Materialien zur karnatischen Musik

Musikalische Formen

1. Abhyāsagāna = Übungsstücke


Kompiliert von Alois Payer

mailto:payer@payer.de 


Zitierweise | cite as:

Payer, Alois <1944 - >: Musikalische Formen. -- 1. Abhyāsagāna = Übungsstücke. -- (Materialien zur karnatischen Musik). -- Fassung vom 2009-05-12. -- URL: http://www.payer.de/karnatischemusik/karnatisch051.htm

Erstmals veröffentlicht: 2009-04-22

Überarbeitungen: 2009-05-112 [Ergänzungen] ; 2009-05-08 [Ergänzungen]; 2009-04-29 [Ergänzungen]; 2009-04-28 [Ergänzungen]; 2009-04-27 [Ergänzungen]

©opyright: Creative Commons Licence (by, no commercial use)

Dieser Text ist Teil der Abteilung Sanskrit von Tüpfli's Global Village Library


"At the present day, however, it is absolutely impossible for anyone to gather an accurate knowledge of the principles of Hindu music without the aid of learned natives, a practical acquaintance with the capabilities of their instruments, and without consulting the best living performers—things that few persons have opportunity or leisure to attempt."

Day, C. R. (Charles Russell) <1860-1900>: The music and musical instruments of southern India and the Deccan. -- London & New York : Novello, 1891. -- xvi, 173 S. : Ill. ; 25cm. -- S. 7


Vorbemerkungen


Bei allen Übertragungen von indischer Notation in westliche Notation habe ich willkürlich sa = c1 gesetzt. Da sa, ri usw. Tonstufen und keine festen Tonhöhen bezeichnen, sind die Transskriptionen je nach Stimmlage beliebig transponierbar.

Die elektronisch erstellten midi-Dateien sollen nur einen ersten Eindruck vom Melodieverlauf geben, sie können aber keinen rechten Eindruck von den Musikstücken geben. Dazu höre man Aufnahmen oder Konzerte von indischen Berufsmusikern.

Eine gute Quelle, kostenlos karnatische Musik zu hören ist z.B. http://www.kannadaaudio.com. -- Zugriff am 2009-04-29

Die Taktangaben bei den Transkriptionen dienen NUR dem einfacheren Zählen, geben aber keine direkte Entsprechung zu den Tāla wieder (die ersten (Teil-)Schläge im Tāla  sind durch Akzentzeichen gekennzeichnet).

Für die Notierungen gilt, was Bálint Sárosi zur Notierung von ungarischer Volksmusik sagt:

"In einer Melodie, die wir mit zwei bis drei verschiedenen Tönen notieren würden, kommt in Wirklichkeit ein Vielfaches dessen vor."

Sárosi, Bálint: Volksmusik : das ungarische Erbe. -- Budapest : Corvina, 1990. -- S. 31

 Allgemein gilt:

"Das Problem ist bekanntlich allgemeiner Natur: Zwischen Notenbild und zu realisierendem Klang klafft bei jeder Art von Musik eine Lücke, die durch eine je spezifische, kulturell tradierte Aufführungs- und Interpretationspraxis ausgefüllt wird. Das Umsetzungsproblem ist dabei um so gravierender, je historisch älter oder kulturgeographisch entfernter die jeweilige Musik ist."

Bernhard-Friedrich Schulze ; Ehrenhard Skiera: Guitarra flamenca. -- In: Flamenco : gitano-andaluz / hrsg. von Claus Schreiner. -- Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1985. -- (Fischer ; 2994). --  ISBN 3-596-22994-4. -- S. 143


0. Übersicht



1. अभ्यासगान  = Abhyāsagāna = Didaktische Stücke


Notierte Beispiele in didaktischer Abfolge sind leicht zugänglich in:


Abb.: Einbandtitel

Bhagyalekshmy, S.: Karnatic music reader. -- Nagercoil : CBH Publications. -- 25 cm.

Grundlegend für die Didaktik karnatischer Musik war Purandara-dāsa (ಪುರಂದರ ದಾಸ) (1484 - 1564), der "Vater der karnatischen Musik".


