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Zitierweise / cite as:
Entwicklungsländerstudien / hrsg. von Margarete Payer. -- Teil I: Grundgegebenheiten. -- Kapitel 8: Tierische Produktion. --7. Geflügel. -- 1. Hühner und Perlhühner / zusammengestellt von Alois Payer. -- Teil 1. -- Fassung vom 2018-10-07. -- URL: http://www.payer.de/entwicklung/entw0871.htm. -- [Stichwort].
Erstmals publiziert:
Überarbeitungen:
Anlass: Lehrveranstaltung "Einführung in Entwicklungsländerstudien", HBI Stuttgart, 1998/99
©opyright: Dieser Text steht der Allgemeinheit zur Verfügung. Eine Verwertung in Publikationen, die über übliche Zitate hinausgeht, bedarf der ausdrücklichen Genehmigung der Herausgeberin.
Skript, das von den Teilnehmern am Wahlpflichtfach "Entwicklungsländerstudien" an der HBI Stuttgart erarbeitet wird.
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"Die Hühnervögel (Ordnung Galliformes) sind eine alte Vogelgruppe, die uns fossil schon aus dem Eozän (vor etwa sechzig bis fünfzig Jahrmillionen) bekannt ist. Meist mittelgroß bis groß, nur einige Arten klein; ... Zehn Handschwingen, äußere Armschwingen meist sehr kurz. ... Mächtige Brustmuskeln befähigen zu raschem Auffliegen (»Beschleunigungsrütteln« nach Lorenz ...). Lauf vorn mit Horntafeln besetzt ..., die zu zwei Längsreihen angeordnet sind; viele Arten mit Sporen .... Überwiegend Bodenvögel mit starken Füßen; legen ihre vorwiegend pflanzliche Nahrung oft durch Scharren bloß. Kräftiger Schnabel. Fast immer geräumiger und dehnungsfähiger Kropf als Nahrungsspeicher und sehr starker Muskelmagen, zwischen dessen Reibeplatten mit Hilfe kleiner, zu diesem Zweck aufgenommener Steinchen Körner und Grünfutter zermahlen werden. Meist lange Blinddärme zur Erschließung der zellulosereichen Nahrung; Gallenblase bei allen Arten vorhanden. ... Zusammen 94 Gattungen und 263 Arten. Fast über die ganze Erde verbreitet; in Halbwüsten, Steppen, Savannen, Wäldern und im Kulturland; in Gebirgen bis hoch über die Baumgrenze (6ooo m). Alle Hühnervögel baden gern in Staub und Sand, aber nicht im Wasser." [Grzimeks Tierleben : Enzyklopädie des Tierreichs. -- Bd. 7: Vögel 1. -- Zürich : Kindler, ©1968. -- S. 425]
"Uns Menschen stehen die Eigentlichen Hühnervögel besonders nahe, weil zu ihnen vier weitverbreitete Haustiere gehören, darunter das Haushuhn. Auf unserem Speisezettel nehmen Hühnervögel seit alters her einen bevorzugten Platz ein. Für den heutigen Sportjäger sind sie besonders wichtig und werden deshalb in vielen Kulturländern aufmerksam gehegt. Sehr beliebt sind sie außerdem als Ziergeflügel. Es gibt keine andere Vogelgruppe, deren Angehörige der Mensch so oft umgesiedelt und neu eingebürgert hat. Als ausgesprochene Standvögel eignen sich die Hühner dafür auch gut; nur vier Arten sind richtige Zugvögel. So hat der Mensch heute den Edelfasan (Phasianus colchicus) über die ganze Erde verbreitet. Allein in den Vereinigten Staaten werden jährlich sechzehn bis achtzehn Millionen Fasanen geschossen. Auch das europäische Rebhuhn (Perdix perdix) und das eurasiatische Steinhuhn (Alectoris graeca) sind nach Nordamerika eingeführt worden. In Europa hat man viele und oft kostspielige Einbürgerungs- und Umsiedlungsversuche mit nicht weniger als 22 Hühnerarten gemacht, die freilich meist erfolglos blieben. Dagegen konnten allein auf Neuseeland neun fremde Hühnerarten aus Amerika, Europa, Asien, Afrika und Australien fest angesiedelt werden." [Grzimeks Tierleben : Enzyklopädie des Tierreichs. -- Bd. 7: Vögel 1. -- Zürich : Kindler, ©1968. -- S. 425f.]

