Einführung in

Entwicklungsländerstudien

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20. Kernprobleme: Gesundheit


verfasst von Nina Rincker

herausgegeben von Margarete Payer

mailto: payer@hdm-stuttgart.de


Zitierweise / cite as:

Entwicklungsländerstudien / hrsg. von Margarete Payer. -- Teil II: Kernprobleme. -- Kapitel 20: Gesundheit / verfasst von Nina Rincker. -- Fassung vom 2001-02-22. -- URL: http://www.payer.de/entwicklung/entw20.htm. -- [Stichwort].

Erstmals publiziert: 1999-09-01

Überarbeitungen:  2001-02-22 [Update]

Anlass: Lehrveranstaltung "Einführung in Entwicklungsländerstudien", HBI Stuttgart, 1998/99

Unterrichtsmaterialien (gemäß § 46 (1) UrhG)

©opyright: Dieser Text steht der Allgemeinheit zur Verfügung. Eine Verwertung in Publikationen, die über übliche Zitate hinausgeht, bedarf der ausdrücklichen Genehmigung der Herausgeberin.

Dieser Text ist Bestandteil der Abteilung Entwicklungsländer von Tüpfli's Global Village Library.


Skript, das von den Teilnehmern am Wahlpflichtfach "Entwicklungsländerstudien" an der HBI Stuttgart erarbeitet wird.


"Die wahren Schwachstellen des Menschen sind nicht die Krankheiten, sondern es sind Unwissenheit, Kurzsichtigkeit und Gier, die uns davon abhalten, die Mittel einzusetzen, über die wir verfügen können."

Arno Karlen


0. Übersicht



1. Definition


Gesundheit ist nach einer WHO-Definition „nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern, positiv als Naturrecht formuliert, vollständiges körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden“ [Vgl. Lexikon Dritte Welt, S. 294]. Rössler bezeichnet Gesundheit nicht nur als die Abwesenheit von Störungen, sondern auch als die Kraft, mit ihnen zu leben. 

Die Definition von Gesundheit unterliegt auch dem jeweiligen Stand der medizinischen Wissenschaft sowie der Messtechnik, aber auch religiösen, philosophischen, gesellschaftlichen oder staatspolitischen Normen einer Zeit [Vgl. Diesfeld, Gesundheitsproblematik, S. 7]. 

Entscheidend für Gesundheit sind auch mittelbare Ursachen wie Arbeitswelt, Bildungsniveau, Möglichkeiten der Entfaltung des persönlichen Lebensstils und Freizeitgestaltung.

Krankheit verursacht volkswirtschaftliche Kosten, da sie nicht nur eine einzelne Person betrifft; sondern mit dem Ernährer ganze Familien, daraus folgen ökonomische Konsequenzen für die Gesellschaft.


2. Krankheitsursachen


In Entwicklungsländern werden selten alle Möglichkeiten der Vermeidung von Krankheiten, wie z.B. Impfung, Vorsorgeuntersuchungen und Behandlung, ausgeschöpft, da sie oft unverhältnismäßig teuer oder schlicht nicht vorhanden sind. Hinzu kommen, regional unterschiedlich, spezifische Tropenkrankheiten, Infektionskrankheiten, parasitäre Erkrankungen, Mangelernährung; in schnell wachsenden städtischen Zentren Gefahren durch Umweltgifte. Die wesentlichen Gesundheitsprobleme sind besonders gravierend in den am wenigsten entwickelten Ländern:


3. Krankheitsvorbeugung


Obwohl sich Sozialhistoriker nicht über die Gewichtung der einzelnen Faktoren einig sind, sind sie dennoch der Überzeugung, dass folgende Faktoren entscheidend für den rapiden Rückgang im 19. Jahrhundert in Europa des "Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben" waren:

Diese Faktoren sind sicher auch heute für Entwicklungsländer die entscheidenden. Dabei darf allerdings ein weiterer Faktor nicht vergessen werden:

Abb.: Die beiden Grundvoraussetzungen von Gesundheit (Quelle: Where there is no doctor, S. 108)


Entwicklungsorganisation der UNO für das Kind

Eine Revolution zugunsten der Kinder 

7 Maßnahmen, die Wunder wirken können: GOBI-FFF

G

Gewichtskontrolle

Die regelmäßige Gewichtskontrolle der Säuglinge und Kleinkinder. das Eintragen der Resultate auf eine zu diesem Zwecke vor bereiteten Tabelle macht Unterernährung für die Mütter sichtbar.

0

Orale Flüssigkeitszufuhr bei Durchfall

Eine einfache Behandlungsmethode erweist sich als der größte medizinische Fortschritt unserer Zeit: das Trinken einer Wasser-Zucker-Salz-Lösung bei Durchfällen verhindert das Austrocknen des Körpers, denn Austrocknung ist die häufigste unmittelbare Todesursache bei Kleinkindern in Entwicklungsländern.

B

Bereitschaft zum Stillen stärken

Die Muttermilch ist die beste Säuglingsnahrung. Über die Vorzüge der Muttermilch ist in überzeugender Weise zu Informieren und Hindernisse müssen aus dem Wege geräumt worden, die den
Müttern das Stillen erschweren. Für die Kinder kann so eine optimale Zuwendung und Ernährung während der entscheidenden
ersten Lebensmonate gesichert werden.

I

Impfprogramme

Allein an Masern sterben jährlich über 2 Millionen Kinder. Dank neuer Impfstoffe, die weniger hitzeempfindlich sind, können auch in abgelegenen, heißen Zonen Impfkampagnen durchgeführt werden, Das Ziel besteht darin, alle Kleinkinder gegen die 6 wichtigsten, ansteckenden Krankheiten zu schützen (Masern, TB, Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio).

-

    drei Maßnahmen, die nicht als «einfach und billig» bezeichnet werden können, aber doch kostengünstig sind und ebenso im Bereich des Möglichen liegen:

F

Familienplanung

Die Aussicht, gesunde Kinder auf die Welt zu bringen. ist denn am besten, wenn die Mütter nicht zu jung sind, wenn Geburten einander nicht sehr nahe folgen und wenn die Zahl der Kinder gering bleibt.

F

Frauen-Bildung

Zwischen dem Wohlergehen der Kinder und dem Bildungsstand der Mädchen und Mütter besteht ein direkter Zusammenhang.

F

Förderung der Bereitstellung von nährstoffreicher Zusatznahrung

Kinder, die untergewichtig zur Welt kommen, weil ihre Mütter schon unterernährt sind, sind von ihrem ersten Lebenstag an benachteiligt. Während der Schwangerschaft und Stillzeit brauchen Mütter für sich und ihre Kinder eine ausreichende
Ernährung. Einen erhöhten Bedarf an vitamin- und eiweißreicher
Zusatznahrung hat das Kind auch zur Zeit der Entwöhnung.

[Vorlage: Gesundheitsvorsorge in Entwicklungsländern, 1996, S. 53]


3.1. Impfung


Impfungen sind in Entwicklungsländern besonders wichtig, da an den Krankheiten, die durch Impfungen vermeidbar wären, wesentlich mehr Menschen, vor allem Kinder, sterben, als dies in Industrieländern der Fall ist. Z.B. sterben viele Kinder an Erkrankungen wie Masern und Keuchhusten, was an der Wechselwirkung zwischen Unterernährung und Infektion liegt, die den Körper schwächt. 

Ende der 70er Jahre wurden in Entwicklungsländern von 100 Millionen geborenen Kindern nur 10 bis 20 % geimpft. An Krankheiten wie Masern, Keuchhusten, Diphtherie oder Tetanus sind täglich 13000 Kinder gestorben, bei ebenso vielen haben sie zu Taubheit, Blindheit und Lähmungen geführt.