Abb.: Purandara-dāsa (ಪುರಂದರ ದಾಸ) (1484 - 1564)
[Bildquelle: Wikipedia. Public domain]

Von Purandara Dāsa stammen viele der Etuden (வரிசை = Variśai), die heute noch im Unterricht verwendet werden. Der Unterricht in karnatischer Musik beginnt mit der Anrufung von Gaṇeśa ಶ್ರೀಗಣನಾಥ = Śrī-gaṇanātha von Purandara Dāsa:

ಶ್ರೀಗಣನಾಥ ಸಿನ್ಧುರವರ್ಣ
ಕರುಣಾಸಾಗರ ಕರಿವದನ

ಲಮ್ಬೋದರ ಲಕುಮೀಕರ
ಅಮ್ಬಾಸುತ ಅಮರವಿನುತ
ಲಮ್ಬೋದರ ಲಕುಮೀಕರ

ಸಿದ್ಧಚಾರಣ ಗಣಸೇವಿತ
ಸಿದ್ಧಿವಿನಾಯಕ ತೇ ನಮೋ ನಮೋ

ಲಮ್ಬೋದರ ಲಕುಮೀಕರ
ಅಮ್ಬಾಸುತ ಅಮರವಿನುತ
ಲಮ್ಬೋದರ ಲಕುಮೀಕರ

ಸಕಲವಿದ್ಯಾದಿಪೂಜಿತ
ಸರ್ವೋತ್ತಮ ತೇ ನಮೋ ನಮೋ

ಲಮ್ಬೋದರ ಲಕುಮೀಕರ
ಅಮ್ಬಾಸುತ ಅಮರವಿನುತ
ಲಮ್ಬೋದರ ಲಕುಮೀಕರ

śrīgaṇanātha sindhuravarṇa
karuṇāsāgara karivadana

 

lambodara lakumīkara
ambāsuta amaravinuta
lambodara lakumīkara

siddhacāraṇa gaṇasevita
siddhivināyaka te namo namo

 

lambodara lakumīkara
ambāsuta amaravinuta
lambodara lakumīkara

 

sakalavidyādipūjita
sarvottama te namo namo

 

lambodara lakumīkara
ambāsuta amaravinuta
lambodara lakumīkara

 

Herrlicher Herr der Scharen Śivas, aus dem Stande der Elefanten, du Ozean des Mitleids, Elefantengesicht!

Du Hängebauch, Bereiter von Glück und Reichtum, Sohn der Muttergöttin, von den Unsterblichen Umjubelter, Hängebauch, Bereiter von Glück und Reichtum!

Himmlischer Sänger aus der Schuke der Vollendeten, von den Scharen Śivas Verehrter, Führer zu Vollendung, Verehrung sei Dir, Verehrung!

Du Hängebauch, Bereiter von Glück und Reichtum, Sohn der Muttergöttin, von den Unsterblichen Umjubelter, Hängebauch, Bereiter von Glück und Reichtum!

Du zu Beginn jeder Wissenschaft Verehrter, Höchster von allen,

Verehrung sei Dir, Verehrung!

Du Hängebauch, Bereiter von Glück und Reichtum, Sohn der Muttergöttin, von den Unsterblichen Umjubelter, Hängebauch, Bereiter von Glück und Reichtum!

 

ಶ್ರೀಗಣನಾಥ / श्रीगणनाथ / Śrīgaṇnātha von Purandaradāsa (ಪುರಂದರ ದಾಸ) (1484 - 1564)

Komponist und Dichter: Purandaradāsa (ಪುರಂದರ ದಾಸ) (1484 - 1564)

Rāga: Malahari janya-auḍava-ṣāḍava-upāṅga-krama zu Meḷa 15 Māyāmālavagauḷa

Tāla: Rūpaka: o |4


Abb.: Noten zu Śrī-gaṇanātha

Siehe das Video: http://www.youtube.com/watch?v=tG91JF-qKIY. -- Zugriff am 2009-03-05 

Karnatische Musik eignet sich auch sehr gut zum Einüben schwieriger Griffe auf modernen europäischen Holzblasinstrumenten. Deshalb schrieb der französische Kompinist Eugène Joseph Bozza (1905 - 1991) "Études sur des modes karnatiques" in Fassungen für Querflöte, Klarinette, Oboe, Fagott und andere. Diese Etüden beruhen auf 24 karnatischen Meḷa und 9 Tāla. Sie enthalten viele Aspekte der Grifftechnik, die bei den Tonleiterübungen in Dur und Moll nicht behandelt werden.