Abb.: Hahn (©IMSI)
"Eine Sonderstellung unter den Fasanen nehmen die Kammhühner (Gattung Gallus) ein. Fast nacktes Gesicht, fleischige Kopfanhänge in Form von Kämmen, Kehllappen und Ohrscheiben, bei Männchen stark ausgebildet, bei Weibchen nur schwach entwickelt. Schwanz 14- bis 16fedrig, wird dachförmig getragen ... Läufe des Männchen mit langem, spitzen Sporn bewehrt." [Grzimeks Tierleben : Enzyklopädie des Tierreichs. -- Bd. 8: Vögel 2. -- Zürich : Kindler, ©1968. -- S. 50]

Abb.: Hahnenfuß mit Sporn [Quelle: Leitfaden der Naturkunde,
1923]

Abb.: Haushuhn: Hahn und Henne (©IMSI)
"Das Haushuhn ist ein schwerfälliger Vogel mit kräftigen Scharrfüßen und einem harten Schnabel, der sich zum Aufpicken und Zerkleinern der Nahrung vorzüglich eignet. Diese wird im Kropf und im Muskelmagen für die Verdauung vorbereitet. Das Haushuhn gehört zu den Nestflüchtern." [Leitfaden der Naturkunde, 1923, S. 39]
"Die Perlhühner (Unterfamilie Numidinae) haben ihren Namen nach jener hübschen Perlzeichnung im Gefieder, die bei der Mehrzahl der Arten zu finden ist. Auf dunklem Grunde stehen nahe beieinander zahllose weiße Punkte. Nach der griechischen Sage wurden die Schwestern des Meleagros in Perlhühner verwandelt; die Perlen im Gefieder sind danach die Tränen, die diese Mädchen über den Tod des Bruders vergossen hatten. Nach neueren Untersuchungen sind die nächsten Verwandten der Perlhühner offenbar die Pfauen. Man kann annehmen, dass sich die Perlhühner ursprünglich als die afrikanischen Vertreter der Pfauen entwickelt haben; der eigenartige Kongopfau steht noch heute in mancher Hinsicht zwischen beiden Gruppen.
Perlhühner (Numidinae) : mittelgroße Hühnervögel mit kräftigen Läufen, entweder spornlos (Haubenperlhühner und Helmperlhühner) oder mit kurzen, stumpfen Sporen (übrige Gattungen). Schwanz meist kurz, abwärts gerichtet, aus vierzehn Federn (Schwarzperlhuhn und Weißbrustperlhuhn) oder aus sechzehn Federn (übrige Gattungen) bestehend. Kopf größtenteils oder ganz unbefiedert; beim Helm- und Schlichthauben-Perlhuhn befindet sich jederseits am Schnabelwinkel ein Hautlappen. Ursprünglich mit Ausnahme einer in Westmarokko lebenden Unterart des Helmperlhuhnes Bewohner Afrikas südlich der Sahara; durch den Menschen wurden Helmperlhühner auch auf Madagaskar und anderen tropischen Inseln eingebürgert und als Hausperlhühner überall auf den Hühnerhöfen heimisch gemacht. Fünf Gattungen (Schwarzperlhühner, Weißbrustperlhühner, Haubenperlhühner, Helmperlhühner und Geierperlhühner) mit insgesamt sechs Arten." [Wolters, Hans Edmund. -- In: Grzimeks Tierleben : Enzyklopädie des Tierreichs. -- Bd. 8: Vögel 2. -- Zürich : Kindler, ©1968. -- S. 41]

Abb.: Perlhuhn
Englischsprachiges Glossar:
Broiler (Masthähnchen): Chicken grown for meat.
Breeder: Sexually mature chicken used to produce fertile eggs.
Capon (Kapaun): Castrated male chicken.
Cockerel (Hähnchen): Male chicken less than one year old.
Fryer: Young broiler, usually less than one year old.
Grower: Intermediate stage between chick and adult.
Hen (Henne): Female chicken over one year old.
Layer (Legehenne): Female chicken, usually 21 weeks or older, kept for eggs.
Pullet (Hühnchen): Female chicken less than one year old.
Roaster: Fat, heavy broiler, usually more than ten weeks old.
Rooster (Hahn): Male chicken more than one year old. Also called cock.