Bis zum Jahr 1990 hat das Erweiterte Impfprogramm der WHO mit Unterstützung von UNICEF und zahlreicher Organisationen und Regierungen zu dem Erfolg geführt, dass in 66 von 104 Entwicklungsländern 80 % aller Kinder im ersten Lebensjahr geimpft werden konnten. Zur Zeit sollen die bisher erreichten Durchimpfungsraten stabilisiert und bis zum Jahr 2000 auf 90 % gesteigert werden.

Impfprogramme erfordern einen kontinuierlichen Einsatz und großen Organisationsaufwand, so dass die Stabilisierung und teilweise Steigerung der Durchimpfungsraten bis in die Mitte der 90er Jahre als Erfolg gewertet werden kann.

Schwierigkeiten bei Impfprogrammen resultieren daraus, dass jedes Kind erreicht werden soll, egal ob in einem nepalesischen Bergdorf, in der Sahelzone oder im Großstadtslum von Bogotá, bei schlechter Infrastruktur, fehlenden Transportsystemen, ungenügend qualifiziertem Personal und nicht zuletzt fehlender Kühlung für die Impfstoffe.


3.2.  Ernährung


Ausreichende Ernährung ist Voraussetzung für Gesundheit, aber auch für wirksame und rationelle medizinische Versorgung. Medizin kann kein Ersatz für auf Nahrungssicherung ausgerichtete Politik sein, genau so wenig wie Nahrungsmittelhilfe keine eigenständige Produktion ersetzen kann.

Es besteht eine Wechselwirkung zwischen Ernährung und Erkrankung (vor allem bei Infektionskrankheiten):

Erkrankung verringert die Nahrungsaufnahme und Resorption bei gleichzeitig erhöhtem Stoffwechsel. Schlechte Ernährung führt zu geringer körpereigener Abwehr und damit zu erhöhter Anfälligkeit gegenüber Infektionskrankheiten sowie zu geringerer Leistungsfähigkeit.

Beispiele:

Mangelernährung bei Schwangeren führt zu höherem Risiko für den Säugling, bei Stillenden zu schweren Gesundheitsschäden für Mutter und Kind. In vielen Gesellschaften herrschen Tabus der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme im Krankheitsfall oder in der Schwangerschaft, was das Problem verschärft.

In der Wachstumsphase des Kindes führt chronische Mangelernährung zu Minderwuchs und geistiger Minderentwicklung, die nach einiger Zeit auch durch bessere Ernährung nicht mehr aufgeholt werden können.

Bei Erwachsenen verursacht chronischer Nahrungsmangel eine Verminderung der Arbeitsleistung, was eine schlechtere Ernährungslage und damit Krankheitsanfälligkeit der ganzen Familie bewirkt.

Der Gesundheitssektor trägt zur Ernährungsverbesserung bei, indem er einerseits Ernährungsberatung auf der Grundlage der örtlichen Lebensbedingungen durchführt und über Selbstversorgung aufklärt und andererseits Krankheiten bekämpft, z.B. durch Impfungen.

Ausgewogene Ernährung ist eine Grundlage für gesunde körpereigene Immunabwehr und Resistenzsteigerung und hat ein weiteres Wirkungsspektrum als Impfungen, die sich gezielt auf einige wenige Infektionskrankheiten richten.

Durch Verbesserung der Ernährungssituation gehen viele Krankheiten in Häufigkeit, Schwere und Sterblichkeit zurück, bevor medizinische Maßnahmen verfügbar waren und greifen. Dadurch werden die überlasteten und gering ausgestatteten Gesundheitsdienste und Gesundheitseinrichtungen entlastet.


3.3. Hygiene


Neben Ernährung ist Hygiene der wichtigste Faktor, durch den mit einfachen Mitteln eine enorme Verbesserung des Gesundheitszustand in Entwicklungsländern möglich ist. Man erinnere sich, dass der größte und billigste medizinische Fortschritt in Europa durch 

kam. 

Das Hygieneproblem ist vor allem auch ein Bildungsproblem: Mikroorganismen sind für das bloße Auge unsichtbar, darum "nichtexistent": dass Wasser, das sauber ausschaut, verseucht sein kann, ist eine Einsicht, die auch in Europa anfangs auf größten Widerstand gestoßen ist. In einer traditionellen Kultur (auch Europas) sind darum Verhexungen, böser Blick u. ä. viel "realer" als Mikroben oder gar Viren. (Auch für die meisten von uns sind ja Mikroben und Viren keine wirkliche Erfahrung, sondern eine gelernte, sozial vermittelte Überzeugung, ein Glaube!) Man geht daher auch oft zuerst zum Zauberdoktor und erst dann, wenn es vielleicht schon zu spät ist, zur modernen medizinischen Station.

Man darf nicht vergessen, dass in Europa und Nordamerika Hygienemaßnahmen nur gegen den starken Widerstand vieler Mediziner (d.h. naturwissenschaftlich gebildeter Personen!) durchsetzbar waren:

Die Frau von Joseph Lister schildert 1866 (!) die Einstellung der Fachkollegen ihres Mannes so:

"Seine Kollegen sind so gleichgültig. Alle glauben, dass die Zustände, so wie sie in vielen Hospitälern herrschen, nun einmal natur- oder gottgegeben seien und dass man nichts daran ändern könne. Und die übrigen wissen keinen anderen Weg als die Hospitäler niederzubrennen, als ob sie schuld an allem Sterben wären."

[Thorwald, Jürgen: Das Jahrhundert der Chirurgen / nach den Papieren meines Großvaters, des Chirurgen H. St. Hartmann. -- Stuttgart : Steingrüben, 1956. -- S.286.]

Abb.: G. J. Pinwell: "Die Apotheke des Todes (Death's Dispensary)", Zeichnung um 1866 in Erinnerung an die Choleraepidemie 1854 in London, die von einer einzigen verseuchten Wasserpumpe ausgegangen war.

Mögliche Inhalte von Hygieneberatung nach fünf "Domänen":

  1. Fäkalienbeseitigung

  2. Benutzung und Schutz der Wasserversorgungsquellen

  3. Wasser und persönliche Hygiene

  4. Lebensmittelhygiene

  5. sonstige Wohnungs- und Umwelthygiene


3.4. Gesundheitsberatung


Gesundheit und Krankheit einer Bevölkerung werden ganz entscheidend von den Lebensbedingungen und Verhaltensweisen des Einzelnen und der Gemeinschaft beeinflusst. Die wichtigste erste Aufgabe bei der Gesundheitsberatung ist, Probleme und die Ursachen dafür präzise zu beschreiben. Hat man ein Problem erkannt und definiert, ist es damit schon halb gelöst, egal ob es sich um ein subjektiv empfundenes und objektiv vorhandenes wie eine Durchfallerkrankung bei Kleinkindern, oder um ein objektiv vorhandenes, das von der Bevölkerung (noch) nicht empfunden wird, z.B. eine Wasserstelle als Infektionsquelle, handelt.

Wenn das Problem erkannt ist, kann man als Entwicklungshelfer versuchen, mit den Menschen eine den Gegebenheiten angepasste Lösung zu finden. Auf keinen Fall sollte man aus der Sicht eines Industrielandes heraus belehrend Aufklärungsvorträge halten.


4. Früh- und Müttersterblichkeit


In den letzten zwanzig Jahren kam es weltweit zu einem Anstieg der Lebenserwartung, die größten Fortschritte wurden in Entwicklungsländern erreicht. Jedoch hatten Neugeborene in Industrieländern 1988 eine durchschnittlich um 25 Jahre höhere Lebenserwartung als Neugeborene in afrikanischen Ländern, der Unterschied zu lateinamerikanischen und ostasiatischen Ländern betrug immerhin noch neun Jahre.

