Einführung in

Entwicklungsländerstudien

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18. Grundgegebenheiten: Lebenserwerbs- und Wirtschaftsformen

4. Teil: Industriegesellschaft, Wirtschaftssektoren


von Carola Knecht

herausgegeben von Margarete Payer

mailto: payer@hdm-stuttgart.de


Zitierweise / cite as:

Entwicklungsländerstudien / hrsg. von Margarete Payer. -- Teil I: Grundgegebenheiten. -- Kapitel 18: Lebenserwerbs- und Wirtschaftsformen. -- 4. Teil: Industriegesellschaft, Wirtschaftssektoren / von Carola Knecht. -- Fassung vom 2001-02-22. -- URL: http://www.payer.de/entwicklung/entw184.htm. -- [Stichwort].

Erstmals publiziert: 2000-01-14

Überarbeitungen:  2001-02-22 [Update]

Anlass: Lehrveranstaltung "Einführung in Entwicklungsländerstudien", HBI Stuttgart, 1998/99

Unterrichtsmaterialien (gemäß § 46 (1) UrhG)

©opyright: Dieser Text steht der Allgemeinheit zur Verfügung. Eine Verwertung in Publikationen, die über übliche Zitate hinausgeht, bedarf der ausdrücklichen Genehmigung der Herausgeberin.

Dieser Text ist Bestandteil der Abteilung Entwicklungsländer von Tüpfli's Global Village Library.


Skript, das von den Teilnehmern am Wahlpflichtfach "Entwicklungsländerstudien" an der HBI Stuttgart erarbeitet wird.


0. Übersicht



13. Industriegesellschaft


Beispiele von Industrie in Entwicklungsländern

Abb.: Industrieanlage, Venezuela  (Quelle: ILO)

Abb.: Chemische Industrie, Brasilien  (Quelle: ILO)

Abb.: Sägewerk, Gabun  (Quelle: ILO)

Abb.: Textilfabrik, Sudan  (Quelle: ILO)

Abb.: Computerfabrik, Thailand (©Corbis)

Abb.: Ziegelei in der Nähe der Sundarban-Mangroven, Bangladesh, 1996: hier wird illegal Holz als Brennstoff verwendet (Quelle: FAO)

Statt das vermutlich Unmögliche zu versuchen, auf knappem Raum Industriegesellschaften allgemein zu beschreiben, folgt hier eine kurze Charakterisierung der Stellung des Industriesektors in vielen afrikanischen Ländern:

"African industry is characterized by a traditional/modern dichotomy. 

On the eve of independence, the modern manufacturing base, except in Zimbabwe and some North African countries, was very low or non-existent. Manufacturing output and diversification increased rapidly during the first decade-and-a-half of independence, manufacturing accounting for about 10 percent of GDP [Gross Domestic Product]. Some of the reasons for this were 

This rosy picture changed following the 1973 oil crisis. Since then, economic conditions in African countries have stagnated and in many cases deteriorated. By early 1980s, over 20 countries were experiencing a decline in manufacturing output and many plants were working at capacities well below 30 percent. Conditions for industrialization were therefore adversely affected and prospects of deindustrialization loomed large.

Local resource-based processes here are divided into two categories: 

 

Traditional grinding and pounding are tedious and time-consuming operations. In countries such as Ethiopia, they are being replaced by small flour mills scattered throughout the country. In other countries the mills are of medium and relatively large size producing more than one quality of flours. This is particularly true for relatively urbanized countries, such as Zambia.

Small to medium size expellers are the usual means of extracting oils from vegetable oils. In West Africa, pioneer mills established some 40 years ago were still in operation until quite recently. They have been replaced by more compact and efficient mills, some of which are equivalent in size to small flour mills.

As for textiles, the mills that had to be established were of necessity larger than food-processing plants. They are much more complex and use a larger number of imported inputs.

[Alemayehu, Makonnen: Industrializing Africa : development options and challenges for the 21st century. -- Asmara, Eritrea : Africa World Press, ©2000. -- ISBN 0865436533. -- S. 115f. -- {Wenn Sie hier klicken, können Sie dieses Buch  bei amazon.de bestellen]


14. Wirtschaftssektoren


Allgemein lässt sich die Wirtschaftsaktivität eines Landes/Staates in folgende Bereiche aufteilen:

Primärsektor Grundstofferzeugung (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischereiwesen)
Sekundärsektor = Industriesektor, gewerblicher Sektor Industrielle Fertigung (Konsum- und Investitionsgüterindustrien), Bergbau, Baugewerbe
Tertiärsektor = Dienstleistungssektor Verwaltungs- und Dienstleistungsbereiche, Handel, Versicherungen, Kommunikation

In Entwicklungsländern (EL) war bisher meist der landwirtschaftliche Sektor stark ausgeprägt. Der Trend geht jedoch allgemein auch zu mehr Dienstleistungen. 