"Haushühner zählen zu den am weitesten verbreiteten und am intensivsten genutzten Haustieren. Ihre große wirtschaftliche Bedeutung beruht im wesentlichen auf der einfachen Haltung und der schnellen Vermehrbarkeit von Hühnern sowie auf dem hohen ernährungsphysiologischen Wert ihrer Produkte (Fleisch, Eier). ...
Haustiergeschichtlich betrachtet stellen Hühner das älteste Hausgeflügel dar. Ihre Domestikation erfolgte möglicherweise bereits in den frühneolithischen Kulturen Südostasiens vor etwa 8000 Jahren. Mit Sicherheit sind sie aus dem Bereich der Industal-Kultur (3. Jt. v. Chr.) belegt. Damit gehören Hühner zu den ältesten Haustieren überhaupt. Während der langen Zeit im Hausstand sind sie entsprechend den Nutzungszielen (Fleisch- und Eierproduktion, Kampfhühner, Ziergeflügel) in vielfältiger Weise verändert worden, was unter den rezenten Hühnern in einer großen Rassenzahl zum Ausdruck kommt. Die Abstammung der Haushühner ist unumstritten; sie sind aus dem in Südostasien beheimateten Bankivahuhn (Gallus gallus Linne, 1758) hervorgegangen. ...
Neben dem Bankivahuhn leben in Südostasien drei weitere Kammhuhnarten:
das Gabelschwanzhuhn oder grüne Dschungelhuhn (Gallus varius),
das Sonneratshuhn (Gallus sonneratii) und

Abb.: Sonneratshühner
[Quelle der Abb.: Barry Koffler. -- http://www.cyborganic.com/people/feathersite/Poultry/NDG/BRKGJF.html. -- Zugriff am 28.3.2000]
das Ceylon-Dschungelhuhn (Gallus lafayetti).
Manche Forscher glauben, dass auch diese Wildhuhnarten an der Entstehung des Haushuhns zumindest beigetragen haben. Kreuzungen zwischen dem Haushuhn und den drei zuletzt genannten Wildhuhnarten bringen fruchtbare Nachkommen hervor. Von Java ist bekannt, dass hier häufig die Männchen des grünen Dschungelhuhns in Gefangenschaft aufgezogen werden, um sie mit Haushühnern zu paaren. Die Hähne, die aus diesen Kreuzungen hervorgehen, werden wegen ihres durchdringenden, langgezogenen und einsilbigen Krähens geschätzt. Viele Verhaltenseigentümlichkeiten bei unseren Haushühnern scheinen jedoch dafür zu sprechen, dass die Domestikation ausschließlich am Bankivahuhn ansetzte. Von den rezenten Hühnerrassen haben vor allein die Rebhuhnfarbigen Italiener das Aussehen (Federkleid, Färbung) der Stammart fast unverändert bewahrt."
[Benecke, Norbert <1954 - >: Der Mensch und seine Haustiere : die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung. -- Stuttgart : Theiss, ©1994. -- ISBN 3806211051. -- S. 363]
"THE SOUTH AMERICAN CHICKEN
Early European explorers of South America were surprised to discover an abundance of unusual chickens that laid colored
eggs and had feathers resembling earrings on the side of the head. While the origin of this bird - commonly called the araucanian
chicken and classified as Gallus inauris -- is debatable, scientists generally agree that it is pre-Columbian. There is archeological
evidence that this bird is native to the Americas. It is reported to have occurred in Chile, Ecuador, Bolivia, Costa Rica, Peru,
and Easter Island. It still occurs in the wild in southern Chile and on Easter Island.
The araucanian has been called the "Easter-egg chicken" because it lays light green, light blue, and olive colored eggs. It lays
well and has a delicious meat. In areas such as southern Chile the eggs are preferred over those of normal chickens because of
their flavor and dark yellow yolk. This unusual bird has a high degree of variability; however, specimens of similar genetic
background have been grouped to create "breeds" such as the White Araucanian, Black Araucanian, and Barred Araucanian.
These are homozygotes and breed true.
The araucanian has been the subject of much public interest,. clubs dedicated to its preservation have been formed in the
United States, Great Britain, and Chile. Its possible exploitation as a backyard microlivestock deserves serious consideration."