In Entwicklungsländern sterben etwa 9 % der Kinder vor ihrem fünften Geburtstag, in Afrika sind es sogar 16%; in den Industrieländern sind es „nur“ 1 %. Die Wahrscheinlichkeit für einen einjährigen Säugling, vor seinem fünften Geburtstag zu sterben, ist in Entwicklungsländern zehnmal, in Afrika sogar dreißigmal so hoch wie in Industrieländern. Je älter ein Kind in einem Entwicklungsland geworden ist, desto höher die Lebenserwartung: Kinder im Alter von 5 Jahren haben eine um 6-7 Jahre höhere Lebenserwartung als Neugeborene. Allgemein gleichen sich die internationalen Unterschiede an, je älter jemand geworden ist.

Fast 40 % aller Sterbefälle in Entwicklungsländern sind Kinder unter 5 Jahren, das sind jährlich etwa 15 Millionen Kinder. In Deutschland liegt die relative Sterblichkeit der unter Fünfjährigen bei etwa 1 Prozent.

Als Müttersterblichkeit bezeichnet man die während der Entbindung auftretende Zahl der Todesfälle. In vielen Entwicklungsländern ist sie die häufigste Todesursache bei jungen Frauen. Einer WHO-Schätzung zufolge sterben jährlich weltweit etwa eine halbe Million Frauen an Komplikationen während oder unmittelbar nach der Schwangerschaft, davon fast 99 % in Entwicklungsländern. Das Risiko einer Frau, an einer Schwangerschaft zu sterben, ist 100 bis 200mal größer als in einem Industrieland, damit übertrifft es sogar den Unterschied bei Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit. Auch zwischen den Entwicklungsländern gibt es gravierende Unterschiede, so sterben in Benin 1680 Frauen pro 100000 Lebendgeburten, in Costa Rica und Venezuela sind es 26 bzw. 65 Frauen.

Vermutungen zufolge kommen auf jede Frau, die in einem Entwicklungsland stirbt, mindestens zehn andere, die durch die Schwangerschaft eine ernstliche Beeinträchtigung ihrer Gesundheit erleiden, und der Tod mindestens eines Kindes.

Das Risiko hängt auch mit dem Alter der Frau zusammen. In Entwicklungsländern heiraten Frauen oft sehr jung, so sind in Bangladesh  90 % der Frauen bei ihrer Heirat jünger als 18 Jahre. Die Müttersterblichkeit in Matlab (Bangladesh) war nach einer empirischen Untersuchung bei 10 bis 14jährigen Mädchen fünfmal, bei 15 bis 19jährigen zweimal und bei über 40jährigen auch zweimal so hoch wie bei der Vergleichsgruppe von 20 bis 24jährigen Frauen. Das erhöhte Risiko bei Frauen über 35 ist ein großes gesundheitliches Problem, da ein nicht unerheblicher Teil der Geburten auf  Frauen dieser Altersgruppe entfällt.

Diese hohe Sterblichkeit führt dazu, dass in vielen Entwicklungsländern die mittlere Lebenserwartung der Frauen unter der der Männer liegt.


5. Tropentypische Krankheitsbilder


Im Folgenden kann keine Gesamtdarstellung der Tropenmedizin oder gar der für Entwicklungsländer relevanten Medizin gegeben werden. Für einen ersten Eindruck sei hier die alphabetische Aufzählung tropentypischer Krankheitsbilder wiedergegeben, die dem Lehrbuch 

Tropen- und Reisemedizin / hrsg. von Jürgen Knobloch ... -- Jena [u.a.] : Fischer, ©1996. -- 703 S. : Ill. -- ISBN 3437310763

zugrunde liegt:

Dazu kommen noch die weltweit verbreiteten Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen, Geschlechtskrankheiten usw. usw.

Zu den hauptsächlichen Todesursachen 1998 siehe: World health report 1999 / WHO. -- Annex, Table 4. -- URL: http://www.who.int/whr/1999/en/pdf/leading.pdf. -- Zugriff am 1999-08-30.


6. Infektionskrankheiten


6.1. Durchfallerkrankungen 


Austrocknung (Dehydration) als Folge wässrigre Durchfallerkrankungen verschiedenster Ursachen ist die bei Kleinkindern häufigste Todesursache in Entwicklungsländern. 

Die wichtigsten Ursachen von Durchfallerkrankungen sind:

Eine einfache Behandlungsmethode erweist sich als der größte medizinische Fortschritt unserer Zeit: das Trinken einer Wasser-Zucker-Salz-Lösung bei Durchfällen.

Abb.: Kennzeichen bei Dehydration (Quelle: Where there is no doctor, S. 151)

Folgende drei Rezepte für orale Rehydrationslösungen haben sich bewährt und sollten zum Allgemeinwissen gehören:

Zucker-Salz-Lösung:

8 gestrichene Teelöffel Zucker plus
1/2 gestrichener Teelöffel Salz
auf 1 Liter bakteriell einwandfreies Wasser

Stärkemehl-Salz-Lösung

8 gestrichene Teelöffel (1 Hand voll) Reis bzw. Weizen, Gerste, Hirse, zerkleinerte Kartoffeln, Linsen, Cassava, Yams, Brotfrucht, Maisbrot oder Maisfladen (Tortillas) (kein Maismehl!) plus
1 gestrichener Esslöffel Salz
auf 1 Liter Wasser

das Ganze wird je nach Feinheit der Inhaltsstoffe zwischen fünf Minuten und einer Stunde unter Nachfüllung verdampfenden Wassers verkocht

Vorgefertigte Beutelchen mit oralen Rehydrationssalzen (ORS)

Solche Beutelchen werden von internationalen Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellt. Sie enthalten Kochsalz, Glucose, Kalium und Zitrat. Der Inhalt des Beutelchens wird  in 1 Liter bakteriell einwandfreiem Wasser aufgelöst. "Ein ... Nachteil ist die Aufmachung der silberglänzenden Beutelchen, die dem Nutzer suggerieren, es handle sich um ein wertvolles modernes Medikament. Es wurde vielfach beobachtet, dass Mütter die zubereitete ORS wie eine Medizin nur teelöffelweise verabreichten. Damit verfehlt dieser Ansatz vollständig sein Ziel." [Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern, 1997, S. 242]


6.2. Durch Protozoen hervorgerufene Tropenkrankheiten


Malaria


Jährlich sterben schätzungsweise zwischen 1,5 und 2,7 Millionen Menschen an Malaria. 300 bis 500 Millionen Menschen sind an Malaria erkrankt. Alle 12 Sekunden stirbt ein Mensch an Malaria, vor allem in Afrika. Ein Drittel der Menschheit lebt in Gebieten, in denen auch heute noch Malaria vorkommt.

Malaria ist eine durch Protozoen der Gattung Plasmodium hervorgerufene Infektionskrankheit. Plasmodien werden durch blutsaugende weibliche Stechmücken der Gattung Anopheles übertragen. Diese Stechmücken sind vorwiegend in der Nacht aktiv. Deswegen ist die beste Malariaprophylaxe, unter einem dichten, eventuell mit einem Mückenabwehrmittel imprägnierten Moskitonetz zu schlafen.

Abb.: weibliche Anopheles-Stechmücke, Überträgerin von Malaria (Quelle: WHO)

Malaria tropica ist die schwerste Form der Malaria mit akuter Lebensgefahr. Die Inkubationszeit beträgt im allgemeinen nur 8 bis 10 Tage. Der Beginn der Krankheit ist oft sehr uncharakteristisch: plötzliches hohes Fieber, Schüttelfrost, Beschwerden mit Magen und Darm, Erbrechen, Benommenheit. Frühzeitig treten ebenfalls Anämie (Blutarmut) und Ikterus (Zerfall der roten Blutkörperchen) sowie Leber- und Milzschwellung auf. 

