Einführung in

Entwicklungsländerstudien

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8. Grundgegebenheiten: Tierische Produktion

1. Rinder


verfasst von Sabine Madel

herausgegeben von Margarete Payer

mailto: payer@hdm-stuttgart.de


Zitierweise / cite as:

Entwicklungsländerstudien / hrsg. von Margarete Payer. -- Teil I: Grundgegebenheiten. -- Kapitel 8: Tierische Produktion. -- 1. Rinder / verfasst von Sabine Madel. -- Fassung vom 2001-02-07. -- URL: http://www.payer.de/entwicklung/entw081.htm. -- [Stichwort].

Erstmals publiziert: 1999-09-29

Überarbeitungen: 2001-02-07 [Update]; 2000-02-29 [Hinzufügen eines Audio]

Anlass: Lehrveranstaltung "Einführung in Entwicklungsländerstudien", HBI Stuttgart, 1998/99

Unterrichtsmaterialien (gemäß § 46 (1) UrhG)

©opyright: Dieser Text steht der Allgemeinheit zur Verfügung. Eine Verwertung in Publikationen, die über übliche Zitate hinausgeht, bedarf der ausdrücklichen Genehmigung der Herausgeberin.

Dieser Text ist Bestandteil der Abteilung Entwicklungsländer von Tüpfli's Global Village Library.


Skript, das von den Teilnehmern am Wahlpflichtfach "Entwicklungsländerstudien" an der HBI Stuttgart erarbeitet wird.


0. Übersicht



1. Einleitung


Wenn Sie eine Soundkarte haben und den Lautsprecher an, dann hören Sie hier eine Kuh muhen

Audio: Kuh muht


1.1. Zoologische Systematik


Heute kann man Rinder systematisch so einordnen (wie in der ganzen biologischen Systematik, herrscht auch hier keine Einigkeit):

[Systematik nach Grzimeks Tierleben : Enzyklopädie des Tierreichs. -- Zürich : Kindler. -- Bd. 13. -- Säugetiere. -- Bd. 4. -- ©1968]

Rinder sind also vierzitzige, horntragende, paarhufige, wiederkauende Säugetiere ohne Schneide- und Eckzähne im Oberkiefer.

Wichtig ist, dass die Rinder zur Unterordnung der Wiederkäuer gehören. Michael Brackmann schildert den Vorgang des Wiederkäuens bei Kühen sehr anschaulich:

"Im entwicklungsgeschichtlichen Konkurrenzkampf der Arten waren die Boviden, die Rinderartigen, erfolgreich -- nicht zuletzt dank ihrer Fähigkeit, Zellulose zu verdauen, den Gerüstbaustoff der Pflanzen. Wir Menschen können das nicht, wie die Erbsen-, Mais oder Bohnenschalen in unserem Morgenstuhl zeigen. Die Rinder müssen die Zellulose aber auch erst vorbehandeln, bevor sie die darin enthaltene Energie nutzen können. Zu diesem Zweck haben sie einen mehrhöhligen Magen, der aus vier Abteilungen besteht. Ihn füllen die Rindviecher auf der Weide vom Morgengrauen bis zur Dämmerung in vier bis fünf je einstündigen Fressperioden, die über den Tag verteilt werden.

Abb.: Wiederkäuermagen

Abb.: Lage des Kuhmagens

Ihre Hauptnahrung, das Gras, einfach abbeißen können sie nicht. Wie Schaf, Ziege und Hirsch haben die Kühe im Oberkiefer keine Schneidezähne. Mit der rauen, beweglichen Zunge umfassen sie die Grasbüschel, ziehen sie über die scharfen Schneiden der Unterkieferzähne, klemmen sie zwischen die Lippen, rupfen kurz und schlucken sie ohne weiteres Kauen ab. Im Inneren der Kuh gelangt das Futter über die Speiseröhre in den Netz- oder Schleudermagen, Haube genannt, der sich sehr stark zusammenziehen kann. Die Haube ist für die Verteilung der Massen in die eine wie in die andere Richtung zuständig. Der sich anschließende Pansen ist die größte Vormagenabteilung. Es ist eine Gärkammer, in der Bakterien die chemisch nur schwer zu knackenden Pflanzenmoleküle angreifen. Ihre Arbeit wird unterstützt durch rhythmische Kontraktionen der Pansenwände, wodurch die 200 und mehr Liter Futterbrei im Minutentakt gründlich durchmischt werden. Physikalisch weiter zerkleinert wird das Futter durch das Wiederkäuen, ein mehr als praktisches Verhalten. Beim Grasen muss man ständig auf den Beinen sein, was bekanntermaßen anstrengend ist. Also wird in möglichst kurzer Zeit ohne viel Federlesen so viel Material wie erreichbar hineinbefördert. Für den eigentlichen Genuss und das Mampfen können sich die Wiederkäuer gemütlich und in Ruhe niederlassen. Angedautes Futter aus dem Pansen wird in der Haube zu maulgerechten Happen geformt, hochgeschluckt -- würgen wäre falsch ausgedrückt -- und mit 40 bis 60 kreiselnden Kauschlägen zermanscht und wieder abgeschluckt. Mit dieser stoischen Tätigkeit verbringt unser Hornvieh vier bis neun Stunden täglich. Geduldige Forscher haben gezählt, dass dabei bis zu 800 durchzuwalkende Happen geschafft werden. Das beim spaltenden Wirken der Pansenmikroben anfallende Gas wird alle Minute abgerülpst. Die abgebauten Kohlehydrate und die von den Bakterien aufgebauten Eiweiße bilden mit dem gesamten Futterbrei eine Suppe, die über die dritte Vormagenabteilung, den Psalter, den Blätter- oder Buchmagen, eingedickt wird. Das meiste Wasser wird abgepresst und fließt zurück in den Pansen. Nach der Blättermagenpassage ist die für Wiederkäuer spezielle Vorverdauung beendet. Das aufgeschlossene Futter gleitet in den Labmagen, die vierte Abteilung, der im Prinzip unserem Magen und dem aller anderen Säugetiere entspricht."

[Brackmann, Michael: Das andere Kuhbuch : vierzig Rasseporträts und mehr. -- 2. Aufl. -- Hannover : Landbuch, ©1999. -- ISBN 3784205755. -- S. 166f. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]


1.2. Abstammung der Rinder


Wie alle Haustiere, so stammen auch die Rinder von wilden Vorfahren ab. Es war aber lange Zeit umstritten welcher Stammart sie zuzuordnen sind, da viele Faktoren hier eine Rolle spielen. Erst als der biologische Artbegriff allgemein anerkannt wurde, konnte dies geklärt werden.

Die Einigung bestand darin, dass für die Tiergattung nicht mehr einzelne Merkmale entscheidend waren, "... sondern als Arten werden jene Gruppen von Populationen zusammengefasst, deren Glieder sich wirklich oder potentiell bei freier Gattenwahl fortpflanzen und fruchtbare Nachkommen erzeugen." 

[Nutztiere der Tropen und Subtropen / [hrsg. von] Siegfried Legel. -- Leipzig : Hirzel. -- Bd. 1. -- Rinder.  -- ©1989. -- ISBN 3740101229. -- S. 24. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

Man kann die jetzigen Rinder von fünf Wildarten ableiten:

Wildart Hausrind
Ur, Auerochse (Bos primigenius)

Abb.: Ur, Rekonstruktion 

[Quelle: Lengerken, Hans von: Einführung in die Haustierkunde. -- 3. Aufl. -- Leipzig : Geest & Portig, 1958. -- S. 159]

taurine oder echte Hausrinder, einschließlich Zebu (Bos primigenius f. taurus)
Banteng (Bos javanicus) Balirind (Bos javanicus f. domestica)
Gaur (Bos gaurus)

Abb.: Gaur (Bos gaurus) [Quelle: Brehms Tierleben, 1893]

Gayal (Stirnrind) (Bos gaurus f. frontalis)

Wildyak (Bos mutus) Hausyak (Bos mutus f. grunniens)
Arnibüffel (Wasserbüffel) (Bubalus arnee)

Abb.: Arnibüffel

Hausbüffel (Bubalus arnee f. bubalis)

Der größte Bestand an dem Ur war im Zeitalter Alluvium. Nach dieser Phase gingen die Bestände allmählich zurück. Später waren vor allem die Jagd und der menschliche Eingriff in die Natur Gründe für die Ausrottung des Urs. Die letzten Urrinder in Europa starben 1627 in Polen aus. Heute lebt der Ur nur noch in seinen Hausrindnachfahren weiter.

Zeit, Ort und Domestikation des Hausrindes sind auch heute noch nicht eindeutig geklärt. Man kann aber davon ausgehen, dass die Domestikation der Rinder erst begann, nachdem die Menschheit sesshaft wurde und mit dem Ackerbau begann. Dies wurde damit begründet, dass die Rinderhaltung sehr zeit- und arbeitsaufwendig ist und somit nur in einer Gemeinschaft zu bewältigen ist.

Natürlich fragt man sich, warum der Mensch die Arbeit auf sich nahm, neben weniger arbeitsintensiveren Tieren (Ziegen, Schafe), auch die Rinder zu zähmen. Die höhere wirtschaftliche Bedeutung der Rinder wurde schon damals erkannt. Sie lieferten nicht nur mehr Nahrungs- und Rohstoffe, sondern sie konnten auch als erstes Lasttier eingesetzt werden.
Dies war auch ein bedeutender Schritt in der Menschheit.

Die ersten Nachweise von domestizierten Rindern fanden sich aus der Zeit 8000 v.Chr. in Natifian of El Khiam und Mallahah an der Mittelmeerküste.

Bald entwickelten sich verschiedene Hausrinderrassen in den unterschiedlichen Kulturen. In Europa sind buckellosen Rinder beheimatet und in Asien und Afrika treten auch Buckelrinder auf.


1.3. Kurzcharakteristik der domestizierten Rinderarten 


Im Folgenden Kurzcharakteristiken der Hausrindergattungen aus: 

Grzimek = Grzimeks Tierleben : Enzyklopädie der Tierreichs. -- Zürich : Kindler
Bd. 13. -- Säugetiere. -- Bd. 4. -- ©1968. -- S. 338 - 398: Wünschmann, Arnfrid: Rinder

Sambraus = Sambraus, Hans Hinrich: Nutztierkunde : Biologie, Verhalten, Leistung und Tierschutz. -- Stuttgart : Ulmer, ©1991. -- 377 S. : Ill. -- (UTB ; Bd. 1622). -- ISBN 3800173484. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}


1.3.1. Bubalus arnee bubalis L. -- Wasserbüffel (Hausbüffel) (Kerabau)


Abb.: Wasserbüffel hilft beim Setzen von Reisschößlingen, Philippinen [Quelle: FAO]

Im Gegensatz zu den Rindern im engeren Sinn, deren Hörner einen runden oder ovalen Querschnitt haben, ist der Querschnitt der Hörner des Wasserbüffels dreieckig.

Hauptverbreitungsgebiete der Wasserbüffel sind: Indien, Bangladesh, China, Südostasien, große Teile Süd- und Mittelamerikas, einige Länder Südeuropas und des Balkan.

Abb.: Kambodschanischer Reisbauer, auf grasendem Wasserbüffel reitend [Quelle: FAO]

"Wasserbüffel werden in unterschiedlicher Weise genutzt. Hauptgründe für die Nutzung sind Arbeit (Zug- und Tragtier), Milch- sowie Fleischgewinnung. Wasserbüffel sind zwar langsam, besitzen aber eine ungeheure Kraft. Zu Recht werden sie deshalb oft auch als 'lebende Traktoren Südasiens' bezeichnet. Sie werden vor allem in Reisanbaugebieten zum Pflügen der schweren, lehmigen Böden herangezogen. Drei Viertel aller Wasserbüffel werden in Reisanbaugebieten gehalten und die Hälfte aller Menschen lebt von Reis als Grundnahrungsmittel. Wie kaum eine andere Tierart schafft der Wasserbüffel damit die Lebensgrundlage für einen großen Teil der Menschheit  und war hier bis zur Motorisierung durch nichts zu ersetzen.

Abb.: Vorbereitung des Reisfeldes mit Wasserbüffel, Laos [Quelle: FAO]

Mit einem Wasserbüffel kann man täglich ungefähr 0,25 ha Reisland pflügen. Die Tiere stehen dabei zuweilen bis zum Bauch im Wasser. Wasserbüffel werden aber auch zum Ziehen von Lasten, als Tragtiere und zum Dreschen benutzt. Ein kräftiger Bulle kann an einem Tag einen Wagen mit einem Gewicht von 2 t über eine Entfernung von 25-30 km ziehen oder eine Traglast von 250 kg mit einer Geschwindigkeit von 3 km/h befördern. Überall in Südasien findet man den Wasserbüffel vor Zucker- und Ölmühlen, vor Wasserrädern oder bei der Bearbeitung des Lehms für Ziegel.

Arbeitsbüffel geben jährlich bis zu 600 kg Milch. Die ausgesprochenen Milchrassen, wie Murrah in Indien oder der italienische Wasserbüffel, geben in einer Laktationsperiode von 8-10 Monaten 2000-2500 kg Milch. Büffelmilch enthält mit 7-8% ungefähr doppelt so viel Fett wie Kuhmilch. Bei guter Fütterung und Haltung kann der Fettgehalt sogar 15% erreichen. Ungefähr zwei Drittel aller in Indien konsumierten Milch stammt von Wasserbüffeln. Nur ein Teil wird als Frischmilch verbraucht. Büffelmilchfett ist der Hauptbestandteil von »Ghee«, einer halbflüssigen Butter, die -- vergleichbar dem Olivenöl in den Mittelmeerländern -- in Indien allgemein als Kochmittel verwendet wird. Die Weltproduktion an Büffelmilch betrug 1988 38,3 Millionen t. Zahlreiche andere Produkte aus Büffelmilch haben ebenfalls eine große Bedeutung für die menschliche Ernährung. In Indien bekommt jeder Soldat nach einer gesetzlichen Vorschrift täglich einen Viertelliter Büffelmilch.

Weltweit werden jährlich nahezu 40 Millionen Tonnen Büffelmilch erzeugt. Mozzarella und andere italienische Käsearten wurden ursprünglich ausschließlich aus Büffelmilch bereitet.

Der Wasserbüffel ist ein hervorragender Futterverwerter mit zufriedenstellenden täglichen Zunahmen bei Masttieren. Diese haben eine Ausschlachtung von ungefähr 50%. Der Schlachtkörper besitzt einen hohen Muskelanteil bei geringer Fettauflage. Das Fleisch junger Tiere ist zart. Es unterscheidet sich im Geschmack nicht von Rindfleisch. Im allgemeinen werden jedoch nur alte Tiere getötet. Das Fleisch solcher Wasserbüffel, die nach einem langen Arbeitsleben die Erwartungen nicht mehr erfüllen, ist entsprechend zäh. Es besitzt einen charakteristischen »Büffel«-Geschmack. Jährlich werden weltweit nahezu 10 Millionen Wasserbüffel geschlachtet. Die hierdurch erzeugte Schlachtkörpermenge beträgt 1,4 Millionen Tonnen.

Es gibt eine Vielzahl von Wasserbüffelrassen, die sich in etlichen morphologischen Merkmalen unterscheiden. Die Arbeitsrassen sind im allgemeinen derber, stärker bemuskelt und besitzen einen größeren Kopf als die Milchrassen. Das Gewicht ausgewachsener Wasserbüffel von 300-600 kg. Stiere können 1000 kg, im Extrem 1200 kg schwer werden. Die Widerristhöhe schwankt von 100-160 cm. Wasserbüffel sind im allgemeinen dunkelgrau bis schwarz. Es kommen aber auch gescheckte und reinweiße Tiere vor. Wasserbüffel besitzen große, an das Leben im Sumpf angepasste Klauen. Die großen Ohren hängen seitlich am Kopf herab. Beachtliche Unterschiede bestehen in Hornform und -länge. Während bestimmte Rassen Hörner besitzen, die in einem Halbkreis nach hinten führen, wachsen die Hörner anderer Rassen eng am Kopf herab und rollen sich bei alten Tieren in einer engen Windung ein. Die bereits erwähnte indische Milchrasse »Murrah« wurde nach ihrer Hornform benannt. Der Name bedeutet »die Gelockte«.

Trotz intensiver Arbeit erreichen Wasserbüffel oft ein hohes Alter. 25 Arbeitsjahre sind keine Seltenheit. Alte Wasserbüffel bleiben oft bis zu ihrem natürlichen Tod bei der Bauernfamilie, der sie ein Leben lang gedient haben. Sie werden bis zu 40 Jahre alt.

Erst mit zwei oder mehr Jahren werden die Färsen geschlechtsreif.  Die Zuchtreife wird mit 2,5 - 3 Jahren erreicht. Die Tiere haben dann ein Gewicht, das 75% von dem der Adulten entspricht. Die Zykluslänge beträgt in der Regel 21 - 23 Tage. Die Brunst ist erkennbar an Unruhe, Brüllen und Ausfluss von Scheidenschleim. Sie hält 24-36 Stunden an. Das Brunstgeschehen ist grundsätzlich asaisonal, doch wird eine Häufung von Oestren in den Wintermonaten beobachtet. In den heißen Sommermonaten werden dagegen nur wenige Büffelkühe brünstig.  Die Tragezeit beträgt rasseabhängig 300 - 318 Tage.

Wasserbüffelkälber haben mit durchschnittlich 28 kg ein relativ geringes Gewicht. Die Folge ist, dass selten Geburtsschwierigkeiten vorkommen. Die Güstzeit beträgt bei italienischen Wasserbüffeln ca. 3 Monate. Sie liegt in Südasien mit einem Jahr oder mehr wesentlich darüber. Ursache dürften hier schlechte Ernährung und Haltung sein. Es kommt hinzu, dass die Brunsterkennung Schwierigkeiten bereitet.

Erstes Interesse an Kühen zeigen Wasserbüffelstiere mit ungefähr einem Jahr. Mit zwei Jahren ist die Geschlechtsreife vollständig erreicht. Stiere scheiden in Indien mit zehn Jahren gewöhnlich aus der Zucht aus; mit 15 Jahren sollen bei ihnen Erscheinungen der Senilität auftrete

Die Erfahrungen mit der künstlichen Spermagewinnung sind unterschiedlich. Im allgemeinen sollen Wasserbüffelstiere leicht an ein 1 Phantom und die künstliche Scheide zu gewöhnen sein. Das gilt auch nach längerem Einsatz im Natursprung. Viele Stiere attackieren jedoch die Attrappe und Hausrinder. Sie akzeptieren nur Artgenossen.

Das Ejakulatvolumen beträgt 2 - 5 ml bei einer Dichte von 0,7-1,3x106 Spermien pro mm3. Der Anteil vorwärtsbeweglicher Spermien liegt zwischen 75 und 85%.

Wasserbüffel sind bei ruhigem Umgang friedlich und folgsam. Auf unbekannte Reize und fremde Personen reagieren sie mit einer Mischung von Neugierde und Furcht. Zuweilen wird gesagt, dass Wasserbüffel auf Gelb aggressiv reagieren. Die Beobachtung, dass sogar Kinder in gelber Kleidung ausgewachsene Wasserbüffelkühe am Nasenseil führen, widerlegt diese Behauptung. Auch Stiere sollen im allgemeinen friedlich sein und nur im höheren Alter bösartig werden können. Angriffe erfolgen wohl nur bei fehlender Fluchtmöglichkeit. Gelegentlich werden Herden von Wasserbüffeln in Ausläufen mit großer Besatzdichte gehalten. Obwohl die Tiere gehörnt sind, ist ihr Kontakt miteinander auffallend friedlich. Auch an nicht domestizierten Wasserbüffeln ist eine deutlich abgestufte Rangordnung nicht zu erkennen. Stieren und großen, älteren Kühen wird Platz gemacht, ohne dass Aggressionen erkennbar sind. Altstiere entfernen sich oft einige hundert Meter, halten aber stets Kontakt zur Herde und folgen dieser, wenn sie weiterzieht. 

Wasserbüffel haben ein starkes Bedürfnis, täglich ausgiebig zu suhlen. Sofern sie Gelegenheit dazu haben, suchen die Tiere bereits morgens die Suhle auf und bleiben bei großer Hitze bis zum Nachmittag dort. Durch Schlagen mit den Vorderbeinen spritzen sich die auf dem Bauch liegenden Tiere Wasser oder Schlamm über den Körper. Auch mit den Hörnern werfen sie sich durch seitliche Kopfbewegungen Schlamm über den Rücken. Das Suhlen und die verbleibende Schlammschicht dienen der Insektenabwehr. Durch Suhlen wird aber auch die Körpertemperatur gesenkt und zwar bis zu 1,5 °C. Arbeitende Wasserbüffel leiden unter der Sonneneinstrahlung. Arbeit bei großer Hitze kann bei entsprechender Dauer zu Erschöpfung und Tod führen. Wird Zugang zu Wasser unterbunden, dann steigt der Drang nach Abkühlung ins Unberechenbare. Wasserbüffel lassen sich dann nicht mehr lenken und laufen unter Umständen mit Wagen oder Traglast in das nächste Gewässer. Deshalb werden den Tieren auch in Wassermangelgebieten Suhlen angelegt; bei Intensivhaltung sind Wasserbecken unerlässlich. Wasserbüffel benötigen Wasser nicht nur zur Thermoregulation. Sie sind außerordentlich gut an ein Leben im Wasser angepasst und erweisen sich als geschickte Schwimmer."