[Microlivestock : little-known small animals with a promising economic future / Board on Science and Technology for International Development (BOSTID). -- Washington, DC : National Academy Press, Washington, 1991. -- [Darin: Chicken]. -- In: Food and Nutrition Bulletin. -- Volume 03, Number 2, 1981. -- In: Humanity development library = HDL : for sustainable development and basic human needs. -- Version 2.0. -- Antwerp : Global Help Projects, 1998. -- 1 CD-ROM. -- {Sie können diese CD-ROM für 30$ hier bestellen: http://www.oneworld.org/globalprojects/humcdrom/order.htm}]
Wildhühner bieten eventuell noch ein völlig unausgeschöpftes genetisches Potential zur Domestikation:
"Junglefowls should be under intensive study. They are easy to rear in captivity and do well in pens, even small ones, as long as
they are sheltered from rain and wind. One drawback is their craze for scratching unless provided plenty of space they
promptly tear up all grass and dirt. Another is that junglecocks are violent fighters and must be kept apart. (Cockfighting is
probably a major reason why they were initially selected, and thus their aggressiveness is perhaps the reason we have the
chicken today.)
These highly adaptable creatures live in a variety of habitats, from sea level to 2,000 m. Most, however, are found in and
around damp forests, secondary growth, dry scrub, bamboo groves, and small woods near farms and villages. They are
amazingly clever at evading capture and thrive wherever there is some cover.
Other junglefowl species might also provide useful poultry. They, too, can be raised in captivity with comparative ease, as long
as the cocks are kept apart. Perhaps they might be tamed with imprinting and could prove useful as domestic fowl, especially in
marginal habitats. They are everywhere considered culinary luxuries and their meat commands premium prices. Moreover,
several have colorful feathers, giving them additional commercial value. These other species are:
La Fayette's Junglefowl (Gallus lafayettei). A very attractive bird of Sri Lanka, it is little known in captivity, and only in the United States are there any number in captivity.
Gray or Sonnerat's Junglefowl (Gallus sonnerati). A native of India, this colorful bird produces feathers that are used in tying the most prized trout and salmon flies. Demand is so great that certain populations have declined, and since 1968 India has banned all export of birds or feathers. Nonetheless, there are several hundred in captivity in various countries.
Green Junglefowl (Gallus varius). This is yet another striking bird. The cock has metallic, greenish-black feathering set off by a comb that merges from brilliant green at the base to bright purple and red at the top. Native to Java, Bali, and the neighboring Indonesian islands as far out as Timor, it is found particularly near rice paddies and rocky coasts. This species, too, can be raised without great difficulty, and there are at least 90 in captivity in various parts of the world."
[Microlivestock : little-known small animals with a promising economic future / Board on Science and Technology for International Development (BOSTID). -- Washington, DC : National Academy Press, Washington, 1991. -- [Darin: Chicken]. -- In: Food and Nutrition Bulletin. -- Volume 03, Number 2, 1981. -- In: Humanity development library = HDL : for sustainable development and basic human needs. -- Version 2.0. -- Antwerp : Global Help Projects, 1998. -- 1 CD-ROM. -- {Sie können diese CD-ROM für 30$ hier bestellen: http://www.oneworld.org/globalprojects/humcdrom/order.htm}]
"Hühner gehören ebenso wie Rinder, Schweine und Pferde traditionsgemäß zum Tierbestand des bäuerlichen Betriebes. Geflügelfleisch und Eier waren stets geschätzte und meist gut bezahlte Produkte. Dennoch wurde die Geflügelhaltung über lange Zeit nicht als vollwertiger Betriebszweig angesehen. Die Haltung und Zucht wurden als Nebenbeschäftigung betrieben. Der Hauptzweck war die Selbstversorgung mit Geflügelfleisch und Eiern. Durch den Verkauf von Überschüssen wurde lediglich ein geringfügiges Einkommen erwirtschaftet.
Die relativ geringe wirtschaftliche Bedeutung im herkömmlichen bäuerlichen Betrieb hat verschiedene Ursachen. Hühner sind nicht so prestigeträchtig wie Pferd, Rind oder Schwein. Die Geflügelhaltung wurde deshalb auf dem bäuerlichen Betrieb meist Frauen und Kindern überlassen. Auch in der Forschung und Beratung wurde die Geflügelzucht über lange Zeit gegenüber der Großtierhaltung vernachlässigt. Hühner galten im allgemeinen als empfindlich gegenüber Krankheiten, und der häufige Ausbruch von Seuchen brachte der Geflügelhaltung den Ruf eines unzuverlässigen und risikoreichen Gewerbes ein.
