Grundlagen der Formalerschließung

Skript

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Kapitel 4: Katalogformen


von Margarete Payer

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Zitierweise / cite as:

Payer, Margarete <1942 - >: Grundlagen der Formalerschließung : Skript. -- Kapitel 4: Katalogformen. -- Fassung vom 2010-03-11. -- URL: http://www.payer.de/grundlagenfe/fegscr04.htm. -- [Stichwort].

Erstmals publiziert: 1997-07-10

Letzte Überarbeitung: 1999-11-21, 2003-11-24; 2010-03-11 [Aktualisierung wegen MA LIS, FH Köln]

Anlass: Lehrveranstaltungen an der HdM Stuttgart

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Dieser Text ist Teil der Abteilung Informationswesen, Bibliothekswesen, Dokumentationswesen von Tüpfli's Global Village Library. 


4.0. Übersicht



4.1. Wichtige Beurteilungskriterien


Im Laufe der Geschichte haben sich unterschiedliche Katalogformen entwickelt, die dem jeweils gerade erreichten allgemeinen Technikstandard entsprechen. Mit jeder neuen Technik ist das jeweilige Regelwerk anzupassen:  als die Katalogkarten noch von Hand geschrieben werden mussten, war es sinnvoll eine Hauptaufnahme mit allen nötigen Angaben zu schreiben und die eventuell nötigen zusätzlichen Sucheinstiege als möglichst kurze Verweisungen  auf weiteren Karten anzulegen. Daher findet man in den Preußischen Instruktionen von 1907 sowohl ausführliche Angaben, was bei der Aufnahme (beim "Hauptzettel") selbst wegzulassen oder zu kürzen ist [PI § 7ff.], als auch, was bei Verweisungszettel zu beachten ist: "1. Die Verweisungen machen auf bibliographische Genauigkeit keinen Anspruch. (...) Die Titel werden so weit gekürzt, daß sie noch sicher erkennbar bleiben und der Grund der Verweisung ersichtlich ist. " [PI § 21]  So war es Unbeweglichkeit, dass Bibliotheken teilweise bis Ende der 80er Jahren an den extra zu schreibenden Verweisungskarten festgehalten haben, obwohl man längst gute Vervielfältigungsmöglichkeiten hatte, weil man starr am Regelwerk hing.

Auch viele Regelungen der RAK, die ja am Kartenkatalog orientiert sind, sind seit dem Einsatz von Online-Katalogen obsolet. Die 1993 veröffentlichten Vorschläge "RAK für Online-Kataloge "   von der Kommission des Deutschen Bibliotheksinstituts für Erschließung und Katalogmanagement wurden von den Bibliotheken mehrheitlich abgelehnt, so dass unsere Regeln auch 20 Jahre später immer noch am Kartenkatalog orientiert sind und eine Reihe nicht mehr sinnvoller Vorschriften immer noch befolgt werden.

Eine gute Katalogform sollte nach folgenden Kriterien beurteilt werden:

Einige dieser Kriterien sind auch bei der Frage nach der Qualität eines Kataloges anzuwenden:

die Anzahl der Sucheinstiege, die Aktualität und die gute Benutzerführung. Als allgemeine Kriterien für die Qualität von Online-Katalogen wird übereinstimmend genannt:

[vgl.: Park, Jung-Ran: Metadata quality in digital repositories : a survey of the current state of the art. - In: Cataloguing & classification quarterly. - 47 (2009). - S. 213 - 228]

 


4.2. Listenkatalog und COM-Katalog


4.3. CD-ROM-Katalog


Gleiche Probleme mit der Aktualität hat der Katalog auf CD-ROM (Compact-disk read only memory): hier werden die Titel im allgemeinen in der Reihenfolge, wie sie in der Datei gespeichert sind, mit Registern auf eine CD überspielt (man muss dadurch beim Aktualisieren zusätzlich zu der CD-ROM mit  den neuen Titeln jeweils nur die CD-ROM mit dem Register neu erstellen).