2. வரிசை = Variśai


வரிசை = Variśai = "Order, regularity", entspricht also etwa Gradus  (in Gradus ad parnassum).

Alle Übungen sind in:


2.1. சரளிவரிசை = Saraḷi variśai


சரளி (saraḷi) aus Sanskrit स्वरावलि (svarāvali = Tonreihe)

Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 1, S. 4 - 7

Die Töne des Meḷa werden in verschiedenen Kombinationen in madhyasthāyi (mittleres Tonregister) von sa bis ṡa in vier Tempi (von prathamakāla = 1. Tempo bis caturthakāla = 4. Tempo = 8 mal so schnell wie Tempo 1) gesungen.


Abb.: Beispiel von zwei
Saraḷi variśai

midi-Datei des Varisai


2.2. Janta variśai


Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 1, S. 7 - 11

Tonübung, bei der jeder Ton zweimal gesungen wird, in vier Tempi (von prathamakāla = 1. Tempo bis caturthakāla = 4. Tempo = 8 mal so schnell wie Tempo 1)


Abb.: Beispiel eines Janta-variśai in 4 Tempi

midi-Datei des Jantavarisai


2.3. Dattu variśai


Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 1, S. 11 - 13

Die Töne werden in unregelmäßiger Ordnung (zig-zag) gesungen.


Abb.: Beispiel eines Dattu variśai

midi-Datei des Dattuvarisai


2.4. Mandra-madhya-tāra-sthāyī-variśai


Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 1, S. 13 - 15

Übungen im tiefen (mandra), mittleren (madhya) und hohen (tāra) Stimmregister (sthāyī).


Abb.: Beispiel eines Tāra-sthāyī-variśai

midi-Datei des Tarasthayivarisai


3. अलंकारम् = அலங்காரம் = Alaṃkāram


Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 1, S. 16 - 31

Alaṃkāra sind Übungen (Etüden) zu Metrum und Rhythmus (siehe Tāla und Laya).

Hierher gehören Alaṃkāra zu den Sapta-tāla und den Sūlādi-/ Cūḷādi-Tāla /Jāti-tāla

Beispiel: Alaṃkāra zu dhruva-tāla caturaśra-jāti  (śrīkara) |4 O |4 |4 (4 + 2 + 4 + 4):


Abb.: Alaṃkāra zu dhruva-tāla caturaśra-jāti (
śrīkara) |4 O |4 |4

midi-Datei śrīkara

Beispiel: Alaṃkāra zu jhampa-tāla miśra-jāti (sura) |7   O  (7 + 1 + 2)


Abb.: Alaṃkāra zu jhampa-tāla miśra-jāti (
sura) |7 O

midi-Datei zu sura
 


4. गीतम् = கீதம் = Gītam


Gīta ("Lied") ist eine einfache musikalische Form mit frommem Text. Gīta hat keine Teilformen und erstreckt sich über zwei bis drei rhythisch-metrische Einheiten (तालावर्त =tāla-āvarta).

Man unterscheidet unter anderem:


4.1. लक्ष्यगीत = Lakṣyagīta


Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 1, S. 32 - 56

Ein Beispiel ist das zu Beginn dargestellte ಶ್ರೀಗಣನಾಥ / श्रीगणनाथ / Śrīgaṇanātha von Purandaradāsa (ಪುರಂದರ ದಾಸ) (1484 - 1564), Rāga Malahari, Rūpaka-Tāla (o |4):


Abb.: Transskription der Melodie von Śrīgaṇanātha (ausführlich siehe oben!)

midi-Datei der Melodie Śrī-gaṇanātha


4.2. लक्षणगीत = லக்ஷணகீதம் = Lakṣaṇagīta


Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 1, S. 56 - 63

Ein Lakṣaṇagīta stellt dar:

Es besteht aus drei Strophen:

In den Text (sāhitya) eingestreut kommen bedeutungslose Silben wie aya, iya u.ä. vor.

Beispiel: Māyāmālavagauḷa-lakṣaṇagīta

Rāga: Māyāmālavagauḷa (Meḷa 15)

Tāla: maṭya (|4 O |4)

Vorlage: Sambamoorthy, Bd. 3, S. 286ff.