Eine entscheidende Wende bahnte sich erst vor etwa 30 Jahren an. Intensive Forschung auf dem Gebiet der Züchtung, Haltung und Hygiene machten die Hühnerhaltung sehr schnell zu einem zuverlässigen und äußerst profitablen Betriebszweig. Intensive Haltungssysteme gewährten eine rasche und flächenunabhängige Ausdehnung der Produktion. Die Entwicklung von Impf- und Hygieneprogrammen reduzierte das Krankheitsrisiko drastisch. Somit wuchs auch das Interesse nicht-landwirtschaftlich orientierter Gesellschaften an der Geflügelhaltung, und ein immer größerer Anteil der Eier- und Fleischproduktion erfolgte in industriellen Großfarmen. Es musste deshalb befürchtet werden, dass dieser Betriebszweig nun völlig aus den bäuerlichen Betrieben verschwinden würde. Diese Befürchtung hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Es hat sich vielmehr gezeigt, dass der bäuerliche Betrieb auch heute noch die Möglichkeit hat, die Geflügelproduktion als rentablen Betriebszweig zu betreiben. Der Stand der Produktionstechnik bietet dem bäuerlichen Betrieb eine breite Palette von Möglichkeiten -- von der extensiven Auslaufhaltung bis zur Intensivhaltung -- die eine kostengünstige Produktion auch im begrenzten Rahmen des Familienbetriebes erlauben. Durch optimale Nutzung von vorhandenen Gebäuden, Arbeitskräften, Betriebsmitteln und hofeigenem Futter lassen sich Eier und Fleisch zu Kosten produzieren, die oft mit industriellen Geflügelfarmen vergleichbar sind. Die eindeutige Stärke des bäuerlichen Betriebes liegt jedoch in seiner Nähe zum Verbraucher. Besonders in den letzten Jahren hat es sich gezeigt, dass der Verbraucher in zunehmendem Maße die direkte Beziehung zum Produzenten von Eiern und Fleisch sucht. Dies schafft eine günstige Voraussetzung für die Direktvermarktung, von welcher der bäuerliche Betrieb und der Verbraucher in gleichem Maße profitieren. Sie sichert dem Verbraucher ein höchstes Maß an Frische und Qualität der Produkte und dem bäuerlichen Betrieb einen relativ günstigen und stabilen Preis.
Es besteht jedoch kein Zweifel, dass auf dem Geflügelsektor eine ständige Marktkonkurrenz vorhanden ist, die den Betrieb zu höchster Aufmerksamkeit verpflichtet. Die Voraussetzung für eine rentable Geflügelwirtschaft ist deshalb die ständige Verbesserung der Produktionstechnik zur Kostensenkung und die konsequente Nutzung der Marktnischen."
[Bessei, Werner: Bäuerliche Hühnerhaltung Junghennen, Legehennen, Mast. -- 2., überarbeitete und ergänzte Aufl. -- Stuttgart : Ulmer, ©1999. -- ISBN 3800145375. -- S. 5]

Abb.: Hühnerzucht als Aufbauhilfe nach Hurrikankatastrophe, Dominica, 1982 (Quelle: FAO)
In der folgenden Übersicht sind Einzelne Länder nur aufgeführt, wenn ihr Hühnerbestand über 150 Mio. Tiere ist.