[Sambraus, S. 310 - 313]

Abb.: Mechanischer "Wasserbüffel" bei Vorbereitung eines Reisfeldes, Laos [Quelle: FAO]


1.3.2. Bibos [Bos] gaurus frontalis Lambert -- Gayal


Abb.: Gayalkuh mit Jungem, Nagaland, Nordostindien

[Quelle der Abb.: Ganguli, Milada: Reise zu den Naga. -- 3. Aufl. -- Leipzig : Brockhaus, ©1976. -- Abb. nach S. 64]

"Die Haustierform des Gaur ist der GAYAL (Bos gaurus frontalis) Kleiner als Gaur, KRL [Kopfrumpflänge] 270 - 280 cm, Schulterhöhe 140 - 160 cm; Männchen größer und schwerer als Weibchen. Kürzere Beine; schwächerer, fast gerader Rückenkamm, Rumpf dadurch noch tonniger und niedriger gestellt als beim Gaur. Schädel deutlich verkürzt, Stirn viel breiter und flacher als beim Gaur (daher auch die Bezeichnung »Stirnrind«). Hörner kürzer, plumper, kegelförmig und ohne Krümmung seitwärts von der Stirn abstehend. Nacken dick, muskulös; meist stark entwickelte Doppelwamme (herunterhängende Hautfalte) an Kinn und Hals.

Viele dieser Kennzeichen des Gayal sind typische Haustiermerkmale. Neben den für gewöhnlich braunschwarz bis schwarz gefärbten Tieren kommen auch Schecken und Weißlinge vor. Lange Zeit war es unklar, ob der Gayal überhaupt vom Gaur abstammt, ob beide getrennte Wildrindarten sind oder ob der Gayal durch die Kreuzung zwischen Gaur und bantengblütigen Hausrindern oder Zebus entstanden ist. Erst eingehende anatomische Untersuchungen des Schädels, zuletzt die von Bohlken im Jahr 1958, klärten die Abstammungsfrage. Rückkreuzungen mit wilden Gaurstieren kommen aber immer noch häufig vor und werden von den Züchtern oft absichtlich zur Rassenverbesserung herbeigeführt. In manchen Gegenden sind Mischlinge zwischen Gayal und Zebus gerngesehene Haustiere mit wirtschaftlich wertvollen Eigenschaften.

In vielen äußeren Merkmalen ähnelt der Gayal dem Gaur; er hat mit ihm auch einiges im Verhalten und in der Lebensweise gemeinsam. Verwilderte Gayalherden bewohnen den gleichen Lebensraum wie die Gaure und sollen sich im Gebirge mit der gleichen Gewandtheit fortbewegen. Doch im Wesen sind sie durch die Haustierwerdung stark verändert worden und von wesentlich ruhigerem Temperament als ihre wilden Vettern. Dem Wiener Zoodirektor Otto Antonius fiel 1932 auf, dass der Gayal wie der Gaur nicht vorwärts, sondern mit der Breitseite angreift. Der Gayalstier aus dem Tiergarten Schönbrunn ließ auch bei den verschiedensten Gelegenheiten den für den Gaur typischen langgezogenen Laut hören; es scheint jedoch, dass dieser Laut bei ihm den ursprünglichen Charakter des Brunftrufes verloren hat. Ein Vergleich solcher Verhaltensweisen kann in Abstammungsfragen von großer Bedeutung sein; er lieferte auch in diesem Fall einen weiteren Beweis dafür, dass der Gayal der Haustiernachkomme des wilden Gaur ist.

Haustiere im engeren Sinn werden die Gayale aber offenbar nie. Man hält sie nur selten in Ställen. Meist leben die Herden in halbzahmem Zustand in der Nähe der Ortschaften im Dschungel und kommen nur abends in die Dörfer, um Salz in Empfang zu nehmen. Auch das Einfangen völlig verwilderter Gayale und ihre Gewöhnung an den Menschen geschieht durch Auslegen von Salzködern und mit Hilfe zahmer Gayalkühe, die in den Wald getrieben werden und ihre wilden Artgenossen anlocken und in Dorfnähe festhalten. Die wirtschaftliche Nutzung des Gayal ist gering. Nur in einigen Gebieten Hinterindiens werden die Tiere zur Feldarbeit verwendet. Als Fleischlieferanten spielen sie teilweise eine gewisse Rolle, während ihre Milch kaum getrunken wird. Bei vielen Stämmen in Nordostindien und Burma sind sie vor allem Opfertiere. Die Nagas bedienen sich ihrer auch als Handelsware und Tauschgegenstand, ja geradezu als eine Art »Zahlungsmittel«. Mit Gayalen kaufen sie Frauen an und zahlen Buße für Straftaten. Nur dort, wo die Gayale mit Hausrindern gekreuzt werden, nehmen sie wirkliche Haustiereigenschaften an und treten auch in verschiedenen Farbschlägen auf."

[Grzimek, S. 370f.]

Abb.: Stammesgebiete der Naga (©Mindscape)

Abb.: Gayalschädel an Haus von Nagas, Nordostindien: die Anzahl der Schädel zeigt, wie viele Gayals der Hausbesitzer schon geopfert hat

[Quelle der Abb.: Ganguli, Milada: Reise zu den Naga. -- 3. Aufl. -- Leipzig : Brockhaus, ©1976. -- Abb. nach S. 192]


1.3.3. Bibos [Bos] javanicus domesticus Gans -- Balirind


Abb.: Sapi-Bali  -- Bali-Rind (Indonesien) [Quelle:  FAO]

Abb.: Lage von Bali (©Mindscape)

"Sowohl auf Bali als auch wahrscheinlich auf Java ist der Banteng zum Haustier gemacht worden. Über den Zeitpunkt dieser Haustierwerdung gibt es keine genauen Angaben; aber er dürfte wohl lange vor unserer Zeitrechnung anzusetzen sein. Auf Bali wurden Wildbantengs noch im Mittelalter und auf Java sogar noch im achtzehnten Jahrhundert gefangen und gezähmt. Der Hausbanteng, das BALIRIND, ist deutlich kleiner als die wilde Stammform.Den Hörnern der Stiere fehlt die den Wildbanteng kennzeichnende Einwärtskrümmung, der Schädel ist kleiner und gleichsam auf einem jugendlichen Stadium stehen geblieben, der Widerrist ist flacher; ferner sind die äußerlichen Geschlechtsunterschiede geringer. Dafür hat sich die Muskulatur, vor allem auf der Hinterhand, stärker entwickelt, das Wachstum ist rascher, und die Geschlechtsreife tritt früher ein. Das reine Balirind weicht verhältnismäßig wenig vom Wildbantengtypus ab; nach W. Ch. P. Meijer liegt das daran, dass die Balinesen niemals eine planmäßige Zucht auf besondere Haustiereigenschaften betrieben haben. Dennoch treten neben der Wildfarbe auch Scheckung, Weiß-, Schwarz- und Gelbfärbung, verschiedene Fleckenbildungen und andere Abänderungen auf. Auf Bali war der Hausbanteng wohl stets völlig isoliert, aber auf den umliegenden Inseln wurde er mit anderen Rindern gekreuzt.

Heute sind Banteng-Zebu-Mischlinge überall in der indonesischen Inselwelt und in weiten Gebieten Hinterindiens verbreitet. Aus der Kreuzung des Balirindes mit dem Madurarind entstand eine sehr hochbeinige Rasse, die nach Hediger auf der Insel Madura sogar zu Wettrennen verwendet wird. Die wirtschaftliche Nutzung der reinblütigen Balirinder und der aus ihnen entstandenen Mischrassen ist bedeutend. Sie dienen vorwiegend als Zug- und Arbeitstiere, aber auch als Reittiere, liefern Milch und werden in großem Umfang als Schlachtvieh genutzt. Freigelassene oder freigekommene Balirinder verwildern rasch wieder, viele von ihnen leben nach Meijer auf den weiten Savannen im Süden von Celebes [= Sulawesi]."

[Grzimek, S. 373]

 

Abb.: Sarg in Form eines Bali-Rindes bei Totenverbrennung, Bali

Abb.: Bali-Rind als "heilige Kuh" bei Nyekah, der Abschlusszeremonie balinesischer Bestattungsriten

[Quelle der Abb.: Moerdowo, R. <1919 - >: Ceremonies in Bali. -- Jakarta [u.a.] : Bhratara, ©1973. -- S. 64; Rückentitel]


1.3.4. Bos primigenius taurus L. -- Hausrind -- Zebus oder Buckelrinder


Abb.: Zebu [Quelle: Brehms Tierleben, 1893]

In den Tropen sind von den Hausrindern besonders die Zebus (Buckelrinder) von Bedeutung:

"Besonderes Interesse verdienen die ZEBUS oder BUCKELRINDER , die in einer Vielzahl von Rassen in Asien, Afrika und neuerdings auch in Südamerika weit verbreitet sind und neben dem Wasserbüffel das wichtigste tropische Haustier überhaupt darstellen. Mit ihrem auffälligen Widerristhöcker erinnern sie oberflächlich an Banteng und Gaur; aber der niederländische Zoologe E. j. Slijper hat 1951 festgestellt, dass der Zebubuckel weder ein durch die verlängerten Dornfortsätze der Rückenwirbel gestützter Muskelkamm, noch eine mit dem Kamelhöcker vergleichbare Ansammlung von Vorratsfett ist, sondern aus dem stark vergrößerten Rhomboidmuskel besteht. Da dieser Muskel nahezu ohne Tätigkeit ist, konnte er sich zu einer derartigen »Luxusbildung« entwickeln, die nach Slijpers Ansicht wahrscheinlich nur die Bedeutung eines sekundären Geschlechtsmerkmals hat. Weitere Merkmale des Zebus sind der schlanke, hochbeinige Wuchs, die langgestreckte, schmale Schädelform, die meist großen Hängeohren und die gutentwickelte Wamme. Die häufigste Färbung ist Grau, aber es gibt alle Zwischenstufen zwischen Schwarz und Weiß; auch rote und rotgescheckte Schläge kommen vor. Form und Stellung der Hörner sind bei den verschiedenen Rassen sehr unterschiedlich. Besonders lange, halbmondförmig aufwärts geschwungene Hörner besitzen die stattlichen Gudzerat-Zebus. Zwergzebus werden insbesondere auf Ceylon gezüchtet.

Abb.: Zeburassen auf Briefmarken von Mali (Westafrika)

Während Keller noch 1909 behauptete, der indische Zebu sei einfach ein Haustierbanteng, weiß man heute, dass die Buckelrinder ebenfalls vom Auerochsen abstammen, und zwar vermutlich von dessen frühzeitig ausgestorbener indischer Form Bos primigenius namadicus. Im Malaiischen Archipel und in Hinterindien werden Zebus jedoch häufig mit Balirindern fruchtbar gekreuzt.

Abb.: Zeburinder als Zugtiere bei Reisfeldbearbeitung, Java, Indonesien [Quelle: FAO]

Die Nutzung des Zebus ist grundsätzlich die gleiche wie bei unseren Hausrindern; doch die Milch- und Mastleistung erreicht bei weitem nicht die der europäischen Rassen. Mit ihrer großen Beweglichkeit und leichten Gängigkeit sind die Buckelrinder aber hervorragende Arbeitstiere, besonders vor dem Pflug und dem Wagen; sogar zum Reiten werden sie verwendet. In Indien ist die Zebukuh heilig. Nach hinduistischem Glauben kehrt in jeder Kuh die göttliche Seele eines Menschen wieder. Sie zu töten wäre Göttermord - - eine Todsünde, auf die im frommen Nepal auch heute [1968] noch die Todesstrafe steht. Ein Zebu, das als Nutztier ausgedient hat, wird daher nicht mehr gepflegt, sondern einfach seinem Schicksal überlassen. Ganz Indien wimmelt von Zehntausenden solcher herrenloser, halbverhungerter Rinder. Sie irren durch die Straßen und Felder -- von jedem verjagt, doch von niemandem getötet, blockieren den Verkehr in den Großstädten, verzehren Abfälle und Papier und gehen schließlich irgendwo jämmerlich zugrunde. Nur wenigen dieser »göttlichen« Kühe ist es vergönnt, ihren Lebensabend in einem der von wohlhabenden, frommen Hindus eingerichteten Kuh-Asyle zu beschließen. ...

Von Asien aus sind die Buckelrinder schon in altägyptischer Zeit nach Afrika gelangt, wo sie sich mit Primigeniusrindern kreuzten und eine Fülle von Zwischenformen lieferten. Viele afrikanische Stämme betreiben die Rinderzucht auch jetzt noch zu kultischen Zwecken, ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Nutzung. Diese Urform der Rinderhaltung wird zum Beispiel nach wie vor von dem nilotischen Hirtenvolk der Watussi im Zentralafrikanischen Seengebiet geübt. Dort züchtet man übertrieben langhörnige Rinder, die aus einer Mischung von Nachkommen des altägyptischen Langhornindes mit Zebus hervorgegangen sind. Die Fleischgewinnung spielt nur eine sehr geringe Rolle; aber außer der Milch wird das frische Blut genossen, das man durch einen Aderlass aus der Halsvene entnimmt. Eine Auslese der besten WATUSSIRINDER sind die sogenannten INYAMBOS, die Hediger in Ruanda kennenlernte: »Diese prachtvollen Tiere mit den gewaltigen Lyrahörnern, die an der Basis zuweilen einen Umfang von einem halben Meter aufweisen, sind tatsächlich noch reine Kulttiere, die aufs sorgfältigste gepflegt und behütet werden. Auf ein Tier kommen zwei oder drei schwarze Pfleger, deren Funktion fast eine priesterliche ist. Unter keinen Umständen wird ein Inyambo geschlachtet, gemolken oder zur Ader gelassen. Das einzige, was an Nutzbarkeit abfällt, ist der Dung, der als Brennmaterial dient, und allenfalls der Harn, den man zur Körperpflege verwendet.« Ähnlich unwirtschaftliche Formen der Rinderzucht betreiben auch die Massai, Samburu und andere Hirtennomaden Ostafrikas; ihre Riesenherden zebublütiger Rinder sind im ohnehin knappen Weideland bedrohliche Nahrungswettbewerber für die Wildtiere geworden."

[Grzimek, S. 381 - 383]

Abb.: Watussirind


1.3.5. Poëphagus [Bos] mutus grunniens L. -- Hausyak


Abb.: Chour gau (Yak) (Indien) [Quelle:  FAO]

"Der Yak wurde wahrscheinlich im ersten Jahrtausend v. Chr. von den Tibetern im westlichen Kuenlungebirge oder im östlichen Pamir zum Haustier gemacht. Der HAUSYAK (Bos mutus grunniens) ist wesentlich kleiner als sein wilder Vorfahre. Neben wildfarbenen, schwarzen und rein weißen gibt es auch braune, gelbe, rötliche, graue und gescheckte Hausyaks, die in der Ausbildung des Haarkleides der Wildform ähneln, meist aber eine noch längere Bauchmähne haben. Die Gehörne sind schwächer; auch hornlose Tiere kommen nicht selten -- im Verhältnis 1 : 100 -- vor. Der Hausyak ist heute viel weiter verbreitet als die wilde Stammform: Sein Vorkommen reicht im Westen etwa bis Buchara, im Süden bis Bhutan und Nepal, wo die Tiere in Almwirtschaft gehalten werden, und im Osten und Norden bis in die Innere Mongolei und zu den Gebirgszügen südlich des Baikalsees. Seine grunzenden Lautäußerungen, die er im Gegensatz zum Wildyak häufig hören lässt, haben ihm den Namen »Grunzochse« eingetragen. Die Brunft tritt unregelmäßig auf, und Hausyakkühe kalben meist jedes Jahr. Wildyakbullen scheinen eine heftige Abneigung gegen ihre zahmen Nachfahren zu hegen; denn früher soll es nicht selten vorgekommen sein, das sie Karawanen angegriffen und die nur halb so großen zahmen Yakochsen zu Tode geforkelt haben.

Dank seiner Genügsamkeit und Kälteunempfindlichkeit ist der Hausyak in Asien das geeignetste Haustier in Höhenlagen über zweitausend Meter. Als Lasttier trägt er mühelos hundertfünfzig Kilogramm auch über die steilsten Gebirgspfade; sogar als Reittier wird er verwendet. Die Milchleistung ist mit etwa vierhundert Litern im Jahr gering, aber dafür ist die Milch durch ihren Fettgehalt von sieben bis acht vom Hundert besonders wertvoll. Aus ihr wird neben Butter und Käse in Tibet durch ein besonderes Gerinnungsverfahren auch eine Trockenmilchmasse zubereitet, die man als Proviant benutzt. Das Fleisch ist wohlschmeckend, doch gewöhnlich schlachtet man nur die alten Tiere. Jährlich einmal werden die Haare der Yaks gewonnen. Eine Schur ergibt etwa drei Kilogramm grobe Wolle, die zu Garn versponnen und dann zu Decken, Zeltbahnen, Säcken und Seilen verarbeitet wird. Aus der weichen Wolle der Jungtiere stellt man auch Kleidungsstücke her. Der Yakmist ist in den baum- und strauchlosen Hochebenen Tibets oft der einzige  Brennstoff.

Abb.: Dzo, eine Hybridkreuzung von Kuh und Yak im Winter, Ladakh, Indien

[Quelle der Abb.: Ladakh / Photographs Kenneth R. Storm, Joanna van Gruisen ... -- New Delhi : Lustre, 1989. -- Pl. 18]

In den tibetischen Grenzgebieten werden Yaks vielfach mit chinesischen Rindern gekreuzt. Solche Mischlinge stehen als besonders kräftige, willige Pflug- und Karawanentiere hoch im Preis. Auf einer Versuchsfarm im Altai in der Sowjetunion gelang es nach Scheifler (1963) ebenfalls, durch Kreuzung von Yaks mit Hausrindern die wertvollen Eigenschaften beider Haustiere miteinander zu verbinden und eine gute Fleisch- und Milchleistung zu erzielen. Auch Mischlinge zwischen Yak und Zebu liefern nicht nur mehr Milch und besseres Fleisch; sie sind vor allem hervorragende Last- und Arbeitstiere in mittleren Höhenlagen. Sogar mit dem Gayal wurde der Yak gekreuzt. Die männlichen Mischlinge aus allen Yak-Rind-Kreuzungen sollen jedoch unfruchtbar sein."

[Grzimek, S. 385f.]


1.4. Unterscheidung der Rassen 


Rinder wurden immer schon durch Menschen bewusst oder unbewusst selektiert, eine systematische, naturwissenschaftlich fundierte Rinderzucht gibt es allerdings erst seit rund zweihundert Jahren.

"In Europa entstand erst vor rund zweihundert Jahren die Rinderzucht, wie wir sie noch heute kennen und verstehen. Robert Bakewell [1725 - 1795, erste Zuchtexperimente 1755] und die Brüder Colling [Robert und Charles Colling] dürfen fraglos als die Väter der naturwissenschaftlich fundierten Nutztierzucht angesehen werden. Angeregt wurden sie gewiss durch die Erfolge der etwas älteren Vollblutpferdezucht. Sie selektierten scharf, paarten Gleiches mit Gleichem, daraus das Gute mit dem Guten und daraus das Beste mit dem Besten. Dabei protokollierten sie akribisch jeden Fort- und jeden Rückschritt. Ihre Erfolge motivierten Züchter in ganz Europa. Vielerorts hatten sich bis dahin schon über die Jahrhunderte Landschläge herauskristallisiert als Frucht der Scholle oder, wie wir heute sagen, als Produkt der ökologischen und ökonomischen Situation. Auf den fetten Marschweiden zum Beispiel grasten große, milchreiche Kühe, auf den kargen Mittelgebirgsstandorten wiederkäute ein mehr robustes, trittsicheres Vieh und auf den schweren Ackerbauböden legten sich eher muskulöse, zugkräftige Rinder ins Zeug. Die in England entwickelten Prinzipien vor Augen und im Hinterkopf schlossen sich die Rinderhalter zu Zuchtverbänden zusammen. Sie legten gemeinsame Zuchtziele fest, organisierten und dokumentierten die notwendigen Leistungskontrollen, halfen bei der Auswahl und beim Ankauf der Vatertiere und förderten den Absatz der Zuchtprodukte. Daneben bekämpften sie erfolgreich die verheerenden Tierseuchen, machten neue Biotechniken wie die künstliche Besamung und den Embryonentransfer bauernhoffähig und berieten in allen Fragen der Fütterung, der Hygiene und der Betriebswirtschaft. Das hat sich bis dato nicht geändert. So sind weltweit einige hundert definitive Rinderrassen entstanden. Viele haben nur lokale Bedeutung erlangt, einige wurden über die Region hinaus bekannt und nur ganz wenige sind weltweit erfolgreich. Manche sind inzwischen wieder ausgestorben oder stark davon bedroht. Andererseits entstehen aber immer wieder neue Rassen. Jede von ihnen repräsentiert ein Kapitel in der unendlichen Geschichte des Hausrindes, die in grauer Vorzeit begann, bis in die Gegenwart hineinreicht und in der Zukunft weitergestaltet wird. Wo auch immer wir eine Rinderrasse sehen und erkennen, sollten wir sie mit dem Bewusstsein betrachten, der einem solch hohen Kulturgut angemessen ist."