Abb.: Blutausstrich bei Malaria (Quelle: WHO)

Abb.: Die vier Arten von Plasmodium in rotem Blutkörperchen [Quelle: http://www.rph.wa.gov.au/labs/haem/malaria/diagnosis.html. -- Zugriff am 1999-07-25]

Malaria tropica führt oft nach wenigen Tagen zum Tod, beim Überstehen der Krankheit kommt es nach ca. 9 Monaten zu keinem Rückfall mehr. Therapiert wird zumeist mit Chinin und Chloroquin gegen Schizonten (Teilungsstadium des Erregers) und Primaquin zur Beseitigung der Gametozyten. 

Malaria gehört zu den häufigsten parasitären Erkrankungen. Sie kommt in allen tropischen und subtropischen Regionen außerhalb Australiens vor. Über 2 Milliarden Menschen leben in malariagefährdeten Gebieten. Man schätzt die Zahl der jährlichen Erkrankungen auf 250 bis 500 Millionen. Jährlich sterben ½ bis 2 Millionen Menschen an Malaria, vor allem afrikanische Kleinkinder. 80 bis 90% der Erkrankungen und Todesfälle treten im tropischen Afrika auf.

Abb.: Vorbeugung gegen Malaria (Quelle: Where there is no doctor, S. 187)


Weiterführende Ressourcen zu Malaria:


Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis)


Die Krankheit kommt im tropischen Afrika vor. Die Erreger sind mikroskopisch kleine Einzeller der Gattung Trypanosoma.

Abb.: Trypanosoma in Blut (Quelle: WHO)

Trypanosomen werden durch die Tse-Tse-Fliege (Gattung Glossina) übertragen.

Abb.: Tse-Tse-Fliege (Quelle: WHO)

 An der Stelle des Stichs bildet sich nach zwei bis drei Tagen ein rötlicher Knoten. Die Lymphknoten in der Nähe des Stichs schwellen an, später tritt auch Fieber auf. Ohne Behandlung tritt bei der gefährlicheren Form (Trypanosoma rhodesiense) eine Hirnentzündung ein, die nicht behandelt zum Tod führt. Der Name Schlafkrankheit geht auf die durch eine Hirnschädigung verursachte Wesensänderung der Patienten zurück. Der Infizierte sollte behandelt werden, bevor das Gehirn befallen ist, im Krankenhaus, da die Medikamente relativ giftig sind. Man kann das Risiko durch Verwendung von Insektenmittel und das Tragen langer Kleidung vermindern.


Leishmaniasis


Leishmaniasen sind durch Protozoen (kleine einzellige Tiere) der Gattung Leishmania verursachte Krankheiten. 

Abb.: Leishmania (Quelle. WHO)

Die Krankheitsbilder hängen von der Art der Leishmanien sowie dem Ausgangszustand des Immunsystems ab: sie reichen von Hauterkrankungen über Schleimhauterkrankungen bis zu Organschäden. 

Leishmanien werden durch winzige Mücken der Gattungen Phlebotomus bzw. Lutzomya übertragen, z.B. durch Sandfliegen (bei Hautleishmaniose, auch „Aleppobeule“). 

Abb.: Sandfliege (Quelle: WHO)

Die Krankheit kommt in Afrika, den Mittelmeerländern, Kleinasien und Indien vor. Man kann sich durch Vermeidung des Kontakts mit Sandfliegen schützen. Durch den Stich entwickelt sich eine große Narbe. 

Abb.: Hautleishmaniase (Quelle: WHO)

Hautleishmaniase kann medikamentös behandelt werden.


6.3. Virale (Tropen-)Krankheiten


Gelbfieber


Gelbfieber ist eine reine Tropenkrankheit, es kommt in Afrika und Südamerika vor, nicht aber in Asien. Es wird durch Viren (Amaril) verursacht, die von Stechmücken übertragen werden. Die Gelbfiebererkrankung dauert nur wenige Tage, die Symptome sind neben Fieber, Kopfschmerzen und der Gelbsucht starke Blutungen aus Nase, Mund, Gebärmutter und Magen. 10 % aller Erkrankten sterben daran, es ist jedoch möglich, dass auch überhaupt keine Symptome bemerkt werden. Es gibt eine Schutzimpfung gegen Gelbfieber, die mindestens 10 Jahre anhält. Da es sich um eine Viruserkrankung handelt, können nur die Symptome behandelt werden.


Denguefieber


Denguefieber kommt fast überall in den Tropen vor. Es ist eine durch Viren (Dengue) verursachte Krankheit, die durch Stechmücken (Aedes) übertragen wird. Aedes aegypti, der Überträger von Dengue ist eine 5 mm winzige Mücke. 

Abb.: Aedes aegypti (Quelle: USDA)

Abb.: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme des Kopfes von Aedes aegypti (Quelle: BIODIAC)

Die Symptome sind etwa eine Woche andauerndes Fieber, starke Rücken- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, allgemeine Schwäche und ein masernähnlicher Ausschlag. Wie bei allen Viruserkrankungen können auch bei Denguefieber nur die Symptome behandelt werden.

Abb.: Bekämpfung von Aedes aegypti in Costa Rica [Quelle: La Nacion. --  http://www.nacion.co.cr/ln_ee/1997/agosto/13/english3.html. -- Zugriff am 1999-08-30]


Andere hämorrhagische Fiebererkrankungen


Gelbfieber und Denguefieber zählt man zu den hämorrhagischen Fiebererkrankungen. Kennzeichen dieser Erkrankungen sind:

Nicht alle hämorrhagischen Fiebererkrankungen sind für den Menschen tödlich. Alle verlaufen mit Fieber, aber die Blutungen (Hämorrhagien) und Gewebeschäden sind unterschiedlich schwerwiegend.

Obwohl einige dieser Erkrankungen noch selten sind, besteht das Risiko, dass sie zu Seuchen werden.

Viren, die hämorrhagische Fiebererkrankungen hervorrufen verteilen sich auf vier Familien:

Familie Gattung Virus Erkrankung Überträger
Flaviviriden Flaviviren Amaril Gelbfieber Stechmücken
Dengue 1, 2, 3, 4 Denguefieber
TBE-Gruppe Omsk Fieber
Kyansur-Fieber
 
Bunyaviriden Phleboviren Rift-Valley Rift-Valley-Fieber  Stechmücken, die sich in Folge von Staudammbauten rapide vermehren
Nairoviren Krim-Kongo Krim-Fieber, Kongofieber  
Hantaviren Hantaan hämorrhagisches Fieber mit renalem (Nieren-)Syndrom  Mäuse
Seoul  
Puumala  Mäuse 
Sin nombre Hantavirus-
Lungensyndrom
Arenaviriden Arenaviren Lassa Lassa-Fieber  
Junin Argentinien-Fieber Das Anlegen großer Maiskulturen in den vierziger Jahren der Pampa führte zur Vermehrung bestimmter Mäusearten. Bei der Maisernte wirbelte mit den Mäuseexkrementen verunreinigter Staub auf und wurde von den Landarbeitern eingeatmet. Heute sind Fahrer landwirtschaftlicher Maschinen gefährdet
Machupo Bolivien-Fieber Mäuseart, die an der Grenze des Amazonasregenwaldes in die Häuser eindringt
Guanarito Venezuela-Fieber Urin und getrockneter Kot der Baumwollratte Sigmodon alstoni: Bei Waldrodungen wird dieser aufgewirbelt und eingeatmet
Sabia Brasilien-Fieber  
Filoviriden Filoviren Marburg Marburg- Krankheit  
Ebola Z, S, R, Cl Ebola-Krankheit  

Wie sehr die Ausbreitung von hämorrhagischen Fiebererkrankungen von Bedingungen der Infrastruktur in Entwicklungsländern abhängt, zeigt die Ebola-Epidemie 1976 in Zaire: der erste Fall war ein Patient, der wegen eines vermeintlichen Malaria-Anfalls eine Chinin-Injektion erhalten hat. Da das Hospital nur über fünf Spritzen verfügte, die zwischen den einzelnen Injektionen nicht sterilisiert wurden, konnte sich die Epidemie ausbreiten!