| Welt | 14,171 Mio. |
| Asien | 7,068 Mio. |
| Lateinamerika und Karibik | 2,179 Mio. |
| USA und Kanada | 1,865 Mio. |
| Europa | 1,793 Mio. |
| Afrika | 1,158 Mio. |
| Ozeanien | 107 Mio. |
| China | 3,420 Mio. |
| USA | 1,720 Mio. |
| Indonesien | 1,000 Mio. |
| Brasilien | 950 Mio. |
| Mexiko | 420 Mio. |
| Indien | 382 Mio. |
| Russland | 350 Mio. |
| Japan | 295 Mio. |
| Frankreich | 241 Mio. |
| Iran | 230 Mio. |
| Pakistan | 223 Mio. |
| Vietnam | 179 Mio. |
| Thailand | 172 Mio. |
| Türkei | 166 Mio. |
| Großbritannien | 154 Mio. |
| Zum Vergleich: Deutschland |
103 Mio. |
H.-J. Heynoldt nennt in Hinblick auf die Entwicklungsländer folgende Vor- und Nachteile "moderner" Geflügelproduktion, d.h. vor allem der industrieähnlichen Hühnerhaltung:
"Auf die Entwicklung der Geflügelproduktion, die sich als der gegenwärtig dynamischste Zweig in der Tierproduktion hinsichtlich der Zuwachsraten und des bio-technologisch-ökonomischen Fortschritts herausgebildet hat, wirken folgende Faktoren stimulierend
Als begrenzende Faktoren, besonders für eine Intensivhaltung in den Entwicklungsländern, erweisen sich:
Sofern die Geflügelproduktion nicht mehr nur auf der Stufe der traditionellen Kleinhaltung betrieben wird, hat sie in vielen Ländern zur Herausbildung einer Geflügelwirtschaft geführt, die neben der Produktion auch die Be- und Verarbeitung sowie die Vermarktung von Eiern, Schlachtgeflügel und anfallenden Nebenprodukten umfasst und möglichst auch die Mischfutterindustrie einbezieht. Sie wird in den entwickelten Industrieländern bereits in großem Umfang, in den Entwicklungsländern seit Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre in wachsendem Maße als moderner Produktionszweig in spezialisierten Betrieben durchgeführt."
[Heynoldt, Hans-Joachim. -- In: Nutztiere der Tropen und Subtropen / Hrsg. Siegfried Legel. -- Stuttgart [u.a.] : Hirzel.. -- Bd. 3: Pferde/Esel, Schweine, Elefanten, Geflügel, Bienen, Seidenspinner. -- ©1993. -- ISBN 3777604976. -- S. 323 - 324]
"Throughout Asia, Africa, and Latin America, the problems of village chickens are mainly those discussed below.
[Microlivestock : little-known small animals with a promising economic future / Board on Science and Technology for International Development (BOSTID). -- Washington, DC : National Academy Press, Washington, 1991. -- [Darin: Chicken]. -- In: Food and Nutrition Bulletin. -- Volume 03, Number 2, 1981. -- In: Humanity development library = HDL : for sustainable development and basic human needs. -- Version 2.0. -- Antwerp : Global Help Projects, 1998. -- 1 CD-ROM. -- {Sie können diese CD-ROM für 30$ hier bestellen: http://www.oneworld.org/globalprojects/humcdrom/order.htm}]
Hackordnung: Wichtig und problematisch für die Hühnerhaltung ist die ausgeprägte Hackordnung unter Hühnern:
"Zu den Tieren mit der schärfsten Ausprägung der Rangordnung zählen die Hühner.
Über die Rangordnung beim Haushuhn, die schon fast zum klassischen Beispiel einer straffen Regelung des Verkehrs von zusammenlebenden Tieren der gleichen Art geworden ist, gibt es noch viel zu berichten. Da sie sich bei allen Rassen und Schlägen herausbildet, nur durch Temperamente gemildert oder verschärft, dürfte das Verhalten der wilden Stammform kaum anders sein, was mir auch deren gelegentliche Beobachtung bestätigt hat. Die Verteidigung des Ranges innerhalb einer nach Schlaf- und Futterplatz in sich geschlossenen Schar hat den Vorrang gegenüber der Stillung des Hungers; sie ist auch wichtiger, weil der Verlust des Ranges dazu führen kann, dass das rangniedere Tier immer wieder von der Futterstelle verdrängt wird. Ein altes Huhn, gleich ob Hahn oder Henne, das aus Schwäche oder Krankheit kaum mehr Nahrung aufnimmt, rafft sich mit letzter Kraft zum Kampf auf, wenn ein im Rang tieferstehendes Tier droht. Aber auch erwachte Angriffslust gegen einen höhergestellten Artgenossen, die irgendwann in einem Huhn erwacht, lässt sich nur schwer ablenken.