[Brackmann, Michael: Das andere Kuhbuch : vierzig Rasseporträts und mehr. -- 2. Aufl. -- Hannover : Landbuch, ©1999. -- ISBN 3784205755. -- S. 23. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

Für die ganze westliche Rinderzucht gilt heute weitgehend analog, was hier von Deutschland geschildert wird:

"Maßgeblichen Anteil an der Entstehung der Rassen und deren Weiterentwicklung hatten die Herdbuchverbände, die zwischen 1890 und 1900 entstanden. Mit der Einführung von Herdbüchern stellte man einen Standardtyp (Idealtyp) für die jeweilige Rasse auf. Die in das Herdbuch einzutragenden Tiere sollten diesem Standardtyp möglichst ähnlich sein. Soweit dabei auch Typ- und Formmerkmale gefordert wurden, die für die Leistung unwesentlich waren ["schöne Kuh"], behinderte dies die Leistungszucht. Heute ist dieser Formalismus überwunden.

"Die Zuchtarbeit orientiert sich heute an einem Zuchtziel, das ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgerichtet ist. Sie beruht auf objektiven Leistungsprüfungen."

Im Jahre 1897 wurde in Nordschleswig der 1. deutsche »Kontrollverein« (für die Milchleistungsprüfung) gegründet. In Süddeutschland hatte die Allgäuer Herdebuchgesellschaft die Milchleistungsprüfung bereits 1893 in ihrer Satzung verankert. Die Milchleistungsprüfungen entwickelten sich sehr rasch in allen milcherzeugenden Ländern und ihre Ergebnisse wurden zunehmend bei der Selektion berücksichtigt.

Bei den Rinderrassen sind in den letzten Jahrzehnten starke Veränderungen eingetreten:

"Das Zuchtziel wird für die einzelnen Rassen von den jeweiligen Züchtervereinigungen festgelegt. Es umfasst die Beschreibung der erwünschten Eigenschaften in den züchterisch bedeutenden Kriterien. Zum Teil erfolgt diese in Worten; für die messbaren Leistungen werden konkrete Zahlen angegeben."

"Leistungsprüfungen sind die wichtigste Grundlage für die Selektion. In der Rinderzucht unterscheidet man zwischen direkten und indirekten Leistungen.

Direkte oder unmittelbare Leistungen sind z.B. die Milchleistung und Fleischleistung.

Die indirekten oder mittelbaren Leistungen umfassen ein großes Feld von Kriterien, die sich auf alle Körperfunktionen beziehen (z.B. Gesundheit, Fruchtbarkeit)."

"Aufgabe der Rinderzucht ist nicht nur die Verbesserung der Erbanlagen für die Milch- und Fleischleistung, sondern auch die Verbesserung der Erbanlagen für Gesundheit und Konstitution, Fruchtbarkeit, Futteraufnahmevermögen, Abkalbvorgang, Melkbarkeit sowie Eutergesundheit.

Die Rinderzucht hat die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit durch Leistungssteigerung und Kostensenkung zum Ziel."

[Tierische Erzeugung. -- 10., völlig neubearb. Aufl.  -- München : BLV, ©1994. -- (Die Landwirtschaft : Lehrbuch für Landwirtschaftsschulen ; Bd. 2). -- ISBN 3405154723. -- S. 226 - 234. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

Teilweise wird von offizieller Seite und im Rahmen von Entwicklungshilfe mehr oder weniger erfolgreich versucht, solche Grundsätze auch in Entwicklungsländern durchzusetzen. Unabhängig davon, wie man diese Grundsätze bewertet, scheitert das sehr oft schon daran, dass die Rinderhalter der Dritten Welt meist mentalitätsmäßig und ausbildungsmäßig nicht die Voraussetzungen für eine solch "rational-ökonomische" Tierhaltung haben. In den Ländern der Tropen und Subtropen sind die Rassen sehr vielfältig. Es sind momentan über 250 Rinderrassen bekannt.

Die meisten Rinderrassen der Dritten Welt lassen sich nicht so eindeutig wie die europäischen Rassen in ihre Nutzungseigenschaften einteilen, da die Rassen der Tropen und Subtropen nicht gezielt für eine Nutzung gezüchtet werden. Oft kann man aus diesem Grund nicht einmal unterscheiden, ob es sich bei einer bestimmten Population um eine Rasse oder einen Schlag handelt. 


Für einen Eindruck von der Vielfalt der Rinderrassen siehe:

Anhang A: Bilderbogen einiger Rinderrassen der Entwicklungsländer


1.5. Fütterung


Bei den Rassen in den Tropen und Subtropen kann man bezüglich der Ernährung die Erkenntnisse von Rindern aus gemäßigteren Klimazonen übertragen. Als Wiederkäuer haben sie sich darauf spezialisiert Rauhfutter zu fressen. Die körperliche Funktion ihres Vormagens garantiert eine optimale Nährstoffaufnahme. Weiterhin können sie mit Hilfe mikrobieller Verdauung Nebenprodukte der menschlichen Nahrungsgewinnung wie z.B. Kleie, Treber, Melasse verwerten.

Aufgrund dieses Verdauungssystems können sie Pflanzen als Nahrung nutzen, die für den Menschen nicht genießbar sind. Somit tritt das Rind auch nicht als Nahrungsmittelkonkurrent auf, vielmehr dient "die Fähigkeit des Rindes, Nahrungsmittel, die für den Menschen ohne oder nur von geringer Bedeutung sind, in hochwertiges tierisches Eiweiß in Form von Rindfleisch oder Milch umzuwandeln...". 

[Kräußlich, Horst: Rinderzucht. -- Stuttgart : Ulmer, 1981. -- ISBN 3800143380. -- S. 16. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

Welchen Futterbedarf haben Rinder?

Hier sei als Beispiel ein Auszug aus einer Untersuchung einer Rinderherde von 10 Friesian- und 10 Shamikühen  unter subtropischen Bedingungen angeführt:

Parameter Friesian Shami
Grünfutterverzehr (kg/Tier/Tag)    
Luzerne 37 33
Mais, Milchwachsreife 39 33
Sudangras 33 27
Grünmais 38 31
Grünhirse 37 23
Mittelwert 38 31
Konzentratverzehr (kg/Tier/Tag) 5,8 4,1

[Siehe: Nutztiere der Tropen und Subtropen / [hrsg. von] Siegfried Legel. -- Leipzig : Hirzel. -- Bd. 1. -- Rinder.  -- ©1989. -- ISBN 3740101229. -- S. 232. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

In Europa herrscht die Stallhaltung von Rindern vor. Das heißt, dass der Landwirt auf Wiesen das Futter mäht und zu den Tieren in den Stall bringt. Außerdem wird hier Futter bevorratet. Für den Winter wird Heu und Silage eingebracht, die dann in der kargen Jahreszeit eine optimale Ernährung der Rinder garantieren.

Abb.: Beispiel einer ausgewogenen Futterportion bei Stallhaltung von Braunvieh

Dies ist in den Tropen und Subtropen meist anders. Hier findet man z.B. den Nomadismus oder die Transhumanz. In beiden Fällen wandern die Tierherden und suchen sich ihre Nahrung auf den Weiden. Vor allem bezieht sich dies auf Jungtiere und männliche Rinder. Die Kühe bleiben oft in der Nähe von den Menschen, um die Gewinnung der Milch zu vereinfachen.

"Weidewirtschaft in den Tropen und Subtropen muss sich auf die vielfältigen Limitierungen der Weideleistung ... einstellen. Die extensive Form der Weidewirtschaft nimmt diese Limitierungen unter Inkaufnahme von geringen tierischen Erträgen und gelegentlichen Tierverlusten hin. Limitierungen, die weitgehend unbeeinflussbare Größen wie Klima, Bodenfaktoren, aber auch kollektive Weiderechte oder fehlender Marktzugang als Ursachen haben, zwingen zu einer extensiven Produktionsweise. In dem Maße, in dem Limitierungen der Weideleistung mit ökonomisch vertretbaren Maßnahmen überwunden werden, steigt der Intensivierungsgrad. Diese Maßnahmen verlangen einen Einsatz an Know-how, Kapital und Arbeit. Sie haben zum Ziel, die Weideleistung anzuheben durch

Extensive Produktionssysteme sind durch eine hohe Kapitalverzinsung (Kapitaleinsatz ist minimal!) aber geringe Erträge gekennzeichnet. Bei zunehmender Intensivierung führen die erhöhten Inputs zu einer Steigerung der Erträge und der Reinerlöse, aber nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Kapitalverzinsung."

[Glatzle, Albrecht: Weidewirtschaft in den Tropen und Subtropen. -- Stuttgart : Ulmer, ©1990. -- ISBN 3800130858. -- S. 104. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

Als Beispiel für ein Entwicklungsprojekt zur Verbesserung der Rinderfütterung diene das FAO-Projekt TCP/LAO/4451 in Laos (1995) zur Herstellung von Zusatzfutter aus Harnstoff und Reisstroh im Dorf Long Phong, Provinz Vientiane, Laos:

"The objective of this TCP project in Laos is to introduce new livestock feeding and production technologies based on locally available feed resources, to improve animal nutrition, to secure draught power and increase crop production and small holders´ income. More specifically, the project tries to encourage better use of locally available agricultural by-products such as urea treated rice straw, introduction and production of multinutrient blocks and strengthening of livestock extension services."

Abb. 1: Vorbereitung des Reisstrohs für die Behandlung mit stickstoffreichem Harnstoff

Abb. 2: Zubereitung der Harnstofflösung

Abb. 3: Zubereitung der Mischung für die Nährstoffblöcke: Harnstoff, Reiskleie, Salz, Kalk, Knochenmehl, Zement

Abb. 4: Zubereitung der Mischung für die Nährstoffblöcke

[Quelle: FAO Media Archive. -- URL: http://www1.fao.org/media_user/_home.html. -- Suchwort "urea". -- Zugriff am 23.9.1999]

Abb.: Lage von Vientiane, Laos (©Mindscape)

Natürlich ist für eine optimale Versorgung der Rinder auch eine ausreichende Menge an Wasser notwendig. Vor allem in den tropischen und subtropischen Klimazonen ist dies aufgrund der höheren Temperaturen sehr wichtig. Auch benötigen Rinder, die lange Märsche bewältigen, mehr Wasser. 

In Abhängigkeit dieser verschiedenen Aspekte kann der Wasserbedarf stark schwanken. So wurden z.B. für zweijährige Zebus unter ariden Bedingungen ein Wasserbedarf zwischen 28 und 42 Liter je Tier und Tag ermittelt. 

Die Wasserbedarf kann indirekt über das Futter oder direkt als Tränkewasser gedeckt werden. Kann der Wasserbedarf nicht ausreichend gedeckt werden, wirkt sich das z.B. auf eine verminderte Milchproduktion aus.

Eine plastische Beschreibung eines Brunnens für Nomaden und von deren Abhängigkeit vom Niederschlag verdanken wir Renè Gardi:

"Wer Nomaden treffen will und ihre Herden, fährt zu einem Brunnen. ... 

Sich bei einem Brunnen aufzuhalten, ist, wenn man aus der Wüste kommt, stets ein Ereignis. Man ist bewegt und gerührt, man freut sich über das alte Brunnenlied, das die ungeschmierten Achsen der Holzräder in den Astgabeln des Brunnengestelles von früh bis spät singen, wenn die Knechte mit Zebus, Eseln oder Kamelen unermüdlich hin und her gehen und die prall gefüllten Ledersäcke emporziehen. Sie gehen hin und her und her und hin, immer genau so weit, wie der Brunnen tief ist. Hunderte, manchmal an einem großen Brunnen Tausende von Tieren werden an einem Tag getränkt. Herde um Herde drängt sich heran, und Buben und Mädchen und junge Knechte sorgen dafür, dass es kein Durcheinander gibt, dass kein Tier aus einer andern Herde von dem Wasser trinkt, das ihre Leute, die Brüder und Verwandten mühsam hochgezogen haben.

Auch Frauen und Mädchen sind am Brunnen, sie drängen sich zwischen die Tiere und ergattern ab und zu einen Ledersack voll Wasser, um ihre Gerbas, die Ziegenschläuche, für den Trinkwasservorrat damit zu füllen. Sie wohnen weit weg vom Brunnen, so füllen sie nicht nur eine Gerba, sondern manchmal ein gutes Dutzend. Sie hängen sie ihren Eseln, den geduldigen, unter den Bauch, und 'wenn alle Gerbas gefüllt sind, wenn sie sich das Gesicht gewaschen haben oder manchmal etwas abseits auch das Kleid, setzen sie sich auf den Rücken des stärksten Tieres und trotten heimzu. ...

Abb.: Agadez (Niger) (©Mindscape)

Der Name In Abangarit ist auf der Landkarte eingedruckt, und man erwartet einen kleinen Ort, ein erstes Dorf in der Nigerrepublik, aber dann findet man nichts als zwei gut ausgebaute Brunnen mit Betonrändern. Am Wasserloch stehen Männer, sie haben ihre Hosen bis weit über die Knie aufgekrempelt, und sie ziehen das Wasser mit Muskelkraft empor, denn hier steht kein Brunnengestell mit Rädern. Sie schütten das Wasser in die Zementtröge, und die Tiere, die sich durstig herandrängen, stehen in einem schwarzen Morast. ...

[Der Brunnen von] Kerboubou ist besonders interessant, weil sich hier Peulh und Tuareg berühren. Da werden die kleinen, hellen Rinder des Aïr zur Tränke geführt und gleichzeitig die mächtigen dunkelbraunen Zebu mit den riesigen Hörnern, die Bororodji. ...

Das Jahr 1969 wird im Gedächtnis der Menschen haften bleiben. Die Trockenzeit dauerte länger als üblich, dann verzettelten sich die Niederschläge so, dass das keimende junge Gras stets wieder verdorrte, so dass keine gute Sommerweide entstehen konnte. Die Verluste in den Herden waren schrecklich, und als ich im Winter nachher wieder im Aïr war, fand ich viele unserer Bekannten verarmt. In den Ebenen südlich und westlich von Agades war es schlimmer als in den Bergen. In dieser Katastrophe gingen 30 Prozent der Rinder, 40 bis 50 Prozent der Schafe, 15 bis 20 Prozent der Ziegen und 15 Prozent der Kamele zugrunde. Niemand war selbstverständlich versichert, es standen keinerlei Subventionen für die notleidenden Viehzüchter zur Verfügung. Ganz im Gegenteil, die Steuern wurden nach wie vor nach dem vorliegenden Stand einer frühern Zählung eingezogen, als ob nichts geschehen wäre. ...

14. März. [Der Amtstierarzt] Riera de Vall kehrte heute ziemlich deprimiert aus der Brousse nach Hause. Er sieht schwarz. Das Wasser beginnt zu fehlen. Bei allen Brunnen findet er Tierkadaver. Er erzählt, dass man bereits zwei oder drei Zebus zum Wasserziehen anspanne, so kraftlos seien die Tiere. Es wird drei oder vier Jahre dauern, bis ein Besitzer den Bestand seiner Ziegen- und Schafherden wieder auf den gleichen Bestand gebracht hat, bei den Rinder- und Kamelherden wird es acht bis zehn Jahre dauern. Trotzdem waren ein Jahr nach der Dürre wieder gleich viele Tiere im Land, weil andere Sippen aus dem Süden eingewandert sind und mit ihren Herden die leeren Gebiete wieder füllten.

Die Nomaden, Tuareg und Peulh, leben, an unsern Maßstäben gemessen überaus bescheiden, zur Hauptsache vom Ertrag des Viehverkaufes. Sie müssen stets ein Gleichgewicht finden zwischen vorhandener Weide und Wasservorrat, ihre Zucht also so einrichten, dass Tiere für den Verkauf zur Verfügung stehen, ohne dass die Herde kleiner wird. ...

In diesem kargen Land ist die Viehzucht nicht sehr rentabel. Eine Kuh gibt täglich nicht viel mehr als einen Liter Milch, die schlechte Ernährung liefert keine fetten Tiere, und durch besonders lange Trockenzeiten und Seuchen gibt es immer wieder Rückschläge.

Ich habe mir das Pflichtenheft des Veterinärs angesehen. Es spricht vom. ständigen Kampf gegen die Natur und gegen die Unvernunft der sehr rückständigen Nomaden, die nicht sehr gelehrig sind. Die Hauptaufgabe des tierärztlichen Dienstes würde darin bestehen, die vorhandenen Herden zu bewahren und, wenn möglich, zu vergrößern. Es kann sich nicht darum handeln, wie bei uns, einzelne erkrankte Tiere zu heilen, wichtig ist eine Präventivmedizin. Gute Erfolge zeigten sich überall durch Impfungen gegen die Rinderpest und andere Seuchen. Man kämpft gegen alle möglichen Parasiten, welche die Tiere plagen. Alle diese prophylaktischen Maßnahmen beanspruchen aber sehr viel Zeit. Nach der Meinung von Ramon Riera de Vall sollte man sie vervielfachen können, dazu fehlen jedoch ganz einfach die Mittel. Er war oft niedergeschlagen, weil er wusste, dass so vieles, das man tun sollte, nicht geschah, weil die Mitarbeiter und das Geld fehlten.

Um richtig raten und planen zu können, braucht man gute Unterlagen, also Statistiken, die stimmen. Eine Riesenarbeit, diese Dokumentation zusammenzubringen. Ferner hat der Veterinär mit seinen Leuten in Agades als Fleischschauer zu funktionieren, er muss die Märkte überwachen, er kümmert sich um die Verwertung der Tiere, um die Milch- und Butterproduktion. Und dazu kommt, das liegt ihm sehr am Herzen, das Studium der Lebensgewohnheiten seiner Viehzüchter, denn -- das ist eine alte Regel -- ohne genaue Kenntnis der betroffenen Menschen sind alle politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen zur Hebung der Viehzucht auf Flugsand gebaut. ...

Am Brunnen von Kerboubou trafen wir also nicht nur Tuareg, sondern auch Peulh. Man begegnet ihnen ferner regelmäßig auf dem Markt von Agades. So sei nun ein wenig von diesen stolzen Nomaden die Rede, welche nie in den Bergen leben, sondern in den großen Savannenlandschaften des Sahel. ... 

Peulh ziehen mit ihren Herden durch ganz Dahomey, um die Tiere in den Küstenstädten zu verkaufen, Peulh besorgen als gedungene Hirten die Herden im Kameruner Grasland, Peulh waren überall anzutreffen, wo ich auch war. Sie vermischen sich kaum mit andern afrikanischen Rassen, unter denen sie leben, und ihre soziale Organisation ist ausgesprochen patriarchalisch. Besonders die Nomaden unter ihnen sind noch Animisten und kaum vom Islam beeinflusst.

Ganz grob wären zwei große Gruppen zu unterscheiden: Die Sesshaften oder die Halbnomaden; man kennt sie unter dem Namen Fulbe oder Fullani. Und dann die bedeutend kleinere Gruppe der reinen Nomaden, das sind die Bororo. Von den Fulbe werden die Bororo als nicht sehr reine, minderwertige Rasse bezeichnet, aber das kümmert die Nomaden in ihrem Stolz wenig.

Am Brunnen von Kerboubou trafen wir also Bororo.

Ich bin oft Herden und wandernden Bororo begegnet. Voraus ging ein junger Hirte. Sein Gesicht war fröhlich, gelassen, manchmal gleichzeitig auch überaus ernst. Um seine schmalen Hüften trug er ein Stück Leder, über einer Schulter hing eine leichte Decke, ein Schattenhut aus Stroh mit Leder schützte ihn vor der heißen Sonne.

So ging er mit seinen breiten Sandalen durch den Sand, und hinter ihm folgte nun Kopf an Kopf die Zebuherde, das Haupt gesenkt, denn auf ihrer Wanderung weideten die Tiere gleichzeitig, erwischten an niedern Sträuchern ein paar Blätter, rupften ein paar dürre Grasstengel ab. Am Schluss der Herde gingen noch zwei oder drei Männer, vielleicht auch ein paar Buben.