1. Sūtrakhaṇḍa:


Abb.:
Māyāmālavagauḷa-lakṣaṇagīta, Sūtrakhaṇḍa

midi-Datei des Sūtrakhaṇḍa

Text des Sūtrakhaṇḍa
रविकोटितेज ।१। ravi-koṭi-teja [1]

गुणगणभटभाव ।२। guṇa-gaṇa-bhaṭa-bhāva [2]

महानु्भाव [३] mahānubhāva [3]

परिपालितपाण्डव [४] paripālita-pāṇḍava [4]

धावितसुरशात्रव [५] dhāvita-sura-śātrava [5]

नुतमृदुपदपल्लव [६] nuta-mṛdu-pada-pallava [6]

रे रे सरसकृप [७] re re sarasa-kṛpa [7]

भङ्गततचतुरङ्ग [८] bhaṅga-tata-caturaṅga [8]

शुभाङ्ग [९] śubhāṅga [9]

आरूढखगतुरंग [१०] ārūḍha-khaga-turaṃga [10]

Wie 10 Millionen Sonnen Strahlender, [1]

Herr über Scharen von Tugend als Knechte, [2]

Großmächtiger, [3]

durch den die Pāṇḍava behütet werden, [4]

der die Feinde der  Götter in die Flucht geschlagen hat, [5]

dessen sanfte Fuß-Zweige gepriesen werden, [6]

Hoch! Hoch! du, dessen Mitleid voll Liebe ist, [7]

dessen ausgedehntes Heer Vernichtung bringt, [8]

dessen Körper schön ist, [9]

der ein fliegendes Pferd bestiegen hat! [10]

2. Upāṅgakhaṇḍa


Abb.: Māyāmālavagauḷa-lakṣaṇagīta, Upāṅgakhaṇḍa

midi-Datei des Upaṅgakhaṇḍa

Text des Upāṅgakhaṇḍa
rāgāṅga Māyāmālavagauḷa [1/2]

upāṅga:

  • Sāraṅganāṭa
  • Chāyāgauḷa
  • Maṅgalakaiśiki
  • Megharañji
  • Mecabauli
  • Takka
  • Nādarāmākriya
  • Pādi
  • Revagupti
  • Kannaḍabaṅgāla
  • Gauḷa
  • Lalīta
  • Gujjari
  • Guṇḍākriya
  • Malahari
  • Bauḷi
  • Ārdradeśi

  • Devarañji

agni-go-cakra [15/16]

na ga [16]

śubhāṅga [17]

ārūḍha-khaga-turaṃga [18/19]

Rāga-glied: Māyāmālavagauḷa [1/2]

abgeleitete Rāgas ohne fremde Töne:

  • Sāraṅganāṭa
  • Chāyāgauḷa
  • Maṅgalakaiśiki
  • Megharañji
  • Mecabauli
  • Takka
  • Nādarāmākriya
  • Pādi
  • Revagupti
  • Kannaḍabaṅgāla
  • Gauḷa
  • Lalīta
  • Gujjari
  • Guṇḍākriya
  • Malahari
  • Bauḷi
  • Ārdradeśi

  • Devarañji

Der Rāga ist agni-go, d.h. der 3. Rāga (go) im 3. Rāgakreis (agni-cakra). [15/16]

na ga [= ni (n3) und ga (g3) sind jīva-svara, d.h. dem Rāga Leben gebende Töne] [16]

Du, dessen Körper schön ist, [17]

der ein fliegendes Pferd bestiegen hat! [18/19]

3. Bhāṣāṅgakhaṇḍa: gleiche Melodie wie Sūtrakhaṇḍa



Abb.: Māyāmālavagauḷa-lakṣaṇagīta, Bhāṣāṅgakhaṇḍa

midi-Datei des Bhāṣāṅgakhaṇḍa

Text des Bhāṣāṅgakhaṇḍa
bhāṣāṅga-rāga
  • Saurāṣṭra
  • Pūrivi
  • Gauḷipantu
  • Māruva
  • Sāveri
  • Mālava
  • Pañcama
  • Pūrṇapañcama
  • Mārgadeśi
  • Rāmakali
  • Parūju
  • Gauri

vasantarāga [8]

