Einführung in

Entwicklungsländerstudien

entwlogo.gif (4562 Byte)

Wir sind miteinander verknüpft

8. Grundgegebenheiten: Tierische Produktion

7. Geflügel: 1. Hühner und Perlhühner

Teil 1


zusammengestellt von Alois Payer

herausgegeben von Margarete Payer

mailto: payer@hdm-stuttgart.de


Zitierweise / cite as:

Entwicklungsländerstudien / hrsg. von Margarete Payer. -- Teil I: Grundgegebenheiten. -- Kapitel 8: Tierische Produktion. --7. Geflügel. -- 1. Hühner und Perlhühner  / zusammengestellt von Alois Payer. -- Teil 1. --  Fassung vom 2018-10-07. -- URL: http://www.payer.de/entwicklung/entw0871.htm. -- [Stichwort].

Erstmals publiziert: 

Überarbeitungen:

Anlass: Lehrveranstaltung "Einführung in Entwicklungsländerstudien", HBI Stuttgart, 1998/99

©opyright: Dieser Text steht der Allgemeinheit zur Verfügung. Eine Verwertung in Publikationen, die über übliche Zitate hinausgeht, bedarf der ausdrücklichen Genehmigung der Herausgeberin.


Skript, das von den Teilnehmern am Wahlpflichtfach "Entwicklungsländerstudien" an der HBI Stuttgart erarbeitet wird.


0. Übersicht




Abb.: Hahn (©IMSI)


Abb.: Fahrradwimpel der Stadt Lampang, Nordthailand


Abb.: Hahn (©IMSI)


Abb.: Stolze Hühnerhalterinnen, Panama (Quelle: gtz)

 


Audio: Hühnergegacker


Audio: Hahnenschrei


1. Zoologische Systematik



2. Allgemeines


Englischsprachiges Glossar:

"Haushühner zählen zu den am weitesten verbreiteten und am intensivsten genutzten Haustieren. Ihre große wirtschaftliche Bedeutung beruht im wesentlichen auf der einfachen Haltung und der schnellen Vermehrbarkeit von Hühnern sowie auf dem hohen ernährungsphysiologischen Wert ihrer Produkte (Fleisch, Eier). ...

Haustiergeschichtlich betrachtet stellen Hühner das älteste Hausgeflügel dar. Ihre Domestikation erfolgte möglicherweise bereits in den frühneolithischen Kulturen Südostasiens vor etwa 8000 Jahren. Mit Sicherheit sind sie aus dem Bereich der Industal-Kultur (3. Jt. v. Chr.) belegt. Damit gehören Hühner zu den ältesten Haustieren überhaupt. Während der langen Zeit im Hausstand sind sie entsprechend den Nutzungszielen (Fleisch- und Eierproduktion, Kampfhühner, Ziergeflügel) in vielfältiger Weise verändert worden, was unter den rezenten Hühnern in einer großen Rassenzahl zum Ausdruck kommt. Die Abstammung der Haushühner ist unumstritten; sie sind aus dem in Südostasien beheimateten Bankivahuhn (Gallus gallus Linne, 1758) hervorgegangen. ...

Neben dem Bankivahuhn leben in Südostasien drei weitere Kammhuhnarten: 

Manche Forscher glauben, dass auch diese Wildhuhnarten an der Entstehung des Haushuhns zumindest beigetragen haben. Kreuzungen zwischen dem Haushuhn und den drei zuletzt genannten Wildhuhnarten bringen fruchtbare Nachkommen hervor. Von Java ist bekannt, dass hier häufig die Männchen des grünen Dschungelhuhns in Gefangenschaft aufgezogen werden, um sie mit Haushühnern zu paaren. Die Hähne, die aus diesen Kreuzungen hervorgehen, werden wegen ihres durchdringenden, langgezogenen und einsilbigen Krähens geschätzt. Viele Verhaltenseigentümlichkeiten bei unseren Haushühnern scheinen jedoch dafür zu sprechen, dass die Domestikation ausschließlich am Bankivahuhn ansetzte. Von den rezenten Hühnerrassen haben vor allein die Rebhuhnfarbigen Italiener das Aussehen (Federkleid, Färbung) der Stammart fast unverändert bewahrt." 