Land

Primärsektor Sekundärsektor Tertiärsektor  

China

3 % [?] 34 % 63 %

Dominikanische Rep.

13 % 32 % 55 %

Dschibuti

3 % 20 % 77 %

Elfenbeinküste

31 % 20 % 50 %

Gabun

7 % 55 % 38 %

Lesotho

10 % 56 % 34 %

Malaysia

13 % 43 % 44 %

Mexiko

6 % 28 % 66 %

Pakistan

26 % 24 % 50 %

Senegal

20 % 18 % 62 %

Somalia

60 % 0 % 0 %

Sri Lanka

23 % 25 % 52 %

Tansania

52 % 14 % 34 %

Thailand

11 % 40 % 49 %

Togo

35 % 23 % 42 %

USA

2 % 26 % 72 %

Quelle: Fischer Weltalmanach 1999

Daneben gibt es noch den sogenannten Informellen Sektor


15. Informeller Sektor


Ausführlich zum informellen Sektor siehe:

Entwicklungsländerstudien / hrsg. von Margarete Payer. -- Teil II: Kernprobleme. -- Kapitel 24: Arbeit und Beschäftigung  / verfasst von Yvonne Hermann. -- Fassung vom 18. Oktober 1999. -- URL: http://www.payer.de/entwicklung/entw24.htm#3.

Dieser Sektor ist u.a. die Folge des Beschäftigungsproblem der Entwicklungsländer. Er umfasst die ökonomischen Aktivitäten der Menschen außerhalb formell geregelter Sektoren und ist gekennzeichnet durch:

Ausprägungen des Informellen Sektors:

Entwicklungspolitische Bedeutung des Informellen Sektors:

Als Folge der Vernachlässigung der Landwirtschaft führte die Landflucht zur Urbanisierung. Da industrielle Arbeitsplätze im urbanen, formellen Sektor nicht vorhanden waren, mussten die Menschen als "Selbständige" (mit sog. Subsistenzaktivitäten) ihren Lebensunterhalt verdienen. Lange Zeit wurde der IS als Hinterhofökonomie abgewertet.

Der Begriff Informeller Sektor vereinigt zwei Konzepte, zum einen das Konzept der kleingewerblichen Arbeitsweise und zum anderen das Konzept der Staatsferne (informell ist der Teil der Wirtschaft, der von staatlichem Handeln nicht oder nur schwach erfasst wird). Informell können also grundsätzlich auch Wirtschaftsbereiche außerhalb des Kleingewerbes sein, z.B. Siedlungswesen, Kleinkreditgeber, Infrastrukturinvestitionen, Außenhandel (Schmuggel) und Organisationsbildungen. Wird vom IS gesprochen, so ist jedoch fast immer das Kleingewerbe gemeint. Die Hürden, die überwunden werden müssen, bevor sich ein Betrieb formell nennen kann (die "Kosten des Zugangs zur Formalität") sind den meisten kleingewerblichen Tätigkeiten zu hoch, als dass sie sie überspringen könnten. Deshalb bleiben sie lieber informell (jedoch mit dem Nachteil der Kosten für die Illegalität und der Rechtsunsicherheit).

Dem Kleingewerbe in allen EL wird jedoch eine große Bedeutung für die Versorgung der Bevölkerung einerseits mit preiswerten Sachgütern und Dienstleistungen, andererseits mit Arbeitsplätzen und Einkommen beigemessen und in kleinen, ressourcenschwachen EL darüber hinaus ein erhebliches Entwicklungspotential zugebilligt.

Informell im Sinne der Staatsferne ist auch der Subsistenzsektor (auch Subsistenzwirtschaft): damit ist die Produktion gemeint, die der Eigenversorgung und nicht bzw. nur in geringem Maße der Belieferung der Märkte gilt. 

Merkmal: In der Subsistenzwirtschaft erworbene Güter gehen nicht in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (das Bruttosozialprodukt eines Staates) ein.


Zu Kapitel 18.5: Lebenserwerbs- und Wirtschaftsformen, 5. Teil: Kapitalismus und Sozialismus