Obwohl der größte Teil der hämorrhagischen Viren in den Tropen umgeht, verfügen die Krankenhäuser in Entwicklungsländern in den seltensten Fällen über die nötigen diagnostischen Einrichtungen. Außerdem gelangen viele Infizierte gar nicht in ein Krankenhaus.


Hepatitis (Gelbsucht)


Virale Hepatitiden sind Virus-Erkrankungen, d.h. sie sind nicht mit Antibiotika behandelbar.

Je nach dem Erregervirus gibt es folgende Hepatitiden:

Hepatitisform Übertragung Symptome Verlauf
Hepatitis A (HAV) durch vom Stuhl erkrankter Personen verunreinigtes Wasser oder Essen (faeko-oral) starke Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, typische "Gelbsucht" (Ikterus) der Augen komplikationslos, keine chroonischen Formen
Hepatitis B (HBV) durch Blut, Blutprodukte, Körpersekrete von akut oder chronisch Kranken extrem variabel, oft uncharakteristisch bis zu 10% der Fälle werden chronisch
Hepatitis C (HCV) Über die Nahrung, durch Blut (Transfusionen!), körperlicher Kontakt   bis zu 70% der Fälle chronisch, Bildung einer Leberzirrhose, die oft tödlich verläuft
Hepatitis D (HDV) Superinfektion zu Hepatitis B. Infektionskette noch unklar   meist sehr schwer verlaufend, Sterblichkeit bis 80%
Hepatitis E (HEV) durch vom Stuhl erkrankter Personen verunreinigtes Wasser oder Essen (faeko-oral) ähnlich wie HAV bzw. HBV bei Schwangeren und Neugeborenen Sterblichkeit bis 30%

Die Bekämpfung von Hepatitiden geschieht vor allem durch Hygienemaßnahmen (Sauberkeit, Desinfektion, Sterilisierung von Injektionsnadeln u. dgl.)


Weiterführende Ressourcen:

The Hepatitis B info bank / Y. H. Kao. -- URL:  http://www.geocities.com/hbvinfo/. -- Zugriff am 2001-02-22. -- [Ausführlich und verständlich]


AIDS


Aids ist im eigentlichen Sinne keine Tropenkrankheit, stellt jedoch ein großes Problem in Entwicklungsländern dar, besonders in Zentral- und Ostafrika. Von untersuchten Blutspendern und allgemeinen Krankenhauspatienten hatten zwischen 10 und 20% einen positiven AIDS-Test, unter Prostituierten in Ruanda 90% und in Kenia 60%. Zur Zeit verdoppelt sich die Zahl der bekannten Erkrankungen alle 10 bis 12 Monate.

Abb.: AIDS wird wegen der damit verbundenen Auszehrung oft "slim desease" genannt [Quelle der Abb.: Where there is no doctor, S. 400]


6.4. Bakterielle Infektionen


Tuberkulose


Obwohl man die "Volksseuche" Tuberkulose schon für überwunden hielt, breitet sich heute die Infektion durch Mycobacterium tuberculosis wieder rapide aus: Jährlich lässt sich bei ca. acht Millionen Menschen eine offene oder aktive Tuberkulose nachweisen., mehr als ein Drittel der Erkrankten stirbt daran (3,1 Millionen Menschen weltweit).


Zerebrospinale Maningokokken-Meningitis


Quer durch Afrika von Eritrea und Äthiopien bis Gambia erstreckt sich ein Gürtel vor allem grasbewachsener Savannen, in dem immer wieder Meningitis (Hirnhautentzündung) epidemisch auftritt, die durch das Bakterium Neisseria meningitidis verursacht wird. Auch in Lateinamerika und China treten Epidemien dieser Art immer wieder auf. Unbehandelt verläuft diese Art der Meningitis in der Regel tödlich. Durch die rasche Gabe von Antoibiotika lässt sich die Sterblichkeit auf ungefähr zehn Prozent senken.


Pest


Die Pest kommt in Südostasien, Afrika und Lateinamerika vor, jedoch auch in den Südweststaaten der USA. Sie wird durch Flöhe von infizierten Nagetieren, z.B. Erdhörnchen, Präriehunde und vor allem Ratten) auf Menschen übertragen. Lungenpest kann auch von Menschen auf Menschen übertragen werden. Gegen die Bakterien ist eine Behandlung mit Antibiotika wie Streptomycin oder Tetracyclin möglich. Heutzutage gibt es keine großen Epidemien mehr, sondern saisonale Erkrankungen in o.g. Gebieten.


Lepra


Die Lepra ist eine chronische Infektionskrankheit, die durch langen engen Kontakt mit Kranken erworben wird. Die Bakterien treten durch die Nasenschleimhäute in den Körper ein. Befallen werden die Haut und oberflächliches Gewebe, die Nasenschleimhaut und besonders bestimmte Nerven. Dadurch kommt es zu Lähmungen und Gefühllosigkeit z.B. der Füße, was zu schweren Verletzungen und Verstümmelungen führt. 

Abb.: Wie es bei Lepra zur Verstümmelung der Gliedmaßen kommt (Quelle: Where there is no doctor, S. 192)

Durch große Fortschritte bei der Behandlung ist eine Ausheilung heute möglich, jedoch sind die Präparate für eine Massenbehandlung in der Dritten Welt zu teuer.


6.5. Wurminfektionen


Elephantiasis (Lymphatische Filariase)


90 % aller Fälle kommen in Asien, aber auch in Afrika, Lateinamerika und Ozeanien vor. Die kleinen Würmer (Filarien) können jahrelang in den Lymphgefäßen der Achsel- und Leistenregion leben und produzieren ungezählte Larven (Mikrofilarien), die ins Blut gelangen und von Moskitos weiter übertragen werden. 

Abb.: Mikrofiliarie im Blut (Quelle: WHO)

Nach etwa einem halben Jahr nach der Infektion verursachen die Filarien eine Entzündung der Lymphgefäße. Bald zeigen sich erste Anzeichen einer Wasseransammlung (Ödembildung) durch die Behinderung des Abflusses der Gewebsflüssigkeit. Diese chronische Lymphstauung kann zu einer enormen Auftreibung z.B. der Beine führen. 

Abb.: Elephantiasis der Hoden (Quelle: WHO)

Abb.: Elephantiasis des Beins (Quelle: WHO)

Behandelt wird die Elephantiasis mit Diäthylcarbamazin.


Schistosomiasis (= Bilharziose)


Schistosomiasis wird von 1-2 cm langen wurmartigen Blutegeln verursacht, die innerhalb der Blutgefäße von Menschen und Tieren in tropischen und subtropischen Regionen leben. Die Blutegel benötigen zur Übertragung Schnecken als Zwischenwirt.

Abb.: Schistosoma (Quelle: WHO)

Abb.: Zwischenwirt Schnecke (Originalgröße)

 

Abb.: Der Übertragungsweg von  Schistosomiasis (Bilharziose) (Quelle: Where there is no doctor, S. 146)

 

Die Weibchen produzieren bis zu 3500 Eier pro Tag, die teilweise im Organismus des Menschen zurückgehalten werden und eine Abkapselungsreaktion, ein Abwehrmechanismus, auslösen. Diese Schutzreaktion, die in Harnblase, Dickdarm, Leber, Lunge und Gehirn abläuft, ist für die Krankheitssymptome verantwortlich. Diese sind juckender, fleckiger Hautausschlag, hohes Fieber mit Frösteln, Husten, Juckreiz und Lymphknotenschwellungen. Das häufigste Symptom ist Blut im Urin.

Abb.: Schistosomiasis (Quelle: WHO)

Eine Behandlung ist möglich, hat aber zusätzlich zu den Nebenwirkungen der Medikamente zur Folge, dass die Parasiten ihren Halt an der Venenwand verlieren und in Leber und Lungen eingeschwemmt und dort abgekapselt werden.