Nach einigen Minuten folgte eine zweite Herde, eine dritte, und immer ging ein Bursche voraus, langsam, behutsam, und über all den Hunderten von Tieren hing eine dichte Staubwolke. Es konnte sein, dass die Familien mitzogen. Alte Frauen und kleine Kinder saßen auf den Eseln. Kastrierte Stiere trugen das Haus, die paar Habseligkeiten, die Milchgeschirre in Form von verholzten Kürbisschalen, die Flaschenkürbisse, in denen die Milch zu Butter geschüttelt wird.

Manchmal auch trafen wir Bororo, die nicht weit von einem Brunnen oder bei einem großen offenen Tümpel, einem Überrest des letzten Hochwassers, genügend Weide fanden, um einige Tage zu bleiben. Da saßen dann die Kinder nackt im Sand und spielten mit Steinen, sie bauten mit Zweigen kleine Hütten und verwandelten Holzknebel in Ochsen und Ziegen. Die Frauen trugen mehr Schmuck als gewöhnlich, viele hatten an den Knöcheln ihre pfundschweren Messingringe. Sie sind ausgesprochen kokett, die jungen Frauen und Mädchen ...

Die ewige Sorge aller Nomaden, der Bororo wie der Tuareg, dreht sich um das Wasser. Sorgfältig werden die Wanderungen geplant, denn alle zwei bis drei Tage müssen die Tiere zur Tränke geführt werden. Nur die Kamele sind imstande, Durststrecken von acht bis zehn Tagen ohne Schaden zu durchqueren.

Jeder kennt die Brunnen, er weiß, ob er dort spät im März oder April  noch Wasser finden wird, er weiß auch, ob er dort überhaupt zugelassen ist. Nicht alle Brunnen sind frei. Viele Brunnen sind sicher seit Jahrhunderten an der gleichen Stelle. So weiß man, dass die Karawanenpfade sich seit dem Mittelalter nicht geändert haben, immer noch durch die gleichen Täler, über die gleichen Hügel weg führen, denn
sie gehen nicht geradeaus, sondern von Brunnen zu Brunnen, von einem Wasserloch zum andern. Jedes Familienoberhaupt weiß, dass es zu gewissen Jahreszeiten sinnlos ist, in bestimmte Gegenden zu ziehen, weil die Erfahrung ihn gelehrt hat, dass es dort so spät weder Weide noch Wasser gibt. Er weiß auch, dass er nicht in der unmittel-
baren Nähe eines Brunnens lagern darf, weil dort von den Tieren, die zum Wasser ziehen, alles weggefressen ist. So stellt er seine Zelte eine, manchmal zwei Stunden weit vom Brunnen entfernt auf, und die Tiere finden bald den Weg dorthin allein und ziehen von der Tränke langsam und weidend wieder zurück.

Immer wieder entsteht vor den neuen Regen Streit ums Wasser. Und ich habe oft genug gesehen, dass die Grundwasserbrunnen überfordert sind. Wenn so viele Tiere getränkt werden, dass der Brunnen leer wird, dass dort unten nur noch eine trübe Sandbrühe liegt, dass man zwei bis drei Minuten warten muss, bis der Ledersack sich vom langsam einsickernden Grundwasserstrom füllt, leiden Mensch und Tier,
und es braucht wenig, dass die Männer hintereinander geraten, und dann tragen sie ihre Schwerter und Lanzen nicht nur zum Schmuck und als Zeichen ihrer Würde.

Die Wasserrechte sind streng geregelt. Grundsätzlich sind alle neuen Brunnen, welche seinerzeit die Franzosen gebaut haben, und diejenigen, welche nun die neue Regierung graben lässt, für jedermann zugänglich. Man erkennt sie in der Regel daran, dass sie ausbetoniert sind mit einem etwa stuhlhohen Rand, um zu verhindern, dass der Wind zuviel Sand hineinträgt. Die alten Brunnen der Eingeborenen
sind mit Steinen ausgekleidet, falls sie nicht in Sandstein oder festen Fels gegraben sind.

Die Brunnen, die nicht von der Administration errichtet wurden, gehören einzelnen Familien oder einer Gruppe von Familien. Entweder haben sie ihn selber gegraben oder gekauft, oder es handelt sich um ein altes Gewohnheitsrecht. Der Besitzer hat natürlich die Freiheit, sein Wasser zu verschenken, jedermann hätte also Zugang. Andere erlauben wohl, dass man bei ihrem Brunnen Tiere tränkt, aber sie lassen sich dafür bezahlen. Wird das Wasser knapp, kann es sein, dass man keine fremden Tiere mehr heranlässt. Dass man einem Reisenden nicht erlaubt hätte, seinen Trinkwasservorrat zu erneuern, habe ich nie gehört."

[Gardi, René <1909 - >: cram cram : Erlebnisse rund um die Aïr-Berge in der südlichen Sahara. -- Zürich : Ex Libris, ©1971. -- S. 100 - 122]


2. Wirtschaftliche Bedeutung der Rinder


2.1. Produzent für hochwertiges tierisches Eiweiß


Entscheidend für die menschliche Ernährung sind unter den Eiweißstoffen die sogenannten essentiellen Aminosäuren, d.h. die Aminosäuren, die der menschliche Körper nicht selbst synthetisieren kann, aber für den Aufbau körpereigener Eiweiße (Proteine) benötigt. Solche Aminosäuren müssen mit der Nahrung aufgenommen werden, sonst kommt es zu Eiweißmangel. Etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung leiden unter Eiweißmangel. 

Folgen eines Eiweißmangels sind:

Um dieser Unterversorgung entgegen zu wirken sind vor allem die grasfressenden Tiere (Rinder, Schafe, Ziegen, Kamele...) wichtig, um genügend Milch und Fleisch zu produzieren, da Grasfresser auf für andere Produkte ungeeigneten Böden keine Nahrungskonkurrenten für Menschen sind. "Grasfresser" benötigen im Gegensatz zu Geflügel und Schwein nicht so hochwertiges Futter, um dies in Körpermasse umzusetzen. Besonders das Rind spielt hier eine bedeutende Rolle. 


2.1.1. Fleisch


Fleisch enthält biologisch hochwertiges Eiweiß, besonders Myosin und Actin. 

Um die Versorgung in Entwicklungsländern an tierischem Protein zu steigern, ist nicht nur die Viehzucht zu verbessern, sondern auch der Vertrieb und die Verarbeitung des Fleisches muss verbessert werden.

So sind z.B. die Weiden der Rinder weite Strecken von Ballungszentren entfernt und somit nicht in erreichbarer Weite der Konsumenten. Es bestehen keine Schlachthäuser bei den Viehweiden und die Infrastruktur ist zu schlecht um die Tiere in die Städte zu transportieren. Auch ist es keine Lösung die Tiere zu den Schlachthäusern über viele hundert Kilometer zu treiben. Sie verlieren dann einen großen Anteil ihrer Körpermasse, was auch nicht erwünscht ist.

Weiterhin ist ein großes Problem die Haltbarkeit des Fleisches. Es erhält die optimalste Qualität und den besten Geschmack, wenn es drei Wochen bei ca. 0° gelagert wird. Bei diesen niedrigen Temperaturen ist auch gesichert, dass das Fleisch nicht verdirbt. Da dies ohne Kühlhäuser in den Tropen und Subtropen nicht möglich ist, muss das Fleisch auf andere Art und Weise konserviert werden.

Dies kann auf folgende Weise erreicht werden:

Solch konserviertes Fleisch kann dann auch transportiert und bevorratet werden.


2.1.2. Milch und Milchprodukte


"Throughout the tropical world dairy cattle raising is the most difficult form of animal technology. It is not a good business for beginners, particulary because of the very high cost of building safe milking sheds."

[Liklik buk : a rural development handbook catalogue for Papua New Guinea. -- English ed. -- Lae, PNG : Liklik Book Information Centre, 1977. -- ISBN 0869350244. -- S. 81]

Abb.: Traditionelles Melken in Uganda [Quelle. FAO]

Abb.: Hygienisch verbessertes Melken im Rahmen eines FAO-Projektes, Uganda [Quelle: FAO]

Nicht nur Fleisch dient zur Deckung des Bedarfs an tierischem Eiweiß, sondern auch die Milch und Milchprodukte tragen dazu bei. 

Die Weltproduktion an Milch stammt zu 90% von Rindern.

Besonders wertvoll macht die Milch der Gehalt an Eiweiß von hoher biologischer Wertigkeit. Auf Grund ihrer Zusammensetzung ist sie ein ausdauernder Energiespender. Sie enthält alle wichtigen Nährstoffe, die das Wachstum fördern: Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Mineralien und Vitamine.

Besonders wichtig ist das darin enthaltene Calcium. Es wird benötigt, um das Skelett und Zähne aufzubauen und diese ständig zu erneuern.

Allerdings gibt es Menschen, die nicht das nötige Enzym Laktase im Darm haben, um die Milch ohne Probleme abzubauen. Dieses Problem tritt häufig auf, wenn längere Zeit keine Milch getrunken wurde. Besonders sind davon Bewohner afrikanischer und asiatischer Länder betroffen, was wiederum eine Hinderung bei der Aufnahme von  wichtigen Nährstoffe bedeutet.

Das Ernährungsinstitut für Zentralamerika und Panama in Guatemala hat ein pflanzliches Eiweißgemisch entwickelt, das einen vollwertigen Milchersatz bietet. Es besteht aus:

"Die biologische Wertigkeit dieses Eiweißgemisches entspricht der biologischen Wertigkeit der Vollmilch. Der Preis beträgt etwa ein Fünftel dessen, was für eine entsprechende Menge Vollmilch zu zahlen wäre." 

[Schlieper, Cornelia A.: Grundfragen der Ernährung. -- 13., durchgesehene Aufl. -- Hamburg : Büchner, 1997. -- ISBN 3582044750. -- S. 121. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

Viele Kühe in der Dritten Welt, besonders in Indien, geben den Menschen nicht ohne weiteres ihre Milch, sondern müssen so ausgetrickst werden wie in Europa noch die Salers-Kühe der Auvergne:

"Allerdings sind die Salers so mütterlich, dass sie ihre Euter exklusiv für ihre Nachkommen reserviert halten. Zu einem Milksharing sind sie so ohne weiteres nicht bereit. Sie reagieren auf den maschinellen Milchraub mit dem von Melkern gefürchteten Milchaufziehen. Um dennoch aus ihrem Kaffee einen 'au lait' machen zu können, täuschen die Auvergner ihre Kühe. Sie binden die Kälber an die Schulter der Mutterkuh. Die wird durch den Anblick, den Geruch und das Blöken des Kalbes so verzückt, dass sie den hinterhältigen Milchdieb gewähren lässt. Der Trick ist allerdings keine französische Erfindung, sondern eher eine multikulturelle Errungenschaft. Mongolen wenden ihn an, wenn sie ihre Yaks melken, Fulbe in Westafrika, wenn sie bei den Sangas ihre Kalebassen füllen. Indios tricksen so ihre Criollos aus und die Bengalen betrügen damit die von ihnen ansonsten als heilig angesehenen Zebus. Selbst die alten Ägypter kannten ihn schon. Sie haben so ihre der Göttin Hathor geweihten Kühe überlistet, wie Reliefdarstellungen aus dem Tal der Könige in Luxor belegen."

[Brackmann, Michael: Das andere Kuhbuch : vierzig Rasseporträts und mehr. -- 2. Aufl. -- Hannover : Landbuch, ©1999. -- ISBN 3784205755. -- S. 119. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

Die Breite von Milchprodukten zeigt folgende Übersicht:

Abb.: Schema der Milchverarbeitung (vereinfacht) 

[Vorlage: Belitz, H.-D. ; Grosch, W.: Lehrbuch der Lebensmittelchemie. -- 4. Aufl. -- Berlin [u.a.] : Springer, ©1992. -- ISBN 3540554491. -- S. 471. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

Die frische Milch ist nahezu keimfrei, wenn die Kuh gesund ist. Dieser Zustand der Keimfreiheit kann aber nur gewährleistet werden, wenn die Milch gekühlt wird.
Da dies oft ein Problem darstellt in Entwicklungsländern, hat man hier ein spezielles Verfahren entwickelt. Die Milch wird wärmebehandelt mit direkter Dampfinjektion.
So werden nicht nur die Keime abgetötet, sondern auch Nebengeschmacksstoffe in der Milch beseitigt.

figure 1

figure 2

figure 3

Abb.: MILKPRO -- preiswertes System zum Abpacken, Pasteurisieren und Kühlen von Milch 

"Developed in South Africa the system, known as the MILKPRO, comprises a filler from which the raw milk is gravity fed into pre-formed sachets of the type already produced in Kenya and most other developing countries (figure 1).

The sachets are manually sealed and placed in a batch pasteuriser. Here they are treated at 65 degrees centigrade for 30 minutes (figure 2). The heating process is automatically controlled. After pasteurising the sachets are cooled down to 5 degrees centigrade in a chilling unit (figure 3)." [Quelle: http://www.fao.org/WAICENT/FAOINFO/AGRICULT/aga/agap/lps/dairy/milkpro.htm. -- Zugriff am 20.9.1999]

Ein Milchprodukt ist die Butter. Da diese aber leicht ranzig und damit ungenießbar bei den hohen Temperaturen in den Tropen und Subtropen wird, ist hier Milchfett weit verbreitet. Dies scheidet sich ab beim Erwärmen der Butter. Es stellt eine wichtige Fettquelle zum Kochen und Braten dar. Am bekanntesten ist die indische Schmelzbutter Ghee. Ghee wird folgendermaßen zubereitet:

"In einem schweren, 4 bis 5 1 fassenden Topf die Butter bei mittlerer Temperatur erhitzen und sie währenddessen mit einem Löffel sanft bewegen und wenden, damit sie langsam und vollständig schmilzt, ohne braun zu werden. Dann die Hitze vergrößern und die Butter zum Brodeln bringen. Sobald die Oberfläche mit weißem Schaum bedeckt ist, wird die Butter leicht gerührt und die Temperatur so weit wie möglich reduziert. Die Butter etwa 45 Minuten unbedeckt und ungestört leicht kochen, bis der Bodensatz goldbraun und die Butter darüber durchsichtig geworden ist. Das klare flüssige Fett (ghee) wird durch ein feines Sieb, das mit einem Leinentuch oder mit 4 feuchten Mullschichten ausgelegt ist, langsam in eine große Schüssel gegossen. Sollten im ghee noch feste Bestandteile sein (ganz gleich, wie klein), wird es abermals durchgeseiht, damit es später nicht ranzig werden kann. Das ghee muss vollkommen klar sein. 

Es dann in einen Krug oder Steinguttopf gießen, fest zudecken und im  Kühlschrank oder bei Zimmertemperatur aufbewahren, bis es gebraucht wird. Ghee wird fest, wenn man es kühlt. Wenn ein Rezept flüssiges ghee vorsieht, so wird es bei niedriger Hitze wieder geschmolzen, aber nicht gebräunt -- sofern keine anderen Angaben gemacht sind. Bei Zimmertemperatur hält sich ghee 2 bis 3 Monate lang.

ANMERKUNG: Durch das Kochen verdampft der Wassergehalt der Butter, und das reine Fett trennt sich von den festen Milchbestandteilen -- wodurch eine Substanz entsteht, die der geklärten Butter ähnlich ist. Lässt man die Butter aber bei niedriger Hitze relativ lange kochen, wird sie nicht nur geklärt sondern erhält einen spezifischen Nussgeschmack, der auf keine andere Weise zu erzielen ist. Es gibt keinen gleichwertigen Ersatz für ghee".

[Rau, Santha Rama: Die Küche in Indien. -- Amsterdam : Time-Life, ©1970. -- (Internationale Speisekarte). -- S. 54]

Weitere Milchprodukte sind Käse und Sauermilchprodukte.

Sauermilchprodukte entstehen, wenn sich die Milchsäurebakterien vermehren und die Milch gerinnt. Dieses angenehm säuerliche Produkt ist eine wichtige Nahrungsquelle bei den Viehzucht treibenden Völkern.

Die Herstellung von Joghurt wurde von Wüstennomaden des Vorderen Orients erfunden. Joghurt (Laban, Mast) ist ein fester Bestandteil der Ernährung des vorderen Orients, wird aber auch in anderen Entwicklungsländern immer beliebter. Hierzu werden der Milch Joghurtkulturen zugesetzt.

Die Herstellung von Käse hat in den Tropen und Subtropen keinen so hohen Stellenwert. Das liegt zu einem daran, dass Kühlräume für den Käsereifeprozess fehlen, zum anderen hat die Milch nicht die geeignete Qualität für Käse.

Dass aber auch unter tropischen Bedingungen Käse einfach und angepasst produziert werden kann, zeigt das Beispiel Indiens:

"Da die Reifung [des Käses] während der heißen, feuchten Jahreszeit Probleme bereitet, wird Käse hier [in Indien] vor allem durch Räuchern haltbar gemacht. Das Aroma wird dadurch würziger, besonders wenn für das Feuer getrockneter Kuhdung benutzt wird, der in den unbewaldeten Gebieten und in der Himalayaregion als Heizmaterial dient. Bandal ist eine geräucherte indische Käsesorte und sozusagen überall zu finden. Die Milch wird mit Zitronensaft versetzt, die Masse geformt und in kleine Körbchen gegeben, wo die Molke abfließen kann. Zum Schluss wird der Käse geräuchert. Er hat einen ausgesprochen aromatischen Geschmack und eine feine, glatte Textur. Bandal wird meist frisch verzehrt. Dacca, ein gepresster, geräucherter Käse, der 2 Monate reift, ist eine Spezialität aus Südindien. Surati, ein Käse aus Büffelmilch, der den Namen der Stadt Surat in der Nähe von Bombay trägt, ist berühmt für seine Nahrhaftigkeit und medizinischen Eigenschaften. Der Milch wird pflanzliches Lab zugesetzt (Hindus sind Vegetarier). Die Bruchmasse reift in der Molke und wird in großen Töpfen aufbewahrt. Im Südosten, wo Wasserbüffel statt Kühen gezüchtet werden, wird Büffelkäse aus vergorener Milch, die mit pflanzlichem Lab eingedickt ist, hergestellt. Die Bruchmasse wird gepresst und in Lake eingelegt."

[Alles Käse! : die besten Sorten der Welt / Text Bernard Nantet ... -- Köln : DuMont, ©1998. -- ISBN 3770146093. -- S.231. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}


2.1.3. Blut


Manche afrikanische Hirtenvölker (z.B. die Massai) zapfen den lebenden Rindern mit einem besonderen Aderlasspfeil Blut ab und genießen dieses in frischen oder geronnenem Zustand.

Abb.: "Um ihre Kraft zu bewahren, trinken die Massai Ochsenblut, das aus der Halsschlagader entnommen wird. Wenn die Kalebasse voll ist, lässt man den Ochsen frei, damit er sich erholen kann." 

[Quelle der Abb.: Bild der Völker : die Brockhaus-Völkerkunde. -- Wiesbaden : Brockhaus. -- Bd. 2. -- ©1974. -- ISBN 3765302488. -- S. 111] 

Abb.: Lage der Stammesgebiete der Massai (©Mindscape)


2.2. Nutzung als Arbeitstiere


Bis um 1800 war auch in Europa meist die wichtigste Nutzung von Rindern die Nutzung als Arbeitstiere. Erst dann wurden die Ochsen allmählich vom Pferd verdrängt. Auch heutzutage sind Rinder eine wichtige Arbeitskraft auf den Feldern und Äckern in den Tropen und Subtropen.

Sie werden benötigt für Bestell-, Ernte- und Transportarbeiten. 

Abb.: Wasserbüffel als Zugtiere vor Karren, Bangladesh [Quelle der Abb.: FAO]

Im Jahr 1984 wurde auf Grund einer Schätzung ein Bestand von 400 Millionen Arbeitstiere in Entwicklungsländern angenommen. Diese Tiere durch Arbeitsmaschinen zu ersetzen würde eine Investition von 280 Billionen Dollar bedeuten. Dies können sich natürlich Bauern in Entwicklungsländern nicht leisten.

Auch sind Arbeitstiere besser, wenn Land in schwer zugänglichen Gebieten (Terrassenfelder) bearbeitet wird. Ein weiterer Vorteil ist, dass z.B. in Reisfeldern, die unter Wasser stehen, Arbeitstiere weniger Schäden anrichten als wie es Traktoren tun würden.

In den Reisanbaugebieten in Südostasien hat die größte Bedeutung als Arbeitstier der Büffel. In Indien, im Mittleren Osten, in vielen Ländern Afrikas und in Lateinamerika dominiert dagegen das Rind. 

Von den Rindern werden sowohl Buckellose als auch Buckelrinder zur Arbeit eingesetzt. Vor allem die Buckelrinder werden bevorzugt genutzt, da sie die Hitze besser ertragen und eine höhere Resistenz gegenüber Ektoparasiten besitzen.