[Benecke, Norbert <1954 - >: Der Mensch und seine Haustiere : die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung. -- Stuttgart : Theiss, ©1994. -- ISBN 3806211051. -- S. 363]


"THE SOUTH AMERICAN CHICKEN 

Early European explorers of South America were surprised to discover an abundance of unusual chickens that laid colored
eggs and had feathers resembling earrings on the side of the head. While the origin of this bird - commonly called the araucanian chicken and classified as Gallus inauris -- is debatable, scientists generally agree that it is pre-Columbian. There is archeological evidence that this bird is native to the Americas. It is reported to have occurred in Chile, Ecuador, Bolivia, Costa Rica, Peru, and Easter Island. It still occurs in the wild in southern Chile and on Easter Island. 

The araucanian has been called the "Easter-egg chicken" because it lays light green, light blue, and olive colored eggs. It lays
well and has a delicious meat. In areas such as southern Chile the eggs are preferred over those of normal chickens because of their flavor and dark yellow yolk. This unusual bird has a high degree of variability; however, specimens of similar genetic
background have been grouped to create "breeds" such as the White Araucanian, Black Araucanian, and Barred Araucanian.
These are homozygotes and breed true. 

The araucanian has been the subject of much public interest,. clubs dedicated to its preservation have been formed in the
United States, Great Britain, and Chile. Its possible exploitation as a backyard microlivestock deserves serious consideration."

[Microlivestock : little-known small animals with a promising economic future / Board on Science and Technology for International Development (BOSTID). -- Washington, DC : National Academy Press, Washington, 1991. -- [Darin: Chicken]. -- In: Food and Nutrition Bulletin. --  Volume 03, Number 2, 1981. -- In: Humanity development library = HDL : for sustainable development and basic human needs. -- Version 2.0. -- Antwerp : Global Help Projects, 1998. -- 1 CD-ROM. -- {Sie können diese CD-ROM für 30$ hier bestellen: http://www.oneworld.org/globalprojects/humcdrom/order.htm}]


Wildhühner bieten eventuell noch ein völlig unausgeschöpftes genetisches Potential zur Domestikation:

"Junglefowls should be under intensive study. They are easy to rear in captivity and do well in pens, even small ones, as long as they are sheltered from rain and wind. One drawback is their craze for scratching unless provided plenty of space they
promptly tear up all grass and dirt. Another is that junglecocks are violent fighters and must be kept apart. (Cockfighting is
probably a major reason why they were initially selected, and thus their aggressiveness is perhaps the reason we have the
chicken today.) 

These highly adaptable creatures live in a variety of habitats, from sea level to 2,000 m. Most, however, are found in and
around damp forests, secondary growth, dry scrub, bamboo groves, and small woods near farms and villages. They are
amazingly clever at evading capture and thrive wherever there is some cover.

Other junglefowl species might also provide useful poultry. They, too, can be raised in captivity with comparative ease, as long
as the cocks are kept apart. Perhaps they might be tamed with imprinting and could prove useful as domestic fowl, especially in marginal habitats. They are everywhere considered culinary luxuries and their meat commands premium prices. Moreover,
several have colorful feathers, giving them additional commercial value. These other species are: 

[Microlivestock : little-known small animals with a promising economic future / Board on Science and Technology for International Development (BOSTID). -- Washington, DC : National Academy Press, Washington, 1991. -- [Darin: Chicken]. -- In: Food and Nutrition Bulletin. --  Volume 03, Number 2, 1981. -- In: Humanity development library = HDL : for sustainable development and basic human needs. -- Version 2.0. -- Antwerp : Global Help Projects, 1998. -- 1 CD-ROM. -- {Sie können diese CD-ROM für 30$ hier bestellen: http://www.oneworld.org/globalprojects/humcdrom/order.htm}]


 

"Hühner gehören ebenso wie Rinder, Schweine und Pferde traditionsgemäß zum Tierbestand des bäuerlichen Betriebes. Geflügelfleisch und Eier waren stets geschätzte und meist gut bezahlte Produkte. Dennoch wurde die Geflügelhaltung über lange Zeit nicht als vollwertiger Betriebszweig angesehen. Die Haltung und Zucht wurden als Nebenbeschäftigung betrieben. Der Hauptzweck war die Selbstversorgung mit Geflügelfleisch und Eiern. Durch den Verkauf von Überschüssen wurde lediglich ein geringfügiges Einkommen erwirtschaftet.

Die relativ geringe wirtschaftliche Bedeutung im herkömmlichen bäuerlichen Betrieb hat verschiedene Ursachen. Hühner sind nicht so prestigeträchtig wie Pferd, Rind oder Schwein. Die Geflügelhaltung wurde deshalb auf dem bäuerlichen Betrieb meist Frauen und Kindern überlassen. Auch in der Forschung und Beratung wurde die Geflügelzucht über lange Zeit gegenüber der Großtierhaltung vernachlässigt. Hühner galten im allgemeinen als empfindlich gegenüber Krankheiten, und der häufige Ausbruch von Seuchen brachte der Geflügelhaltung den Ruf eines unzuverlässigen und risikoreichen Gewerbes ein.