Abgeleitete Rāgas mit fremden Tönen:
  • Saurāṣṭra
  • Pūrivi
  • Gauḷipantu
  • Māruva
  • Sāveri
  • Mālava
  • Pañcama
  • Pūrṇapañcama
  • Mārgadeśi
  • Rāmakali
  • Parūju
  • Gauri

Es ist ein Rāga für den Frühling. [8]

Du, dessen Körper schön ist, [9]

der ein fliegendes Pferd bestiegen hat! [10]


5. Jatisvaram


Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 1, S. 68 - 78

Jatisvaram ist eine Übungsform vor allem im Tanz, besonders Bhāratanāṭyam (பரதநாட்டியம). Text sind nur die sarigama-Silben.

Beispiel: Jatisvaram

Rāga: Mecakalyāṇi (65. Meḷa)

Tāla: Tripuṭa |3 O O (3 + 2 + 2)

Vorlage: Bhagyalekshmy, S. 69



Abb.: Tonmaterial von Mecakalyāṇī

1. Pallavi (பல்லவி) :


Abb.: Jatisvara, Pallavi

midi-Datei des Pallavi

2. Caraṇa = சரணம் :


Abb.: Jatisvara, Caraṇa 1 - 3

midi-Datei der 3 Caraṇas


6. Svarajati


Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 1, S. 79 - 84

Im Unterschied zu Jatisvara haben Svarajati einen sinnvollen Text (sāhitya). Viele Svarajati sind Jatisvara, denen ein Text (sāhitya) untergelegt wurde.

Der normale Aufbau (krama) eines Svarajati ist:

Pallavi (பல்லவி) - Anupallavi (அணுபல்லவி) - mehrere Caraṇa (சரணம்)

Die heutige Form des Svarajati geht auf Śyāma Śāstri (சியாமா சாஸ்திரிகள்,श्याम शास्त्रि,శ్యామ శాస్త్రి )  (1762-1827) zurück.

Svarajati werden im Tanz ausgiebig verwendet; dabei liegt dann die Betonung auf Rhythmus und Metrum.

Beispiel:

Tāla: ādi |4 O O (4 + 2 + 2)

Rāga: Senjuruṭṭi (Jañjhūṭi, Jhinjōṭi): janya-saṃpūrṇa-saṃpūrṇa-upāṅga-vakra zu Meḷa 28: Harikāmbhojī


Abb.: Tonmaterial von Harikāmbhojī


Abb.: Tonleiter von Rāga Senjuruṭṭi (Jañjhūṭi, Jhinjōṭi)

Komponist: Walajapet Krishnaswamy Bhagavatar (வாலாஜாபேட்டை கிருஷ்ணசுவாமி பாகவதர்) (19. Jhdt.) 

Vorlage: Sambamoorthy, Bd. 2, S. 95ff.

1. Pallavi = பல்லவி :


Abb.: Svarajati, Pallavi

midi-Datei Pallavi ohne Verzierungen

 

Text des Pallavi
பல்லவி

மாநாயகா நீதூபாதமுல் ஸதா நம்மிதி || 

Pallavi

Mānāyakā nītūpātamul sadā nammiti

Anm.: Der Text von Pallavi und Caraṇas erscheint manchmal etwas fehlerhaft, ich habe ihn - mangels einer zuverlässigen Edition - aber nicht verbessert.

2. Caraṇa = சரணம் :


Abb.: Svarajati, Caraṇa 1 - 4

 

midi-Datei der Caraṇa ohne Verzierungen

Text der Caraṇa's
1. மாரஜனக உமாவர வினுத || 1. mārajanaka umāvara-vinuta
2. மகஹச சாப பஞ்ஜன - முனீந்த்ரஹரூண்   மண்டன || 2. mahesa cāpa pañjana - munīndrahruṇ mandana  
3. மாவர மொரவின பஹூசலமா ஙாலா வர ந நு ம ரு வ கு