Es gibt spezielle Rassen, die für den Einsatz als Arbeitstiere gezüchtet wurden. Hierzu zählen Zeburassen wie z.B. Hallikar, Nagori.

Zur Arbeit werden meistens Ochsen herangezogen da diese weniger aggressiv als Bullen sind und mehr Kraft als Kühe besitzen. Im Alter von 3-4 Jahren werden die Ochsen zur Arbeit abgerichtet und sie können dann normalerweise ca. 10 Jahre zur Arbeit genutzt werden.

Abb.: Von Zebu-Ochsen betriebenes Wasserschöpfrad, Indien

Die Arbeitskraft, welche die Rinder einbringen können, hängt besonders von der Körpergröße und der Bemuskelung ab. Auch das Klima spielt eine große Rolle. Bei Hitze steigt die Beanspruchung und somit geht die Leistung zurück.

Lebendmasse
Arbeitsochse 
in kg
Arbeitsleistung
absolut kg/km/h
27°C
je 100 kg LM

34°C
Arbeitsgeschwindigkeit
km/h
500 150 120 3,0
800 270 234 3,6
1000 324 288 3,6

Die Arbeitsleistung kann man positiv beeinflussen, indem die Arbeitstiere mit hochwertigem Futter versorgt werden und die Arbeitsgeräte in optimalem Zustand sind.

Man sollte auch darauf achten, dass die Tiere nicht überanstrengt werden. Denn dies führt dazu, dass die Tiere vorzeitig nicht mehr genutzt werden können.


2.3. Lieferant von Dung


2.3.1. Nutzung als organischer Dünger 


Der Rinderdung ist ein wertvolle Rohstoff. In Entwicklungsländern, wo Kunstdünger für die Bauern nahezu unerschwinglich ist, bietet er die einzige Möglichkeit die Felder zu düngen. Auf schon bestellten Feldern wird der Dung von Menschen ohne maschinelle Hilfsmittel ausgebracht.

Dazu steht in dem Buch 

Schareika, Nikolaus: Die soziale Bedeutung der Rinder bei den Fulbe (Benin). -- Münster [u.a.] : LIT, 1994. -- 216 S. -- (Interethnische Beziehungen und Kulturwandel ; 17). -- ISBN 38525823350. -- S. 64 

Folgendes:

"Der Viehmist schließlich wird täglich von Kindern und jungen Frauen mit Hilfe zweier Baumrinden in Blechschüsseln oder Körben eingesammelt und als Dünger in die direkt an das wuro angrenzenden Felder transportiert."

Auf Felder, die schon abgeerntet sind, werden die Rinder getrieben und so erfolgt eine direkte Düngung.


2.3.2. Dung als Brennmaterial oder zur Erzeugung von Biogas


Auch kann der Dung eingesammelt, an der Sonne getrocknet und schließlich als Brennmaterial verwendet werden. In Gegenden die nahezu abgeholzt sind, ist dies einer der wichtigsten Brennstoffe. Diese Arbeit fällt auch meistens den Kindern und Frauen zu. Ein gravierender Nachteil der Verbrennung des Dungs ist, dass so der Dung als Nährstoffquelle für Pflanzen entfällt und somit der natürliche Kreislauf unterbrochen wird.

Abb.: Indisches Mädchen trägt gesammelten Kuhdung als Brennmaterial nach Hause [Quelle: FAO]

"Die gesammelten und getrockneten indischen Kuhfladen eines Jahres sind energetisch äquivalent zu:

und sie werden hergestellt aus Abfällen und Pflanzen, die für den Menschen sonst nicht verwertbar sind." 

[Brackmann, Michael: Das andere Kuhbuch : vierzig Rasseporträts und mehr. -- 2. Aufl. -- Hannover : Landbuch, ©1999. -- ISBN 3784205755. -- S. 20f. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

Eine bessere Nutzung des Dungs ist die damit mögliche Produktion von Biogas. 
Bei diesem Verfahren kann Energie gewonnen werden und gleichzeitig der Nährstoffrücklauf gesichert werden.

Hierzu müssen die Tiere entweder im Stall, aber mindestens über Nacht in Pferchen gehalten werden, um größere Mengen an Dung einsammeln zu können. Außerdem müssen Biogasanlagen gebaut werden. Diese Anlagen können besonders gut in warmen Klimazonen, auch in kleinen bäuerlichen Betrieben, rationell arbeiten. In kühleren Klimazonen muss oft ein Teil der gewonnenen Energie der Anlage wieder rückgeführt werden, um die bakteriellen Umsetzungsprozesse im Gange zu halten. 

Abb.: Biogas "Digester"
[Quelle: Liklik buk : a rural development handbook catalogue for Papua New Guinea. -- English ed. -- Lae, PNG : Liklik Book Information Centre, 1977. -- ISBN 0869350244. -- S. 156]

In Biogasanlagen verrottet der Dung und es entsteht Methangas. Diese Energie kann genutzt werden und außerdem kann der verrottete Dung immer noch als hochwertiger Dünger auf die Felder ausgebracht werden.

Abb.: Kochen mit Biogasanlage in Kambodscha: genutzt wird tierischer und menschlicher Dung [Quelle: FAO]


2.4. Rinder als Häutelieferant


Eine weitere wirtschaftliche Bedeutung kommt dem Rind als Häutelieferant zu. Die Rinderhaut wird zur Lederherstellung benutzt. Leder ist ein wertvoller Rohstoff,  der viele positive Eigenschaften besitzt. Vor allem zur Schuhproduktion eignet es sich hervorragend, da es wasserabweisend, reißfest und luftdurchlässig ist.

Das beste Leder wird von Kälbern gewonnen, da sie eine gleichmäßige Haarstruktur besitzen. Die Haut von Zebus ist weniger gut geeignet. Im Höckerbereich ist die Haut fetthaltiger und strukturierter. Dies erschwert die spätere Verarbeitung der Haut.

Nur einwandfreie Häute werden zu Leder verarbeitet. Hautkrankheiten, Parasiten und Verletzungen können die Qualität beeinträchtigen.

Um ein bestmögliches Resultat bei der Lederherstellung zu erzielen, muss die Haut gekonnt konserviert werden. Dies geschieht, indem die von Fett und Fleisch gesäuberte Haut mit Salzen behandelt wird. 


3. Sonstige Bedeutungen


3.1. Religiöse Bedeutung


Abb.: Hariana Rinder in einem religiösen hinduistischen Tierasyl (Gupsala) [Quelle der Abb.:  FAO]

Rinder spielen eine zentrale Rolle in der Glaubensgemeinschaft der Hindus.
Das Kuh ist absolut heilig und sie verehren sie als Mutter des Lebens. Nach ihrem Glauben leben in jeder Kuh 330 Millionen Götter und Göttinen.

Abb.: Heilige Kuh, Devotionalbild aus Bengalen

Manche Götter werden auch direkt als Kühe dargestellt:

"Kamadhenu and her daughter Surabhi were sacred cows." 

[Walker, Benjamin: Hindu world : an encyclopedic survey of Hinduism. -- London : Allen & Unwin, ©1968. -- 2 vol. -- vol 1. -- S. 256]

Abb.: Als Kâmadhenu -- "Wunschkuh" -- geschmückte Kuh, Tamil Nadu, Indien

Oder die Götter sind ihnen sehr verbunden: 

"Krishna is associated with a pastoral background and with cows and gopis (milkmaids) and his paradise is called Goloka, 'cow-place'. "

[Walker, Benjamin: Hindu world : an encyclopedic survey of Hinduism. -- London : Allen & Unwin, ©1968. -- 2 vol. -- vol 1. -- S. 256]

Abb.: Krishna im Wald mit Kuh, indisches Devotionalbild

Abb. zum Vergleich: der Hl. Kornelius, Papst von 251 bis 253, Patron des Rindviehs, Devotionalstatue, Bretagne, Frankreich (1)

(1) [Quelle der Abb.: Raveneau, Alain: Le livre de la vache. -- Paris : Rustica, 1999. -- S. 16]

Viele religiöse Bräuche hängen mit den heiligen Kühen zusammen
(Vgl. Rifkin, Jeremy <1945 - >: Das Imperium der Rinder. - Gekürzte Ausg.. - Frankfurt/Main : Campus, 1994. -- ISBN 3-593-35047-5. -- Originaltitel: Beyond beef. -- S.42)

Auch im medizinischen Bereich wird Kühen eine heilende Wirkung zugesprochen.
Ärzte sammeln Erde auf denen Kühe ihren Hufabdruck hinterlassen haben und fügen sie den Arzneien bei. Kranke Kinder werden z.B. im Kuhurin gebadet. 

Der Urin gilt als heilige Flüssigkeit. "The drinking of go-mutra, cow-urine, is still practised by the devout and by women before and after delivery, ..." [Walker, Benjamin: Hindu world : an encyclopedic survey of Hinduism. -- London : Allen & Unwin, ©1968. -- 2 vol. -- vol 1. -- S. 257]

Es ist das schlimmste Vergehen eine Kuh zu töten. Noch vor nicht allzu langer Zeit stand in Kaschmir auf dieses Verbrechen die Todesstrafe. Heutzutage ist dieses Urteil auf Lebenslänglich herabgesetzt worden. (Vgl. oben 1.3.4.)

Wird eine Kuh aus versehen getötet, wird auch das bestraft:


"..., muss der Schuldige sich den Kopf kahlscheren lassen, und er wird für einen Monat auf eine Kuhweide verbannt, wo er sich in die Haut des getöteten Tieres hüllen muss. ..." 

Rifkin, Jeremy <1945 - >: Das Imperium der Rinder. - Gekürzte Ausg.. - Frankfurt/Main : Campus, 1994. -- ISBN 3-593-35047-5. -- Originaltitel: Beyond beef. -- S. 43]

Wenn eine Kuh eines natürlichen Todes stirbt, dürfen die Muslime oder Christen die Kühe essen. Den Hindus ist der Genuss von Rindfleisch nicht erlaubt.

Manchmal kommt es zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen auch wegen der Kühe zu Unruhen. 

"The killing of cows in the present century even by Muslims who eat beef regularly has resulted in frenzied communal riots."

[Walker, Benjamin: Hindu world : an encyclopedic survey of Hinduism. -- London : Allen & Unwin, ©1968. -- 2 vol. -- vol 1. -- S. 257]

Abb.: Halb verhungerte heilige Kühe in der heiligen Stadt Benares

Der Kulturanthropologe Marvin Harris fasst den Komplex "heilige Kühe" in Indien prägnant zusammen:

"Da das Fleisch von Tieren derart nahrhaft ist, würde man erwarten, dass alle menschlichen Gesellschaften ihre Speisekammer mit jeder nur irgendwie verfügbaren Tierart vollstopfen. Das genaue Gegenteil scheint aber vorwiegend der Fall zu sein. Überall auf der Welt weigern sich Menschen, die gerade jene Proteine, Kalorien, Vitamine und Mineralien dringend nötig hätten, die das Fleisch in solch konzentrierter Form liefert, bestimmte Fleischarten zu essen. Wenn Fleisch so nahrhaft ist, warum sind dann so viele Tiere vom Verzehr ausgeschlossen? Nehmen wir das Beispiel Indien und die berühmteste aller unerklärlichen Ernährungsvorschriften, nämlich das Verbot, Rinder zu schlachten und Rindfleisch zu verzehren.

In der indischen Bundesverfassung gibt es einen Abschnitt unter der Überschrift »Staatspolitische Grundorientierungen«, in dem Leitlinien für die Gesetzgebung der einzelnen Bundesstaaten entworfen werden. Artikel 48 fordert, »das Schlachten von Kühen und Kälbern und anderen Milch- und Zugtieren« zu verbieten. Außer Kerala und Westbengalen haben alle indischen Bundesstaaten in irgendeiner Form ein Gesetz »zum Schutz der Kühe« erlassen, wobei mit »Kuh« sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere von Bos indicus, der in Indien heimischen Rinderart, gemeint sind. Die heiligen Männer der hinduistischen Religion und zahlreiche Gesellschaften zum Schutz der Kühe werden indes nicht müde, für ein vollständiges Verbot des Schlachtens von Rindern einzutreten. 1966 drohten Tumulte von 125 000 nackten Kuhschützern zu einer Schließung des Parlaments in Neu Delhi zu führen, und 1978 beschwor ein Hindu-Führer namens Acharaya Bhave eine nationale Krise herauf, weil er drohte, so lange zu fasten, bis auch Kerala und Westbengalen ein Gesetz gegen das Rinderschlachten verabschiedet hätten.

Indien hat die meisten Rinder in der ganzen Welt -- ungefähr 180 Millionen Bos indicus (zuzüglich 50 Millionen Büffel) -- , was sich naheliegenderweise der Tatsache zuschreiben lässt, dass niemand das Rindvieh schlachten bzw. essen will. Indien kann auch beanspruchen, die meisten kranken, milchlosen, unfruchtbaren und altersschwachen Rinder der Welt zu beherbergen. Manchen Schätzungen zufolge sind ein Viertel bis die Hälfte der Gesamtmenge »nutzlose« Geschöpfe, die sich auf den Feldern, Chausseen und in den Städten des Landes herumtreiben - - was, wenn es stimmt, sich ebenfalls sinnvollerweise dem Schlachtverbot und der Abneigung gegen Rindfleisch zuschreiben lässt. Indien wird aber auch von 700 Millionen Menschen bevölkert. Da unstrittig ist, dass ein Großteil dieser riesigen Bevölkerung ein Mehr an Proteinen und Kalorien bitter nötig hätte, scheint die Weigerung, Rinder zu schlachten und zu essen, »schlicht und einfach im Widerspruch zum ökonomischen Interesse«. Und ist nicht in der Tat sogar der Ausdruck heilige Kuh im allgemeinen Sprachgebrauch zu einer stehenden Wendung geworden, um ein verbohrtes Festhalten an Bräuchen und Praktiken zu bezeichnen, die keine vernünftige Rechtfertigung haben?

All das -- der Schutz, den das Rindvieh genießt, die Abneigung gegen Rindfleisch, die vielen nutzlosen Rinder im Land -- lässt sich, wenn man will, bequem mit religiösem Glaubenseifer erklären. Der Hinduismus ist die vorherrschende Religion in Indien, und die Verehrung und der Schutz des Rindes sind ein zentrales Anliegen des Hinduismus. Nur wenige im Westen wissen zum Beispiel, dass einer der Gründe dafür, dass Mahatma Gandhi im Ruf eines Heiligen steht und solche Anziehung auf die Massen ausübte, sein begeistertes Eintreten für die hinduistische Lehre von der Schutzwürdigkeit des Rindes war. Mit Gandhis eigenen Worten: »im Zentrum des Hinduismus steht der Schutz des Rindes ... Der Schutz des Rindes ist das Geschenk des Hinduismus an die Welt... Der Hinduismus wird solange bestehen, wie es Hindus gibt, die das Rind beschützen.«

Die Hindus verehren ihre Kühe (und Bullen) als göttliche Wesen, leben mit ihnen in häuslicher Gemeinschaft, geben ihnen Namen, reden mit ihnen, schmücken sie mit Blumen und Quasten, lassen ihnen auf Hauptverkehrsstraßen den Vortritt und bemühen sich, sie in Tierheimen unterzubringen, wenn sie krank werden oder alt sind und zu Hause nicht mehr versorgt werden können. Gott Schiwa, der Zerstörer, reitet über das Firmament auf dem Bullen Nandi, dessen Bild am Eingang eines jeden dem Schiwa geweihten Tempels erscheint. Krischna, der Gott der Barmherzigkeit und der Kindheit, der heute vielleicht die populärste Gottheit in Indien ist, bezeichnet sich in den heiligen Schriften des Hinduismus als Kuhhirten, als Beschützer der Kühe, die seinen Reichtum bilden. Die Hindus glauben an die Heiligkeit aller Ausscheidungen der Kuh (oder des Bullen). Die Priester bereiten einen heiligen »Nektar« aus Milch, Quark, Butter, Urin und Dung, womit sie Standbilder und Gläubige besprengen oder beschmieren. Ihre Tempel erleuchten Lampen, in denen ghee, geklärte Butter, verbrannt wird. Und sie baden ihre religiösen Standbilder täglich in frischer Milch. (Hingegen haben Milch, Butter, Quark, Urin und Dung vom Büffel keinen rituellen Wert.)

Abb.: Gott Shiva mit Gattin Parvati und Sohn Ganesha über seinem Reittier, dem Stier Nandi (sowie ein lebender Affe), Tempel Südindien

Bei Festen, die an Krischnas Rolle als Beschützer der Rinder erinnern, modellieren die Priester das Bild des Gottes in Kuhmist, gießen über dem Nabel Milch aus und kriechen auf dem Tempelboden um das Bild herum. Wenn zu guter Letzt das Bild wieder entfernt werden muss, duldet Krischna nicht, dass menschliche Hände es zerstören. Es muss erst von einem Kalb zertrampelt werden, denn dagegen, dass sein Lieblingsgeschöpf auf ihm herumtrampelt, hat Krischna nichts. Bei anderen Festen knien die Menschen in dem Staub, den vorüberziehende Rinder aufgewirbelt haben, nieder und beschmieren sich die Stirn mit frischem Kuhmist. Die Hausfrauen verwenden getrockneten Kuhmist und Kuhmistasche, um ihre Böden und Herdstellen zu säubern und rituellen Reinigungen zu unterziehen. Heilärzte auf dem Land sammeln sogar den Staub aus den Hufspuren der Rinder, um ihn für medizinische Zwecke zu gebrauchen. Schon der einfache Anblick einer Kuh bereitet vielen Hindus Vergnügen. Die Priester behaupten, sich um eine Kuh zu kümmern, sei selber eine Art von Gottesdienst, und kein Haus solle auf den geistlichen Genuss verzichten, den die Aufzucht einer Kuh gewähre.

Der Schutz und die Anbetung, die der Kuh zuteil werden, stehen zugleich symbolisch für den Schutz und die Verehrung, die die Mutterschaft genießt. Ich besitze eine Sammlung von farbenfrohen indischen Pinup-Kalendern, auf denen juwelenbedeckte Kühe mit geschwollenen Eutern und bildschönen menschlichen Madonnengesichtern zu sehen sind. Die hinduistischen Kuh-Anbeter sagen: »Die Kuh ist unsere Mutter. Sie gibt uns Milch und Butter. Ihre Bullenkälber pflügen das Land und liefern uns Nahrung.« Kritikern, die sich gegen den Brauch wenden, Kühe durchzufüttern, die zu alt zum Kalben und zur Milchproduktion sind, halten Hindus entgegen: »Würden Sie also auch Ihre Mutter ins Schlachthaus schicken, wenn sie alt wird?«

In der hinduistischen Theologie ist die Heiligkeit der Kuh mit der Seelenwanderungslehre verknüpft. Der Hinduismus begreift alle Geschöpfe als Seelen, die auf ihrem Weg ins Nirwana verschieden weit vorangekommen oder zurückgefallen sind. Um von einem Dämon zu einer Kuh zu werden, muss man sechsundachtzig Reinkarnationen durchlaufen. Eine Stufe weiter erlangt die Seele dann menschliche Form. Aber sie kann immer wieder zurücksinken. Wer eine Kuh tötet, dessen Seele kann sicher sein, auf die unterste Sprosse zurück und noch einmal ganz von vorne anfangen zu müssen. Götter leben in Kühen. Die hinduistische Theologie veranschlagt die Zahl der Götter und Göttinnen, die in einem Kuhkörper leben, auf 330 Millionen. »Der Kuh dienen und sie anbeten, sichert einundzwanzig Generationen lang den Weg nach Nirwana.« Um der Seele eines lieben Verstorbenen auf ihrem Weg zum Heil voranzuhelfen, spenden die Verwandten Geld zur Fütterung der Kuhherden, die sich die hinduistischen Tempel halten. Man glaubt, dass der Tote einen brennenden Strom überqueren muss und dass diese Opfergaben ihm das Recht verschaffen, sich beim Hinüberschwimmen an einem Kuhschwanz festzuhalten. Aus demselben Grund lassen sich orthodoxe Hindus in ihrer Todesstunde einen Kuhschwanz in die Hand geben, um sich daran festzuhalten.

Doch die Kuh ist nicht nur ein religiöses, sondern ebensosehr ein politisches Symbol. Jahrhundertelang haben Hindus und Moslems in Dörfern und Städten dadurch Zwietracht gesät, dass sie sich stereotyp wechselseitig beschuldigten, Kuhschlächter zu sein bzw. Tyrannen, die jedermann ihre absonderlichen Ernährungsweisen aufzwingen wollten. Die Tatsache, dass die britischen Kolonialherren es mit dem Schlachten von Kühen und dem Essen von Rindfleisch sogar noch schlimmer trieben als die Moslems, diente als Kristallisationspunkt für wellenförmig wiederkehrende Bewegungen des zivilen Ungehorsams, die dann schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg Indien die Unabhängigkeit brachten.