Abb.: Sandalen aus Holz, Leder und Eisen zum Schutz gegen Bilharziose-Infektion, Nuba, Sudan, um 1900 (Science Museum, London): durch den Abstand zum Boden wird die Infektionsgefahr in Pfützen usw. verringert

[Quelle der Abb.: Krank warum? : Vorstellungen der Völker, Heiler, Mediziner / hrsg. von Frank Beat Keller. -- Ostfildern : Cantz, ©1995. -- ISBN 3-89322-701-6. -- S. 192]


Onchocericiasis


Abb.: Oncocerca volvulus (Quelle: WHO)

Abb.: Simulides daemnosus (Blackfly) (Quelle: WHO)

 

Abb.: Blindheit bei Onchocerciasis


7. Mangelkrankheiten


Mangelkrankheiten sind die Folge von Mangelernährung. Das kann entweder der Mangel an Energieträgern bzw. Kalorien (Unterernährung) oder der Mangel an spezifischen Nahrungsfaktoren (Fehlernährung). Bei Unterernährung kommt es meistens auch zu Fehlernährung.

Hauptformen der Unterernährung bei Kindern

Abb.: Subklinischer Protein-Energie-Mangel

Abb.: Trockener Protein-Energie-Mangel (Marasmus): das Kind besteht nur aus Haut und Knochen

Abb.: Feuchter Protein-Energie-Mangel (Kwashiorkor): das Kind besteht nur aus Haut, Knochen und Wasser

[Vorlage: Where there is no doctor, S. 112f.]

Das größte Problem in Entwicklungsländern ist der ernährungsbedingte Marasmus, ein allgemeiner geistig-körperlicher Kräfteverfall in Folge von Unterernährung. Wenn dem Körper über einen längeren Zeitraum nicht genügend Energie zugeführt wird, schaltet er auf Sparflamme und es sinkt nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern auch die Leistungsbereitschaft. Das ist gewissermaßen ein Schutzmechanismus. Die Untätigkeit, die man oft in heißen Ländern beobachten kann, ist häufig nicht eine Folge des Klimas oder Faulheit, sondern eine Folge der Unterernährung.

Von chronischer Unterernährung sind vor allem die empfindlichsten Gruppen der Bevölkerung, Kleinkinder, Schwangere und stillende Mütter. Bei Säuglingen und Kleinkindern führt Unterernährung zu Gewichtsverlust und zu starker Verlangsamung und schließlich zu einem Stillstand des Wachstums. Siehe auch Kapitel Ernährung.


8. Gesundheitsversorgung


Der Ausstellungskatalog

Krank warum? : Vorstellungen der Völker, Heiler, Mediziner / hrsg. von Frank Beat Keller. -- Ostfildern : Cantz, ©1995. -- 334 S. : Ill. -- ISBN 3-89322-701-6

ist gegliedert nach folgenden möglichen Faktoren von Krankheitsursachen:

"(Fast) jede Krankheit wird verursacht durch das Zusammenspiel von

An jeder Krankheit ist ein Anteil, der vom einzelnen unbeeinflussbar ist und bleibt, heiße dieser nun Karma als Resultat von Taten in früheren Inkarnationen, Erbsünde, (genetische) Konstitution oder Condition humaine. 

Aber natürlich hängt der Ausbruch einer Krankheit auch ab von den von außen auf den Menschen einwirkenden Kräften und Mächten. In einem gewissen Masse kann jeder und jede die Risiken wählen" die man einzugehen gewillt ist, man kann flüchten, ausweichen, sich enthalten, sich schützen individuell und kollektiv. 

Und drittens spielt die innere Befindlichkeit eine Rolle für den Krankheitsausbruch: wie man sich fühlt, wie man eingebettet ist in sein soziales Netz und die Beziehungen, in denen man lebt und zu leben gewillt ist, ob man sich an die Regeln hält oder ständig unter Spannung ist, weil man es nicht tut - ob man seine Mitte gefunden hat oder zumindest immer wieder versucht, sie zu finden.!" [S. 22]

Im Einzelnen wird folgende Auswahl an Anschauungen über mögliche Faktoren von Krankheitsursachen gegeben:

Je nachdem, welche Faktoren als wesentlich für die Entstehung einer bestimmten Erkrankung angesehen werden, werden die verschiedenen ursächlichen (nicht nur symptomatischen) Behandlungen gewählt.

"Andere Völker - andere Sitten. Diese Kalenderweisheit gilt auch in bezug auf Diagnosesysteme. Innerhalb des schulmedizinischen Bereichs werden Diagnosen in den einen Ländern (USA) hauptsächlich aufgrund von Laboruntersuchungen und apparativen Tests gestellt, in andern (GB) stark durch Anhören, Anfassen und Beobachten der Patienten.

Außerhalb des schulmedizinischen Bereichs werden hingegen in allen Ländern Diagnosen oft nicht von Personen gestellt, die sich primär mit Heilkunde beschäftigen. Vielmehr sind die Divinatoren, die Wahrsager und Hellseher, Männer und Frauen, gefragt und in ihren Fähigkeiten herausgefordert. Orakelschlagen, Kartenlegen, I-Ging, das westafrikanische Mäuseorakel und viele andere Methoden aus den Kulturen der Welt geben den Menschen Aufschluss über die Entstehung, von Krankheiten. Gleichzeitig können die Diagnostiker Anstoß zu Therapien verschiedenster Form geben. Empfohlene Therapien reichen beispielsweise von psychoanalytisch-aufdeckenden Methoden zu Kräuterheilkunde oder zur Wiederherstellung sozialen Gleichgewichts durch Rituale, an denen die ganze Dorfgemeinschaft teilnehmen muss." [ebd., S. 20]

Da bei der Heilung (und Entstehung) von Krankheiten psychische und soziale Faktoren oft eine wesentliche Rolle spielen, haben auch Behandlungen durch Personen, die in der westlichen Schulmedizin gerne als 'Scharlatane' bezeichnet werden, oft Erfolg. Wie der große Innsbrucker Psychiater Dr. Hagenbucher schon vor vierzig Jahren betonte, werden 'Scharlatane' so lange nötig sein wie die westlich gebildeten Schulmediziner nicht von diesen Scharlatanen gelernt haben. Für eine weitgehende Akzeptanz naturwissenschaftlich fundierter Medizin ist es notwendig, dass sich 'moderne' Ärzte intensiv mit den traditionellen Weisen des Umgangs mit Krankheiten auseinandersetzen, und zwar nicht nur mit den Aspekten, die bei naturwissenschaftlicher Untersuchung eine Begründung erfahren (z.B. Anwendung von Heilkräutern, evtl. Akupunktur), sondern auch mit solchen, die auf  'Aberglauben' beruhen (z.B. Dämonenbeschwörungen, Wunderheilungen, Amulette u. dgl.). 


8.1. Traditionelle Gesundheitsversorgung


Da in diesem Rahmen nicht einmal eine grobe Übersicht über Formen traditioneller Gesundheitsversorgung gegeben werden kann, seien einige, unsystematisch zusammengestellte Beispiele genannt.