Eine entscheidende Wende bahnte sich erst vor etwa 30 Jahren an. Intensive Forschung auf dem Gebiet der Züchtung, Haltung und Hygiene machten die Hühnerhaltung sehr schnell zu einem zuverlässigen und äußerst profitablen Betriebszweig. Intensive Haltungssysteme gewährten eine rasche und flächenunabhängige Ausdehnung der Produktion. Die Entwicklung von Impf- und Hygieneprogrammen reduzierte das Krankheitsrisiko drastisch. Somit wuchs auch das Interesse nicht-landwirtschaftlich orientierter Gesellschaften an der Geflügelhaltung, und ein immer größerer Anteil der Eier- und Fleischproduktion erfolgte in industriellen Großfarmen. Es musste deshalb befürchtet werden, dass dieser Betriebszweig nun völlig aus den bäuerlichen Betrieben verschwinden würde. Diese Befürchtung hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Es hat sich vielmehr gezeigt, dass der bäuerliche Betrieb auch heute noch die Möglichkeit hat, die Geflügelproduktion als rentablen Betriebszweig zu betreiben. Der Stand der Produktionstechnik bietet dem bäuerlichen Betrieb eine breite Palette von Möglichkeiten -- von der extensiven Auslaufhaltung bis zur Intensivhaltung -- die eine kostengünstige Produktion auch im begrenzten Rahmen des Familienbetriebes erlauben. Durch optimale Nutzung von vorhandenen Gebäuden, Arbeitskräften, Betriebsmitteln und hofeigenem Futter lassen sich Eier und Fleisch zu Kosten produzieren, die oft mit industriellen Geflügelfarmen vergleichbar sind. Die eindeutige Stärke des bäuerlichen Betriebes liegt jedoch in seiner Nähe zum Verbraucher. Besonders in den letzten Jahren hat es sich gezeigt, dass der Verbraucher in zunehmendem Maße die direkte Beziehung zum Produzenten von Eiern und Fleisch sucht. Dies schafft eine günstige Voraussetzung für die Direktvermarktung, von welcher der bäuerliche Betrieb und der Verbraucher in gleichem Maße profitieren. Sie sichert dem Verbraucher ein höchstes Maß an Frische und Qualität der Produkte und dem bäuerlichen Betrieb einen relativ günstigen und stabilen Preis.

Es besteht jedoch kein Zweifel, dass auf dem Geflügelsektor eine ständige Marktkonkurrenz vorhanden ist, die den Betrieb zu höchster Aufmerksamkeit verpflichtet. Die Voraussetzung für eine rentable Geflügelwirtschaft ist deshalb die ständige Verbesserung der Produktionstechnik zur Kostensenkung und die konsequente Nutzung der Marktnischen."

[Bessei, Werner: Bäuerliche Hühnerhaltung Junghennen, Legehennen, Mast. -- 2., überarbeitete und ergänzte Aufl. -- Stuttgart : Ulmer, ©1999. -- ISBN 3800145375. -- S. 5]


3. Verbreitung der Hühner  und Eignung  für Entwicklungsländer


Abb.: Hühnerzucht als Aufbauhilfe nach Hurrikankatastrophe, Dominica, 1982 (Quelle: FAO)

In der folgenden Übersicht sind Einzelne Länder nur aufgeführt, wenn ihr Hühnerbestand über 150 Mio. Tiere ist.

Weltbestände an Hühnern 1999
Welt 14,171 Mio.
 Asien 7,068 Mio.
 Lateinamerika und Karibik 2,179 Mio.
 USA und Kanada 1,865 Mio.
 Europa 1,793 Mio.
 Afrika 1,158 Mio.
 Ozeanien 107 Mio.
   
  China 3,420 Mio.
  USA 1,720 Mio.
  Indonesien 1,000 Mio.
  Brasilien 950 Mio.
  Mexiko 420 Mio.
  Indien 382 Mio.
  Russland 350 Mio.
  Japan 295 Mio.
  Frankreich 241 Mio.
  Iran 230 Mio.
  Pakistan 223 Mio.
  Vietnam 179 Mio.
  Thailand 172 Mio.
  Türkei 166 Mio.
  Großbritannien 154 Mio.
   