In den Anfangstagen des jungen Staates sicherte sich die herrschende Kongresspartei als landesweites Markenzeichen das Bild einer Kuh mit Kalb. Ihren Kandidaten verschaffte dies sogleich einen Vorteil bei Wählern, die Analphabeten waren und ihre Stimme dadurch abgaben, dass sie das Symbol der Partei ihrer Wahl mit einem Kreuz versahen. Die oppositionellen Parteien schlugen rasch zurück, indem sie das Gerücht ausstreuten, mit jedem Kreuzchen auf dem Symbol der Kongresspartei stimme man dafür, dass noch eine weitere Kuh mit ihrem Kalb geschlachtet werde.

Wie für jedermann leicht ersichtlich, ist das Ganze eine Frage der Religion. Würden die Amerikaner glauben, dass Schiwa sich auf Nandi fortbewegt, dass Krischna ein Kuhhirte ist, dass zwischen Dämon und Kuh sechsundachtzig Wiedergeburtsstufen liegen und dass in jeder Kuh 330 Millionen Götter und Göttinnen stecken, sie wären nicht ständig hinter Rindfleisch her. Aber die Ablehnung des Rindfleischs durch die Hindus aus Gründen religiöser Überzeugung ist das Rätsel, nicht die Lösung. Warum steht der Schutz der Kuh »im Zentrum des Hinduismus«? Für die meisten großen Religionen ist Rind etwas, das sich gut essen lässt. Warum ist es beim Hinduismus anders?

Sowohl die Politik als auch die Religion spielen augenscheinlich eine Rolle bei der Bekräftigung und Aufrechterhaltung der Ess- und Schlachttabus, aber weder Politik noch Religion können erklären warum das Schlachten von Rindvieh und das Essen von Rindfleisch überhaupt besondere symbolische Bedeutung gewonnen haben. Warum die Kuh und nicht das Schwein, Pferd oder Kamel? Ich ziehe nicht die Symbolmacht der heiligen Kuh in Zweifel. Ich bezweifle nur, dass es einer willkürlichen und mutwilligen Entscheidung im Kopf entspringt, und nicht einer bestimmten Konstellation praktischer Zwänge, wenn eine bestimmte Tierart und eine bestimmte Fleischsorte mit symbolischer Macht ausgestattet wird. Sicherlich hat die Religion auf die Ernährungsweise in Indien eingewirkt, aber noch stärker hat die Ernährungsweise in Indien die indische Religion beeinflusst."

[Harris, Marvin: Wohlgeschmack und Widerwillen : das Rätsel der Nahrungstabus. -- München : dtv, 1995. -- ISBN 3608931236. -- S. 44 - 48. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]


Sammlung von Zitaten von M. K. Gandhi zur Kuh: 

The mind of Mahatma Gandhi. -- Chapter 81: Cow protection. -- URL: http://www.mkgandhi.org/momg/Chap81.html. -- Zugriff am 9.9.1999. 

Daraus nur zwei Zitate:

"Mother cow is in many ways better than the mother who gave us birth. Our mother gives us milk for a couple of years and then expects us to serve her when we grow up. Mother cow expects from us nothing but grass and grain. Our mother often falls ill and expects service from us. Mother cow rarely falls ill.

Here is an unbroken record of service which does not end with her death. Our mother, when she dies, means expenses of burial or cremation. Mother cow is as useful dead as when she is alive. We can make use of every part of her body-her flesh, her bones, her intestines, her horns and her skin. Well, I say this not to disparage the mother who gives us birth, but in order to show you the substantial reasons for my worshipping the cow."319

"The central fact of Hinduism is cow protection. Cow protection to me is one of the most wonderful phenomena in human evolution. It takes the human being beyond this species. The cow to me means the entire sub-human world. Man through the cow is enjoined to realize his identity with all that lives. Why the cow was selected for apotheosis is obvious to me. The cow was in India the best companion. She was the giver of plenty. Not only did she give milk, but she also made agriculture possible… . ..

Cow protection is the gift of Hinduism to the world. And Hinduism will live so long as there are Hindus to protect the cow……

Hindus will be judged not by their TILAKS, not by the correct chanting of MANTRAS, not by their pilgrimages, not by their most punctilious observances of caste rules, but their ability to protect the cow."320


Im Unterschied zu Kühen haben Wasserbüffel in indischen Religionen negative Bedeutungen. So ist ein Büffel z.B. Reittier von Yama, dem schrecklichen Herrscher über das Totenreich, der Dämon Mahisha, ein Büffel, bedrohte die Götterwelt und muss deswegen von der Göttin Kâlî (Durga) erschlagen werden usw.

Abb.: Die Göttin Durga tötet den Büffeldämon Mahisha, Miniatur, Indien, 18. Jhdt.


3.2. Die soziale Bedeutung von Rindern


"Die stolzen Massais aber ließen sich nicht überzeugen. Ihren Viehbestand zu verkleinern, kam für sie nicht in Frage. Sie machten sich sogar noch lustig über die amerikanischen Tierzuchtexperten, die in diesem Projekt tätig waren. »Die weißen Besserwisser, die keine Kühe besitzen, sind doch arme Schlucker und nur neidisch auf unsere Herden.«"

[Treschkow, Christoph von <1925 - >: Pflanzer, Regenmacher und Berater : Arbeit in Entwicklungsländern. -- Frankfurt am Main : Haag und Herchen, ©1997.  -- ISBN 3-86137-582-6. -- S. 164. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch  bei amazon.de bestellen}]

Natürlich haben Rinder nicht überall auf der Welt eine gleich große soziale Bedeutung. In Europa spielen sie -- mit Ausnahme einiger Gegenden (z. B. Kanton Schwyz) -- eine sehr unbedeutende Rolle. 

Speziell seit der Industrialisierung, als die Landwirtschaft an Bedeutung verlor, sind große Rinderherden hier kein besonderes Statussymbol.

Dagegen haben in manchen afrikanischen Ländern Rinder einen hohen sozialen Stellenwert. In vielen afrikanischen Hirtenkulturen richten die Menschen sich nach den Bedürfnissen der Rinder und ihr Lebensziel ist es, die Herde zu vergrößern.

Als Beispiel sei hier wieder das Volk der Hirtennomaden Fulbe im Benin angeführt [S. Schareika, Nikolaus: Die soziale Bedeutung der Rinder bei den Fulbe (Benin). -- Münster [u.a.] : LIT, 1994. -- 216 S. -- (Interethnische Beziehungen und Kulturwandel ; 17). -- ISBN 38525823350].

Abb.: Lage der Stammesgebiete der Fulbe (©Mindscape)

Die Herdengröße spiegelt den Reichtum und das Ansehen der Familien wieder. 

Ihr ständiges Bestreben liegt darin die Herde zu vergrößern. 

Da die natürliche Sterberate bei den Rinderherden sehr groß ist, werden Rinderverkäufe genauestens überlegt und nach Möglichkeit vermieden. Der Verkauf eines einzelnen Rindes wird als "Beginn des Aufbrauchens der Herde" gesehen.

Wenn doch Geld benötigt wird, werden Ausgaben detailliert geplant.
An erster Stelle stehen Ausgaben für die Existenzsicherung wie z.B. Getreide oder Gesundheitsfürsorge. Auch für Kleidung und für den Hüttenbau wird Geld benötigt.
Für Konsumgüter wird aber nahezu kein Geld ausgegeben. 

Auf Grund ihrer Erziehung und ihren Traditionen wird Konsumgütern kein hoher Wert beigemessen:

"Das Leben ohne Radio oder die anderen Dinge gefällt uns; aber weil unsere Väter uns dazu gebracht haben, uns ihnen anzupassen, also ohne diese Dinge auszukommen,..." (Schareika, S.71)

Der einzige Wert, der einen höheren Stellenwert als der Besitz von Rindern hat, ist der Besitz von Frauen. In anderen Bereichen wird gespart, um sich bei den Brautpreisen großzügig zeigen zu können:

"Es sind gerade die Frauen, wegen deren man seine Rinder nicht für andere Dinge ausgibt. Man spart die Rinder, damit man sie für Frauen ausgeben kann. ..." (Schareika, S.73)

Aber nicht nur die Angst vor dem "Verbrauchen der Herde" hält die Fulbe davon ab Rinder zu verkaufen. Sie haben auch Bedenken mit dem Geld, welches sie für Rinder bekommen würden, nicht haushalten zu können. Dieses Volk ist es nicht gewohnt mit Geld umzugehen, viele besitzen keine Bankkonten und Bargeld ist nur in geringen Mengen vorhanden.

Sobald einmal Geld vorhanden ist, wird es auch von Verwandten und Freunden in Anspruch genommen und somit für den Besitzer nicht mehr kontrollierbar. Geld wird dadurch als Tauschmittel empfunden, dass seine Werte nicht konserviert.

Rinder dagegen sind durch kulturelle Barrieren gegen den Zugriff von Verwandten und Freunden geschützt.

Auch sehen die Fulbe das Geld mit anderen Augen als wir. Für sie ist Geld etwas ähnliches wie "Rinder ohne Beine" und da sich Geld nicht automatisch vermehrt, so wie es die Rinder tun, entscheiden sie sich lieber Rinder als Wertanlage zu halten, anstatt Geld auf der Bank anzusparen.


John Ryle schildert anschaulich ähnliche Verhältnisse bei den Dinka:

Abb.: Lage der Stammesgebiete der Dinka (Sudan) (©Mindscape)

"Das Vieh bildet die Existenzgrundlage der Dinka. Zwar schlachten sie ihre Tiere nicht regelmäßig, um Fleisch zu erhalten, aber sie benutzen ihre Herden, um praktisch alle ihre übrigen materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. In der Regenzeit ist frische Milch für jedermann ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Die Frauen verarbeiten einen Teil der Milch zu Butter, indem sie sie in einer Kalebasse herumwirbeln. Die Butter wird dann meist gekocht, um sie in ein Öl zu verwandeln, das sowohl beim Kochen Verwendung findet als auch zur Verschönerung des Körpers in die Haut gerieben wird. Rinderurin stellt nicht nur eine Flüssigkeit zum Waschen und zum Färben der Haare dar, sondern wird auch zum Gerben von Häuten benutzt. Der nie versiegende Strom von Dung nährt die ständig schwelenden Feuer, und die dabei anfallende Asche wird für eine ganze Reihe von Dingen sowohl praktischer als auch ästhetischer Art verwendet: Mit Wasser verrührt, ergibt Asche eine Paste zum Zähneputzen; auf die Haut gerieben, dient sie als Schmuck und hält außerdem Insekten ab, wie manche Dinka hartnäckig behaupten.

Wenn ein Tier stirbt -- sei es an Altersschwäche, durch einen Unfall oder bei der Opferung --, so wird nichts vergeudet; das Fleisch wird gegessen und die Haut gegerbt, um Schlafmatten, Felle für Trommeln sowie Seile, Halfter und Gürtel herzustellen. Ein Knochen der Wirbelsäule dient als Rührgerät; aus den Hörnern werden Musikinstrumente und Löffel geschnitzt; aus den Penissen werden Peitschen angefertigt. Und obgleich nur wenige Dinka eine Kuh gegen Geld hergeben würden, bildet die Herde einer Familie eine Kapitalreserve, die man im äußersten Notfall für den Ankauf von Getreide flüssig machen kann.

Der praktische Nutzen der Rinder stellt jedoch nur einen geringen Teil ihres Wertes und ihrer Bedeutung für die Besitzer dar. In einer Gemeinschaft, die von alters her weder einen zentralen Herrscher noch eine einheitliche Regierung gekannt hat, sind die Rinder für das reibungslose Funktionieren der Gesellschaft unentbehrlich. Da sie ständig in andere Hände übergehen, stellen sie das Mittel dar, durch das wichtige Beziehungen zum Ausdruck gebracht werden, und ihr Lebensweg zeigt die Linien der Loyalitäten und Verpflichtungen der Dinka auf. Freiwillig geben die Dinka ihr Vieh nur her im Austausch gegen anderes Vieh, um einen Familienzusammenschluss zu bestätigen, oder aber als religiöse Opfergabe. Der Brautpreis -- die Bezahlung von Rindern, die eine Ehe besiegelt -- wird von den zahlreichen Angehörigen des Bräutigams im bestimmten Verhältnis zur Nähe ihrer Verwandtschaft beigesteuert und dann anteilig unter den Angehörigen der Braut aufgeteilt, so dass er die beiden Familien mehrfach miteinander verknüpft. 'Selbst der Präsident von Südsudan', so berichten die Dinka, 'bekommt Rinder als Brautpreis übergeben, wenn seine Töchter heiraten.'

Mit Vieh können auch strafbare Handlungen wiedergutgemacht werden ... und sogar Tötungen: Ein Mann, der des Totschlags für schuldig erklärt wird, kann vom Häuptlingsgericht den Befehl erhalten, zur Entschädigung der Verwandten seines Opfers 30 Kühe zu bezahlen, obgleich Mörder auch vor staatliche Gerichte gestellt werden und zu Gefängnisstrafen oder zum Tode verurteilt werden können. Das Verhältnis des Menschen zu Gott und den Geistern wird durch Tieropfer gekennzeichnet, denn das Vieh ist nach Auffassung der Dinka das Geschenk Gottes an die Menschen, und wenn ein Tier geopfert wird, geht es nicht nur als Mittler zu Gott, sondern symbolisiert auch die Hingabe des wertvollsten Besitzes eines Menschen.

Die Tatsache, dass die Dinka Reichtum hauptsächlich in Form von Vieh messen, spielt bei der Aufrechterhaltung der weitgehend egalitären Natur ihrer Gesellschaft eine bedeutende Rolle. Da Rinderreichtum stets den Launen des Klimas sowie Krankheiten und den Forderungen familiärer Verpflichtungen unterworfen ist, kann der Wohlstand in unvorhersehbarer Weise schwanken. Eine Reihe von Töchtern kann die Herde der Familie bei Hochzeiten durch Brautpreise anschwellen lassen, während sie durch eine Anzahl von Söhnen wieder dezimiert wird, wenn diese ebenfalls heiraten. Je mehr Vieh ein Mann besitzt, desto mehr Angehörige wenden sich um Zuwendungen für Brautpreise an ihn und desto größer sind auch seine Zuwendungen.

Das Eigentumsrecht an der Herde liegt bei dem Mann, der an der Spitze der Familie steht. Obwohl er jeder Ehefrau Kühe zuteilen muss, damit sie über Milch für sich und ihre Kinder verfügt, kann nur er über das Vieh bestimmen. Wenn man ihn allerdings fragt, wie viele Tiere er besitzt, gibt er wahrscheinlich eine ausweichende Antwort. Er wird "eins oder zwei" sagen oder "das weiß ich nicht". Auf jeden Fall bekommt man das Gefühl vermittelt, eine unpassende Frage gestellt zu haben. Selbstverständlich kennt er jedes einzelne Rind, das er besitzt -- bei den Agar Dinka besteht eine Herde im Durchschnitt aus 50 Tieren --, aber er weiß eben auch von den Ansprüchen, die darauf erhoben werden. Vielleicht hat er einen Sohn oder Neffen, der sich verheiraten will. Vielleicht laufen noch Prozesse gegen ihn, bei denen beispielsweise jemand auf die Herausgabe einer Kuh drängt, die angeblich als Teil eines Brautpreises versprochen wurde; vielleicht hat er aber auch Kühe heimlich der Obhut eines Freundes anvertraut, um ähnliche Forderungen zu vermeiden. Auch Tiere, die man ihm schuldet, müssen in Betracht gezogen werden. Die Dinka können einen Rechtsanspruch auf eine Kuh durch ein Dutzend Gerichtssitzungen und über ebenso viele Jahre hinweg verfolgen - und sich einer Forderung mit der gleichen Entschiedenheit widersetzen.

Die Dinka sind sehr stolz auf das Prestige und das Ansehen, das ihr Leben als Viehzüchter besitzt, und bringen jeder anderen Lebensweise die entsprechende Herablassung entgegen. Sie fühlen eine engere geistige Verwandtschaft mit ihren größten Rivalen, den viehzüchtenden Nuer, als mit ihren sesshaften, Ackerbau treibenden Nachbarn, die das Waldland im Süden ihres Gebietes bewohnen.

Die Qualitäten, die sie an einem Mann am meisten schätzen, sind jene Eigenschaften, die ihn zu einem guten Herdenbesitzer machen: Mut, Ausdauer, Gelassenheit und Unabhängigkeit. Das unverwechselbare Kennzeichen der Hirten ist der Speer. Ältere Dinka unterstreichen den charakteristischen Grundzug ihres Lebens mit dem Satz: 'Gott gab dem weißen Mann das Gewehr und die Feder, uns dagegen gab er das Rind und den Speer.' ...

Trotz der Tatsache, dass die Feldfrüchte, die die Dinka in der Umgebung ihrer festen Dörfer anbauen, für ihre Ernährung wichtiger sind als die Milch und das Fleisch von ihren Herden, betrachten sie die Landwirtschaft als eine untergeordnete Tätigkeit, deren Zweck darin besteht, sie als Hirten am Leben zu erhalten. Landwirtschaftliches Geschick ist zwar unentbehrlich genug, um respektiert zu werden, und die Andeutung, ein Mann bringe keine guten Erzeugnisse hervor, gilt als offene Beleidigung, aber dennoch können ackerbauliche Fähigkeiten nicht mit dem Prestige der Viehzucht konkurrieren. ...

Der Fischfang, der einen wertvollen und regelmäßigen Beitrag zu ihrer Ernährung leistet, genießt noch weniger Ansehen. Als ständige Beschäftigung wird er verachtet, und die wenigen Dinka-Familien, die keine Rinder besitzen und das ganze Jahr über vom Fischen leben, gelten unzweideutig als minderwertig. Marial Dongrin prägte mir diese Tatsache immer wieder ein. 'Fischer sind arm und schwach', behauptete er, 'Hirten dagegen sind mächtig und stark.'

Eine weitere charakteristische Gruppe der Dinka-Gesellschaft bilden die Schmiede, die wie die Fischer im allgemeinen keine Rinder besitzen. Mit einem Amboss und einem Blasebalg aus Ziegenleder richten sie in den Dörfern primitive Schmieden ein, um die beiden unentbehrlichen Geräte herzustellen, die der Dinka im Leben braucht: Speerspitzen für die Verteidigung und Hacken für die Landbestellung. Der Klang ihrer Hämmer ist überall in der Stille der Landschaft zu hören. Aber trotz ihrer lebenswichtigen Funktion im Leben der Dinka werden die Schmiede geringgeschätzt. 'Ein Schmied', sagte Marial, 'zündet sein Feuer an und macht seine Arbeit, und wenn er fertig ist, geht er hin und betrinkt sich. Sein Leben ist einfach. Er ist schwach.' ..

Ihren bemerkenswertesten Niederschlag findet die zentrale Stellung des Viehs im Leben der Dinka jedoch in der Art und Weise, in der Ausdrücke und Begriffe, die von Rindern herstammen, ihr ganzes Denken beherrschen und eine Sprache, eine Vorstellung und eine Methode zur Erfahrung und Beschreibung der Welt liefern, die den praktischen Nutzen der Rinder selbst bei weitem übertrifft.

Die Dinka gehen völlig in ihren Tieren auf. Sie prüfen jedes einzelne Rind eingehend, erwägen und bedenken all seine verschiedenen Merkmale und entwickeln detaillierte Schilderungen seines Verhaltens und Aussehens -- und insbesondere seiner Farbe. Die symbolische und geistige Bedeutung dieses Themas beweist schon die Tatsache, dass die Dinka-Sprache reich an besonderen Ausdrücken zur Bezeichnung von Rindern hinsichtlich ihrer Färbung ist; dieser Bereich ist derart flexibel und erschöpfend behandelt, dass in ihrer Sprache außer den Rinderbezeichnungen kaum andere Wörter für Farben existieren.

Weiß oder weißlich ist die Farbe, die bei den Rindern der Agar am häufigsten auftritt -- wahrscheinlich ist über die Hälfte aller Tiere weiß. Aber auch unterschiedliche Schattierungen von Rot, Gelb, Grau, Schwarz und Braun kommen vor. Muster, insbesondere in Schwarz und Weiß, werden höher geschätzt als einheitliche Farben -- zumindest bei männlichen Tieren. Der Wert einer Kuh hingegen wird hauptsächlich durch Eigenschaften wie Milchertrag und Fruchtbarkeit bestimmt. Über hundert verschiedene Farbzusammenstellungen sind mit Namen benannt, und es gibt einen unendlich großen Spielraum zum Kombinieren von Bezeichnungen, um Farben zu beschreiben, die nicht exakt in die eine oder andere Kategorie fallen. Zur vollständigen Bezeichnungsform eines Tieres gehört die Angabe über sein Geschlecht und gelegentlich auch über seine Geschlechtsreife; manche Wörter weisen für das Kalb und für das ausgewachsene Tier unterschiedliche Vorsilben auf. Das Präfix ma bedeutet beispielsweise, dass das Tier männlich ist; die weibliche Form einiger Wörter weist kein Präfix auf, weil das Fehlen der Silbe ma schon genügt, um anzuzeigen, dass es sich um ein weibliches Tier handelt. Hier einige Beispiele: mayen ist das Wort für einen rötlich-braunen Bullen oder Ochsen, ayen dagegen für eine Kuh der gleichen Farbe; ein dunkelgrauer Bulle heißt malith, eine ebensolche Kuh lith. Ein marial, der weiß ist und große schwarze Flecken hat, wird besonders hoch eingestuft.