Vor vielen Jahren, noch bevor ich die heute üblichen Bezeichnungen Rang-, Hack- oder Piekordnung las, gebrauchte ich in meinen Aufzeichnungen die
Ausdrücke Plus- und Minushuhn, für Rangordnung Plus-Minus-Verhältnis. So wurde der Gegensatz zwischen „hacken dürfen" und „hinnehmen müssen" klargestellt. Diese Bezeichnungen werde ich auch weiterhin gelegentlich anwenden. Dafür ein Beispiel: Dem Zwerghahn Pascha war es nicht gelungen, die große Henne Alma zu unterwerfen. Zu den übrigen Hennen war er in ein klares Plus gekommen, aber die starke Alma wehrte alle seine Angriffe ab. Im Frühling duldete sie jedoch willig die Paarung. Nun schien seine Spitzenstellung im Hof unbestritten. Als aber Almas Legeperiode ablief, wurde sie wieder herrisch, Paschas schwaches Aufbegehren unterdrückte sie durch grobe Schnabelhiebe. Das Minusverhältnis des Hahnes war also während Almas Paarungszeit nur latent geworden. Auch ihm war sein Rang bewusst geblieben, sonst hätte er, inzwischen stärker geworden, sich energisch gewehrt. Übrigens schlug er im Spätherbst, nachdem er selbst schon ein neues Federkleid hatte, die nun erst mausernde und fast nackte Alma endgültig in kurzem Kampf.
Diese Geschichte nimmt einiges vorweg, das nun zu klären ist. Grundsätzlich besteht für Hühner beider Geschlechter in der Rangordnung kein Unterschied, doch streben die Hähne mit der Erreichung einer gewissen Größe und Reife danach, zu den Hennen, die ja zum Teil älter sind und bis jetzt höherrangig waren, in ein klares Plusverhältnis zu kommen. Es gibt allerdings Hähne, meist von spätreifen Rassen, die sich bis über die Zeit des Erwachsenwerdens hinaus nicht dazu aufraffen, ihre Führung durch Sieg klarzustellen. Sie wachsen allmählich in ihre Stellung hinein und werden dann von den Plushennen mal geduldet, mal gehackt, was ihnen nicht mehr viel ausmacht. Erst spät und längst körperlich überlegen, antworten sie auf den Puff einer Henne mit einem Angriff und siegen dann gewöhnlich leicht.
Die meisten Junghähne machen dagegen, etwa zwischen dem vierten und siebten Lebensmonat, ihre „Hennenkämpfe" durch. Unvermittelt, gewöhnlich morgens, greifen sie einzelne Hennen an. Diese reagieren darauf verschieden. Manche bekommen „Angst vor dem Hahnengesicht". Bisher hackten sie ungehemmt, je nach Stimmung und Gelegenheit, den halberwachsenen Junghahn. Nun tritt dieser ihnen plötzlich in der für den Hahn typischen Angriffsstellung entgegen, zum Ansprung geduckt, mit weitgespreiztem Halskragen. Solche Hennen stellen sich zwar noch zum Kampf, flüchten aber schreiend, sowie der Hahn springt, oft, ohne berührt worden zu sein. Andere Hennen lassen sieb durch den Anblick nicht beeindrucken: sie greifen sofort selbst an und besiegen den Junghahn, der sein Ziel um Wochen zurückstecken muss, oder sie werden in echtem, hartem Kampf besiegt.
Bei diesen oft heftigen Kämpfen zwischen Althenne und Junghahn spielen auch geschlechtsbedingte Besonderheiten eine Rolle. Hähne mit großen, roten Kämmen siegen leichter als andere mit rassemäßig unauffälligeren Geschlechtsmerkmalen. Vor allem ist aber das Benehmen der Gegner nach einem Kampf zwischen Hahn und Henne anders als nach einem Kampf zwischen zwei Hähnen oder auch zwei Hennen. Während bei gleichgeschlechtlichen Gegnern der Sieger den Besiegten verfolgt, ist das Hacken oder Jagen nach dem Kampf Hahn gegen Henne nur kurz angedeutet. Zuweilen übt der Hahn schon im Kampf mit einer schwächeren Gegnerin sichtlich Zurückhaltung, wenn diese nicht mehr viel Widerstand leistet. Bald nach dem Kampf umwirbt er die Unterlegene, und nicht selten duldet sie nun die Paarung, anstatt zu flüchten."
[Baeumer, Erich: Das dumme Huhn : Verhalten des Haushuhns. -- Stuttgart : Frankh, ©1964. -- (Kosmos-Bibliothek ; 242). -- S. 21 - 23]
Zu Kapitel 8,7,1,1: Hühner und Perlhühner, Teil 2