  Zum Vergleich: Deutschland

103 Mio.

[Quelle: FAOSTAT. -- URL: http://apps.fao.org/lim500/nph-wrap.pl?Production.Livestock.Stocks&Domain=SUA&servlet=1. -- Zugriff am 30.3.2000]

H.-J. Heynoldt nennt in Hinblick auf die Entwicklungsländer folgende Vor- und Nachteile "moderner" Geflügelproduktion, d.h. vor allem der industrieähnlichen Hühnerhaltung:

"Auf die Entwicklung der Geflügelproduktion, die sich als der gegenwärtig dynamischste Zweig in der Tierproduktion hinsichtlich der Zuwachsraten und des bio-technologisch-ökonomischen Fortschritts herausgebildet hat, wirken folgende Faktoren stimulierend

Als begrenzende Faktoren, besonders für eine Intensivhaltung in den Entwicklungsländern, erweisen sich:

Sofern die Geflügelproduktion nicht mehr nur auf der Stufe der traditionellen Kleinhaltung betrieben wird, hat sie in vielen Ländern zur Herausbildung einer Geflügelwirtschaft geführt, die neben der Produktion auch die Be- und Verarbeitung sowie die Vermarktung von Eiern, Schlachtgeflügel und anfallenden Nebenprodukten umfasst und möglichst auch die Mischfutterindustrie einbezieht. Sie wird in den entwickelten Industrieländern bereits in großem Umfang, in den Entwicklungsländern seit Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre in wachsendem Maße als moderner Produktionszweig in spezialisierten Betrieben durchgeführt."

[Heynoldt, Hans-Joachim. -- In: Nutztiere der Tropen und Subtropen / Hrsg. Siegfried Legel. -- Stuttgart [u.a.] : Hirzel.. -- Bd. 3: Pferde/Esel, Schweine, Elefanten, Geflügel, Bienen, Seidenspinner. --  ©1993. -- ISBN 3777604976. -- S. 323 - 324]


3.1. Probleme der kleinbäuerlichen Hühnerhaltung in Entwicklungsländern


"Throughout Asia, Africa, and Latin America, the problems of village chickens are mainly those discussed below. 

[Microlivestock : little-known small animals with a promising economic future / Board on Science and Technology for International Development (BOSTID). -- Washington, DC : National Academy Press, Washington, 1991. -- [Darin: Chicken]. -- In: Food and Nutrition Bulletin. --  Volume 03, Number 2, 1981. -- In: Humanity development library = HDL : for sustainable development and basic human needs. -- Version 2.0. -- Antwerp : Global Help Projects, 1998. -- 1 CD-ROM. -- {Sie können diese CD-ROM für 30$ hier bestellen: http://www.oneworld.org/globalprojects/humcdrom/order.htm}]


4. Zum Verhalten von Hühnern


Hackordnung: Wichtig und problematisch für die Hühnerhaltung ist die ausgeprägte Hackordnung unter Hühnern:

