargaḥ II. 2. Vers 13 - 30 (Anatomie I: Allgemeines, Rumpf, Beine)