Wenn Dinka über die Färbung eines Tieres diskutieren, was sie oft stundenlang tun, ähnelt ihr Gespräch eher dem von Kunstkritikern als dem von Viehzüchtern. Dann wird bis in alle Einzelheiten erörtert, wann mathiang -- dunkelbraun - zu malual -- rötlichbraun -- wird, ob die braunen Flecken eines Tieres groß genug sind, um daraus mading zu machen, oder ob es sich eher um Tüpfelungen handelt, die als malek gekennzeichnet werden.

Eine seltene Farbe oder Zeichnung trägt zu dem hohen Wert bei, der männlichen Tieren zugemessen wird. Die Dinka sind bereit, zwei oder drei Ochsen von gewöhnlicher Färbung gegen ein besonders begehrenswertes Tier einzutauschen, falls dessen Besitzer sich davon bereitwillig trennen sollte. Da bestimmte Zeichnungen oder ausgefallene Farben in einem Teil des Dinka-Gebietes selten vorkommen und in einem anderen nicht, kann ein Mann auf einer Reise ein vorteilhaftes Geschäft abschließen und ein Tier mitbringen, das bei ihm zu Hause selten, bei einem benachbarten Stamm hingegen nicht sonderlich begehrt ist. ...

Auf der anderen Seite stimmen viele Dinka-Namen mit den Farbbezeichnungen für Rinder überein: die beim Ochsen gebräuchliche Form mit Namen für Männer, die bei der Kuh gebräuchliche Form mit Namen für Frauen. Viele Menschen, denen wir täglich begegneten, wie Marial, Manyang, Mading, Ayen oder Akoi, trugen Namen, die eindeutig von Rinderfarben herstammen; und als es den Panyar in Majak Ajok schwerfiel, die Namen John und Sarah auszusprechen, tauften sie uns auf schnellstem Wege um. Sarah hieß nun Yar -- der Name einer weißen Kuh während ich von einigen parapuol Mawurnyin -- "die Augen von Makur" genannt wurde, weil meine Augenbrauen sich deutlicher abhoben als die der Dinka mit ihrer dunklen Hautfarbe und weil makur ein vorwiegend weißer Bulle mit etwas Schwarz um die Augen ist.

In jeder familieneigenen Herde werden nur ein bis zwei sorgfältig ausgewählte Bullen für die Zucht gehalten; alle anderen männlichen Kälber werden kastriert, damit es unter den Bullen nicht zu Konkurrenzkämpfen kommt und die Eigenschaften, um derentwillen die männlichen Zuchttiere ausgewählt werden -- wie Langlebigkeit, Kraft und der Milchertrag mütterlicherseits --, in der neuen Kälbergeneration erhalten bleiben. Die Ochsen werden weder als Lasttiere benutzt noch wie in Milchwirtschaften der westlichen Welt wegen ihres Fleisches geschlachtet. Aber gerade diese anscheinend "nutzlosen" Tiere, zumindest jene mit dem bevorzugten Aussehen, besitzen häufig den größten individuellen Wert.

Jeder junge Mann erhält in seiner Jugend einen Ochsen, meist nur einen einzigen, den er als eigenes, persönliches Tier oder Sing-Ochsen hegt und pflegt. Er überhäuft das Tier mit Aufmerksamkeit und Liebe, singt Loblieder auf seinen vierbeinigen Gefährten und bekommt seinerseits Ehrerbietung und Bewunderung für sein prächtiges Tier entgegengebracht. Auf die Schönheit eines Sing-Ochsen wird daher allergrößtes Gewicht gelegt; in der Tat bedeutet die Dinka-Bezeichnung für einen Sing-Ochsen wörtlich "Muster-Ochse", wegen des hohen Wertes, der einer schönen Zeichnung im Gegensatz zur Färbung allein beigemessen wird. Da die schönsten männlichen Kälber zu Sing-Ochsen bestimmt sind und kastriert werden, ergibt sich die scheinbar paradoxe Situation, dass die meisten männlichen Tiere mit den wünschenswertesten Merkmalen von der Zucht ausgeschlossen sind. Nichtsdestoweniger wiegt die geradezu mystische Beziehung der Dinka zu ihren Rindern häufig alle praktischen Erwägungen auf. Tatsächlich behaupten sie nicht ganz zu Unrecht, dass die Muster in nicht vorhersehbarer Weise auftreten und daher Versuche, sie gezielt heranzuzüchten, zwecklos sind. ...

Im Laufe des Lebens eines Sing-Ochsen wird sein Besitzer möglicherweise zwei oder drei ... Opfer darbringen, vielleicht anlässlich der Kastrierung des Tieres im Alter von acht bis neun Monaten oder einige Monate später, wenn dem Kalb die Hörner kupiert werden, damit sie in unterschiedliche Richtungen wachsen, eines nach vorne und eines nach hinten.

Ein Sing-Ochse muss noch eine weitere abschließende Veränderung über sich ergehen lassen. Die nervenlosen Enden der Hörner werden, wenn sie voll ausgebildet sind, mit der feinen Spitze eines rotglühenden Fischspeeres durchbohrt. Dann bindet der Besitzer an jedes Horn eine schwarze Quaste, die aus den Schwanzhaaren eines Büffels oder notfalls einer Kuh besteht.

Zwischen einem jungen Mann und seinem Sing-Ochsen besteht eine sehr enge emotionale Beziehung. Wenn das Tier stirbt oder im Zusammenhang mit einem Heiratsabkommen weggegeben werden muss, ist sein Besitzer von Kummer und Schmerz über den Verlust erfüllt, bis er seine Zuneigung auf ein anderes Tier übertragen kann. Niemand schämt sich jemals seines Ochsen; wenn seine Farbe keine rühmenswerten Eigenschaften aufweist, so rühmt der Besitzer eben seine ausladenden Hörner, preist das Geschick, mit dem er seine Quasten tanzen lässt, lobt seinen anmutigen Gang oder die harmonische und kluge Art, in der sich sein Muhen mit dem eigenen Gesang vereinigt. Sein Ochse ist für ihn schlicht und einfach vollkommen.


Die Identifikation des Mannes mit seinem Tier ist derart absolut, dass der Sänger durch das Preisen seines Ochsen Anerkennung und Bewunderung für sich selbst, seine Abstammung und seine ganze Verwandtschaft verlangen kann. Oft nimmt er einen Spitznamen an, den vielleicht seine Altersgenossen ausgesucht haben und der eine poetische Umschreibung der Farbbezeichnung seines Ochsen oder aber ein davon abgeleitetes phantasievolles Bild sein kann; zum Beispiel "Mondschein über dem Weidelager" für den Besitzer eines weißen Ochsen oder "Vereitler der Heirat" für majok, den schwarzköpfigen Ochsen, der so begehrt ist, dass die Familie der Braut immer darauf besteht, dass er, falls vorhanden, im Brautpreis enthalten ist. Mädchen können ebenfalls Spitznamen haben, die aus der Rinderwelt stammen: Ein Mädchen, das wir kannten, wurde "Überbringerin von hundert Kühen" genannt, womit gemeint war, dass es wegen seiner besonderen Schönheit so viele Tiere als Brautpreis verdiente.

Von den jungen Männern wird erwartet, dass sie Stolz, Kraft und Schönheit zur Schau tragen und nicht zu der Zurückhaltung verpflichtet sind, die man von den Älteren verlangt. In der liebevollen Betreuung seines Ochsen und dem Komponieren von Liedern, die er zu dessen Ruhme singt, während er das Tier voller Stolz durch das Lager führt, findet der Besitzer eine Ausdrucksform für seine verhaltenen Wünsche und Gefühle. In diesen phantasievollen "Ochsengesängen" der Dinka erreicht das Zusammenspiel von Sprache und Denken, in dessen Mittelpunkt das Vieh steht, seine höchste Kreativität.

Viele Lieder der jungen Männer handeln von Kämpfen, vom Stolz auf ihre Clans und von der Verachtung für ihre Feinde:

Mein Ochse Mayom ist furchtlos, 
Er ist furchtlos.
Mein Speer ist rot von Blut,
Im Kampf greifen wir immer wieder an, 
Bis die Erde aufgewühlt ist.
Ich bin ein Ochse, gehasst von meinen Feinden.
Wenn ich nur meine halbe Kraft einsetze, ist der Feind vernichtet. 
Leute von Mayen Abyei, ich bin ein Bulle, fest wie ein Fels ...
Unsere Generation zermalmt Männer zu Staub."

[Ryle John: Krieger des Weißen Nils : die Dinka. -- Amsterdam : Time-Life, ©1982. -- (Völker der Wildnis). -- ISBN 906182611X. -- S. 88 - 97 (dort auch hervorragende Abbildungen)]


4. Probleme bei der Rinderhaltung


4.1. Wirtschaftliche Probleme


4.1.1. Klimatisch bedingt


Die Rinder in den Tropen und Subtropen sind in Bezug auf Milch- und Fleischleistung weniger produktiv als Rassen in gemäßigteren Zonen. Darum stellt sich natürlich die Frage, warum die leistungsstärkeren Rassen nicht auch hier genutzt werden.

Es gibt mehrere Gründe, warum sich diese Rassen nicht an die tropischen Bedingungen gewöhnen können:

Eine Lösung des Problems kann darin bestehen, dass die einheimischen, robusten Rassen mit den Leistungsstarken gekreuzt werden. So kann langfristig das Potential der Herde gesteigert werden, ohne die Vorteile der lokalen Rassen zu verlieren.

In Ländern des Golfstromgebietes gibt es solche Kombinationszüchtungen schon seit 1910. Dort wurden Zebus mit europäischen Rassen gekreuzt.


4.1.2. Managementbedingt


Das ökonomische Denken ist bei den Viehzüchtern in Entwicklungsländern noch nicht so ausgeprägt. Kurzsichtige Handlungsweisen führen oft dazu, dass Fehler nicht mehr behoben werden können. So führte z.B. ein nicht beachten der ökologischen Bedingungen in Brasilien dazu, dass nach einigen Jahren 500 000 ha Weideland nicht mehr genutzt werden konnten. 
Eine Erhöhung des Produktniveaus von Milch und Rindfleisch kann in den Entwicklungsländern nur über eine Steigerung der Leistung je Tier (intensivere Bewirtschaftung) geschehen und nicht über eine Erhöhung der Tierbestände.


4.2. Umweltprobleme


4.2.1. Überweidung


Die Überweidung durch die Rinder spielt in den Entwicklungsländern eine verheerend Rolle. Speziell in Afrika, wo riesige Rinderherden das Grasland abweiden, ist die Desertifikation nicht mehr abzuwenden. 

Desertifikation ist der Degradierungsprozess, "der durch unangepasste Landnutzung ausgelöst wird und wüstenhafte Bedingungen (v.a. Verlust der Vegetationsdecke und Übersandung der Böden, Aktivierung von Dünen) erzeugt." 

[Lexikon Dritte Welt / hrsg. Dieter Nohlen. -- Vollständig überarbeitete Neuausgabe. -- Reinbeck : Rowohlt, ©1998. -- (rororo ; 16527). -- ISBN 3499606844. --  S. 175. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch  bei amazon.de bestellen}]

Früher wurde das Land zwar auch schon von Rinderherden genutzt, aber die Nomaden damals wussten ihr Land zu nutzen, ohne das ökologische Gleichgewicht zu stören. Seit der Kolonialzeit konnten die Nomaden aber nicht mehr so wandern, wie sie es mit ihren Rinderherden gewohnt waren, sondern sie mussten sich an Landesgrenzen halten. Ohne ihre gewohnten Wanderrouten, eingeengt auf kleinen Raum, wurde das Land übernutzt. Bodenerosion und Versteppung waren die Folge.

Außerdem wurden Weidegebiete verkleinert um Flächen für den Anbau von Baumwolle und Erdnüsse zu haben. Diese Produkte waren für den Export in die Kolonialländer bestimmt. 
Durch die gleichzeitig gestiegene Nachfrage an Rindfleisch durch die Kolonialländer wurden auch die Rinderherden vergrößert. Was den Effekt der Überweidung natürlich noch mehr verstärkte.

Der gravierendste Eingriff in des ökologische Gleichgewicht war aber die Einführung von Bohrbrunnen in der Steppe. Die Entwicklungsdienste der Industriestaaten förderten die Errichtung von Brunnenstationen um die Nomaden von ihren Wanderungen, die durch Regenfällen bestimmt waren, abzuhalten. Durch das Verhindern der Wanderungen versprach sich die neue Landesregierung mehr Macht auf die Nomadenvölker ausüben zu können. 
Der Irrtum, eine nahezu unendliche Menge an Wasser zur Verfügung zu haben, veranlasste die Nomaden ihre Herden zu vergrößern. 

"Innerhalb weniger Jahre war das Weideland im Umkreis der Wasserstellen durch die übergroße Zahl an Rindern auf viel zu kleiner Fläche kahlgefressen, steinhart getrampelt und völlig ausgelaugt. An manchen dieser Brunnen wurden bis zu 6.000 Rinder auf einer Fläche gehalten, die lediglich ausgereicht hätte, um 600 Tieren Nahrung zu bieten." 

[Rifkin, Jeremy <1945 - >: Das Imperium der Rinder. - Gekürzte Ausg.. - Frankfurt/Main : Campus, 1994. -- ISBN 3-593-35047-5. -- Originaltitel: Beyond beef. -- S. 181]

Sobald das Land unbrauchbar wird und die Brunnen kein Wasser mehr haben, wird an neuer Stelle das Grundwasser angezapft. "Im Sudan beispielsweise ist der Boden im Umkreis von 20 bis 40 Kilometer um die Wasserreservoire herum vollkommen versandet, und mit jedem neu angelegten Brunnen auf bisher nicht genutztem Land wiederholt sich der Prozess..." [Rifkin, S. 182]

Trotz allem steigt die Rinderanzahl noch immer. Auch um den aussichtlosen Wettlauf gegen den Hunger, der immer größer werdenden Bevölkerung, anzutreten.

Der Teufelskreis setzt sich aber immer mehr fort. Mehr Rinder benötigen mehr Weideland, zerstören mehr Steppe und das Land wird noch unbrauchbarer.

Da sich die Sahara immer mehr ausbreitet (50 km im Jahr), flieht die Bevölkerung vor der Wüste und dem Hunger in die Städte. Dort erwartet sie aber nur ein elendes Leben mit sporadischen Lebensmittelrationen.

Die riesigen Rinderherden verwüsteten große Teile von Afrika. Das ehemals blühende Land war von unzähligen Pflanzen bewachsen und Herden von Wildtieren bevölkerten die Savannen.

"Durch konstante Überweidung ist das Land erodiert und seiner Flora und Fauna beraubt. In vielen Teilen Afrikas droht der ökologische Zusammenbruch, der Millionen Menschen in unvorstellbares Elend stürzen wird. Die Sahelzone wird buchstäblich davon geweht unter dem Ansturm von Abermillionen Huftieren, die über das Grasland schwärmen und unerbittlich alles kahl fressen. Der Sand Afrikas wird vom Wind auf andere Kontinente getragen (Mann 1987; Brown et al. 1989, 10)." [Rifkin, S. 184]

Der ausgezeichnete Kenner der Sahara und des Sahel René Gardi schildert die Probleme der Überweidung des Sahel sehr eindrücklich:

Abb.: Lage von Sahara und Sahel (©Mindscape)

"Der Sahel wäre nun also dort, wo die Wüste allmählich in die Steppenlandschaft des Sudan übergeht. ...

Dort also, wo die Sahara langsam ihren Charakter verliert, wo in einem Trockengürtel die Vegetation doch allmählich etwas reicher wird und neue Pflanzengruppen auftreten, sprechen die Geographen vom Sahel, der Halbwüste. Hier liegt die Niederschlagsmenge zwischen 150 und 300 Millimetern. Das bedeutet, dass nur am Südrand des Sahel Ackerbau ohne künstliche Bewässerung möglich ist. Während einer Trockenzeit von etwa acht Monaten regnet es nie, und die launischen unregelmäßigen Regen fallen in den heißen Sommermonaten, also zu einer Zeit, da ungünstigerweise die Verdunstungsverluste am größten sind. Immer wieder lassen sich die Menschen dazu verführen, den Ackerbau gegen Norden auszudehnen. Immer wieder versucht man, der Natur ein Schnippchen zu schlagen. Vielleicht gibt es ein paar gute Zufallsernten, aber dann fällt der Regen wieder aus, es gibt Missernten, Hunger und Not. Den Menschen vorzugaukeln, dass man mit Dammbauten, neuen Brunnen und künstlicher Bewässerung im Sahel Ackerbau, nicht nur punktförmige oasenhafte Gartenkulturen, betreiben könnte, heißt sie betrügen. Bei unberechenbaren Regen im Mittel unter 250 mm gedeihen weder Hirse noch Erdnüsschen. ...

Verantwortlich für die Verschlechterung wäre also auch im Sahel der Unverstand des Menschen. Was sich nun da an Unheil zusammenbraute, hat er sich selber eingebrockt. Es ist jetzt natürlich leicht, die Nomaden und die Sesshaften mit Vorwürfen zu überschütten, was sie alles falsch gemacht hätten. Und vieles, was der weiße Mann aus Europa an Neuerungen gebracht hat, war nach damaliger Auffassung mit der guten Absicht verbunden, den Sahelmenschen zu helfen und ihr Leben zu verbessern. Vielleicht darf bei dieser Gelegenheit auch einmal die Meinung vertreten werden, dass gar vieles, was in europäischen Augen als schreckliche Armut beurteilt wird, nur einer uns unvorstellbaren Anspruchslosigkeit entspringt. ...

Durch großartige Leistungen der Veterinärmedizin gelang es, der Tierseuchen Herr zu werden. Man impfte Hunderttausende von Tieren gegen Rinderpest, Tuberkulose und andere Krankheiten, man bekämpfte die Parasiten, welche die Tiere plagten. Dank der Wissenschaft nahm also der Viehbestand zu. Die Herden, der Stolz eines jeden Hirten, wurden zu groß. Die Reduzierung des Viehbestands, welche bisher die Natur auf grausame Weise besorgt hatte, fiel aus.

An einem der traditionellen Brunnen eine Herde zu tränken ist eine harte Fron. Während Stunden und Stunden ziehen die Knechte ihre schweren Ledersäcke aus Tiefen von manchmal mehr als zwanzig Metern. Während Stunden trotten die Zugtiere hin und her, immer genauso weit, wie der Brunnen tief ist, und die Hirten tragen die schweren Wassersäcke in die Tränken.

Nun baute man vielerorts mit Hilfe moderner Technik Tiefbrunnen und richtete Pumpstationen ein, falls der artesische Druck nicht ausreichte. So erleichterte man auf wundervolle Weise das Leben der armen Kerle, denn da sprudelte nun das Wasser aus dicken Röhren, und es bedeutete kaum noch Arbeit, die Herden zu tränken. Wer wollte es den Nomaden verübeln, dass sie sich infolge dieser humanen Maßnahmen dazu verleiten ließen, ihre Herden zu vergrößern?.

Der Viehbestand nahm also zu, aber nicht die verfügbare Weidefläche. In normalen Zeiten ernährt ein Quadratkilometer Sahel-Weide etwa zwölf Rinder, für ein Tier braucht man also acht Hektare! Nach einer guten Regenzeit liefert ein Hektar etwa acht Tonnen Futter, in der Trockenzeit sinkt dieser Wert auf etwa 1,7 Tonnen. Durch eine Überstockung, wenn also zuviel Vieh durchs Land stapft, verringert sich der Ertrag; die Weidegründe, die sich nicht wieder regenerieren, verarmen und werden schlechter.

Jeder traditionelle Brunnen brachte eine Begrenzung, man wusste genau, für wie viele Tiere man in einem langen Tag vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein Wasser heraufholen konnte. Rund um die Pumpstationen entstehen nun aber nie gekannte Konzentrationen, und in weitem Umkreis wird die Weide zerstört, der Boden wird hart gestampft, er wird somit wasserundurchlässig, und der Weg vom Brunnen zurück zur Weide wird sinnlos weit und lang.