மா பதமுலபை படிதிஸுமா வர முலிம்மா குலதனமா ॥
 

3. māvara moravina bahucalamā  nālā vara na nu ma ru va ku

mā patamulapai paṭitisumā vara mulimmā kulatanamā 

4. மாரமன வி நு ணு மா மணவி கொனுமா நனுமனுபு மா போகடதர

மா அபிமானமு மானக மா ரஸமான ருசிர ஸுகுமார ஸுர வினுத
 

4. māramaṇa vi ṇu mā maṇavi koṇumā naṇumaṇupu mā  pokaṭatara 

mā apimāṇamu mānaka mā rasamāṇa rucira sukumāra sura viṇuta  


7. वर्णम् = வர்ணம் = Varṇam


Varṇa sind die schwierigsten Übungsstücke. Sie sind gleichzeitig Konzertstücke. Ein Varṇa sind durchkomponierte Stücke (ohne Notwendigkeit der Improvisation), die das volle Wesen eines Rāga ausdrücken. Varṇa sind sowohl Übungs- als auch Konzertstücke, sie sind das Bindeglied zwischen beiden Gattungen.

Ein Varṇa besteht aus zwei gleichlangen Teilen:

  1. pūrvāṅga (1. Teil), bestehend aus Pallavi, Anupallavi, Ciṭṭasvaram/Muktāyisvara
  2. uttarāṅga (2. Teil), bestehend aus Caraṇa und 4 bis 6 Caraṇasvara

Die Abfolge ist:

Pallavi - Anupallavi - Ciṭṭasvara - Pallavi - Caraṇa - Caraṇasvara

 (der Text - sāhitya) jedes Caraṇa wird nach jedem Caraṇasvara wiederholt.

Man unterscheidet:

(siehe bei den einzelnen Formen).


7.1. तानवर्ण = Tānavarṇa


Beispiele in ādi-tāla: Bhagyalekshmy, S., Part 2, S. 1 - 56

Beispiele in āṭa-tāla: Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 2, S. 57 - 85

Tānavarṇa sind relativ einfache Musikstücke, die gerne in Konzerten aufgeführt werden.

Beispiel eines Tānavarṇa: taruṇi niṇṇu

Tāla: ādi |4 O O (4 + 2 + 2)

Rāga: Kāmbhoji: janya-ṣāḍava-saṃpūrṇa-upāṅga-krama zu Meḷa 28 Harikāmbhojī)


Abb.: Tonmaterial von Harikāmbhojī


Abb.: Tonleiter von Kāmbhoji

Komponist: Mutialpet Ponnusvāmi (= Fiddle Ponnusvāmi) (spätes 19. Jhdt.)

Vorlage: Sambamoorthy, Bd. 3, S. 296 - 298

Text (sāhitya)
பல்லவி :

தருணி நின்னுபாஸி - தாளலேதுரா

Pallavi:

taruṇi niṇṇupāsi - tālaleturā  

அணுபல்லவி :

தரஸோ வேலஸின ஸ்ரீ - தியாகேச ஜகதீச

Anupallavi:

taraso velasiṉa śrī - tiyākeca - jakatīca 

சரணம் :

ஸரஸழு ராரா

Caraṇa:

sarasaḻu rārā

Mangels einer kritischen Ausgabe musste der Text so wiedergegeben werden wie in Sambamoorthy.

Abfolge der Aufführung dieses Stücks:

Pallavi - Anupallavi - Muktāyisvara - Wiederholung des ersten āvarta ("Takt") des Pallavi - Caraṇa - Eṟṟukkaṭa-svara 1 - Caraṇa - Eṟṟukkaṭa-svara 2 - Caraṇa - Eṟṟukkaṭa-svara 3 - Caraṇa - Eṟṟukkaṭa-svara 4 - Caraṇa - Eṟṟukkaṭa-svara 5 - Caraṇa - Tonfigur vom Anfang des Caraṇa 

 

1. Pallavi


Abb.: Varna taruṇi niṇṇu, Pallavi

midi-Datei des Pallavi ohne Verzierung

2. Anupallavi


Abb.: Varna taruṇi niṇṇu, Anupallavi

midi-Datei des Anupallavi

3. Muktāyisvara


 

Abb.: Varna taruṇi niṇṇu, Muktāyisvara

midi-Datei von Muktāyisvara

4. Caraṇa


Abb.: Varna taruṇi niṇṇu, Caraṇa

midi-Datei des Caraṇa

5. Eṟṟukkaṭa-svara = ஏற்றுக்க்டஸ்வரம்: Passage in der nur die Namen der Tonstufen als Text dienen (können im Konzert als Grundlage einer Improvisation dienen)