Die Vorteile liegen in der enormen Platzersparnis und der hervorragenden Suchmöglichkeit: man hat alle Vorteile einer Online-Suche! Außerdem wird die Herstellung immer billiger und das Duplizieren ist unproblematisch.  In Gebieten mit schlechtem oder zu teurem Internetzugang ist CD-ROM eine Alternative. Das größte Problem ist aber wohl die Abhängigkeit vom Betriebssystem, z.B. war eine sehr teure CD-ROM mit einer Million Musiktiteln (erhalten 1989 von OCLC) schon Mitte der 90er Jahre auf einem neueren PC nicht mehr nutzbar.


4.4. Kartenkatalog


Vorteil: er kann stets aktuell gehalten werden, ist leicht korrigierbar (Austausch einer Karteikarte), ist gleichzeitig für mehrere Benutzer zugänglich. Nachteil: platzaufwändig, Sortieren und Einlegen ist sehr arbeitsaufwändig, das Duplizieren des Katalogs ist schwierig, man kann nur eindimensional suchen.


4.5. Online-Katalog


Beim Online-Katalog kann man unterscheiden zwischen einem OPAC (open public access catalog), dem Online-Katalog für Benutzer, der vor Ort und inzwischen auch über das Internet (dann oft "Webpac" genannt) genutzt werden kann, und den Online-Katalogen für den Erschließenden. Während der Benutzer eine gut aufbereitete Suche und Ansicht des gewünschten Titels erhalten sollte,  aber nach traditioneller Auffassung nichts ändern können sollte, hat der Katalogisierer eine Erfassungssoftware, die es ermöglicht ein bestimmtes Format anzuwenden. Die wichtigsten Online-Kataloge sind die großen Verbundkataloge, die in der ersten Zeit (in Deutschland vor allem 80er Jahre) nur intern zugänglich waren, inzwischen aber zusätzlich zum Arbeitskatalog Benutzerkataloge über das Netz anbieten. Viele lokale OPACs sind inzwischen Auszüge aus den Verbundkatalogen.

Als größten Vorteil eines Online-Katalogs kann man sicher die Möglichkeit bezeichnen, zusätzliche Angaben zur Ressource wie das Inhaltsverzeichnis eines Buches (Stichwort Kataloganreicherung) und zumindest bei Online-Ressourcen die Ressource selbst zu erhalten.

Als Nachteil von OPACs wird die mangelnde Übersichtlichkeit angesehen. Bei gut geführten Kartenkatalogen konnte man z.B. mit einem Blick in den Karteikasten eine Hierarchie der Titelfassungen erkennen, was nicht nur für den Sachkatalog äußerst hilfreich war. Es geht also darum, die Suche und die Darstellung in Online-Katalogen zu verbessern. Sehr gute Vorschläge findet man bei Heidrun Wiesenmüller:

[Wiesenmüller, Heidrun:   Daten härter arbeiten lassen und besser präsentieren : Sacherschließung und Normdaten in Online-Katalogen. - In: BuB. - 62 (2010), 01. - S. 48 - 54]

In der Bibliothekswelt arbeitet man daran, die Kataloge mit den Technologien des Web 2.0 und des Semantic Web zu verbessern. Bei Web 2.0 geht es z.B. darum, dass jeder Nutzer interaktiv am Katalog mitarbeiten kann. Die Deutsche Nationalbibliothek will den Benutzern ermöglichen Korrekturen in der Personennamendatei einzubringen.

Untersucht wird auch, wieweit man Metadaten aus nichtbibliothekarischen Quellen wie von Amazon oder den "social online communities" übernehmen kann. Bei diesen "Online-Gemeinschaften geht es darum, sich im Internet zu treffen um Interessen auszutauschen, also z.B. was die Mitglieder lesen.  LibraryThing z.B.  ermöglicht die Katalogisierung der eigenen Bücher. Die Daten stellt man der Gemeinschaft zur Verfügung. [vgl.: Spiteri, Louise F.: The impact of social cataloging sites in the construction of bibliographic records in the Public Library Catalog. - In: Cataloguing & classification. -  (2008). - S. 52 - 73]  


4.6. Exkurs für Leute, die noch einen Kartenkatalog brauchen


benötigte Materialien:

Herstellung der Katalogkarten:


Zu Kapitel 5:
Arbeitsweise bei der Katalogisierung