Die Zahl der alten Grundwasserbrunnen zu erhöhen, die Abstände zwischen den einzelnen Wasserstellen zu verringern wäre wohl nützlicher, als da und dort großartige Pumpstationen einzurichten, die nur funktionieren, wenn sie von Fachleuten überwacht und betrieben werden und wenn das Dieselöl für die Motoren stets rechtzeitig herangeschafft wird. Wohl erschließen Tiefbohrungen neue Wasserquellen, aber die Geographen und Hydrologen haben längst ihre Bedenken angemeldet, weil man sehr oft fossiles Wasser anzapft, das, einmal aufgebraucht, niemals mehr ersetzt wird, weil diese Reservoire mit keinem Grundwasserstrom in Verbindung stehen. Eine ungeregelte Ausbeutung der Wasserreserven wird sich eines Tages bitter rächen.

Weiter: die zu großen Herden führen zur Zerstörung der Weiden, zur Verarmung der Böden, die sich nicht mehr erholen können. Fehlt das Gras, fressen die Tiere Blätter. Es beginnt die Zerstörung des Buschwaldes, die mit dem Ausdruck «Ziegenwüste» treffend charakterisiert wird. Die so zahlreichen Ziegenherden sind zwar nicht allein schuld, denn bei mangelnder Weide fressen eben nicht nur die Ziegen, sondern auch die andern Weidetiere die Blätter der Bäumchen und Sträucher, die kaum Zeit finden, sich zu entwickeln.

Aber auch die rasche Zunahme der Bevölkerung wirkt sich aus. Da Nomaden und Dörfler schließlich auch kochen müssen und sich in den kalten Nächten an der Glut eines Feuers wärmen möchten, wird rücksichtslos abgeholzt -- es bleibt ihnen ja kaum etwas anderes übrig. Man erleichtert dadurch den Kräften der Erosion, dem Wasser und dem Wind, die Arbeit, und das führt wiederum zur Verarmung der Böden und zu schlechterer Weide.

Sträucher und Bäume leiden ferner durch eine kaum auszurottende Unsitte. Brennt man dürres Steppengras ab und enthält die Erde noch etwas Feuchtigkeit, wird bald einmal grünes Gras sprießen. Also legt man systematisch Steppenbrände, zerstört munter die Samen und tötet zahlreiche Bodenbakterien und Insekten, und was momentanen Vorteil bedeutet, wirkt sich auf die Länge verheerend aus. ...

Kompetente und weniger kompetente Ratgeber und Experten haben ziemlich genaue Vorstellungen, was man nun tun sollte, um in Zukunft ähnliche Katastrophen zu verhindern. Es wird vorgeschlagen, nun zahllose Brunnen zu bohren. Das ist lobenswert, aber die Tiere sind vor allem verhungert, nicht verdurstet.

Man schlägt vor, die Nomaden zur Sesshaftigkeit umzuerziehen und zu einem Ranchsystem überzugehen, Futtermittel zu pflanzen, Futtervorräte anzulegen, die Tiere anzupflocken, in Stallungen zu halten wie in Europa. Es ist sicher möglich, im Sahel Musterfarmen einzurichten, welche funktionieren. Ich kann mir aber nicht vorstellen, wie man einige Millionen Nomaden und Halbnomaden ansiedeln könnte, ich sehe auch nicht recht, wie man das Vieh, Millionen von Häuptern, ernähren will, da sich die Zufallsregen ja niemals zu den eingefriedeten Weiden der Farmen dirigieren lassen. In den Trockengebieten des Sahel wird Viehzucht wohl stets nur durch Nomadismus möglich sein. ...

Erst recht schwierig ist es, den direkt Betroffenen, den Nomaden und Hirsebauern, beizubringen, dass sie ihre Lebensformen und ihre bisherigen Ansichten nun ändern müssten. Das ist kaum in einer einzigen Generation zu bewerkstelligen. Für viele Nomaden besitzt die Herde nebst der ökonomischen Sicherheit eine fast mythische Bedeutung. Viehbesitz ist Symbol der Macht und der Würde. Und im Sprichwort wird behauptet, das Vieh sei wichtiger als Vater und Mutter. Nomaden sind überall die Sorgenkinder der Regierungen. Sie sind politisch ungebunden, wenig interessiert, sie kümmern sich kaum um Grenzen, und es ist schwierig, bei ihnen Steuern einzukassieren. Sie sind eigensinnige, stolze Geschöpfe, die von einem Schulbesuch ihrer Buben, geschweige denn der Mädchen wenig halten.

Seit Jahren wird vorausgesagt, diese nomadische Lebensform sei endgültig dem Untergang geweiht. Ich glaube nicht daran. Ich glaube nicht daran, dass es gelingen wird, sie anzusiedeln. Auch nach dieser Katastrophe der letzten Jahre werden viele wieder zäh und geduldig ihre Herden aufbauen. Meine neuerliche Begegnung mit Nomaden in den ersten Monaten des Jahres 1975, mit Borero, Peulh, Arabern und Tubbu hat mir gezeigt, dass ihr Lebenswillen ungebrochen ist. Mit einer gelassenen Sicherheit, die ans Herz rührt, ertragen sie ihr Schicksal. Die Regierungen in den Sahelländern haben wohl da und dort nun auch begriffen, dass sie sich mehr als bisher um ihr «Hinterland» kümmern müssen, dass die kargen Mittel nicht nur in den großen Städten vertan werden dürfen."

[Gardi, René <1909 - >: Sahara : Monographie einer großen Wüste. 4. Aufl. -- Bern [u.a.] : Kümmery & Frey, 1975. -- ISBN 3405110092. -- S. 149 - 156]


4.2.2. Erwärmung unserer Atmosphäre


Die Erwärmung der Erdatmosphäre ist längst erwiesen. Durch vermehrten Kohlendioxidausstoß wird die Reflexion der Erdwärme verhindert, somit steigt die Temperatur auf der Erde. 

"Wissenschaftler sagen bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts eine Verdoppelung des CO2 - Gehalts in der Atmosphäre und in der Folge eine Erwärmung der Erde auf nie dagewesene Temperaturen voraus."  

[Rifkin, Jeremy <1945 - >: Das Imperium der Rinder. - Gekürzte Ausg.. - Frankfurt/Main : Campus, 1994. -- ISBN 3-593-35047-5. -- Originaltitel: Beyond beef. -- S. 189]

Mehrere Faktoren und nicht zuletzt die Produktion von Rinder tragen zu dieser Umweltkatastrophe bei.

"Vor 4.000 Jahren stellten sich ägyptische Priester das Firmament als eine Riesenkuh vor, die ihre Beine in alle vier Himmelsrichtungen ausstreckte. Heute spiegelt der Himmel über uns das Bild das Rindes in Form der verbrauchten Energie unseres modernen Industriezeitalters wider." [Rifkin, S. 188]

Wie kommt man nun zu der Annahme, dass Rinder zum Treibhauseffekt beitragen?
Dazu sind folgende Gründe anzuführen:


4.3. Ethische/Moralische Probleme


4.3.1. Hungersnot durch Rindfleischproduktion


Die Reichen können es sich leisten Rindfleisch zu essen. Nicht nur einmal in der Woche, sondern jeden Tag, maßlos. Viele Menschen der Industriestaaten werden krank (Gicht, Herzinfarkt, Fettsucht) weil sie zuviel Fleisch essen. 

Dagegen sterben Millionen Menschen in den Entwicklungsländern an Hunger. 
Das Getreide, dass zu ihrer Ernährung beitragen könnte, wird zur Mast von Rindern benutzt.

"Rinder und anderes Vieh fressen über 70 Prozent des in den USA produzierten Getreides. Weltweit wird etwa ein Drittel der gesamten Getreideernte an Vieh verfüttert, während gleichzeitig eine Milliarde Menschen an Hunger und chronischer Unterernährung leiden (U.S. Department of Agriculture 1991, Tabelle 256-6; 
World Bank 1986, 24)." 

[Rifkin, Jeremy <1945 - >: Das Imperium der Rinder. - Gekürzte Ausg.. - Frankfurt/Main : Campus, 1994. -- ISBN 3-593-35047-5. -- Originaltitel: Beyond beef. -- S. 13f.]

Tägliche Energiezufuhr pro Person durch verschiedene Lebensmittelgruppen:

Lebensmittelgruppe Zugeführte Energie in kJ
BRD Indien Äthiopien Venezuela
Getreide 3000 5300 6200 3700
Kartoffeln, Hackfrüchte 900 100 500 1300
Zucker 1500 800 100 1500
Gemüse, Hülsenfrüchte 400 1000 1000 400
Obst 500 100 15 200
Fleisch, Fisch, Eier 2000 45 500 1100
Milch und Milchprodukte 1200 300 200 600
Fette und Öle 2700 500 400 900

[Quelle der Tabelle Schlieper, Cornelia A.: Grundfragen der Ernährung. -- 13., durchgesehene Aufl. -- Hamburg : Büchner, 1997. -- ISBN 3582044750. -- S. 431. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

Landflächen, die dazu genutzt werden, dass Rinder darauf weiden können oder darauf Futter für Rinder angebaut wird, sind für die Ernährung der Weltbevölkerung weniger effektiv. Die Nutzung des Landes um Nahrungsmittel direkt für den Verzehr anzubauen, würde dazu beitragen die Nahrungsmittelproduktion zu steigern und mehr Menschen mit Essbarem zu versorgen. Wenn z.B. das angebaute Getreide genutzt wird, um Rinder zu füttern, können von dem gewonnenen Rindfleisch weniger Menschen satt werden, als wie wenn das Getreide zu Brot weiterverarbeitet werden würde.

Abb.: Energieverlust bei der Fleischerzeugung

[Vorlage der Abb.: Schlieper, Cornelia A.: Grundfragen der Ernährung. -- 13., durchgesehene Aufl. -- Hamburg : Büchner, 1997. -- ISBN 3582044750. -- S. 138. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}]

Trotz dieser Erkenntnis, geht der Trend eher dahin, noch mehr Rindfleisch zu produzieren und zu essen. Die jetzigen Industriestaaten ändern ihre Essgewohnheiten nicht, zumal sie es sich finanziell leisten können. In den USA z.B., dort ist der Fleischkonsum am höchsten, werden täglich 100.000 Rinder geschlachtet (Stand 1990). Weiterhin kommt hinzu, dass in Ländern in denen bisher wenig Rindfleisch gegessen wurde, der Konsum ansteigt. Aufstrebende asiatische Länder wie z.B. Südkorea und Taiwan verzeichnen einen höheren Rindfleischverbrauch.
Es zeichnet sich die Tendenz ab, dass mit steigendem Wohlstand auch der Rindfleischkonsum steigt.

"Die Tatsache, dass einige wenige privilegierte Menschen Rinder konsumieren, die mit Getreide gemästet werden, während Millionen anderer nicht einmal die existentielle Mindestkalorienmenge zu sich nehmen können, ist eine der gravierendsten Probleme unserer heutigen Zivilisation. Wenn wir die Frage nach dem Überleben der Menschheit im kommenden Jahrhundert stellen, kommen wir nicht umhin, die Rolle zu beleuchten, die der internationale Rinderkomplex im globalen Lebensmittel-Monopoly und in der Ernährungspolitik der Mächtigen dieser Welt spielt." 

[Rifkin, Jeremy <1945 - >: Das Imperium der Rinder. - Gekürzte Ausg.. - Frankfurt/Main : Campus, 1994. -- ISBN 3-593-35047-5. -- Originaltitel: Beyond beef. -- S. 118f.]

So gesehen hat der Vegetarismus vieler Inder auch eine ökologisch-ökonomische Bedeutung. Dabei gibt es unter gläubigen Hindus verschiedene Arten von Vegetariern:

Veganer, d.h. Vegetarier, die keinerlei tierische Produkte (Milch, Honig) essen, gibt es in Indien kaum. Mit Ausnahme der Veganer ernähren sich Vegetarier bei richtiger Lebensmittelauswahl -- auch ohne tiefgreifende ernährungswissenschaftliche Kenntnisse -- vollwertig. So haben auch wohlhabende indische Vegetarier keinerlei Mangelerscheinungen.


5. Zusammenfassung


Die tierische Ressource Rind birg ein vielfältiges Spektrum an Sichtweisen. Fest steht auf jeden Fall, dass in Entwicklungsländern die Rinder eine andere Bedeutung haben, eine andere Rolle spielen, als in den Industrieländern. 

Die Rinderhaltung hat auf die Bevölkerung in den Entwicklungsländern sowohl positiven, als auch negativen Einfluss. 

Auf der positiven Seite muss das Rind als essentieller Nahrungsmittellieferant, als absolut notwendiges Arbeitstier und als wichtiges Symbol in sozialer und religiöser Sichtweise betrachtet werden. Das Rind nimmt hier einen viel höheren Stellenwert ein als in Industrieländern. 

Entwicklungsländer gehen mit der Ressource Rind ökologischer um. Wenn ihnen die Möglichkeit gelassen wird, in historischer Art ihre Rinder zu züchten und zu halten, bildet die Gemeinschaft Mensch/Rind eine wertvolle Symbiose. Heutzutage ist dies aber nur noch Indien und in wenigen afrikanischen Ländern die Realität. 

Vor allem die Verbindung zwischen "Rinder-Glauben" und "Rinder-Nutzen" hat die Rinderhaltung nicht nur als landwirtschaftliche Produktionsmittel degradiert, sondern Rindern einen speziellen Platz bei den Haus- und Hoftieren der Menschen eingeräumt. Dazu lautet ein Zitat von Gandhi:" Die Kuh war die beste Gefährtin der Inder. Sie hat uns Gaben im Überfluss beschert. Sie hat nicht nur Milch gegeben, sondern sie hat auch die Landwirtschaft möglich gemacht."

Leider spielen auch viele negative Einflussfaktoren bei der Rinderhaltung in den Entwicklungsländern eine Rolle. Viele dieser Faktoren wurden vor Jahrzehnten oder schon vor einigen Jahrhunderten geschaffen. Seitdem in der Kolonialzeit europäische Länder in die Einheit z.B. afrikanischer Mensch/Rind eingegriffen haben, ist das Gleichgewicht ins Schwanken geraten. Dies hat sich seit dieser Zeit immer mehr zugespitzt. Besonders seit diesem Jahrhundert hat sich das Ungleichgewicht noch mehr zu Ungunsten der Entwicklungsländern geneigt. Da in den Industriestaaten der Fleischkonsum sehr gestiegen ist, und der Bedarf nur gedeckt werden konnte durch Erschließung neuer Weideflächen, haben sich die Entwicklungsländer als billiger Fleischproduzent angeboten. Die damit zusammenhängenden ökologischen (Desertifikation, Abholzung der Urwälder...) und sozialen (Hungersnot im eigenen Land) Nachteile wurden von den Entwicklungsländern aus ökonomischen Gründen in Kauf genommen.

Dieses Ungleichgewicht muss wieder in den Griff bekommen werden. Nicht nur für die Entwicklungsländer ist es überlebensnotwendig die Rinderhaltung auf ein sinnvolles Maß zu reduzieren, sondern für die ganze Menschheit. Das zusammenbrechende Ökosystem bedroht alle Menschen und die Hungersnöte in Entwicklungsländern kann niemand mit gutem Gewissen ignorieren. 

Der erste Schritt muss von den Fleischverbraucher getan werden. Durch eine Reduktion des Fleischkonsums und damit einhergehender Verringerung der Rinderbestände kann,

Nicht zuletzt hat sinkender Fleischkonsum in den Industriestaaten zur Folge, dass die Menschen sich gesünder ernähren und somit die ernährungsbedingten Krankheiten zurückgehen.

Das Leben aller Menschen würde dadurch nicht ärmer, sondern in allen Bereichen lebenswerter werden.

"In Mittel- und Südamerika wird die Abschaffung des Rinderkomplexes dazu beitragen, dass Traktoren und Bulldozer überflüssig werden und das allgegenwärtige Dröhnen der Motorsägen, die sich in das Dickicht uralter Wälder fressen, allmählich verstummen. Abertausende von Pflanzen-, Insekten- und anderen Tierarten, denen der sichere Tod durch die Hand der Viehzüchter und multinationalen Konzerne drohte, werden wiederaufleben. Millionen von Kreaturen, deren viele schon seit Jahrtausenden auf der Erde leben, wird es möglich sein, sich wieder zu Verbänden zusammenzuschließen, sich zu vermehren und die Regenwälder neu zu beleben. Zukünftige Generationen werden das Glück haben, diese vielfältigen Lebensformen kennenlernen und würdigen zu können und mit ihnen in Verbindung zu treten - all diese wilden und exotischen Wesen, die durch die Wälder aus grauer Vorzeit kriechen, krabbeln, schleichen, sich hindurch schwingen und drüber hinweg fliegen, Gefährten auf dem Weg durch die Entwicklungsgeschichte, die sich vor uns entfalten."

[Rifkin, Jeremy <1945 - >: Das Imperium der Rinder. - Gekürzte Ausg.. - Frankfurt/Main : Campus, 1994. -- ISBN 3-593-35047-5. -- Originaltitel: Beyond beef. -- S. 253f.]


6. Weiterführende Ressourcen


6.1. Yahoo Categories



6.2. Organisationen


FAO. -- URL: http://www.fao.org/. -- Zugriff am 2001-02-07. -- [Sehr informativ]

ILRI -- International Livestock Research Institute. -- URL: http://www.cgiar.org/ilri. -- Zugriff am 2001-02-07. -- [Noch mager an Informationen]


6.3. Andere Internetressourcen


Breeds of Livestock / Oklahoma State University. -- URL http://www.ansi.okstate.edu/breeds/cattle/. -- Zugriff am 2001-02-07

Lavache. -- URL: http://www.allcows.com/. -- Zugriff am 2001-02-07. -- ["La vache ! (a word meaning cow in French) is the place on the net where cow lovers can read information on the cows of the world and other "green" subjects, or simply share their passion, with humour and respect."]


6.4. Ressourcen in Printform


Agriculture in the Tropics / ed. by C. C. Webster ... -- 3. ed. -- Oxford : Blackwell Science, ©1998. -- ISBN 0632040548. -- S. 294 - 486: Livestock. --  {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch  bei amazon.co.uk bestellen}

Brönnimann-Baur, Renate ; Reinhard, Thomas: Milchproduktion. -- Provisorische Ausg. -- Zollikofen : Landwirtschaftliche Lehrmittelzentrale, ©1996

Brackmann, Michael: Das andere Kuhbuch : vierzig Rasseporträts und mehr. -- 2. Aufl. -- Hannover : Landbuch, ©1999. -- 175 S. : Ill. -- ISBN 3784205755. -- [Unterhaltsam geschrieben und trotzdem informativ]. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Glatzle, Albrecht: Weidewirtschaft in den Tropen und Subtropen. -- Stuttgart : Ulmer, ©1990. -- 258 S. : Ill. -- ISBN 3800130858. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Grzimeks Tierleben : Enzyklopädie der Tierreichs. -- Zürich : Kindler
Bd. 13. -- Säugetiere. -- Bd. 4. -- ©1968. -- S. 338 - 398: Wünschmann, Arnfrid: Rinder

Kozak, A.: Einführung in die Tierfütterung in den Tropen und Subtropen. -- Teil A: Futtermittel. -- Basel : Eigenverlag, ©1985. -- 245 S. : Ill. -- Vertrieb durch: Landwirtschaftliche Lehrmittelzentrale, Langggasse 79, CH-3052 Zollikofen

Kräußlich, Horst: Rinderzucht. -- Stuttgart : Ulmer, 1981. -- 562 S. : Ill. -- ISBN 3800143380. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Nutztiere der Tropen und Subtropen / [hrsg. von] Siegfried Legel. -- Leipzig : Hirzel
Bd. 1. -- Rinder. -- 467 S. : Ill. -- ©1989. -- ISBN 3740101229. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Pagot, Jean: Animal production in the Tropics. -- London [u.a.] : Macmillan Education, 1992. -- 517 S. : Ill. -- ISBN 0333538188. --  {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch  bei amazon.co.uk bestellen}

Rifkin, Jeremy <1945 - >: Das Imperium der Rinder. - Gekürzte Ausg.. - Frankfurt/Main : Campus, 1994. - 277 S. -- ISBN 3-593-35047-5. -- Originaltitel: Beyond beef

Sambraus, Hans Hinrich: Atlas der Nutztierrassen : 250 Rassen in Wort und Bild. -- 5. Aufl. -- Stuttgart : Ulmer, 1996. -- 304 S. : Ill. -- ISBN 3800173484. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Schareika, Nikolaus: Die soziale Bedeutung der Rinder bei den Fulbe (Benin). -- Münster [u.a.] : LIT, 1994. -- 216 S. -- (Interethnische Beziehungen und Kulturwandel ; 17). -- ISBN 38525823350

Tierische Erzeugung. -- 11., völlig neubearb. Aufl.  -- München : BLV, ©1999. -- (Die Landwirtschaft : Lehrbuch für Landwirtschaftsschulen ; Bd. 2). -- 702 S. : Ill. -- ISBN 3405154723. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}


Zu Kapitel 8,2: Ziegen und Schafe