Eine erste Einführung gibt:

Pfleiderer, Beatrix; Greifeld, Katarina; Bichmann, Wolfgang: Ritual und Heilung : eine Einführung in die Ethnomedizin. -- 2., vollst. überarb. und erw. Neuaufl. von "Krankheit und Kultur". -- Berlin : Reimer, ©1995. -- 260 S. -- (Ethnologische Paperbacks). -- ISBN 3496025441. -- [Mit ausführlichem Literaturverzeichnis]. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Yahoo Categories:

http://dir.yahoo.com/Health/Traditional_Medicine/. -- Zugriff am 2001-02-22


Karma in indischen Religionen

In Hindureligionen werden z.B. folgende Zusammenhänge zwischen früheren Taten und Erkrankungen angenommen:

Tat Wirkung Gegenmittel
Beleidigung der Götter Armut, Gedächtnisverlust  
Verlassen der Eltern unheilbare Krankheiten den Alten dienen
Leute mit Worten verletzen und Geheimnisse anderer ausplaudern Herzkrankheiten Bescheidenheit
Abtreibung Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten Adoption eines Waisenkindes
Fehler in religiösen Büchern aufstöbern und Vielleser kritisieren Taubheit und Stummheit Gelehrte zum Essen einladen
Mord an einem Schriftgelehrten Tuberkulose Armen ein möbliertes Haus spenden
Alkohol trinken Zahnkrankheiten  
Gold stehlen kranke Finger- und Zehennägel, Diabetes Gold und Süßigkeiten schenken
eine Kuh oder ein Pferd töten Kinderlosigkeit, Depression  
Vertrauensbruch Verdauungsstörungen, Erbrechen  
Aufhetzen von fremdem Dienstpersonal unschuldig im Gefängnis sitzen  
Entführung einer Verheirateten Tollheit, Besessenheit einer Braut Güter und Brautkleidung schenken
Bücher stehlen Blindheit von Geburt an den Armen religiöse und philosophische Bücher schenken
Kleider stehlen Hautkrankheiten Tempelschreine einkleiden
Lebensmittel stehlen Akne, Lepra den Armen Essen geben
Einen gelehrten Priester oder eine keusche Ehefrau bestehlen als Kobold oder Teufel geboren werden  
Schmuck stehlen Geburt in niedriger Kaste  
Unerlaubte sexuelle Beziehungen einer Dame mit einem Mann niedrigerer Kaste Harnwegkrankheiten, Prostitution  
Ehebruch als Hund, dann als Schlange geboren werden  
usw. usw.    

Verschiedene asketische Praktiken, besonders Fasten und sexuelle Enthaltsamkeit, können die genannten Auswirkungen abschwächen, ebenso das Rezitieren heiliger Texte, Gebet und Hymnen.

[Vorlage der Tabelle: Krank warum? : Vorstellungen der Völker, Heiler, Mediziner / hrsg. von Frank Beat Keller. -- Ostfildern : Cantz, ©1995. -- ISBN 3-89322-701-6. -- S. 48]

Ausführlicher zu Karma im Buddhismus:

Payer, Alois <1944 - >: Karma und Wiedergeburt im Buddhismus. -- URL: http://www.payer.de/einzel/karma.htm


Dämonen als Krankheitsursache bei den Singhalesen Sri Lankas:

Abb.: Dämonenmaske, Sri Lanka: Krankheitsdämon Huniyan-Yaksaya mit seinen 18 Helfern (Museum für Völkerkunde, München)

Zwei Details aus obiger Maske:

Dämon der Schleimhaut- und Wurmerkrankungen

Dämon des Schwachsinns und der Behinderung

[Quelle der Abbildungen: Lommel, Andreas: Ceylonesische Krankheitsmasken. -- München : Chem. Fabrik Von Heyden, [o.J.]]

Die 18 Krankheitsdämonen auf obiger Maske sind:

  1. blindmachender Dämon

  2. lahmmachender Dämon

  3. Dämon des Fiebers und Schüttelfrostes

  4. Dämon der Beulenpest

  5. Tamilendämon (!), der die Menschen mit Hallunzinationen und bösen Träumen quält

  6. Dämon des Schwachsinns

  7. stummmachender Dämon

  8. taubmachender Dämon

  9. tobsüchtigmachender Dämon

  10. Dämon des Brechreizes und Erbrechens

  11. Dämon der Eingeweidewürmer

  12. Dämon der Epidemien (Pocken, Cholera, Typhus usw.)

  13. Dämon der bösen Träume

  14. Dämon der Ohnmacht und Bewusstlosigkeit

  15. Dämon der Pest

  16. Dämon der Schlafkrankheit, der Kopfschmerzen, schrecklicher Träume

  17. Dämon des verrückten Treibens, Zitterns und Gliederbrennens

  18. Dämon der schleimigen Krankheiten, der Angstzustände und epileptischen Anfälle


Dämonenabwehr durch Schreckfiguren auf der indischen Inselwelt:

Abb.: Schreckfigur (Kleidung ging leider verloren): Europäer mit Sonnenbrand vertreibt jeden unerwünschten Eindringling (Museum für Völkerkunde, Leipzig)

[Quelle der Abb.: Krank warum? : Vorstellungen der Völker, Heiler, Mediziner / hrsg. von Frank Beat Keller. -- Ostfildern : Cantz, ©1995. -- ISBN 3-89322-701-6. -- S. 145]


Römisch-katholische Votivgaben, u.a. zur Heilung von Krankheiten:

Abb.: Elektrischer Votivkerzenständer, wird im Vatikan verkauft, Höhe 130 cm

Aus dem Verkaufsprospekt:

"Votivo ellettrico -- die elektrische Votivgabe. Das Aufflammen jeder einzelnen Kerze erfolgt durch den Einwurf von Münzen oder Notengeld in den dafür vorgesehenen Schlitz, der mit einer Fotozelle versehen ist (kein Knopfdrücken). Die Brenndauer der Birnchen kann zwischen 3 und 90 Minuten eingestellt werden; sie löschen dann automatisch aus. Eine einzelne Birne bleibt (zur Erinnerung) ständig an ... Stromverbrauch pro 24 h nur 80 Lire, wenn alle Lampen brennen. Unterhaltsfrei. Der Opferstock kann nur mit speziellem Schlüssel geöffnet werden. ... Das Aufflammen der Kerzen erfolgt mit Verzögerung, um dem Gläubigen zu erlauben, zu sehen, wie sie zu leuchten beginnen."

[Krank warum? : Vorstellungen der Völker, Heiler, Mediziner / hrsg. von Frank Beat Keller. -- Ostfildern : Cantz, ©1995. -- ISBN 3-89322-701-6. -- S. 56]


Amulette gegen den bösen Blick in islamischen Gebieten:

Abb.: "Hand der Fatima", Amulett zur Abwehr des bösen Blicks

Solche Dämonenabwehramulette sind in den verschiedensten Formen und Abstraktionsstufen als Anhänger, Broschen, Schlüsselanhänger, Wand"schmuck" usw. in der gesamten islamischen Welt weitverbreitet.


Diagnose durch Wahrsagen bei den Schona und Tswana im südlichen Afrika:

Abb.: Täfelchen aus Holz oder Elfenbein, wie sie bei den Schona und Tswana zur Wahrsagerei verwendet werden. Jedes Täfelchen hat eine Bedeutung. Die Diagnose ergibt sich aus der Lage der Täfelchen zueinander, wenn sie der Wahrsager auf den Boden wirft

[Quelle der Abb.: Mair, Lucy P.: Magie im Schwarzen Erdteil. -- München : Kindler, ©1969. -- S. 87]


8.2. "Moderne" medizinische Versorgung


In vielen Entwicklungsländern besteht ein relatives Überangebot hochqualifizierter und spezialisierter Ärzte in den Großstädten und ein großer Mangel an ausgebildetem Personal auf dem Lande.