"Zu den Tieren mit der schärfsten Ausprägung der Rangordnung zählen die Hühner. Über die Rangordnung beim Haushuhn, die schon fast zum klassischen Beispiel einer straffen Regelung des Verkehrs von zusammenlebenden Tieren der gleichen Art geworden ist, gibt es noch viel zu berichten. Da sie sich bei allen Rassen und Schlägen herausbildet, nur durch Temperamente gemildert oder verschärft, dürfte das Verhalten der wilden Stammform kaum anders sein, was mir auch deren gelegentliche Beobachtung bestätigt hat. Die Verteidigung des Ranges innerhalb einer nach Schlaf- und Futterplatz in sich geschlossenen Schar hat den Vorrang gegenüber der Stillung des Hungers; sie ist auch wichtiger, weil der Verlust des Ranges dazu führen kann, dass das rangniedere Tier immer wieder von der Futterstelle verdrängt wird. Ein altes Huhn, gleich ob Hahn oder Henne, das aus Schwäche oder Krankheit kaum mehr Nahrung aufnimmt, rafft sich mit letzter Kraft zum Kampf auf, wenn ein im Rang tieferstehendes Tier droht. Aber auch erwachte Angriffslust gegen einen höhergestellten Artgenossen, die irgendwann in einem Huhn erwacht, lässt sich nur schwer ablenken.
Vor vielen Jahren, noch bevor ich die heute üblichen Bezeichnungen Rang-, Hack- oder Piekordnung las, gebrauchte ich in meinen Aufzeichnungen die Ausdrücke Plus- und Minushuhn, für Rangordnung Plus-Minus-Verhältnis. So wurde der Gegensatz zwischen „hacken dürfen" und „hinnehmen müssen" klargestellt. Diese Bezeichnungen werde ich auch weiterhin gelegentlich anwenden. Dafür ein Beispiel: Dem Zwerghahn Pascha war es nicht gelungen, die große Henne Alma zu unterwerfen. Zu den übrigen Hennen war er in ein klares Plus gekommen, aber die starke Alma wehrte alle seine Angriffe ab. Im Frühling duldete sie jedoch willig die Paarung. Nun schien seine Spitzenstellung im Hof unbestritten. Als aber Almas Legeperiode ablief, wurde sie wieder herrisch, Paschas schwaches Aufbegehren unterdrückte sie durch grobe Schnabelhiebe. Das Minusverhältnis des Hahnes war also während Almas Paarungszeit nur latent geworden. Auch ihm war sein Rang bewusst geblieben, sonst hätte er, inzwischen stärker geworden, sich energisch gewehrt. Übrigens schlug er im Spätherbst, nachdem er selbst schon ein neues Federkleid hatte, die nun erst mausernde und fast nackte Alma endgültig in kurzem Kampf.
Diese Geschichte nimmt einiges vorweg, das nun zu klären ist. Grundsätzlich besteht für Hühner beider Geschlechter in der Rangordnung kein Unterschied, doch streben die Hähne mit der Erreichung einer gewissen Größe und Reife danach, zu den Hennen, die ja zum Teil älter sind und bis jetzt höherrangig waren, in ein klares Plusverhältnis zu kommen. Es gibt allerdings Hähne, meist von spätreifen Rassen, die sich bis über die Zeit des Erwachsenwerdens hinaus nicht dazu aufraffen, ihre Führung durch Sieg klarzustellen. Sie wachsen allmählich in ihre Stellung hinein und werden dann von den Plushennen mal geduldet, mal gehackt, was ihnen nicht mehr viel ausmacht. Erst spät und längst körperlich überlegen, antworten sie auf den Puff einer Henne mit einem Angriff und siegen dann gewöhnlich leicht.

Die meisten Junghähne machen dagegen, etwa zwischen dem vierten und siebten Lebensmonat, ihre „Hennenkämpfe" durch. Unvermittelt, gewöhnlich morgens, greifen sie einzelne Hennen an. Diese reagieren darauf verschieden. Manche bekommen „Angst vor dem Hahnengesicht". Bisher hackten sie ungehemmt, je nach Stimmung und Gelegenheit, den halberwachsenen Junghahn. Nun tritt dieser ihnen plötzlich in der für den Hahn typischen Angriffsstellung entgegen, zum Ansprung geduckt, mit weitgespreiztem Halskragen. Solche Hennen stellen sich zwar noch zum Kampf, flüchten aber schreiend, sowie der Hahn springt, oft, ohne berührt worden zu sein. Andere Hennen lassen sieb durch den Anblick nicht beeindrucken: sie greifen sofort selbst an und besiegen den Junghahn, der sein Ziel um Wochen zurückstecken muss, oder sie werden in echtem, hartem Kampf besiegt.

Bei diesen oft heftigen Kämpfen zwischen Althenne und Junghahn spielen auch geschlechtsbedingte Besonderheiten eine Rolle. Hähne mit großen, roten Kämmen siegen leichter als andere mit rassemäßig unauffälligeren Geschlechtsmerkmalen. Vor allem ist aber das Benehmen der Gegner nach einem Kampf zwischen Hahn und Henne anders als nach einem Kampf zwischen zwei Hähnen oder auch zwei Hennen. Während bei gleichgeschlechtlichen Gegnern der Sieger den Besiegten verfolgt, ist das Hacken oder Jagen nach dem Kampf Hahn gegen Henne nur kurz angedeutet. Zuweilen übt der Hahn schon im Kampf mit einer schwächeren Gegnerin sichtlich Zurückhaltung, wenn diese nicht mehr viel Widerstand leistet. Bald nach dem Kampf umwirbt er die Unterlegene, und nicht selten duldet sie nun die Paarung, anstatt zu flüchten."

[Baeumer, Erich: Das dumme Huhn : Verhalten des Haushuhns. -- Stuttgart : Frankh, ©1964. -- (Kosmos-Bibliothek ; 242). -- S. 21 - 23] 


Zu Kapitel 8,7,1,1: Hühner und Perlhühner, Teil 2