Abb.: Varna taruṇi niṇṇu, Eṟṟukkaṭa-svara

midi-Datei von Errukata 1- 5 ohne Verzierungen

 


7.2. पदवरण = Padavarṇa


Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 2, S. 86 - 103

Padavarṇa ist eine musikalische Form, die sehr gut für Tanz geeignet ist.  Die Teile (aṅga) eines Padavarṇa sind

Pallavi - Anupallavi - Ciṭṭasvara - Caraṇasvara

Abfolge der Aufführung eines Stücks ist wie beim Tānavarṇa. Im Unterschied zum Tānavarṇa hat beim Padavarṇa jedes Glied einen sinnvollen Text (sāhitya). Das Thema ist eine Story, meist über Liebhaber - Geliebte (Nāyaka - Nāyikā) als Abbild der Gottesliebe (bhakti). Eine Aufführung eines Padavarṇa dauert mindestens 20 bis 45 Minuten.

Beispiel: calamēla jēsēvayya

Tāla: ādi

Rāga: Naṭṭakuriñji: janya-auḍava-ṣāḍava-bhāṣāṅga-vakra zu Meḷa 28: Harikāmbhojī


Abb.: Tonmaterial von Harikāmbhojī


Abb.: Tonleiter von Naṭṭakuruñji

midi-Datei zu Naṭṭakuruñji

Komponist (vaggeyakāra): Kuppuswamy Iyer (Kuppusvāmi Ayyar) (?) (18./19. Jahdt)

Vorlage: Bhagyalekshmy, Heft 2, S. 87 - 90

Text (sāhitya)
Pallavi:

calamēla jēsēvayya cakkani mā raṅgayya

 
Anupallavi:
kalakālamu nī pādamulē gatiyani nammi yuṃḍaga
Ciṭṭasvara:

karimoralidavini uramuna vedali
makarinnidunimikari varaduda
birudu dharanu velasi surulu pogadakatigina
patitapāvanuda nāmanavo konu

Caraṇa:

nannu brōva nīku bhāramā

Caraṇasāhitya:

1.

ide bāgani yūra kanu nannu
nīve nītacerana

2.

nīdu smarana gāka vere yerugānu
nīraja nayanādanuja mada harana

3.

antadamulaku nādi padivāniminta
moralidaga vini vinakayundaga
sariyaguna mandanajanakundā
varamosagu nanu dinamu

4.

ā draupatiki valu vasabhālo dora
karuna yosagina mahādayāgala
ninnupogadanu nātaramaguna siri velayu
rangapurini yelina padinākola
rangani komarundu telisinu madi telupa
valaduvala saranu caranu murahari

Mangels einer Textausgabe in Tamil, musste auf eine korrekte Transliteration und Übersetzung verzichtet werden.

1. Pallavi


Abb.:  calamēla jēsēvayya, Pallavi

midi-Datei des Pallavi

2. Anupallavi


Abb.:  calamēla jēsēvayya, Anupallavi

midi-Datei des Anupallavi

3. Ciṭṭasvara:

Abb.:  calamēla jēsēvayya, Ciṭṭasvara

midi-Datei des Cittasvara

4. Caraṇa:


 

Abb.:  calamēla jēsēvayya, Caraṇa

midi-Datei des Carana

5. Carana-sāhitya

Nach jedem der vier Caraṇasāhitya wird Caraṇa wiederholt.


 

Abb.:  calamēla jēsēvayya, Caraṇasāhitya

midi-Datei von Sahitya 1-4


7.3. Daru-varṇa


Beispiele: Bhagyalekshmy, S., Part 4, S. 1 - 8

Auch Jativarṇa genannt. Eine Mischform aus Tānavarṇa und Padavarṇa. Kombinatorische und permutative Übungsstücke.

Von Harikēsanallūr Muttiah Bhāgavatar  (1877 - 1945) eingeführt.


Abb.: Harikēsanallūr Muttiah Bhāgavatar
[Bildquelle: Wikiepdia. Public domain]


Zu Musikalische Formen 2: Religiös-funktionale Musik und Tanz