Nach Schätzungen der WHO war 1993 weniger als die Hälfte der modernen medizinischen Ausstattung in Entwicklungsländern einsatzbereit, hauptsächlich wegen unzureichender Wartung bzw. inadäquaten Geräten (Krankenhausruinen, die einstmals Prestigeprojekte der Entwicklungshilfe waren). Bei der Beschaffung medizinischer Geräte ist unbedingt zu berücksichtigen:


8.3. Arzneimittelversorgung


Obwohl Entwicklungsländer oft mit Arzneimitteln unterversorgt sind, kommt oft ein schrecklicher Arzneimittelmissbrauch vor: bei jeder Erkältung werden Antibiotika verabreicht, Prostituierte nehmen Unmengen von Penicillin zur Vorbeugung gegen Geschlechtskrankheiten usw. Dies veranlasste zu folgender drastischen Darstellung in Where there is no doctor (S. 57):

"In seinem Bericht an die Weltgesundheitsversammlung 1975 verwies der damalige Generaldirektor der WHA, Dr. Halfdan Mahler, auf die hohen Kosten von Arzneimitteln und machte auf unethische und illegale Praktiken im Zusammenhang mit der Vermarktung von Arzneimitteln in Entwicklungsländern aufmerksam. Mit der Verabschiedung von Mahlers Bericht beschloss die Weltgesundheitsversammlung eine Politik, Mitgliedsstaaten dabei zu unterstützen, eine nationale Arzneimittelpolitik zu entwickeln mit besonderer Betonung der Auswahl unentbehrlicher Arzneimittel und der Versorgung mit Arzneimitteln zu einem vernünftigen Preis. Erster Schritt der neuen Politik war die Berufung eines Expertenkomitees, das eine Modellliste unentbehrlicher Arzneimittel ausarbeiten sollte. Die Veröffentlichung der Essential Drug List der WHO 1977 war der Beginn eines weltweiten Bemühens um eine Arzneimittelpolitik im Sinne von Primary Health Care." [Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern, 1997, S. 242]

Kriterien der WHO bei der Auswahl unentbehrlicher Arzneimittel:


Weiterführende Ressourcen zur Arzneimittelversorgung:


9. Gesundheitsprogramme


"Gesundheitsdienste sollen
  • gesundheitsfördernde
  • präventive,
  • kurative und
  • rehabilitierende

Maßnahmen umfassen, die an den Lebensbedürfnissen der Bevölkerung orientiert sind und die deren aktive Beteiligung fördern."

R. Korte und A. Schrettenbrunner in: Tropen- und Reisemedizin / hrsg. von Jürgen Knobloch ... -- Jena [u.a.] : Fischer, ©1996.  -- ISBN 3437310763. -- S. 580. --  {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Die Entwicklungszusammenarbeit kann negative Auswirkungen haben, die vermieden werden müssen. Beispiele hierfür sind die Schwächung einheimischer Träger durch die Entwicklung von Parallelstrukturen im Gesundheitswesen, die Lähmung einheimischer Initiativen, die Einführung nicht angepasster Medikamente, Geräte und Testsysteme, unethisches Vorgehen entgegen den entsprechenden Leitlinien der WHO bei Studien oder bei Festsetzung von Indikatoren für medizinische Maßnahmen und mögliche Umweltbelastung durch mangelhafte Entsorgung medizinischen Materials.

1978 entwickelte WHO und UNICEF gemeinsam in Alma Ata das Konzept von Primari Health Care (PHC) -- Primärer Gesundheitsversorgung, dessen wichtigste Elemente primärer Prävention sind:

Als Ziel wurde erklärt: Zugang zu angemessener gesundheitlicher Versorgung für alle bis zum Jahr 2000 ("Health for All"). Dieses Ziel wird eindeutig nicht erreicht.


10. Weiterführende Ressourcen


10.1. Yahoo Categories



10.2. Organisationen


WHO -- World Health Organization. -- URL: http://www.who.int/. -- Zugriff am 23.7.1999. -- [Sehr informativ. Mit WHO gekennzeichnete Abbildungen in diesem Kapitel stammen von dieser Site]

Medecins sans frontieres. -- URL: http://www.msf.org/. -- Zugriff am 23.7.1999. -- ["MSF is the world's largest independent medical aid agency and is committed to two objectives: providing medical aid wherever it is needed, regardless of race, religion, politics or sex and raising awareness of the plight of the people we help."]

Centrum für Reisemedizin. -- URL: http://www.crm.de/. -- Zugriff am 23.7.1999. --  ["Das Centrum für Reisemedizin ist ein privatwirtschaftlich geführtes Institut und widmet sich als Informations-Dienstleister allen Aspekten der Reise- und Tropenmedizin."]

Medizin-Forum : Fachgebiet Reise- und Tropenmedizin. -- URL: http://www.medizin-forum.de/php/frameset.php3?menue=Fachgebiete. -- Zugriff am 23.7.1999. -- [Links zu vor allem deutschsprachigen Ressourcen]

Fit for travel / Tropeninstitut der Universität München. -- URL: http://www.fit-for-travel.de/. -- Zugriff am 23.7.1999. -- [Ausgezeichnete aktuelle Informationen zu Tropenkrankheiten, Impfempfehlungen usw. in den einzelnen Ländern]


10.3. Online-Publikationen


The World Health Report .... – Geneva: World Health Organization. -- URL: http://www.who.int/home/reports.html. -- Zugriff am 23.7.1999

10.4. Ressourcen in Printform


Diesfeld, Hans Jochen: Gesundheitsproblematik der Dritten Welt. - Darmstadt: Wiss. Buchges., 1989.

Döring, Hartmut: Ärztlicher Ratgeber für den Aufenthalt in Entwicklungsländern. – Berlin : Reimer, 1993. -- ISBN 3496004347. --  {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Dossier: Seuchen. -- Heidelberg : Spektrum der Wissenschaft, ©1997. -- 122 S. : Ill. -- (Spektrum der Wissenschaft ; Dossier 3/97). -- ISSN 0047-7934

Forbes, Charles D. ; Jackson, William F.: Die Medizin im klinischen Bild : Atlas und Text.  -- Berlin : Ullstein Mosby, ©1993. -- 528 S. : Ill. -- ISBN 3861260298. -- [Enthält auch eindrucksvolle Fotografien zu den meisten tropenspezifischen Erkrankungen, sehr empfehlenswert!]

Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern : medizinisches Handeln aus bevölkerungsbezogener Perspektive / H. J. Diesfeld ... -- Berlin [.u.a.] : Springer, ©1997. -- 445 S. : Ill. -- ISBN 3540611568. --  {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Lexikon Dritte Welt / hrsg. Dieter Nohlen. -- Vollständig überarbeitete Neuausgabe. -- Reinbeck : Rowohlt, ©2000. -- (rororo ; 16527). -- 869 S. -- ISBN 3499606844. -- [sehr empfehlenswert]. --  {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Going international: Pflegende in der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe / Hackenbruch, Elgin (Hg.). – Wiesbaden: Ullstein Medical, 1998. -- ISBN 3861265575. --  {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Manson-Bahr, P. E. C. <1881 - 1966> ; Bell, D. R.: Manson's Tropical Deseases. -- 19. ed. -- London [u.a.] : Baillière Tindall, ©1987. -- 1157 S. : Ill. -- ISBN 0702011878. -- [Standardwerk seit 1898]

Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. – 258., neu bearb. Aufl. – Berlin: de Gruyter, 1998. -- ISBN 3110148242. --  {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Tropen- und Reisemedizin / hrsg. von Jürgen Knobloch ... -- Jena [u.a.] : Fischer, ©1996. -- 703 S. : Ill. -- ISBN 3437310763. -- [Gutes, verständlich geschriebenes Lehrbuch]. --  {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch bei amazon.de bestellen}

Werner, David ; Thuman, Carol ; Maxwell, Jane: Where there is no doctor : a village care handbook. -- Revised ed. -- London : Macmillan, 1993. -- 446 S. : Ill. -- ISBN 0333516516. -- [Hervorragendes Basic-Health-Buch, auch in Spanisch, Portugiesisch, Hindi, Arabisch, Bahasa Indonesia, Suaheli, Vietnamesisch, Italienisch und anderen Sprachen erhältlich]. -- {Dieses Buch und andere ähnliche sind erhältlich von: The Hesperian Foundation. -- URL: http://www.hesperian.org/. -- Zugriff am 2001-02-22}


Zu Kapitel 21: Grundprobleme: Wohnen